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Santa Cruz

Nach mehreren Wochen in den grossen und kalten Höhen der Anden, geht es hier wieder mal in tropisches, feuchtes Gebiet. Die grösste Stadt in Bolivien, ist vergleichbar mit Buenos Aires oder Santiago de Chile. Wir machen hier lediglich einen kurzen Zwischenstopp, bevor es weiter nach Samaipata geht. Ziel dieses Aufenthaltes ist der Besuch eines Chiropraktikers und das Vermeiden einer 16 stündigen Busfahrt entlang steiler Abhänge. Die Stadt gilt als Wirtschaftszentrum des Landes aber ausser dem Hauptplatz mit der Kirche und der Möglichkeit wieder einmal indisch zu Essen, können wir dieser Stadt nicht viel Schönes abgewinnen. Riesig, heiss, dreckig und laut.

 

Flug TAM

Da war der Flug mit der bolivianischen Militär Fluggesellschaft TAM schon um einiges abenteuerlicher, auf jeden Fall für Beni. Der Flieger wollte schon beim Start nicht richtig abheben und brauchte offensichtlich jeden Meter der Startbahn. Die Landung auf dem kurzen Militärflugplatz mitten in der Grossstadt war auch schnell und ziemlich unsanft. Der Empfang am Flughafen ist geprägt von Armeeangehörigen, welche den Flugbetrieb regeln, dachten wir jedenfalls. Es stellte sich aber bald heraus, dass es an jedem bolivianischen Flughafen so aussah. 

 

"rudi" der Chiropraktiker

Am Montag besuchen wir einen bolivianischen Chiropraktiker. Die Praxis besteht aus einem einzelnen Zimmer. Gewartet wird auf dem Gang, wo auch die Patienten für die anderen Ärzte, welche auch ein Zimmer haben, warten. Wir bekommen den ersten Schock in Kombination mit einem kleinen Lachanfall, als wir den Chiropraktiker zu Gesicht bekamen.

 

Dafür müssen wir euch etwas aufklären. Wer die TV Serie «Dexter» kennt, wird sich noch an den Serienmörder erinnern, welchen sie den Kühllasterkiller nannten?! Genauso sieht unser Chiropraktiker nämlich aus. Entsprechend nennen wir ihn fortan «Rudi». Wir betreten das halbe Zimmer (die eine Hälfte gehört der Sekretärin, die andere Rudi) und sehen den Tisch. *OMG* Wie in der Serie, wo der Mörder seine Opfer drauf gebunden hat, um dann den Tisch in die Senkrechte zu bringen und die Opfer ausbluten zu lassen.

 

Joli kommt zuerst dran. Schön an den uralten, ledrigen Tisch anlehnen und Rudi bringt ihn dann in die horizontale Lage (immerhin umgekehrt als in der Serie). Dann geht’s los. Zuerst wird eine stinkige, grüne Salbe eingerieben und es gibt eine Nackenmassage – ok soweit so gut. Dann kommen «Instrumente» zum Einsatz. Nachdem die Behandlung von Joli vorbei ist, fragt Beni skeptisch: «Wie geht es dir? Hattest du keine Angst?». Komische Frage…

Der Kühllasterkiller in der Serie hat seine Opfer immer in einzelne Stücke zersägt. Als Joli das Instrument nun auch sieht versteht sie Beni’s Frage von vorhin sehr gut. Es liegt vielleicht daran, dass wir eines von den Instrumenten eindeutig als umfunktionierte Stichsäge mit Gummizapfen dran erkennen. Lustigerweise war die Muskelmassage damit recht angenehm. Das andere sieht aus wie eine umfunktionierte Heissleimpistole… Aber generell wenn man Rudi’s Werkzeuge schön aufgereiht hinter dem Behandlungstisch sieht, kommt einem spätestens hier Dexter in den Sinn.

