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Wanderung Refugio Frey

Viele Wege führen zum Refugio Frey. Wir wählten den Weg vom Cerro Caterdral über den Grat zum Refugio und danach auf dem normalen Weg wieder runter. 20km – 8 Stunden (inkl. Pausen). Ich hatte schon einige Tage vor der Wanderung etwas Bammel, zumal uns in der Alpinauskunft gesagt wurde, dass dieser Weg etwas schwieriger sei und nur gemacht werden darf wenn es nicht windet und es immerhin die erste Wanderung in den Anden war und man nicht weiss, ob einem hier eine REGA suchen und retten kommt. Bei der online Registrierung musste ich dann auch noch unsere Bergerfahrung von «etwas» auf «einiges» anpassen, damit ich den Trek überhaupt registrieren konnte… Proviant für Sandwich wurde im Supermarkt beschafft und wir hatten alles dabei um notfalls im Refugio übernachten zu können. 

 

Der Weg führte uns per Seilbahn und Sessellift an die Spitze des Berges. Dort war die Wanderung nochmals aufgeführt und mit einem Schwierigkeitsgrad «schwer» gekennzeichnet… Uff… Na dann mal los. Und der Start der "Wanderung" hatte es sogleich in sich. Nach einem 20 minütigen steilen Aufstieg (es ähnelte mehr einem Kieshaufen als einem Weg) fanden wir uns auf dem Grat wieder – die Aussicht belohnte aber bereits den Aufstieg. Spektakulär. Die Gratwanderung hingegen glich mehr einer Kletterpartie als einer Wanderung. Nach den ersten 20 Minuten war ich nicht sicher ob wir vielleicht nicht besser umdrehen sollten. Um uns waren nur Steine und Felsen und rechts ging es steil hinunter. In unregelmässigen Abständen waren an Felsen und Steinen, braun/orange, faustgrosse Punkte aufgesprayt, welche als Wegweiser dienten. Die Farbe war ein wenig unglücklich gewählt und die Punkte nicht so einfach zu finden (jedenfalls nicht für Beni. Joli sagt wie so oft: mach die Augen auf!). 

 

Dieser Weg verlangt Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und eine gesunde Portion Abenteuerlust. Die ersten beiden fehlen mir leider komplett aber ich konnte es mit der Abenteuerlust irgendwie wettmachen. Beni ist wohl in seinem frühere Leben ein Steinbock gewesen (und ist es manchmal heute noch) und hüpft von Stein zu Stein. Als wir nach 1.5 Stunden zum ersten Wegweiser kamen (ein grösserer Fels mit einem grösseren orangen Punkt, dem Namen und einer Zeitangabe) wussten wir das wir rechtzeitig für den Abstieg ankommen – wir waren voll in der Zeit obwohl wir eigentlich nie aufrecht laufen konnten sondern mehr auf allen vieren rumklettern mussten.  

 

Wir kämpften uns weiter am steilen Abgrund über Felsformationen dem Berg entlang in der Hoffnung den Weg nicht zu verlieren – aber es war ja keiner da. Zu unserem Erstaunen sind wir aber trotz Pause etwas schneller als angegeben am Refugio Frey angekommen (so schlecht sind unsere Wandererfahrungen wohl doch nicht). Das Refugio ist eine kleine Berghütte an einem wunderschönen See gelegen zu welchem wir (wie könnte es auch anders sein) runterklettern mussten. Hier gabs (wie könnte auch das anders sein) ein lecker Bierchen für Beni und einen kleinen Snack für Joli (es war ja schliesslich Essenszeit). Gestärkt machten wir uns auf den rund 4 stündigen Abstieg zur Talstation. Wirklich runter ging es nur in der ersten Stunde, weshalb der Abstieg zeitlich auch nicht kürzer war als der Aufstieg über diese Strecke. Der Rest ging gerade aus, alles an einem See entlang, welcher nie enden wollte. Beni verlor die restliche Wanderlust, als am Wegweiser nach 2 Stunden immer noch 1h50min stand und schaltete den Turbo ein. Er sei jetzt ein SBB Schnellzug sagte er – und weg war er. Ich als kleiner Bummler schnaufend hinterher.

 

Die letzten zwei Stunden waren wir dann mehr am Walken als am Wandern, die Stöcke klapperten nur so über die Steine und ich wurde nur etwas langsamer, wenn wieder einmal diese nicht vertrauenserweckenden Brücken aus morschen Baumstämmen meinen Weg versperrten. Um 18:00 kamen wir genau nach den 8 Stunden (allerdings inkl. 3 Pausen) wieder am Parkplatz an. Plötzlich konnte ich mich kaum mehr bewegen, die Muskeln streikten – der Muskelkater am nächsten Tag blieb aber komischerweise aus - umso besser.

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Kommentare: 1
  • #1

    Mummy (Freitag, 23 Februar 2018 16:21)

    Wunderschön! Aber das tönt rächt nach Abentüür. U das aues ohni Muskukater :-) offebar siter scho guet trainiert - u nid nume im „ Bierchen“ trinke. Glg Mummy