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4x4 Jeep Tour nach Bolivien III

Salar de Uyuni

Um 04:45 Uhr ist die Besammlung vor dem Hostel. Die Schweizer sind natürlich pünktlich, mit nur etwa 3 Minuten Verspätung stösst die französische Familie dazu, dicht gefolgt von der portugiesischen Familie und als letzter, etwa 10 Minuten zu spät kommt auch noch der lustige, kleine Italiener daher. Lustig ist ihm allerdings nicht zu  Mute, denn er hat die halbe Nacht nicht geschlafen und seine Zeit über und auf der Kloschüssel verbracht. Etwa der Hälfte der Gruppe ging es heute ziemlich übel, je einen in einem der anderen Autos hat es am übelsten erwischt. Die beiden teilten sich die halbe Nacht quasi das Badezimmer.

 

Dann heisst es vamos al Salar de Uyuni. In dieser Jahreszeit sind grosse Teile des Salzsees noch unter Wasser aufgrund der Regenzeit. Für Wanderschuhe ist das Salzwasser tödliches Terrain, daher haben wir die Flip Flops eingepackt. Die Agentur bietet zwar Gummistiefel an, aber irgendwie konnten sie nur zwei Paar finden und daher hat keiner welche gekriegt.

 

Pünktlich, als die Sonne langsam raus kommt, stehen wir vor dem Jeep. Wir sind dick eingepackt, denn es ist bitterkalt, aber stehen mit Flip Flops im Wasser *bibber*. Das Wasser ist eisig kalt und die Zehen sind schon bald knallrot, mit einem Hauch blauviolett, eingefärbt. Aber die Fotos sprechen für sich. Es ist wunderschön den Sonnenaufgang zu sehen, der sich im stillen Wasser zu unseren Füssen spiegelt.

 

Andrea, der Italiener muss dann leider kurz mit unserem Auto etwas weiter in die Wüste rausfahren und sich ein «Baño natural» suchen – der Arme. Somit fährt unser Auto mit unseren Schuhen und Socken weg und dass genau dann als Joli langsam genug vom Sonnenaufgang und kalten Zehen hat und sich nur noch in die trockenen Socken kuscheln will. Naja ein bisschen Flamingos nachahmen hilft wenigstens 5 Zehen vor dem Erfrieren zu schützen.

 

Nach einer gefühlten Ewigkeit und komplett tiefgefrorenen Zehen steigen wir wieder in den Jeep und fahren zu einem Salzhotel, dass heute hauptsächlich als Museum und Frühstücks Treffpunkt für die Touren dient. Alles ist komplett aus Salz; Tische, Stühle, der Boden, die Wände… Wir glauben es einfach und machen nicht den Test eine Wand abzulecken – wer weiss wie viele vor uns das schon getan haben?!

 

Hier lassen wir die Sonne beim Frühstück richtig aufgehen, wobei so richtig Appetit hat niemand. Auch bei Joli und einem unser Mitfahrer beginnt der Magen mittlerweile bedrohlich zu rumoren und Übelkeit ist auch schon vorhanden. Wir essen zusammen mit Andrea ein paar Salz Kräcker und trinken einen Kamillentee während die noch gesunden Mitreisenden für uns kranken eilig Imodium etc. raussuchen. Einwerfen das Zeug bevor es richtig losgeht. Auch bei den Franzosen ist mittlerweile der Wurm drin und einer der Deutschen und ein Chilene liegen komplett flach. Es muss das Essen gestern Abend gewesen sein, denn was sonst haut so viele Leute gleichzeitig um?! Wir verlangen von unseren Fahrern, dass wir heute Mittag an einem anderen Ort Essen wollen und diese machen sich (scheinbar) sofort daran etwas zu organisieren, weshalb wir noch ca. eine Stunde länger darauf warten endlich in die Wüste rauszufahren um die typischen Fotos zu schiessen. Also haben wir halt hier schon etwas geübt aber so richtig will es noch nicht klappen.

