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Flotel "Reina de Enin"

Hitze, Schlamm und Mosquitos

Nachdem uns ein Taxi an einen Hafen bringt, welchen wir selber nicht als solchen erkannt hätten, fahren wir 30 Minuten mit einer kleinen Nussschale durch kleine Nebenflüsse bis zu unserem schwimmenden Hotel resp. Flotel der "Reina de Enin".

Schon auf den Hinweg zum Schiff sehen wir einige Tiere wie Brüllaffen, Vögel, usw. und sind sofort begeistert von der Landschaft. Als der Fahrer einen Ast unter Wasser rammt schwankt das Boot bedenklich und Joli geht schon fast in den ersten Minuten auf dem Fluss über Bord aber es geht zum Glück nochmal alles gut.

 

Das Schiff hat seine besten Tage bereits hinter sich (Baujahr 1982) aber die Kabinen sind trotzdem sauber und gross genug. Wir laden unser Gepäck im Zimmer ab, um uns sogleich auf den ersten Landausflug zu begeben. Ziel ist der Besuch einer hiesigen Farm am Flussufer. Wir dachten bereits in Santa Cruz es wäre extrem heiss, aber das Klima hier ist nochmal etwas heftiger. Es ist brutal schwül und feucht. Hinzu kommt, dass aufgrund der sengenden Sonne und der vielen Mosquitos, lange Kleider ein Muss sind. Und unsere einzigen langen Kleider sind die, die wir für die kalten Regionen dabei haben *schwitz*. Da wir nicht reiten wollen und die anderen Gäste auch schon vom reiten zurück kommen, gehen wir mit dem Guide eine Familie und deren Haus besuchen. Die Familien müssen hier regelmässig, wenn der Fluss wieder über die Ufer kommt, umziehen, weshalb die Häuser sehr provisorisch und einfach aufgebaut sind und nur aus einem Raum bestehen.

 

Mit auf dem Schiff sind noch drei weitere Schweizer, drei Engländer, eine Argentinierin und fünf Besatzungsmitglieder. Das Boot bietet Platz für 24 Gäste, somit gibt es also mehr als genug Platz für alle. Das Schiff verfügt über 3 Decks. Im untersten sind die Schlafkabinen, im mittleren Stock die Küche, der Speiseraum, sowie aussenrum eine gedeckte Terrasse und zuoberst, die Kommandobrücke sowie das Sonnendeck mit Liegestühlen.

 

Um 13:00 gibt’s Mittagessen, wobei wir gleich danach schon die ersten rosa Fluss-Delfine sehen. Diese Exemplare sind einzigartig und nur im Amazonasgebiet heimisch aber die rosa Farbe ist in diesem braunen Fluss doch eher schwer zu erkennen. Nach dem Mittagessen spazieren wir ein wenig durch den Dschungel, wo unser Guide (ein anderer, viel jüngerer) seine hiesigen Kenntnisse zu Flora und Fauna eindrücklich unter Beweis stellt.

 

Dass man mit fleischfressenden Ameisen Wunden schliessen kann indem man sie wie eine Heftklammer braucht geht also wirklich und ist keine Erfindung von Hollywood. Auch wurden andere Ameisen zur Folter gebraucht. Einen Dieb hat man zum Beispiel mitten in einem solchen Ameisen Nest festgebunden und wenn er die Nacht überlebt hat, war er frei und hat sicher nie mehr geklaut. Der Biss dieser orangen Ameisen ist nämlich so schmerzhaft, dass man bei vielen Bissen an Herzversagen stirbt aufgrund der Schmerzen. Der Guide wird natürlich prompt gebissen weil er einen Baum hochklettert auf dem es von diesem Ameisen wimmelt und das nur um für uns eine Kakaofrucht runter zu holen, welche wir ihm und seinem Biss zu Ehren dann auch genüsslich verspeisen. Er erklärt uns, dass es tatsächlich Touristen gibt die sich absichtlich beissen lassen um zu sehen wie es sich anfühlt… «Poco loco!»

 

Es gibt auch einen Baum, welchen sie im Dschungel für die Kommunikation, also zum Beispiel zum Hilfe rufen, brauchen. Das ist wohl dann das, was wir umgangssprachlich ein Buschtelefon nennen… Man klopft und die grossen Wurzeln des Baums und es erklingt ein lauter hohler Ton der über einige Kilometer hörbar ist. Ein anderer Baum, wächst von oben nach unten an einem bereits bestehenden Baum runter, umschlingt diesen du tötet ihn mit der Zeit.

