· 

Trinidad

In Samaipata wussten wir erstmals nicht in welche Richtung wir weiter gehen sollen. Nach langer Recherche und Vergleichen zwischen Bolivien, Peru und Ecuador entschieden wir uns für eine Flussfahrt auf dem Rio Mamoré im Ibaro Mamoré Reservat. Der Rio Mamoré entstammt dem Rio Madeira, dem grössten Nebenfluss des Amazonas und in diesem Gebiet soll es auch von rosa Flussdelfinen nur so wimmeln.

 

Somit fliegen wir von Santa Cruz nach Trinidad, in das Departement "Beni. Kein Witz, das heisst wirklich so. Was aber einem Witz gleicht ist das Flugzeug, dass uns dorthin bringen soll. Beni macht sich zwar immer besser, leidet aber nach wie vor unter Flugangst. Entsprechend gross ist auch die Freude als wir bei unserem Flugzeug aus dem Bus steigen. Joli vermutete schon, dass es das kleine Flugzeug ist, das mit Amaszonas angeschrieben ist und als einziges in Sichtweite auf dem Flugplatz steht. Aber sie hat sich getäuscht. Es ist das noch kleinere Flugzeug daneben, dass man hinter dem «grösseren» gar nicht gesehen hat. Naja Flugzeug zu sagen wäre übertrieben, der Bus ist fast grösser. Es gibt immerhin 19 Plätze in diesem Zwei-Propeller-Fliegerchen und in gebückter Haltung, ja beinahe auf Knien, erreicht man auch die Sitzplätze ganz bequem.

 

Weit hinten im Flieger haben wir und fünf weitere Passagiere Platz genommen und warten vergeblich auf die Sicherheitsinstruktionen. Joli liest das auseinanderfallende Sicherheitsblatt durch und meint, die Sauerstoffmasken würde im Falle eines Falles die Crew – also wohl der Co-Pilot verteilen - welch eine Beruhigung. Klar es gibt ja auch keine Stewardessen oder gar Getränke oder sonst einen Service an Board. Aber dafür jede Menge Kotztüten – deren Zweck können wir schon bald nach dem Start allzu gut nachvollziehen.

 

Nachdem sich Beni vergewissert hat, dass auch der Kofferraumdeckel geschlossen ist, kann es losgehen. Kaum in der Luft bemerken wir folgendes: links aus dem Fenster sieht man das Ende der Wolkendecke und perfektes Wetter. Der Blick aus dem rechtem Fenster: schwarze Wolken mit einem tobenden Gewitter. Leider, ja leider, dreht der Flieger nicht in Richtung perfektes Wetter ab, neeeein wir steuern direkt ins Gewitter. Beim Eintritt kurz durchgerüttelt, liiinks, reeechts, dazu raaauf und ruunter geht es dann schaukelnd weiter. Die beiden Herren hinter uns lachen etwas verunsichert und meinen nur – das ist ja fast wie auf einer Achterbahn. Wer noch nie in einem so kleinen Flieger sass, muss wissen die Bewegungen sind doch um einiges intensiver. Und ja Toiletten gibt’s natürlich auch keine aber man kann ja eh kaum aufstehen und zum kotzen haben sie ja mit Tüten im Überfluss vorgesorgt. Also Joli hat zwar keine Flugangst aber sie muss sich doch mit geschlossenen Augen einreden, dass sie sich auf einer holprigen Strasse in einem schlecht gefederten Bus befindet und nicht in einem Flugzeug. Einzig die Luftlöcher lassen sich mit keiner noch so guten Fantasie in eine Busfahrt einflechten. Der Flug dauert zum Glück nur eine Stunde – der Einsatz der Kotztüte kommt bis zum Ende des Fluges dennoch gefährlich nah.

