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Sucre

Die Schule

Die weisse Stadt. Die Hauptstadt. Sucre ist bekannt für seine vielen Sprachschulen. Hier heisst es für Beni "Back to School" oder eher "Ir a la escuela". Die Spanischkenntnisse sollen weiter verbessert werden. Das Hören und Verstehen ist bereits auf einem guten Level, die Satzbildung und der Wortschatz müssen noch verbessert werden. Das soll mit einer Woche Unterricht mit einem Spanischlehrer realisiert werden. Den Privatlehrer für 24 Lektionen gibt es hier zu einem Dumpingpreis von 126 Franken. Sichtlich nervös ist Beni dann an seinem ersten Schultag - siehe Foto. Er findet sich aber rasch zurecht, hat er doch eine hübsche Latina Lehrerin jeweils vier Stunden am Tag für sich alleine. Beni’s erster Schultag ist am Samstag, Joli geht dann von Montag bis Donnerstag jeweils zwei Stunden noch etwas Grammatik auffrischen. Sie hat übrigens auch eine hübsche Privatlehrerin – pah! Übrigens ratet mal, wen wir in der Schule angetroffen haben? Klar die Franzosen – die Kinder haben dort auch Unterricht.

 

Die Stadt

Ein ganz anderes Bolivien als in Uyuni gibt es hier zu sehen. Das Zentrum bilden hier wunderschöne gut erhaltene Kolonialhäuser, welche ganz in Weiss gehalten sind. Als wir uns in einem Touristenbüro einfinden, fragt uns der freundliche Herr woher wir kommen und aus welcher Region der Schweiz, um dann zu unserer Überraschung sogleich auf Schweizerdeutsch zu wechseln. Marco lebt hier seit über 10 Jahren und kennt Bolivien so gut wie die Schweiz. In dieser Stadt leben haufenweise Schweizer wie uns Marco erklärt, es ist wie eine kleine Schweizer Mafia meint er. Gleich nebenan sitzt Freddy in seinem Schmuckgeschäft, welcher uns sogleich vorgestellt wird und weiter hinten im Laden verkauft sein Sohn Bilder von lokalen Künstlern. In der Apotheke an der Plaza sollen wir dann noch bei Herrn Moser vorbeischauen und den frischen Zopf von einem Lausanner Bäcker können wir auch gleich bei Marco bestellen. Damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet. Wir haben von Marco haufenweise Reisetipps für ganz Bolivien erhalten. 

 

Uns gefällt es in Sucre von Anfang an sehr gut. Das Klima ist sehr angenehm und die Stadt wirkt sehr lebhaft, sauber und warm. Die Menschen sind ein wenig scheu aber doch freundlich, fast wie die Schweizer. Auch Abends kann man sich hier im Zentrum ohne Bedenken frei bewegen und aufhalten. Die Plaza ist auch jeden Abend sehr belebt, hier lassen viele Menschen den Tag ausklingen. 

 

Der Markt

Auf dem Mercado Central sieht es aus wie auf dem Bazar. Haufenweise Stände mit Gewürzen, Früchten, Gemüse, Fleisch, Spielen, Putzmitteln und alles was es sonst so zum Leben braucht, findet man hier ansehnlich präsentiert. Supermärkte findet man in Bolivien nicht wirklich, aber es gibt haufenweise Tante Emma Läden und Strassenverkäufer oder aber eben die grossen Markthallen. Hier wird alles feil geboten.

 

Wir finden uns natürlich zuerst in der Essensabteilung ein – es ist Essenszeit. Hier gibt es Tische und Bänke und daneben verkaufen die Frauen ihre verschiedenen, zu Hause vorbereiteten, Mahlzeiten. Wir entscheiden uns für das scharfe Poulet mit Reis, für 10 Bolivianos, also 1,40 CHF. Das Essen schmeckte richtig gut, die Portion reicht gut für zwei und der befürchtete Dünnpfiff am nächsten Tag blieb auch aus.