 

Es ist auch faszinierend wie viele Pflanzen, Früchte und Baumrinden als Medizin verwendet werden können. Aber wahnsinnig ist auch, wie viele Pflanzen und Früchte im Dschungel giftig sind. Nach der ca. 100sten Warnung «Achtung giftig» meint Joli zum Guide er solle uns doch einfach die nicht giftigen Pflanzen zeigen, dass sei einfacher… Als der Weg dann so schlammig wird, dass wir wie auf Schlittschuhen rumrutschen, machen wir kehrt. Die Mosquitos haben uns komplett verstochen. Joli hat den ganzen Bauch voller Stiche obwohl sie ein T-Shirt und einen Pulli angezogen hatte.

 

Im Anschluss durften wir unsere durchgeschwitzten Körper im Fluss abkühlen. Mit kleinen Gummiringen, welche wir zuerst noch aufpumpen mussten, unter dem Po oder um den Bauch sprangen wir ins kühle Nass des Flusses. Man muss einfach verdrängen was sich alles für kleine, grosse, gefährliche und nette Tierchen in diesem Fluss tummeln, dann kann man das ganze auch geniessen und der Sonne auf dem Wasser treibend bei unter gehen zusehen. Dann aber schnell raus, denn jetzt kommen die blutrünstigen Mosquitos erst recht.

 

Der lange Tag wird nach dem Abendessen noch länger, denn wer wollte durfte noch auf eine kurze Bootstour bei Nacht. Während 30 Minuten hielten wir nach Kaimanen Ausschau und fanden dann auch welche. An einer Stelle griff unser Guide plötzlich blitzschnell ins Wasser und hielt sogleich ein Baby Krokodil in den Händen. «Frühstück» rief er und hielt das Krokodil in die Luft, aber natürlich setzt er es keine zwei Minuten später an selber Stelle wieder ins Wasser.

 

Zurück auf dem Boot ist dann sogar das Zimmer angenehm kühl, denn zwischen 8 und halb 11 gibt es Strom inkl. Klimaanlage. Sonst hat es einfach zwei Mal täglich für zwei Stunden Strom mit Ventilator. Die kalte Luft hält sich bis kurz nach Mitternacht, danach solle man aufstehen und die Fenster öffnen. Die Warnung war keine Übertreibung. In der Nacht aufgewacht war es kaum auszuhalten, unsere Fenster werden aber dann kurz darauf von unserer Zimmernachbarin geöffnet, welch ein Service. Auch wenn das nicht viel bringt, die Erlösung kommt spätestens morgens um sieben als der Strom und somit der Ventilator anspringt. Heiss Wasser gibt’s übrigens nur morgens aber hier muss man aufgrund der Temperaturen sowieso am Abend duschen wo es zum Glück nur kaltes Wasser gibt.

 

Fliegende Piranhas

Frühstück gibt’s um 8 Uhr und danach verbringen wir den Morgen grösstenteils auf einem der kleinen Motorboote. Der Fahrtwind erfrischt uns ein kleines bisschen. Wir cruisen durch die vielen kleinen Nebenflüsse, welche zum Teil nur in der Regensaison bestehen und danach nicht mehr passierbar sind.

 

Als erstes besuchen wir eine grössere Gemeinde. Kaum ausgestiegen läuft der Schweiss auch schon wieder in Strömen, man ist hier eigentlich durchgehend feucht und klebrig. In dieser Gemeinde leben etwa 45 Familien und es gibt sogar eine Schule für die Kinder. Die Lehrer nehmen jeden Tag den Weg von Trinidad auf sich um hier zu unterrichten. Wenn der Weg es zulässt reisen sie im Boot an, wenn nicht (oder wenn wie heute das Boot kaputt geht) kommen sie zu Fuss. Drei Stunden ein Weg. Die Häuser hier sind robuster und vor allem in einer gewissen Höhe gebaut, damit sie auch die Regensaison und Überschwemmungen überstehen. Die Regierung hat geholfen diese zu erbauen, damit die Fischer in der Regenzeit ihre Häuser nicht jedes Mal aufgeben und neu bauen müssen. Der Wasserpegel und die Umgebung verändern sich saisonal total. Aktuell ist noch alles sehr schlammig, da das meiste Wasser erst vor kurzem abgeflossen ist.

