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Refugio Los Volcanes

Am Rande des Nationalparks Amboró, eingebettet in einer fantastischen Umgebung, liegt dieses Refugio, in welchem wir drei Tage und zwei Nächte verbringen. Seinen Namen bekam es durch eine Legende, dass diese Umgebung ursprünglich ein Vulkan war und das Refugio liegt im sogenannten Krater des Vulkans. Aber das ist lediglich eine alte Geschichte und entspricht nicht der Wahrheit.

 

Leider ist Petrus am ersten Tag nicht auf unserer Seite und der Tag ist geprägt von leichtem bis starkem Nieselregen. Machte nichts, es ist der erste Regentag seit über sieben Wochen, auch wenn das Timing wieder Mal zu wünschen übrig lässt. In zwei Stunden bringt uns ein Taxi von Samaipata einen Berg hoch in die Nähe des Refugios.

 

Da es bereits in der Nacht regnete, ist die Strasse ziemlich schlecht befahrbar, jedenfalls für einen Minibus mit Heckantrieb. Dies bekommen wir dann auch schnell mal zu spüren. Wir schliddern den Berg hoch, bis es auf einmal weder vor noch zurück geht. Wir stecken fest und das ziemlich nahe am Abgrund. Nun denn mit Pannen kennen wir uns ja mittlerweile aus. Aussteigen und das Auto mit dem Wagenheber anheben, ein paar Steine unterlegen und weiter geht’s. Trotzdem verbringen wir fast 30 Minuten damit das Auto aus dem Schlammloch rauszubekommen. Für den unverschämten Fahrpreis, welcher uns die Agentur da aufgebrummt hat hatten wir also schon einen 4x4 erwartet für einen Weg wie diesen… Der Fahrer hat sogar einen 4x4 zu Hause aber er dachte nicht, dass die Strasse so schlecht ist – na toll.

 

Als wir mit einiger Verspätung auf dem Berg ankommen, ist unser Transport zum Refugio weg. Die anderen Gäste, die mit dem Taxi angekommen sind, welches uns vor geraumer Weile entgegenkommen ist, wollten wohl nicht solange warten. Aber schon bald hören wir ein lautes, brummendes Geräusch, welches uns das Näherkommen eines Jeeps ankündigt. Hier steigen wir dann in einen 4x4 Jeep um, welcher uns im Rally Tempo zum Refugio runter bringt. Der Fahrer fährt die enge und steile Strasse sehr rasant runter aber im Gegensatz zum Taxifahrer von vorhin haben wir hier die Gewissheit, dass er weiss war er tut.

 

Die Lage ist ein Traum. Rundherum die rotgrünen Berge und die Wälder und direkt hinter dem Haus ein kleiner Wasserfall mit einem natürlichen Pool in dem man sich abkühlen kann. Die Zimmer sind, angesichts der exklusiven Lage, geräumig und sauber und es hat sogar eine Dusche mit warmen Wasser, jedoch keine Steckdosen. Es gibt weder Handynetz noch Wifi und die Ruhe ist herrlich.

 

Es gibt acht verschiedene Wanderungen, welche man jederzeit mit einem privaten Guide antreten kann, oder man lässt die Seele einfach in der Hängematte baumeln. Hier lernen wir den überaus sympathischen Edwin kennen. Edwin ist Chinese und arbeitet seit Jahren überall auf der Welt für die Firma Huawei. Zurzeit lebt er in La Paz und macht mit ein paar seiner Arbeitskollegen ein verlängertes Wochenende im Refugio. Wir tauschen unsere Kontaktdaten aus damit wir uns später in La Paz zum Essen treffen können und natürlich auch um bei ihm Tipps & Tricks aus erster Hand zu bekommen um unsere China Reise zu planen.

 

Kurz nach der Ankunft gibt es bereits ein sehr leckeres Mittagessen und für 13:30  verabreden wir uns für die erste Wanderung. Die vier Chinesen kommen auch gleich mit.

 

COndor Trail

Da Beni irgendwie nicht so fit ist, bleibt er am Nachmittag im Bett und ich mache mich mit dem Guide und den vier Chinesen auf den Weg zum Condor Trail. Wir laufen eine grosse Schlaufe durch den wunderschönen Wald, um dann von einem Aussichtspunkt aus eine grandiose Sicht auf das Tal – den Krater – zu haben.

