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Capillas de Marmol

Wir haben uns für 3 Tage in Coyhaique in einem Airbnb stationiert. Auch bei diesen Unterkünften greift man ab und zu «id Schiissi». Wir wohnen in einem Haus mit mehreren kleinen Zimmer, welche von der Besitzerin alle vermietet werden. Da die Südamerikaner einen anderen Tagesrhythmus pflegen als wir es uns gewohnt sind, raubt uns dieser Umstand nicht zum ersten Mal den Schlaf. Sie stehen spät auf und essen erst zwischen 21-23 Uhr ihr Abendessen – wenn sie früh dran sind. Wir verbringen den ersten Tag gemütlich in der Stadt um zu planen und nutzen die super Internetverbindung im Haus um Fotos hochzuladen.

 

Wir haben hier eine Tour zu den Marmorhöhlen gebucht, Abholzeit morgens um 07:00. Aber noch um 01:00 herrscht heiteres Gelächter in der Küche direkt vor unserer Zimmertür. Dank Oropax liegt aber zum Glück doch noch ein bisschen Schlaf drin. Am nächsten Morgen steht die Fahrt zu den Höhlen an und wir werden schon mit 40 Minuten Verspätung abgeholt. Dann sitzen wir 4 Stunden (3 davon auf Sch(l)otterpiste) wie Vieh eingepfercht, mit 12 Leuten, in einem Minibus, was für ein Spass. Schon nach kurzer Fahrt, schmerzen die Knie vom ständigen schlagen gegen den Vordersitz und der Rücken macht sich auch schon bemerkbar. Wir sitzen noch keine 20 Minuten im Auto, als Beni meint: «Nächstes Mal nehmen wir wieder 50 Franken mehr in die Hände und mieten uns ein Auto.». Die Fahrt dauert unter anderem auch so lange, weil wir mehrere einspurige Baustellen passieren müssen. An sich nichts ungewöhnliches, wenn man denn nicht an jeder Baustelle 10-30 Minuten warten müsste. Eigentlich sind auf dem Weg noch Fotostopps eingeplant aber das interessiert hier keinen – das ist eigentlich der Unterschied zum normalen ÖV - Bus, welcher günstiger gewesen wäre. Ein paar Fotostopps um den Weg angenehmer zu machen und etwas mehr Komfort im Bus – das war wohl ein Griff in die Kloschüssel und den Aufpreis nicht wert.

 

Der Tag wird mit der Ankunft um 12:30 am Hafen nicht besser. Der Hafen wurde vor 15 Minuten wegen des Wind geschlossen. Das letzte Boot, wahrscheinlich ursprünglich unseres (wären wir pünktlich gewesen), fuhr um 12 ab. Unser Reiseguide und Fahrer, ist gefahren wie ein Irrer, gibt nach der Ankunft keine Infos durch und geht uns je länger der Tag, je mehr auf die Nerven.

Hafen geschlossen – also Planänderung – dann gibt es halt zuerst das Mittagessen, welches zwar nicht schlecht schmeckt aber leider kalt ist.

  

Dann nach einigem Nachfragen bei unserem Fahrer, welcher die Zeit nutzt das Auto zu reparieren, heisst es, dass um 14:00 Uhr unser Boot fährt, was sich aber als falsch herausstellt. Nochmals nachfragen: «Ya mismo abre el puerto.» - «Gleich öffnet der Hafen.» Wie wir «ya mismo» hassen, dass kann zwischen 30 Sekunden und 5 Stunden einfach alles bedeuten in Südamerika. Unseren Guide interessiert das alles wenig, er murmelte immer nur unverständlich vor sich hin und schläft auch mittlerweile seelenruhig im Minibus. Wir sprechen dann schliesslich mit einem Tourenanbieter vor Ort: der Hafen ist von der Marine noch immer nicht freigegeben, aber sobald die kleine Chile Flagge runtergenommen wird ist er wieder offen, dass kann aber bis 17:00 dauern, da der Wind gemäss Wetterbericht erst dann wieder nachlässt. Das ist zwar nicht das was wir hören wollten aber doch immerhin eine Antwort mit der man was anfangen kann. Wir setzen uns ins Café gegenüber des Fahnenmasts und warten einige Stunden… 

 

 

Es ist 17:00 als draussen vor dem Restaurant plötzlich Hektik ausbricht, ein Blick zum Mast sagt uns: die Flagge ist unten, der Hafen ist offen. Auf einmal geht alles sehr schnell, unser Guide wartet bereits (mind. 30 Sekunden) extrem ungeduldig vor dem Tourenanbieter auf uns und gibt uns zu verstehen, dass wir uns gefälligst beeilen sollen, was einmal mehr dazu führte das wir ihm am liebsten eine geknallt hätten (wer hat denn jetzt fast 5 Stunden ohne Info hier gewartet?!? Er oder wir?!) und nach gefühlten 5 Minuten sitzen wir in einer der 10 Nussschalen mit jeweils 8 Personen. Ausgerüstet mit Schwimmwesten, Ponchos und Seefahrer Regenjacken, fährt unser kleines Motorbötchen mit uns raus auf den riesigen See. Es ist zwar nur ein See, dieser wartet aber aufgrund des Windes mit ziemlich grossen Wellen auf uns und bringt unsere Nussschale ziemlich ins Schwanken. Das dürfte dann auf dem Rückweg gegen die Wellen noch lustig werden, bemerkt Beni mit einem verschmitzten Lächeln.