 

Beim durchstöbern der Stände, ist es dann soweit, Joli befindet sich in ihrem Element, das Shoppingfieber hat sie gepackt. Innert kürzester Zeit haben wir unser Rücksäckli mit Ohrensteckern, einer Schuhbürste, einem UNO Kartenspiel und Früchten gefüllt, uns mit einem leckeren Obstsaft verköstigt und dafür keine 5 Franken bezahlt. Der Markt ist zudem der perfekte Ort für uns um ein bisschen Übung im Feilschen zu sammeln. Von Argentinien und Chile waren wir es gewohnt, dass die Preise angeschrieben und nicht verhandelbar sind. In Bolivien  findest du selten Preise, wenn du was willst, fragst du nach dem Preis, wenn der Gringo dumm genug ist, bezahlt er den höheren Preis, ansonsten wird gehandelt. Realistisch ist ein Preisnachlass von 10%, welcher mit dem kurzen Satz "nada menos?" erzielt werden kann. 

 

Das Museum

Wer sich ein wenig für Edelmetalle und Edelsteine interessiert, sollte dem Museum del Tesoro an der Plaza ein Besuch abstatten. Bei einer Führung in perfektem Englisch (Französisch oder Spanisch) wird einem ausführlich erklärt, wie die besagten Materialien gefördert, bearbeitet und veredelt werden. Wie es früher war, wie es heute ist und wo in Bolivien was abgebaut wird. Es hat immer wieder schöne Beispiele ausgestellt und die Minen wurden teilweise in Miniformat nachgebaut, damit man eine genauere Idee davon bekommt wie es in Wirklichkeit aussieht. Insgesamt ist es sehr interessant und lehrreich. Auch der Museum Shop hat einiges an hübschen, bezahlbaren Edelsteinen zu bieten, natürlich haben wir hier dann auch etwas gekauft.

 

Das Spital

Was auch immer sein mag in Bolivien, sieh zu das du nicht krank wirst. Auf irgendeinem Reiseblog haben wir das mal gelesen. Da sich aber zu Joli’s seit 5 Wochen anhaltendem Husten nun noch blutiger Auswurf dazugesellt hat, besuchen wir auf Empfehlung von Christoph Moser, dem Apotheker, das Privat Spital in Sucre. Bereits am Anmeldeschalter werden wir zwei Gringos etwas zur Seite genommen, wo wir erklärt bekommen das wir zunächst mal 40 Bolivianos vor jeglicher Behandlung zu zahlen haben und dafür aber als Notfall gelten. Diese Anzahlung von 5,60 CHF stellt für uns im Vergleich zu vielen Bolivianern kein Problem dar, zudem wir so erst noch weniger lang warten müssen. Nur etwa 20 Minuten später werden wir von einem Arzt zum Gespräch abgeholt. Während der Anamnese scheint der Arzt jedoch etwas abwesend zu sein und hält er sich die ganze Zeit sein Smartphone vor’s Gesicht. Joli sagt; «Der muss sicher noch kurz die Symptome googeln…». Er wirkt jedoch auch sehr müde und hat vielleicht schon einen anstrengenden Tag hinter sich. Die Diagnose ist eigentlich keine aber immerhin ist es auch noch keine Lungenentzündung und um diese möglichst zu verhindern, gibts noch ein Medikamentenpacket a 50.- CHF mit auf den Weg. Antibiotika für 7 Tage, Entzündungshemmer und 2 Flaschen Husten Sirup. Mal schauen ob das was hilft. Die ersten beiden Flaschen Sirup, die Lutschtabletten und die Grippe Medis hatten nämlich Null Effekt.

 

Der Incatrail und die Dinosaurierspuren

Am zweiten Tag, bevor Beni die Schulbank drücken muss, unternehmen wir hier einen Tagesausflug. Die Tour hätte Platz für fünf Personen, wir sind jedoch nur zu zweit und somit haben wir eine Privattour. Wir sind sogar in der Unterzahl, denn wir haben einen Fahrer und zwei Guides. Der Erfahrene Guide David, ein Bolivianer mit Schweizer Freundin, welcher auch Deutsch sprach und Omar, ein Tourismus Student. Was Omar nicht weiss, er wurde auf die Tour mitgenommen um heute seine Prüfung als Guide abzulegen. Er jedoch dachte, er kommt mit um von David zu lernen – was ihm aber nicht viel brachte, da David die meiste Zeit Deutsch sprach.