 

Vorher müssen wir aber noch einige Male den Fluss überqueren. Die ersten paar Mal sind einfach, es hat so etwas wie Brücken. Beim letzten Teil sagt unser Guide einfach: «Springt!» Toll. Es ist ein ziemliches Stück, welches er jedoch locker überspringt. Einer der Jungs will einen Zwischenschritt über eine Sandbank nehmen und versinkt sofort bis zu den Knien im Sand. Während Edwin und ich die Schuhe ausziehen und durch den Fluss waten, bereiten sich die anderen drei Jungs zum Sprung vor. Zwei kommen knapp rüber und einer landet einige Zentimeter vorher im Wasser und spritz uns alle schön Nass – zum Glück ist die Abkühlung bei der Hitze angenehm.

 

Nachdem dieses Abenteuer ohne Beinbruch überstanden ist erreichen wir nach kurzer Zeit den Aussichtspunkt. Die Aussicht ist genial und wir sitzen lange dort oben und geniessen die Sicht auf die Berge und das Tal. Sogar die Sonne kommt zwischendurch raus und die Pause können wir nach dem schlüpfrigen und schlammigen Weg gut gebrauchen. Unter den Bäumen war es nämlich trotz dem regnerischen Tag unglaublich heiss und feucht. Ich dachte immer meine Kondition sei eine Katastrophe aber als ich die vier Herren (resp. drei – Edwin scheint als einziger eine gute Kondition zu haben) auf dem Weg zu Aussichtspunkt vor und hinter mir keuchen und schnaufen hörte, war ich diesbezüglich doch ziemlich beruhigt.

 

Unter uns raschelt es in den Bäumen und ich entdecke eine Gruppe Affen, die munter  durch die Baumgipfel turnen. Wieso wir einen Guide dabei haben, weiss niemand von uns. Er ist überhaupt nicht gesprächig und kennt wohl nur die Worte «ja», «nein» und «ich weiss nicht». Er hat nichts erklärt, keine Tiere oder Pflanzen für uns entdeckt und als ich die Affen entdeckt habe, konnte er nicht mal sagen was für Affen es sind. Er bejahte einfach meine Vermutung. Das kann ja heiter werden.

 

Zurück beim Refugio geniessen wir die Zeit bis zum Eindunkeln und Abendessen mit einem erfrischenden Bad unter dem Wasserfall und relaxen in den Sonnenliegen vor unserem Zimmer.

 

Zum Abendessen gibt es dann Pizza aus dem Pizzaofen. Jeder bekommt eine ganze Pizza, resp. wir bekommen sogar mehr als je eine und platzen fast. Aber die Pizza ist richtig lecker und wir können gar nicht aufhören zu essen so gut schmeckt sie. 

 

Loro Trail

Eigentlich ist für heute El Cumbre geplant inkl. Picknick ganz oben auf dem Gipfel. Aber es hat in der Nacht wieder geregnet und Vicente kann nicht garantieren, dass wir bis ganz nach oben kommen, da der Weg steil und auch gefährlich ist wenn es nass ist. Da wir in Gegensatz zu Edwin und seinen Jungs noch einen Tag länger Zeit haben entscheiden wir uns heute nur den Loro Trail zu machen und den Cumbre morgen zu erklimmen. Somit gehen die vier Jungs mit dem Guide von gestern Richtung Cumbre und wir können, nach einem ausgiebigen Frühstück, mit Joel los. Super, Joel ist gesprächig und voller Infos und erklärt uns alles Mögliche. Zu Beginn fragt er immer noch, ob uns das gestern schon erklärt wurde, wahrscheinlich um nicht alles zu wiederholen, bis wir ihm dann erklären, dass unser Guide von gestern eigentlich nichts gesagt hat auf dem ganzen Weg.

 

Dieser Weg führt uns zu zwei Aussichtspunkten in den Bergen rund um das Refugio. Wir wandern durch den Wald, immer dem kleinen Fluss entlang und kommen dann immer höher, vorbei an den senkrechten, rotschwarz schimmernden Bergwänden, welche direkt vor uns steil in die Höhe ragen. Wahnsinn wie es die Pflanzen schaffen sich an den glatten Steinwänden fest zu halten und wie die viele Pflanzen an diesen Wänden wachsen und gedeihen. Joel erklärt uns viel über die Pflanzen  im Wald und deren Verwendung. Es ist beeindruckend wie viele Pflanzen als Medizin benutzt werden können aber auch beängstigend wie viel von diesem Wissen, von Generation zu Generation verloren geht.

 

Das Wetter meint es heute ein bisschen besser mit uns, es regnet nicht und zwischendurch zeigt sich sogar kurz die Sonne. Die Aussichtspunkte sind schön aber fast schöner ist der Wald mit seiner kunterbunten Pflanzenwelt. Wir entdecken auch eine Pflanze wieder, die wir schon in Patagonien entdeckt hatten. Ein Moos um es genau zu nehmen. In Patagonien nannte man es «Bart des Alten» hier nennt man es «Engelshaar».