 

Nach dem Kennenlernen dieses eindrücklichen und noch so ursprünglichen Lebensstils, gehen wir Fischen. Ziel ist es unser Mittagessen in Form von frischen Piranhas selbst zu fangen. Richtig gelesen in diesen Flüssen schwimmen haufenweise Piranhas und ja es ist dasselbe Wasser in dem wir gestern Schwimmen waren. Nun denn die Jungs hier scheinen zu Wissen was sie tun und wo die Piranhas sind und wo nicht. Das sagen sie jedenfalls... Mit Schilfstöcken ausgerüstet, stecken wir rohes Fleisch an die Angelhacken und halten diese ins Wasser. Es dauert nicht lange zappeln die ersten Piranhas an den Hacken. Joli wirft die Rute rein und zieht 5 Sekunden später schon den ersten Piranha raus. Sie fängt auch als einzige drei Stück. Den vierten, welcher kein Piranha ist, wirft sie wieder rein, aus Angst, dass ihn die Piranhas im Eimer sonst sofort auffressen. Beni hingegen fängt als Einziger keinen. Zwei Mal fliegen Beni’s Fische, unter grossem Gelächter, zappelnd und in hohem Bogen durch die Luft, so schnell reisst er die Rute aus dem Wasser. Aber ansonsten fütterte Beni die Fische eher mit seinen Ködern und die Guides bieten ihm an sonst doch der Einfachheit halber direkt aus dem Eimer zu fischen.

 

Am Nachmittag fahren wir mit dem Schiff eine längere Strecke. Diese Zeit nutzten wir für einen Powernap (solange der Ventilator läuft) und danach für ein lecker Bierchen auf der Terrasse.

  

In der Abenddämmerung gehen wir noch kurz auf Vogelbesichtigungstour, bevor sich der Tag dem Ende zu neigt. Wir sehen einige Vögel, haben aber immer die Sonne direkt vor uns und als wir auf dem Rückweg die Sonne im Rücken haben ist es für die Beobachtung von Vögeln schon fast zu dunkel. Aber wir haben doch noch ein paar gesehen, sogar einen Tukan und können dafür einen wunderschönen Sonnenuntergang geniessen – und solange das kleine Boot in Bewegung ist, können uns auch die Mücken nichts anhaben, da sie nicht gegen den Fahrtwind ankommen.

 

Delfine

Während das Schiff auf das Flussdelta des Río Mamoré und des Río Ibaré zusteuert, besuchen wir mit dem Beiboot noch eine Lagune, wo sich rote und blaue Aras befinden sollen. Eigentlich war für diesen Vormittag kein Ausflug geplant aber Joli wollte unbedingt Aras in freier Wildbahn sehen und die anderen Passagiere waren sofort auch Feuer und Flamme vom heissen Schiff runter zu kommen. Aras haben wir leider keine gefunden, aber dafür viele Delfine, die heute sehr aktiv um uns herum geschwommen und sogar gesprungen sind.

 

Auch am Mittag, als wir am Delta der beiden Flüsse ankommen, wimmelt es schon wieder von Delfinen. Hier sehen wir die rosa Delfine endlich mal ein wenig besser und sie wirken sogar rosa, da hier das Wasser nicht mehr braun sondern dunkelblau ist. Wir könnten Stunden damit verbringen sie zu beobachten. Nur leider fotografieren ist nichts, dafür sind sie zu schnell und wir zu langsam und die Filme können wir euch leider nicht auf die Homepage hochladen. Aber wir können euch sagen: sie sind schön, rosa und sehen aus wie Delfine, einfach mit einen grossen Buckel vorne auf dem Kopf.

 

Da es so heiss ist, ist wieder einmal eine Abkühlung im Fluss angesagt. Im blauen Ibaré zu schwimmen ist noch viel schöner als im braunen Mamoré, aber als wir dann ins Delta kommen und vom schönen blau ins schlammige braun treiben ist es irgendwie umso ekliger und wir wollen dann doch lieber schnell raus.