 

Dann endlich, nachdem wir einen ruhigeren Nebenarm des Sees erreicht haben, ist es soweit, wir nähern uns der Küste und Inseln mit den sagenumwobenen Marmorhöhlen. Wir tauchen ein in eine andere Welt. Wir zücken die Kameras um diese Momente festzuhalten. Die Höhlen präsentieren sich in allen möglichen Blautönen. Etwa 1 Stunde werden wir in und um die Marmorhöhlen geführt. Das Wetter und somit auch das Licht sind leider nicht optimal, die Farben der Höhlen und des Wassers sind aber trotzdem atemberaubend. Im Gleichtakt riegeln wir an unseren Kameras die verschiedensten Einstellungen durch um die besten Fotos zu kriegen. Mit grinsenden Gesichter werden wir bis zu 3-4 Meter in die Höhlen reingeführt, die Boote ecken überall an, denn die Höhlen sind nicht so gross und tief wie sie auf den Fotos wirken. Einzelne sind jedoch vom Wasser bereits soweit geformt, dass die kleinen Boote durchfahren können.

 

Immer noch fasziniert von den Eindrücken, werden wir vom Fahrer mit noch mehr Ponchos eingedeckt und von oben bis unten eingepackt – wir ahnen Böses – oder besser gesagt: Nasses! Wasserdicht eingepackt geht es wieder zurück zum Hafen. Beni hat Recht behalten, als wir vom ruhigen Nebenarm wieder in den See einbiegen, sieht man schon an den schaukelnden Nussschalen vor uns, dass dies ein richtiges Abenteuer wird. Der See ist rau und wild, der Wind peitscht uns um die Ohren, das Wetter macht uns den Rückweg nicht einfach. Unsere Nussschale sucht sich ihren Weg durch die Wellen. Immer wieder schlägt das Boot hart auf dem Wasser auf, wir haben echt Spass daran, den anderen 6 Passagieren gefällt es eher weniger. Das Boot schaukelt und wird dann wieder hoch und runter geworfen, die Wellen prallen von allen Seiten gegen unsere Nussschale und wir sind froh, dass wir auf einem See sind und somit literweise Süss- statt Salzwasser schlucken - willkommen auf der Wildwasserbahn deines Lebens juhuuuuuuu!

 

Nach einer stürmischen Bootsfahrt, wie wir es noch nicht erlebt haben, haben wir nach etwa 40 Minuten denn Hafen dann doch noch erreicht. Nun heisst es wieder 4 Stunden nach Hause fahren. Wir haben uns aber dieses Mal die beiden Plätze vorne beim Fahrer erkämpft – nicht etwa weil wir ihn plötzlich mögen, aber es ist doch etwas weniger holprig und mühsam als hinten im Bus. Wir verstehen jetzt auch wieso er fährt wie ein Irrer. Vorne merkt man kaum etwas von seinem Horrorfahrstyl, wahrscheinlich hat er entsprechend keine Ahnung was er seinen Fahrgästen hinten im Bus während der 8 stündigen Fahrt antut. 

 

Hundemüde und mit dem Gedanken nur noch ins Bett zu fallen kommen wir um 23:30 in Coyhaique wieder an. Und Überraschung – Rambazamba - die ganzen Sippe sitzt zu Tisch. Ein Mitbewohnerpärchen hat für alle gekocht.  Eigentlich wollen wir nur noch ins Bett, können aber die Einladung zum Abendessen (für uns Mitternachtsimbiss) dann doch nicht ausschlagen. Die Bäuche vollgeschlagen mit Bier, Würstchen, Fleisch, Kartoffeln und Tomaten gehen wir dann um 01:30 ins Bett – mit Oropax, denn die Party in der Küche ist noch lange nicht vorbei.

 

 

Am nächsten Tag wollen wir eigentlich den hängenden Gletscher besuchen, aber wir haben vom Tourenanbieter noch keine Antwort erhalten ob er genügend Leute für die Tour hat. Macht nichts, dann erholen wir uns eben von den heutigen Strapazen und schlafen aus. Als wir am nächsten Morgen nach dem Ausschlafen feststellen, dass das Wifi ausgeschaltet war und wir deshalb die WhatsApp Nachricht, dass die Tour stattfindet, nicht erhalten haben, war es schon zu spät. Aber ganz ehrlich noch so eine Tour und erneut 8 Stunden in einem Minibus hätten wir heute sowieso nicht schon wieder überstanden. Wir fühlten uns immer noch wie von einen Lastwagen überrollt.

 

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Kommentare: 2
  • #1

    B. Hegetschweiler (Sonntag, 08 April 2018 19:48)

    Das isch ja mega schön!! Die wunderschöne Biuder heinech sicher für die stressige Stunde u die nassi Heifahrt entschädiget :-)
    äs liebs Grüessli u Muntsch Mummy

  • #2

    feller renate (Sonntag, 08 April 2018 22:00)

    Och,heit dirs aber schön!gniessets tou,so öppis chunnt nie meh (uf di glichi art)im läbe nomau vor. Muntsch u umarmig ma