 

Wir können sogar noch eine Lianen Schaukel ausprobieren – Joli spielt Jane und wagt sich drauf. Aber Tarzan bricht bei Beni nicht durch; das Vertrauen in den Halt der Liane ist wohl doch nicht gross genug.

 

Fast schon zurück beim Refugio entdecken wir auch heute eine grosse Gruppe von Affen, welche über unseren Köpfen im den Bäumen rumklettern und es uns möglichst schwer machen, sie zu fotografieren.

 

Zurück beim Refugio können wir nochmals etwas das Faulenzen in der Hängematte geniessen, bevor es schon wieder weiter zum Mittagessen geht.

 

Cafetal Trail

 

Da wir heute Morgen nur den kurzen Trail gemacht haben, bleibt noch Zeit für eine zweite Wanderung am Nachmittag. Der Weg beginnt mit den gleichen Flussüberquerungen wie am ersten Nachmittag aber im Gegensatz zu unserem nicht motivierten Guide macht Joel sich die Mühe einen Stein so hinzulegen, dass wir dieses Mal nicht springen und auch die Schuhe nicht ausziehen müssen, sondern gemütlich von Stein zu Stein hüpfen können.

 

Nach ein paar Minuten der Wanderung ist Beni aber wieder gar nicht gut und er muss umkehren und zurück gehen – irgendwie spielt sein Kreislauf und der Magen seit der Ankunft hier verrückt.

 

Ich gehe mit Joel weiter. Es ist eine Waldwanderung mit einem Wasserfall am Ende und noch einigen Flussüberquerungen dazwischen. Da die Regenzeit erst seit kurzem zu Ende ist, ist der Fluss an einigen Stellen noch ziemlich hoch und es lässt sich nicht vermeiden, dass wir die Schuhe ausziehen und hindurch waten müssen. Aber das Wasser ist so herrlich kühl und erfrischend, dass es ein Genuss ist. Am Ende des Weges stehen wir vor einer steilen Felswand und aus grosser Höhe fällt hier ein kleiner Wasserfall in ein kleines Becken zu unseren Füssen. Die Steine und die Erde sind leuchtend rot wodurch auch das Wasser rot wirkt. Der Ort ist wunderschön und so ruhig.

 

Nach einer kurzen Pause laufen wir wieder zurück und unterhalten uns über Gott und die Welt. Es ist immer wieder faszinierend wie unterschiedlich und doch ähnlich sich die Kulturen sind. Ich schätze Joel auf ca. 25, seine Frau ist 21 (das wissen wir von ihrer Mutter) und ihr Sohn Alan ist zwei Jahre alt. Während Joel als Guide im Refugio arbeitet und seine Schwiegermutter Benita als Köchin, geht seine Frau unter der Woche in die Stadt um zu studieren. Die anderen Kinder von Benita sind auch nur am Wochenende im Refugio und wohnen sonst unten im Dorf, wo deren Grossmutter auf sie aufpasst, während Benitas Mann arbeitet. Alan wird von Benita betreut, wenn ihre Tochter unter der Woche studiert und wenn keine Gäste im Refugio sind, bleiben nur Joel, Vicente und sein Sohn (der nicht gesprächige Guide) beim Refugio. Vicente und seine zwei Söhne gehören zu einer anderen Familie und der jüngere Sohn wohnt unter der Woche ebenfalls im Dorf bei seiner Mutter und besucht die Schule. Gar nicht einfach den Überblick über die vielen Kinder und Erwachsenen zu gewinnen, die dort leben und arbeiten.

 

Auch das mit den zwei Nachnamen haben wir diskutiert. Ein Kind bekommt in Südamerika immer zwei Nachnamen (und eigentlich auch mehrere Vornamen). Zuerst den des Vaters und als zweiten den der Mutter. Bei einer Heirat behält jeder seine Nachnamen und die gemeinsamen Kinder bekommen, dann wieder den jeweils ersten Nachnamen der Eltern (egal ob diese verheiratet sind oder nicht). Wenn ein Kind nur einen Nachnamen hat (den der Mutter), liegt das daran, dass der Vater das Kind nicht anerkannt hat oder unbekannt ist.

 

Also ich würde zum Beispiel Jolanda Zutter Mäder heissen und Beni, Benjamin Feller Habegger. Unsere Kinder würden jedoch Feller Zutter heissen… Völlig logisch oder? Jedenfalls, wenn man das System erst einmal begriffen hat. Das Joel mich mit verständnislosen Augen angeblickt hat als ich ihm unser «System» erklärt habe, kann man wohl irgendwie nachvollziehen.

