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Navimag

Mit der Fähre 300 Seemeilen in den Süden. Was bei uns bedeutet «ab in die Sonne», geht es hier in die Kälte. Abends um 11 Uhr fanden wir uns am Busbahnhof in Puerto Montt ein. Das Gepäck musste man selber verladen und kontrolliert ob wirklich alle an den Hafen müssen hat niemand. Mit dem Bus gings bei strömenden Regen zum Hafen und aufs Schiff. Der Ablauf beim Betreten des Schiffs war ein wenig chaotisch, es war kalt, alle standen im Regen und für 10 Minuten wusste keiner so richtig wie, wo, was. Diese Situation versetzte Beni`s Logistiker Blut sogleich in Wallungen und er meinte: «Eine logistische Katastrophe!». Wir hatten für uns zu zweit eine 4er Kabine ohne Fenster mit externem privaten Bad gebucht, was ungefähr der Mittelklasse entsprach. Die billigsten Betten befanden sich in den Gängen, nur mit Vorhängen abgegrenzt, also definitiv nichts für Beni. Beni’s erhöhter Blutdruck senkte sich aber wieder etwas, als uns der Chef de Cabine kurzerhand ein doppeltes Zimmer Upgrade schenkte. Entweder war es unser vieles Gepäck oder Joli`s Smile, welches ihn dazu bewegte. Beni’s Gesichtsausdruck konnte es ja nicht sein, der war ja noch ein bisschen streng und genervt ab der schlechten Organisation. Nun denn, die Luxusklasse auf diesem etwa 40 jährigen Schiff entsprach in etwa einem 2 Sterne Hotel. Immerhin hatten wir nun Bad und Dusche im eigenen 2er Zimmer mit Bullseye. Noch ziemlich aufgedreht krochen wir um halb 2 morgens in die Kajüten, wobei Beni immer wieder sagte: «Nein, hier bin ich nicht zu Hause, nein!».

 

Am nächsten Tag standen 3 Mahlzeiten sowie der mögliche, angekündigte Besuch auf der Kommandobrücke an. Relativ unspektakulär präsentierte sich dieser Raum. Uralte Geräte überall, ein grosses Panoramafenster und ein alter muddriger Stuhl, welcher quasi als Hochsitz fungiert. Als wir dann aber die zwei Telefonhörer mit den Aufschriften; "Whales" und "Dolphins" sahen, waren wir doch leicht irritiert. Wir fragten beim Kapitän nach ob die denn dazu da sind um die Passagiere über allfällige Sichtungen zu Informieren. Dieser musste zuerst laut lachen und erklärte uns dann, dass ein früherer Kapitän von den Passagieren immer wieder gefragt wurde, wann es denn die Wale und Delfine zu sehen gibt. Leicht entnervt hat dieser dann, als Scherz die Telefone so beschriftet, dass er die gewünschten Tiere für die Passagiere von der Brücke aus jederzeit anrufen kann.

 

Nach höflichem Nachfragen und aufgrund Beni’s grossem Interesse, bekamen wir anschliessend sogar eine private Führung durch den Maschinenraum. Wahnsinn der Lärm und all die vielen Räder, Knöpfe und Anzeigen hier. Im 2 Mann-Schichtbetrieb wird hier rund um die Uhr alles überwacht. Und ja die Arbeiter kennen hier alle Knöpfe und Räder und deren Funktion. Die Sicherheitsvorschriften nehmen sie aber nicht so genau. An der Tür des Maschineraums waren grosse Bilder von einem Helm, Stahlkappenschuhen und Kopfhörern mit der Aufschrift «obligatorisch» angebracht - entsprechend waren wir sicher, dass wir da nicht rein durften – das schien dem Ingenieur völlig egal zu sein, er zeigte uns auch dort alles, wobei man nicht sehr viel davon verstand was er erklärte aufgrund des Megalärms.

 

Den Nachmittag verbrachten wir grösstenteils mit gemütlichem Nichts-Tun und Lesen auf dem Aussendeck immer wieder auf der Suche nach einem etwas windgeschützten Sonnenplätzchen. 

 

Die Mahlzeiten waren auch völlig ok. Joli bekam immer doppelt Salat, da sie glutenfrei bestellt hatte. Salat zu Vorspeise und Salat und Fleisch zur Hauptspeise. Und das obwohl es beim ersten Essen Reis gab und beim zweiten Essen Kartoffelstock. Ok beim Kartoffelstock hat es vielleicht so etwas wie Mehl oder so drin aber beim Reis?! Das Rätsel war schnell geklärt – sie haben das Reis mit geschnittenen Spaghetti gemischt – wer macht den sowas?!?!

 

Alles in allem war es aber eine sehr angenehme Fahrt und so genossen wir bei schönem Wetter (nachdem es am Nachmittag kurz regnete) auch noch den Sonnenuntergang in vollen Zügen.

 

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