 

Zurück zu Trinidad. Am Rande des Amazonasbeckens liegt dieses feucht, tropische Dschungel Gebiet, ganz in der Nähe zur brasilianischen Grenze. Wo in den anderen Städten Boliviens viele Autos die Strassen verstopfen, sieht man hier überwiegend Motorräder. Sogenannte Moto Taxis, bringen dich hier für einen Stutz von A nach B – ohne Helm versteht sich.

 

Joel und Maria

Wir haben in Trinidad ein Airbnb Zimmer bei Joel & Maria reserviert. Er ist Franzose, sie Spanierin, sie lebten unter anderem in Frankreich, Französisch Guyana und Kanada bevor sie nach Bolivien kamen. Nachmittags um 17:00 werden wir herzlichst von den beiden empfangen. Kurz das Gepäck ins Zimmer gestellt und dann haben wir auch schon im Garten Platz genommen. Joel spricht ein wenig Deutsch mit französischem Accent. Er meinte nur: «Gleisch maschen wir ier eine gleine Ogtoberfest!». Ok. Wir sind gespannt. Unser Plan war eigentlich, ankommen, duschen und schlafen, da wir am nächsten Morgen um 08:30 abgeholt werden und die Flusskreuzfahrt starten. Daraus wurde nichts.

 

Wenig später sitzen wir auch schon leicht angesäuselt im Garten mit einer eiskalten Mass Bier in der Hand. Der Besitzer des Hauses wollte eigentlich vorbei kommen um einen Schaden auf dem Vorplatz zu inspizieren – er hat aber nur jede Menge Bier gebracht und sich zu uns gesetzt. Das Bier wird noch mit etwas selbstgebrautem vom Joel aufgeputscht, was gemäss Maria vom Glas direkt in den Kopf steigt und den Magen überspringt – das können wir so definitiv bestätigen! Maria stellt etwas Ziegenkäse auf den Tisch und Joel kommt plötzlich noch mit einem riesen Glas eingelegten Früchten – Trauben im Traubenschnaps. Auch davon gibt’s für jeden noch ein Glas. *hicks* Das Bier und das Gespräch fliesst als würden sich alle am Tisch schon ewig kennen und vor allem als würden alle dieselbe Sprache sprechen – einen solchen Mix zwischen Spanisch, Französisch und Deutsch bringt man nur in angetrunkenem Zustand zustande resp. versteht es.

 

Auf einmal meldet sich der Hunger und vor allem Marias Gastgeberinstinkt: «Wir können doch die Gäste nicht nur abfüllen sondern müssen sie auch füttern?!». Keiner hat jedoch Lust was zu kochen. Also hüpfen wir auf Joel’s Quad und zwei Moto Taxis, welche uns ins Zentrum bringen. Zwar ohne Helm aber in gemütlichem Tempo und sicher werden wir durch die Nacht chauffiert. In der Stadt teilen wir uns eine grosse Pizza bevor wir dann um 23:00 noch kurz unter die Dusche hüpfen und dann ins Bett fallen.

 

Um halb sieben am nächsten Morgen klopft Maria bereits lautstark an die Zimmertür, sie will uns doch noch den Markt zeigen damit wir unsere Einkäufe machen können und Frühstück gibt’s schliesslich auch noch bevor wir um halb neun abgeholt werden.

 

Uns gefällt es so gut bei den beiden, dass wir für die Zeit nach der Flussfahrt gleich zwei weitere Nächte bei ihnen buchen und schliesslich müssen wir uns auch geehrt fühlen – Joel prüft immer sehr gut, welche Gäste sie bei sich aufnehmen und welche nicht. Umso grösser die Ehre, dass wir sogar noch ein zweites Mal kommen dürfen.

