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Potosí

Die ersten Kurzstrecken in Bolivien wollen wir mit dem Bus machen. Dies einerseits weil es oft heisst, man soll auf Nachtbusse verzichten - aufgrund der Kriminalität, der Zustände der Strassen und weil die Busse und Autos oft ohne Licht fahren - und andererseits kann man die Strecken von 3-4 Stunden ja auch gut tagsüber fahren. Und es lohnt sich. Die Landschaft ist wunderschön und immer wieder öffnen sich Blicke in neue Täler, neue Berge tauchen auf und Lamas springen über die Strasse. Die Farben wechseln von tief grün zu, pink und blau und die Fahrt wird nicht langweilig. Der Start in Bolivien hat mit wunderschönen Landschaften begonnen und es geht so weiter denn schon alleine die Busfahrt von einem Ort zum anderen ist ein Highlight für sich. Die Fahrt von Uyuni nach Potosí schaffen wir sogar ohne Panne! Was man von der nächsten Fahrt nach Sucre nicht behaupten kann – siehe letztes Bild – der Bus hält wenig ausserhalb von Potosí bereits an um etwas am Reifen zu reparieren. Die französische Familie (von der Uyuni Tour) hinter uns meint nur: «Immer wenn wir mit euch unterwegs sind gibt’s Pannen!» Denn von Uyuni nach Potosí haben sie nicht denselben Bus genommen wie wir und kamen pannenfrei davon.

 

Im 17 Jahrhundert war Potosí eine der grössten und reichsten Städte der Welt. Auf über 4000 Metern gelegen trägt sie heute noch immer den Titel höchste Grossstadt der Welt. Der Berg Cerro Rico, bei welchem die Spanier in jener Zeit fast das gesamte Silber ausbeuteten, verfügt noch heute über kleinere Mengen Silber und umso mehr Zink, welches zu Tage gefördert wird. Die Minen in denen noch heute gegraben wird, können von Touristen besucht werden. Aufgrund der nicht garantierten Sicherheit sowie der Tatsache das Platzangst nicht von Vorteil ist, haben wir uns jedoch dagegen entschieden. Zudem wird dieser Arbeitsort auch als Hölle auf Erden beschrieben und irgendwie erschien es uns falsch als Touristen einen Ort zu besuchen wo die Menschen immer noch unter schrecklichen Umständen arbeiten und sterben. Bereits Kinder arbeiten in den Minen. Meistens dann, wenn die Väter zu krank sind um die Familie noch zu ernähren. Die meisten Minenarbeiter in Potosí werden nur rund 40 Jahre alt. 

 

Potosí ist dennoch ein Besuch wert. Das Zentrum der Stadt ist geprägt von wunderschönen Kolonialbauten, welche noch heute sehr gut erhalten sind. Die Stadt ist auch berühmt für den "Mercado de los mineros" es ist der einzige Ort der Welt wo sich jeder Mensch legal Dynamit kaufen kann. Natürlich haben wir diesen Markt besucht, hier gibt es alles was die Minenarbeiter brauchen können, von Schaufel und Pickel über Seil und Karabiner ist alles da, jedoch sehen wir hier nirgendwo Dynamit. Wir treffen hier auch wieder auf die französische Familie aus unserer Uyuni Tour, welche zufällig im selben Hostal sind wie wir. Auch sie suchen das Dynamit. Auf Nachfrage erhielten wir einen Typ wo es das Dynamit zu kaufen gibt; es sind die Läden an der angrenzenden Strasse zum Markt. Es sind etwa 10-15 Läden, in welchen das Dynamit verkauft wird. Wir erkundigen uns im ersten Laden und dürfen die Dynamitstangen für Fotos in die Hände nehmen. Wir wollen wissen was die Stange kostet und ob die Verkäuferin sie uns auch verkaufen würde, was sie mit einem lächelnden Gesicht und der Antwort 5 Bolivianos bejahte. Zum Verständnis, 5 Bolivianos sind etwa 70 Rappen, dafür kaufst du in der Schweiz nicht mal ein Päckchen Frauenfürze zum 1. August. Noch leicht irritiert darüber, dass wir hier tatsächlich Dynamit kaufen könnten, machen wir den Test in einem weiteren Laden. Die Verkäuferin hier jedoch ist sich ihrer Verantwortung eher noch bewusst, sie verkauft ihr Dynamit nur an die Minenarbeiter selbst und nicht an Touristen. Obwohl sie uns erklärt, dass wir mit der Stange alleine sowieso nicht viel anfangen könnten, würde sie uns das Dynamit trotzdem nicht verkaufen.

 

Nochmal zu erwähnen ist die Höhe von 4000 Metern über Meer. Wir haben uns sehr gut akklimatisiert und bis auf gelegentliche leichte Kopfschmerzen haben sich unsere Körper an die Höhe angepasst. Was aber immer wieder witzig zu beobachten ist, ist die Tatsache dass wir bereits nach den 20 Treppenstufen zu unserem Zimmer atmen und pumpen als hätten wir gerade einen 100 Meter Sprint hingelegt. Auch der Spaziergang hoch zum Minenmarkt brachte uns ziemlich zum keuchen. Und sich bücken um etwas aus dem Rucksack zu holen ist manchmal auch schon extrem anstrengend.

In Potosí stellen wir wiedermal fest wie klein die Welt doch ist. Nicht nur die Franzosen sind zufällig im gleichen Hostal wie wir gelandet auch ein Arbeitskollege von Beni. Als wir uns in unserem Hostel in der Gästeliste eintragen, bemerkt Joli einen weiteren Schweizer der hier zu Gast ist. Beni realisiert erst nachdem er den ganzen Namen gelesen hat, das es sich hier um einen ehemaligen Comet Arbeitskollegen handelt, der auch aus Thun stammt und im Dezember seine Weltreise startete. Am selben Tag im selben Hostel mitten in Bolivien, läuft man sich wieder über den Weg. Bei einem gemeinsamen Nachmittag mit Essen und lecker Bierchen stellen wir dann auch noch fest, dass Joli dieselbe Schule besuchte einfach eine Klasse tiefer – unglaublich wie klein die Welt ist.

 

Wir haben übrigens in einem kleinen Kaffee / Restaurant eine Rösti mit Speck und Spiegelei gegessen, welche sehr lecker war und der Besitzer hat uns erklärt, dass die Rösti ursprünglich aus Bolivien kommt, denn schliesslich stammen ja auch die Kartoffeln aus Südamerika – logisch oder?

 

Am nächsten Tag laufen uns dann auch noch die beiden deutschen Jungs aus unserer Uyuni Tour über den Weg und gemeinsam schauen wir, wieder in dem Röschti Kaffee, das Champions League Spiel an. 

 

Wer im Koala Den in Potosí übernachtet tut übrigens gut daran zu wissen, welches die Hauptstadt von Bolivien ist. Joli hat mit diesem Wissen (es ist Sucre) ein zusätzliches, grosses Glas frisch gepressten Orangensaft gewonnen, während die Verlierer, welche La Paz gerufen haben ein kleines Shotglässchen mit unbekannter Flüssigkeit erhielten.

 

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