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4x4 Jeep Tour nach Bolivien II

Valle de las Rocas

Morgens um 8 Uhr gibt’s Frühstück und Cesar versucht nach wie vor den Sitz zu reparieren, welcher mittlerweile komplett aus dem Auto ausgebaut ist. Irgendwo wird wieder ein Reifen gewechselt. Das Witzige daran ist ja, dass jedes Auto nur einen Ersatzreifen hat – Fazit sie wechseln einfach immer dieselben Reifen hin und her… Wenig später hat er es tatsächlich geschafft den Sitz zu reparieren, so dass unsere Gruppe wieder vollzählig fahren kann. Wir erkunden kurz noch das Dorf zu Fuss und begegnen einem drolligen, flauschigen Lama Baby, dass durch die Strassen spaziert, bevor wir dann zum Tal der Felsen aufbrechen.

 

Schon beim ersten Halt, dem Worldcup Pokal, schaut sich Cesar ein paar Mal zu oft den linken Hinterreifen an – aber wir ignorieren das einfach mal und erkunden das Tal und die Felsformationen. Mit etwas Fantasie kann man neben dem Worldcup Pokal auch noch den schrumpeligen Kopf einer alten Oma sehen. Beim nächsten Stopp, dem Kamelfelsen, wird dann wieder mal die Pumpe angehängt und das Hinterrad bekommt etwas Luft. Während alle den Kamelfelsen besteigen, gehen wir hintenrum, wo wir noch zwei Hundefelsen und einen Thron entdecken.

 

Dann geht es auch schon zum dritten und letzten Halt im Felsental. Cesar lässt uns oben im Tal raus, er warte dann unten auf uns, meint er. Bevor er geht erklärt er uns aber noch, dass das Tal den Über Namen «Lost Italy» hat. Wieso? Ein Italiener ist hier beim rumklettern in den Felsen zu Tode gestürzt. Wir werfen Andrea, dem Italiener, einen warnenden Blick zu und begeben uns relativ rasch in Richtung Auto, wo wir einen schönen Felsen mit einem grossen Loch in Bodennähe entdeckt haben – also ungefährlich für eine Fotosession.

 

Nicht weit davon entfernt beobachten wir unsere Fahrer, wie sie wieder einmal ein Rad an unserem Auto wechseln. Jetzt haben wir dann aller Ersatzräder aller drei Autos durch – wobei wir nicht sicher sind ob wir nicht schon eines doppelt verwenden, denn eines der anderen Autos hatte am Morgen auch noch ein Rad gewechselt…

Naja wir geniessen auf jeden Fall die wunderschönen Stopps in dieser Gegend.

 

Laguna Negra

Weiter geht es zur Laguna Negra oder auch Laguna Misteriosa genannt. Wir parken das Auto, jeder kriegt von Cesar einen Lolli und gemeinsam laufen wir durch ein saftig grünes Tal, welches von einem kleinem dunklen Flüsschen und flauschigen Mooskissen durchzogen wird. Dann geht es hoch durch orange Felsen bis wir schliesslich vor der schwarzen Lagune stehen. Ein wunderschöner Anblick. Vor uns sehen wir die Lagune und dahinter eine saftige grüne Wiese wo jede Menge Lamas und Vincuñas grasen. Die ganze Landschaft ist umgeben von leuchtenden, orangen Felsen. Als wir auf einen der Felsen steigen, sehen wir, dass sich dahinter eine kleine Schlucht verbirgt, durch welche sich ein kleiner, blauer Fluss durch ein saftig, grünes Tal schlängelt. Wunderschön. Wir geniessen die Aussicht und die Sonne auf unseren Gesichtern.

 

Das einzige was wir manchmal etwas fragwürdig finden, sind die Kleider unserer Mitreisenden. Wieso zum Teufel muss man sich ein leuchtendes neonoranges Shirt anziehen, wenn man draussen in der Natur ist – damit man ja auf dem Foto als leuchtend oranger Klacks zu sehen ist?! Zum Glück gibt es Photoshop, damit man solche Störfaktoren ausradieren kann.

 

Auf dem Rückweg kommen wir an einer weiteren kleinen Lagune vorbei und hüpfen von einem flauschigen Mooskissen zum nächsten, während ein kleines Viscacha rasch an uns vorbei rennt um dann schön oben auf dem Felsen zu posieren. Ein Viscacha ist eine Hasenmaus, welche zur Familie der Chinchillas gehört und irgendwie auch noch mit Meerschweinchen verwandt sein soll. Naja für uns sieht es aus wie ein süsser, flauschiger, dicker Hase mit einem langen, flauschigen Schwanz!