 

Auf dem Rückweg haben wir noch den Orchideenweg eingeschlagen. Aber auch hier gibt es zu dieser Jahreszeit nicht sonderlich viele Orchideen zu sehen. Wobei man muss auch sagen, dass ich hauptsächlich nach solchen Blüten Ausschau gehalten habe, wie ich sie von zu Hause resp. aus dem Migros kenne… *shame*. Dabei gibt es so viele Unterschiedliche Arten. Wir haben einige ganz winzig kleine Blüten entdeckt und es waren tatsächlich Orchideen.

 

Plötzlich gibt es hinter uns im Dickicht einen lauten Knall und Geraschel, als ob etwas grosses von einem Baum ins Unterholz gesprungen wäre aber wir können nichts sehen und machen uns langsam auf den Heimweg. Trotzdem blicke ich immer wieder hinter mich – wer weiss vielleicht kommt das grosse «Etwas» doch noch raus und es gibt ja hier schliesslich auch Jaguare und Pumas in der Gegend (weshalb man sich in der Nacht nicht vom Refugio wegbewegen sollte…) …

 

Nachdem ich Beni aus dem Bett geholt habe, wollen wir noch den zweiten Wasserfall erkunden, welcher in der Nähe des Refugios ist. Wo sich der zweite Wasserfall befindet sieht man, dass der Fluss einen Bogen macht und das weckt unsere Neugier. Wir klettern auf den grossen Felsen entlang um die Ecke und entdecken einen weiteren Wasserfall, welcher vor uns in die Tiefe stürzt und noch einen weiteren etwas weiter vorne, welche von einem anderen Berg runterstürzt. Wir fühlen uns wie kleine Abenteurer auf Entdeckungsreise und geniessen die Stille und die unberührte Natur.

 

Auf dem Rückweg wollen wir über die Sandbänke entlang zum Becken des zweiten Wasserfalls um ein Bad zu nehmen. Wir merken aber schnell, dass es wieder so trügerischer Sand ist und Beni versinkt fast bis zur Hüfte im Sand. Uups! Dann doch lieber wieder über die Felsen zurück und beim bereits bekannten ersten Wasserfall ein erfrischendes Bad nehmen – sicher ist sicher und unser Abenteuergeist ist für heute sowieso gestillt.

 

El Cumbre

Für den letzten Morgen haben wir uns ja eigentlich nun das Sahnehäubchen aufgehoben, da das Wetter gestern besser war und der Weg heute somit trocken sein sollte. Beni geht es aber leider immer noch nicht gut. Die Überlegung ob Joli alleine gehen soll, fällt definitiv ins Wasser, als wir feststellen, dass Joel mit den neuen Touristen losläuft und somit klar ist, dass für den Gipfel und uns nur der wortkarge Guide übrig bleibt… Zudem hat Edwin nach der Gipfel Erklimmung gestern noch erzählt, dass der Guide noch weniger gesagt hat als am Vortag und vor allem Null Rücksicht genommen hat im Zusammenhang mit dem schwierigen Weg und gewünschten Pausen etc., weshalb zwei der Chinesen in der Hälfte dann auch umgekehrt haben.

 

Naja wir haben zum Glück auch kein Problem damit den Tag gemütlich in der Hängematte und im Liegestuhl zu verbringen, bis wir uns am Nachmittag um drei auf den Rückweg in Richtung Santa Cruz machen.

 

Wir haben die Zeit zum Relaxen und Fotografieren genutzt und Beni hat noch eine neue Gattung entdeckt wie er meint. Es ist kein Schmetterling resp. kein Butterfly oder wie Joli sie so gerne umbenennt Butterfliege sondern seiner Meinung nach eine seltene Blütterfliege (siehe Bild drei *haha*).

 

Beni hat zwar die Hälfte der Wanderungen verpasst aber wer unsere Berichte etwas verfolgt, weiss ja was er von Waldspaziergängen hält und somit ist er nicht ganz so traurig und die eine Wanderung war für ihn Wald genug. Joli hingegen hat den Dschungel in vollen Zügen genossen und hat auf jedem Spaziergang immer wieder festgestellt wie wunderschön der Wald ist und was es dort alles zu entdecken gibt. Das Refugio ist definitiv eines unserer Highlights!

 

Wir können uns kaum von dem schönen Ort losreissen um zurück nach Santa Cruz zu fahren. Von hier aus fliegen wir nach Trinidad. Dort steht eine 4 tägige Flussfahrt auf dem Programm. Nach Stunden der Ruhe und Erholung mit sauberer Luft inmitten der Natur, ist die Ankunft im lärmigen, stickigen Santa Cruz nicht ganz einfach.

 

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