 

Am späteren Nachmittag gehen wir nochmals angeln. Auf dem Weg zur Lagune sehen wir eine Brüllaffenfamilie auf einem Baum herumklettern. Leider brüllen die Affen nie wenn wir vorbei komme, wir würden das gerne mal hören. Sollen sie doch scheinbar die lautesten Tiere auf der Erde sein. Beni soll noch einmal eine Chance bekommen und wir wollen definitiv noch Piranhas essen – der erste Fang wurde uns nicht aufgetischt. Auch der zweite Piranha-Angel-Ausflug ist erfolgreich. Joli gelingt es wiederum drei Fische zu fangen und Beni holt neben zwei weiteren In-hohem-Bogen-davonflieg-Fischen tatsächlich auch noch einen ins Boot. So bleibt ihm die Schmach erspart, seinen Fisch aus dem Sammelkübel der anderen zu fangen. 

 

Zum fischen und auf dem Rückweg geniessen wir lecker Bierchen und der Sonnenuntergang ist wieder einmal wahnsinnig schön. Gleichzeitig können wir auch schon den Mond am Himmel sehen. Habt ihr euch einmal geachtet, dass ihr auf der Südhalbkugel im Mond ein Häschen sehen könnt?

 

Zu Abendessen gibt es unsere selbstgefangenen Piranhas. Die sind echt lecker aber etwas mühsam zum Essen. Bis Joli ihren Piranhas vertilgt hat sind alle anderen schon lange fertig mit Essen und das restliche Essen ist abgeräumt. Macht nichts langsam Essen macht genauso satt wie viel Essen.

 

Faultiere Ahoi!

Am letzten Morgen geht es um 06:15 mit dem Boot raus um die Brüllaffen zu beobachten und vor allem zu hören. Aber ausser einem einzigen Affen, welchen wir aus 30 Metern Entfernung in einem 15 Meter hohen Baum sehen, finden wir nur noch ein herrenloses Kanu, welches wir mitnehmen.

 

Das Flotel tuckert den ganzen Tag auf dem Río Ibaré entlang. Dieser Fluss ist viel schmaler und so kann man mit etwas Glück mehr Tiere am Ufer beobachten. Wir geniessen die Sicht auf das nahe Ufer von der Schiffsterrasse aus und schwitzen was das Zeug hält. Zum Glück gibt es eiskaltes Bier.

 

Wir fahren trotzdem noch zwei Mal mit dem kleinen Boot raus. Beni bleibt beim ersten Mal auf dem Schiff zurück und macht ein Nickerchen. Wir fahren also ohne ihn zu einer wunderschönen Lagune. Es wirkt eigentlich nicht wie eine Lagune sondern es sind eher viele kleine, verschlungene Wasserwege. Das Wasser ist tief dunkelblau und rundherum leuchten die Bäume und Sträucher in saftigem Grün. Wir haben sogar das Glück und sehen drei blaugelbe Aras. Die Papageien posieren für uns oben im Baum und lassen sich extrem lange beobachten.

 

Zurück auf dem Schiff springen wir sofort ins Wasser und lassen uns extrem lange Flussabwärts treiben. Wie jedes Mal sehen wir auch heute von weitem einen Delfin aber leider kommt auch dieser nicht sehr nahe an uns heran. Beni schläft übrigens immer noch – wie ist mir allerdings ein Rätsel den der Strom ist weg und somit läuft auch der Ventilator nicht mehr.

 

Bevor wir um 17:00 das Schiff verlassen müssen, machen wir noch einen Ausflug zu einer grossen Lagune. Die Lagune selber ist nicht so spektakulär aber die verschlungenen Wasserwege um dorthin zu gelangen dafür umso mehr. Kaum bei der Lagune angekommen, müssen wir mit dem noch kleineren Beiboot leider schon wieder zurück. In vollem Tempo (dieses Boot hat etwas mehr drauf als das andere) fahren wir die verschlungenen Wasserwege zurück bis der Fahrer plötzlich eine Vollbremsung macht und Joli zum zweiten Mal fast über Bord geht. Ein Faultier hängt hier so gemütlich rum. Respektive nein, es bewegt sich sogar man kann es nur kaum wahrnehmen. Mit den langsamsten Bewegungen, die wir je gesehen haben, stopft es sich ein Blatt in den Mund und kaut genüsslich. Weiter geht’s – wir haben einen Zeitplan einzuhalten. Und wieder Vollbremsung! Noch ein Faultier! Ach dann kommen wir halt etwas zu spät… Um Faultiere zu beobachten braucht man viiiiiel Zeit!

 

Mit Wehmut verlassen wir am Abend das Schiff und kehren nach Trinidad zurück, wo Joel und Maria uns schon wieder erwarten. Eine super Flusskreuzfahrt im bolivianischen Dschungel war das!

 

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