 

 

Nach unsere Rückkehr von der Flussfahrt wollen die beiden uns so viel wie möglich zeigen. Beni hat aber wiedermal etwas Probleme mit dem Magen und zudem kommt Formel Eins im TV – was wohl der ausschlaggebendere Grund ist um zu Hause zu bleiben… Somit übernimmt Joli die sozialen Pflichten und besucht mit Joel den kleinen Park, welcher einem kleinen Zoo ähnelt und eine kleine Lagune hat. Es ist abartig heiss und obwohl erst Morgen ist haben wohl auch die Tiere bei dieser Hitze keine Lust gross hervor zu kommen. Ich nutze dafür aber die Nähe zum Flughafen und lasse mich von Joel hin chauffieren um die möglichen Flüge direkt vor Ort abzuklären. Aktuell ist der Plan nach Rurrenabaque zu gehen. Dafür muss man entweder von Trinidad nach La Paz und dann nach Rurre fliegen oder von Trinidad nach Santa Rosa und dann mit dem Taxi nach Rurre, was uns sinnvoller erscheint. Am normalen Flughafen gibt es keine Flüge nach Santa Rosa – Aha! Wir sollen auf den kleinen Flughafen nebenan gehen, dort wo die Sportflugzeuge sind, welche als Flugtaxis dienen. Im Hangar 3B finden wir das «Taxi-Unternehmen».

 

Nachdem wir uns ca. eine halbe Stunde mit ein paar Herren unterhalten haben, welche aber gar nicht dort arbeiten, wie sich dann herausstellt, sondern nur ein Paket verschicken wollen, finde ich doch noch eine Dame, die mir Auskunft zu den Flügen gibt. Es gibt keine fixen Flugzeiten. Wenn das Flugzeug voll ist fliegt es, die Zeit wird dann unter den 5 Passagieren ausgemacht. Sie zeigt mir das Flugzeug. Ooookey… Fünf Personen und Gepäck sollen da reinpassen, das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, zumal unsere Rucksäcke ja schon so gross sind wie zwei kleine Personen. Sie meint aber, dass man pro Person 23 Kilo verteilt auf zwei Gepäckstücke mitnehmen kann und dass das auch Platz hat. Jaaa wenn sie das sagt… Sicherheitshalber mache ich noch ein Foto des Flugtaxis, denn nach dem letzten Flug bezweifle ich stark, dass Beni sich in dieses Schnupftruckli reinsetzen wird…

 

Am frühen Nachmittag gehen wir dann mit Joel und Maria zum Mercado zum Mittagessen. Wie immer bei diesen Märkten ist einiges los und das Essen schmeckt richtig gut. Maria will mir unbedingt ein Geschenk machen und schenkt mir einen Fächer, welcher bei dieser Hitze zwar ein Segen ist aber wie soll ich den auf der Weiterreise mitnehmen?! Für die Rückfahrt, fährt Beni bei Joel auf dem Quad mit. Da er ja am Vormittag den Park verpasst hat, der Arme, will Joel ihm dafür jetzt die Lagune zeigen *haha* - jedem seine sozialen Verpflichtungen.

 

Am letzten Abend werden wir noch einmal richtig verwöhnt. Joel bereitet uns original französische Crêpes zu, zusammen mit der selbstgemachten Marmelade von Maria, ein Gedicht. Wir geniessen das gute Essen, das gepimpte Bier und die guten Gespräche mit den beiden sehr.

 

Am letzten Tag erkunden wir selber noch etwas die Stadt und gehen im Zentrum Mittagessen, denn wir müssen noch die Flugtickets drucken – wir gehen nun doch direkt nach La Paz, mit einem normalen Flugzeug.

 

Bei einer Kellnerin entdecken wir ein T-Shirt, dass wir unbedingt haben wollen: «I LOVE BENI» steht drauf! Das T-Shirt wurde zum letzten Jahrestag des Departements hergestellt und jeder scheint zu wissen wo man es kaufen kann aber trotz des eifrigen Einsatzes des Taxi Fahrers, welcher uns zwei Stunden vor Abflug noch in der halben Stadt herumfährt, bevor wir schlussendlich auf den letzten Drücker doch zum Flughafen müssen, finden wir es leider nicht.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0