 

Sichtlich nervös und scheu war Omar zu Beginn als er die Führung übernehmen musste und das erst noch in Englisch. Aber er machte seine Sache gut und David verschwand zwischendurch so dass Omar auf sich gestellt war. Beni und Omar ergänzten sich prächtig, Beni verbesserte Omar in Englisch und dieser Beni in Spanisch und beide konnten sprachlich voneinander profitieren. Natürlich war bei den Gesprächen Fussball das Hauptthema, weshalb Joli sich etwas absetzte und auf David wartete um einige Infos zu den Inkas zu bekommen.

 

In einem Jeep düsen und ruckeln wir in die Berge hoch. Von hier aus wandern wir gute zwei Stunden über den Inca Trail runter ins Tal und geniessen die geniale Weitsicht. Dort wartet dann bereits der Jeep auf uns mit welchem es zum Maragua Krater geht, wo es Mittagessen gibt. Sandwiches, Früchte, Wasser und dazu eine super Aussicht. Der Krater ist übrigens gar kein Krater sondern eine geologische Verwerfung aber aufgrund seiner Form, nennt man ihn dennoch Krater.

 

Nach dem Essen besichtigten wir Dinosaurier Spuren, von welchen es in Bolivien so einige geben soll – noch nie davon gehört… Der Weg dorthin ist nur zu Fuss über Stock und Stein, vorbei an Bauern, deren Feldern und Häusern, erreichbar.

 

Am Ende der Tour haben wir noch eine Familie besucht, welche noch von Hand webt. Ziemlich eindrücklich; diese Arbeit erfordert viel Konzentration und ist für die Augen höchst anstrengend.

 

Obwohl wir zu Anfang überzeugt waren mit 80 CHF für hiesige Verhältnisse zu viel bezahlt zu haben, haben wir doch sehr viel geboten bekommen. Die ganze Privattour dauerte schliesslich gute 12 Stunden, und das Tempo konnten wir selbst bestimmen, David und Omar nahmen sich auch viel Zeit und bewiesen sich als gute Fotografen für uns.

 

Der MArkt in Tarabuco

Am Sonntag ist hier in der Stadt vieles geschlossen und es ist nix los. Deshalb buchen wir den Bus nach Tarabuco. Hier findet jeden Sonntag der grösste Textilmarkt Boliviens statt. Bei der Ankunft erhalten wir haufenweise Infos zum Markt, der Textilbranche und der Sprache Quechua, welche hier gesprochen wird. Spanisch ist hier vor allem bei den älteren Leuten nicht so verbreitet. Wo in Sucre noch tote Hose war, tanzt hier der Bär. Die Strassen in diesem kleinen Dorf sind proppenvoll mit Leuten. Hier reiht sich Marktstand an Marktstand. Bunt, bunter, am buntesten sehen die vielen verschiedenen Kleider aus. Es hat drei verschiedene Märkte; den Bauernmarkt, den Textilmarkt und den Tiermarkt (letzteren haben wir allerdings nicht gefunden). Auf dem Bauernmarkt gönnen wir uns ein Mittagessen für 10 BOB und schauen dem bunten Treiben etwas zu. Wir sind hier mit etwa 20 anderen Touristen angekommen, sind somit sehr in Unterzahl und werden dementsprechend genau begutachtet. Auffallend ist hier wie klein die Menschen sind, Beni erscheint daneben meist wie ein Riese. Nach drei Stunden ist das bunte Treiben für uns dann auch schon zu Ende und der Bus fährt zurück nach Sucre. Der Markt in Tarabuco ist ein schöner Zeitvertreib, aber wer den Markt in Otovalo, Ecuador kennt, für den ist es kein Vergleich.

 

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