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Tierra del Fuego

Ein weiteres Highlight ist der Nationalpark Tierra del Fuego, welchen wir an einem Tag rauf und runter gelaufen sind. Hier gibt es haufenweise Wald, Wasser, und Berge, für welche man Eintritt bezahlt. Ebenfalls für gutes Geld gibt es einen Busservice der 3x pro Tag in den Park und wieder Retour fährt. Die eigentliche Attraktion ist aber die südlichste Post der Welt. Hier gibt es für vergleichsweise wenig Geld einen Stempel der Poststelle in den Reisepass. Diesen Service, wie auch das Versenden von Postkarten, wird vom Massentourismus sehr rege genutzt. Der ältere Mann, der diese Poststelle seit zig Jahren alleine betreibt, kann einem obwohl er einen sehr lockeren Eindruck macht, wegen den vielen Touristen schon fast leidtun. Unsere Tageswanderung war geprägt von Wald und Bäumen. Meine Einstellung zu ausgedehnten Waldspaziergängen ist ja bereits bestens bekannt. Joli war unterwegs, frisch und froh wie eh und jeh, bei mir wars eher oh jeh mine. Doch ich wusste mir diesmal zu helfen, ich begann aus dem Wald einen Vitaparcours zu machen. Ich nutzte alles was die Natur mir zu bieten hatte, um an meiner Fitness zu arbeiten und auch unsere Rucksäcke mussten hinhalten. Von Klimmzügen an Bäumen (es gab ja mehr als genug) über Liegestützen am Boden war alles dabei während rund 2 Stunden. Am nächsten Tag gab’s zur Belohnung sogar ein bisschen Muskelkater.

 

Beni’s Lieblingswörter: Massen – und Ökotourismus! Naja wir werden wohl doch noch den Machu Picchu besuchen müssen, damit er eine reale Vorstellung von Massentourismus bekommt. Klar Argentinien hat verhältnismässig viele Touristen, vor allem Patagonien – dazu kommt, dass wir halt auch noch grösstenteils selber als Touristen unterwegs sind – aber wir arbeiten daran. Eines unserer vielen Gespräche dreht sich oft um den Unterschied zwischen Touristen (Beni) und Reisenden (Joli). Mein Lieblingszitat (von G. K. Chesterton) dazu ist folgendes: «The traveler sees what he sees. The tourist sees what he has come to see.»

 

Für mich war entsprechend nicht das Post Büro die eigentliche Attraktion sondern gerade der Wald. Dieser Wald hat etwas magisches. Die krummen, in alle Richtungen wachsenden Bäume, das Moos, hier «Bart des Alten» genannt, welches überall runterhängt und dem ganzen etwas mystisches verleiht. Man kann sich geradezu vorstellen, dass plötzlich aus diesem Wald ein Ritter auf seinem weissen Ross gepirscht kommt oder Elfen und Kobolde um die Ecke schauen und sich schnell verstecken wenn wir vorbei laufen. Die Geräusche in die der Wind verursacht, wenn er durch die Bäume streicht, lassen einem alles Mögliche hören. Flüsternde Stimmen, knatternde Gartentore, quietschende Türen oder knarrende Treppenstufen – die Bäume machen die merkwürdigsten und doch sehr vertraute Geräusche, wenn sie sich im Wind wiegen. Die krummen Bäume gleichen alten, bärtigen Männern, hinter jedem knorrigem Baum scheint sich etwas zu verbergen und sicherlich gibt es Höhlen wo sich Drachen verstecken – irgendwo muss der Name Feuerland ja herkommen. Man kommt sich vor wie in einem Zauberwald. Aber bloss keine falschen Gedanken aufkommen lassen, denn der Wald kann genauso schnell unheimlich und gruselig werden wie er schön und magisch wirkt!

 

Bei meinem Versuch, all diese Dinge an Beni weiterzugeben, damit seine Motivation für den Wald etwas steigt, sagte er nur: «Was hast du denn geraucht? Hier haben sie wohl keine Förster die den Wald etwas aufräumen!? Alles liegt kreuz und quer rum.»

 

Also meine blühende Fantasie und Liebe zum Chaos gepaart mit Beni’s konsequenter Logik und seiner Liebe zur Ordnung ist eine gute Kombination um die Dinge zweierlei zu betrachten. Zudem ist es sehr unterhaltsam und manchmal echt zum Lachen und die Gesprächsthemen gehen uns so auch nicht aus. 

 

Der Name Feuerland entstand übrigens (offiziell) nicht aufgrund von Drachen sondern, durch Fernando Magellan, der mit seinen Schiffen den labyrinthartigen Kanal passierte und an der Ufern immer wieder die Feuer der Indianer sah und das Land entsprechend Feuerland taufte.

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