 

Joli geht mal fragen wann wir den weiter gehen und wird sogleich wieder angeschnauzt, dass wir dann losfahren um die Fotos zu machen, wenn die Leute fertig sind Fotos zu machen… Whaaat?! Idioten! Wir machen uns auf die Truppe zu versammeln damit wir los können, denn der einzige Grund wieso alle am Fotos machen sind ist weil wir alle darauf warten, dass wir losgehen. Dumpfbacken, diese Fahrer. Langsam gehen sie uns echt auf den Sack.  Nun kommt aber der witzigste Teil, das Fotoshooting. Aufgrund der Gegebenheiten des Sees können hier, mit ein wenig fototechnischen Geschick und einer passablen Kamera die geilsten Perspektiven-Fotos gemacht werden. Nachdem Cesar zwar angeboten hatte uns dabei zu helfen, sich aber dann noch eine Ewigkeit hinter seinem Smartphone vergräbt wird Joli langsam echt sauer. Das merkt dann wohl auch Cesar und bewegt seinen Hintern aus dem Auto. Er macht ein paar echt super Fotos und kann somit seinen Ruf noch etwas heben aber empfehlen werden ihn, sein Auto und seine Agentur Expediciones Sajama / Turismo Caur trotzdem nicht. Dafür hat es einfach zu viele Pleiten, Pech und Pannen gegeben und auch wenn sein Auto am dritten Tag mal keine Panne hatte sind 8 Leute auf Imodium doch Pech und Pleite genug für einen Tag.

 

Wir fahren nach dem Salar noch kurz in ein Dorf um dort über den Textilmarkt zu schlendern aber die meisten kaufen sich lediglich Coca Cola um den Magen unter Kontrolle zu halten. Das Mittagessen ist natürlich nicht in einem anderem Restaurant sondern am gleichen Ort wie gestern – was die Fahrer da eine Stunde organisiert haben am Morgen bleibt uns ein Rätsel. Naja das Essen ist wie am Vortag lecker und jetzt spielt es ja auch keine Rolle mehr.

 

Zurück in der Agentur schreiben wir alle eine Bewertung. Obwohl sich alle aufgeregt haben, schreibt wieder keiner eine negative Bewertung - typisch. Naja ausser wir. In Spanisch halten wir uns noch neutral. In etwa so: «Die Landschaft war wunderschön und wir danken unserem Fahrer. Er konnte jede Panne immer wieder selber reparieren.» Auf Deutsch schreiben wir dann noch die Anzahl und Art der Pannen hin und dass die Autos eigentlich Schrottreif sind. Die Zettel sind in allen Sprachen und werden dann jeweils in der Agentur aufgehängt. Allerdings bekommt Cesar all unsere Zettel ausgehändigt – wahrscheinlich mit dem Auftrag diese zuerst zu übersetzen, denn wir gehen mal schwer davon aus, dass nur die guten Bewertungen aufgehängt werden.

 

Alles in allem war es eine super Tour. Landschaftlich wahnsinnig schön und organisatorisch und technisch auf jeden Fall ein Abenteuer. Auch die alternative Route (Rock Valley statt noch mehr Lagunen am zweiten Tag) war eine gute Entscheidung und das erste Hostal auf dieser Route war angenehmer als die Berghütte bei der üblichen Route. Trotz vieler Recherchen im Voraus ist die Wahl der Agentur wohl einfach eine Lotterie. Aber das macht das Ganze ja auch etwas spannender.

 

Uyuni

Den Nachmittag verbringen wir dann noch in Uyuni, organisieren die Weiterfahrt und ziehen in ein bequemeres Hostal für die Nacht. Wir bekommen sogar ein Upgrade vom Hostal zum Hotel, da im Hostal eine Party stattfindet und der Besitzer die Leute einfach nicht rauskriegt und uns das nicht zumuten will. Uyuni selbst ist nicht wirklich der Kracher, obwohl es auch hier eine Gasse mit einigen Gringo Restaurants gibt.

 

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