 

Cañon de la Anaconda

Als wir nach der Laguna Negra weiterfahren gibt auf einmal unser Motor den Geist auf. Er stirbt einfach ab und lässt sich nicht mehr anwerfen. Es ist zum Haare raufen. Nun kippt die Stimmung doch noch um von «Yeah, wir haben ein bisschen extra Abenteuer» zu «Jetzt ist aber genug mit der Scheisse!». Wir sind alle genervt, das Auto gehört auf den Schrottplatz. Der eine Wagen der uns bislang immer zur Seite stand, lässt uns diesmal im Stich und fährt an uns vorbei – der hat wohl auch die Schnauze voll. Es halten zwar einige andere Wagen an um zu schauen ob sie helfen können und die Männer stehen zu fünft um den Wagen aber Ahnung hat eigentlich keiner. Das stellen wir spätestens dann fest als unser Fahrer mit einem Bein im Motor drin steht und uns alle anderen Autos verlassen haben. Nach über einer Stunde bringt Cesar den Motor irgendwie soweit zum Laufen, dass er für ungefähr 5 Sekunden beschleunigen kann, bevor der Motor abwürgt und neu gestartet werden muss, um wieder für 5 Sekunden vorwärts zu kommen. Dieses Spiel betreiben wir bis über den nächsten Hügel um dann das Auto den Berg runter rollen zu lassen.

 

Cesar fragt so nebenbei: «Den Cañon de la Anaconda lassen wir sausen oder?» Nein, der Meinung sind wir eigentlich nicht. Wir schlagen vor ins Dorf zu fahren und dann mit einem anderen Auto zurück zu kommen aber Cesar biegt ab, fährt eine kleine Anhebung Richtung Cañon hoch und die Karre verreckt erneut! Die anderen Autos kommen bereits zurück vom Cañon und der Fahrer eines anderen Autos schnauzt uns nun auch noch blöd an, weil wir uns langsam ziemlich ärgern. Wir versuchen um zu kehren und landen irgendwie wieder auf der Hauptstrasse aber dann geht nichts mehr. Es sind noch etwa 10 Kilometer ins nächste Dorf. Wir realisierten das wir so den Weg niemals schaffen werden. Unser Fahrer hämmert und schraubt wiedermal am Motor rum und wir denken schon daran unser Gepäck abzuladen und zu laufen. Als ein privater Jeep anhält um zu Fragen was los ist, nützen wir den Moment und machen Cesar und dem anderen Fahrer klar das dieser uns ins nächste Dorf mitnehmen muss. Beide willigen ein und wir erreichen den Mittagshalt doch noch. Die anderen Gruppen haben schon gegessen und sind grösstenteils schon wieder weg, als wir was zu essen bekommen.

 

Auf einmal taucht Cesar auf, sein Jeep läuft wieder. Wir jedoch sind uns einig und haben null Bock da nochmals einzusteigen. Eine heftige Diskussion beginnt und auch Jhonny ein anderer Fahrer bringt sich ein. Er hat bereits einen Ersatzwagen bestellt bei der Agentur, der braucht allerdings eine Weile. Wir einigen uns darauf den Jeep zum letzten Mal zu benutzen um dem anderen Wagen entgegen zu fahren aber bei der nächsten Panne ist Schluss. Joli kämpft auf einmal mit Atemnot, die staubige Wüste hat ihrem nun schon bald 4 Wochen anhaltendem Husten gar nicht gut getan. Mit wassergetränktem Halstuch versuchen wir den Staub etwas zu bremsen. Unterwegs nach Uyuni treffen wir tatsächlich auf unseren Backup Jeep, damit hat nun wirklich keiner mehr gerechnet. Cesar schickt ihn jedoch zurück nach Uyuni, sein Wagen läuft ja jetzt wieder…

 

Cementerio de Tren

Wir nähern uns Uyuni. Unser letzter Stopp ist der Eisenbahnfriedhof ausserhalb der Stadt. Die ausgeschlachteten Eisenbahnen, zusammen mit dem Sonnenuntergang ergeben einen super Kontrast und wir klettern etwas in den rostigen Wagen umher. Wir sind jedoch langsam müde und können uns nicht mehr allzu lange dafür begeistern.

 

Jetzt geht es ins Hostal. Das Hostal ist direkt neben unserer Agentur Sajama und gehört scheinbar dazu – das ist ja vielversprechend. Auf unserem Stock hat es zwei Toiletten und zwei Duschen für 9 Personen, welche alle in der nächsten halben Stunde vor dem Essen noch Duschen wollen. Der Wettlauf beginnt und Benjoli gewinnt! Danach geht es in ein Restaurant ausserhalb des Zentrums, wo sonst niemand ist, zum Abendessen. Das Essen ist gut und es gibt sogar zwei Flaschen Wein. Lange machen wir aber nicht mehr. Ein langer Tag geht zu Ende, der Wecker wird auf 4 Uhr morgens gestellt, denn wir wollen den Sonnenaufgang ja nicht verpassen.

 

Das Hostal lässt übrigens wie erwartet zu wünschen übrig aber wir haben noch Glück mit unserem Zimmer. Die französische Familie hat ein Zimmer nur mit Glaswand und Metallstore erwischt, dass direkt zur Strasse rausgeht und entsprechend extrem laut und kalt war.

 

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