 

Die Behandlungsgriffe an der Wirbelsäule sind uns dann zum Glück vertraut, wenn auch ein wenig ruppig. Und beim Nacken knacken und dehnen bei Beni ist Joli nicht ganz sicher ob Rudi ihm nicht fast den Kopf abreisst – die Position sieht irgendwie abartig aus. Knackig durchgeknackst und mit einem riesen Lachanfall betreffend, Rudi, seinen Werkzeugen und unserer Fantasie warten wir draussen auf ein Taxi und gehen direkt ins Biocentre Guembe zum Entspannen. 

 

Leider haben wir zu diesem Abschnitt keine Fotos – wir glauben «Rudi» hätte es nicht verstanden… Aber wir haben ein paar Bilder im Internet gefunden um das ganze etwas zu illustrieren.

 

 

Biocentro Guembe

Nach kurzer Internet Recherche, entdeckten wir diesen, ausserhalb von Santa Cruz gelegenen, Tier & Wasserpark "Biocentre Guembe". Obwohl wir weder eine vernünftige Homepage, geschweige denn Eintrittspreise finden können, wagen wir den Ausflug mit dem Taxi raus aus der Stadt. Wir werden nicht enttäuscht. Am Park angekommen machen wir uns auf den Rundgang durch die Tierwelt. Alle Tiere die hier gehalten werden, stammen aus dem illegalen Tierhandel oder wurden gefunden. Es ist also kein Zoo, sondern eine Tierauffangstation. Es gibt ein Terrarium, ein Affengehege und eine riesige Vogelvoliere mit Aussichtsplattform. In dieser bleiben blieben wir ziemlich lange bei den Papageien (Ara’s) hängen. Blau, Gelb, Rot, Grün in den schönsten Farbkombinationen kann man diese Tiere aus nächster Nähe bestaunen, befindet man sich doch direkt im Käfig der Tiere, wo man auf zwei Ebenen durch die riesige Voliere spazieren kann. Der Käfig ist sehr schön und bis zu 38 Meter hoch. Es gibt eine Wendeltreppe zum höchsten Punkt, von welchem man einen wunderbaren Rundumblick hat.

 

Auch das Papillorama hatte ein paar ausserordentlich schöne Exemplare an Schmetterlingen zu bieten. Dann geht es noch zum Orchideengarten. Hier wollen wir ganz viele Fotos machen um einem Arbeitskollegen von Beni (Hallo Pesche Boschung – unser Orchideen Gott), danach eine Orchideenpostkarte senden zu können. Naja, nix gewesen. Keine einzige Orchidee hat geblüht. Gemäss Joli sehen sie genau so aus, wie die, die wir zu Hause hatten, grüner Stengel, grüne Blätter, grüne Wurzeln, KEINE Blüten…

 

Nach 2 Stunden begeben wir uns in den hinteren Teil des Parks. Im Restaurant teilen wir uns einen Teller Reis mit Fleisch und gebratenen Bananen – zum Glück. Wir haben eine Portion zu zweit gegessen und platzen fast – wie können die Leute hier nur so viel essen?!

 

Hier in diesem Teil gibt es über 15 verschiedene grosse und kleine Swimmingpools, welche zum Verweilen einladen. Und die Anlage ist durchwegs wunderschön, sauber und gepflegt. Joli hatte, da so ihre Zweifel, da sie schon einige solche Anlagen in Südamerika gesehen hatte aber diese ist einfach top und den Eintritt wert. Auch die Infrastruktur ist in einem sehr guten Zustand und es gibt eine Bar, wo wir uns nach dem erfrischenden Bad ein Bier und einen Mojito (der hat es in sich!) holen. Dass die einzige Wolke an diesem Tag sich genau, dann vor die Sonne setzt, wenn wir ins Wasser wollen ist irgendwie wieder typisch aber das hält uns nicht davon ab in jeden Pool mindestens einmal rein zu springen und Beni die Wasserrutsche runter zu jagen. Wir teilen die komplette Anlage heute nur mit etwa 30 anderen Besuchern wodurch wir den Tag voll und ganz geniessen können.

 

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