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Copacabana

Das Original liegt nicht wie die meisten denken in Brasilien, sondern in Bolivien am Ufer des Titicacasees. Mit dem Bus ist der See von La Paz in 4 Stunden erreichbar.

 

Kurz vor dem Ziel werden aber Bus und Passagiere getrennt und der Bus wird auf einer Art Holzfloss vom einem zum anderen Ufer gefahren, während die Passagiere ein normales Boot zum Übersetzen benutzen. Es dauert eine Weile bis der Bus ankommt aber sobald er da ist muss man reinspringen, denn der Bus fährt dann einfach weiter. Warum wir das wissen? Nachdem wir etwa seit 10 Minuten wieder unterwegs sind, überholt uns ein Taxi und bremst uns aus. Darin sitzt ein Paar, welches auch in unserem Bus unterwegs ist, war respektive sein sollte. Wild gestikulierend machen sie ihre Wut beim Buschauffeur bemerkbar, diesen scheint das aber nicht wirklich zu interessieren, schliesslich hat er ja vor der Abfahrt noch gerufen «Sind alle da?» und niemand hat jemanden als vermisst gemeldet. Wobei man aber erwähnen muss, dass 80% der Leute im Bus die Frage wohl gar nicht erst verstanden haben.

 

Der Fahrer rast wie ein Irrer durch die Kurven in Richtung Zielort. Aktuell hat die Strasse drei Spuren. Die Gegenfahrbahn, die alte Fahrbahn auf unserer Seite eine neue Fahrbahn auch auf unserer Seite, welche aber noch einen grossen scharfkantigen Absatz zur Alten hat. Der Fahrer wechselt die Fahrbahn wie es ihm gefällt. Rauf, runter, auf die Gegenfahrbahn, scheiss egal, einfach dort wo ihn die Strasse gerade am besten vorkommt. Dabei greift er immer wieder zu den Erdbeerwaffeln, welche auf der Ablage hin und her rutschen (ungefähr wie die Passagiere hinten im Bus) und schmeisst, dass leere Plastik dann, wie hier üblich, einfach zum Fenster raus…

 

In Copacabana angekommen (wir haben schon fast nicht mehr dran geglaubt) schlendern wir erstmal durchs Dorf und entlang des Sees. Es ist ein kleines Fischerdörfchen mit vielen Restaurants, teilweise mit Terrassen und Blick auf den See. Wunderschön. Hier ist es schön ruhig und der See verleiht dem ganzem etwas heimisches, es erinnert uns an zu Hause und den Thunersee. Nach dem Grossstadttrubel in La Paz ist das hier Erholung pur. Mit einem lecker Bierchen geniessen wir bei 16 Grad die Sonne und den Blick auf den tiefbauen See.  

 

Mit der Ruhe ist es aber schon bald vorbei, denn am Wochenende strömen die La Pazer in den kleinen Ort um für ein paar Stunden dem Stadtrummel zu entgehen. Überall hat es Essensstände, auf dem See wimmelt es von Pedalos, Jetskis und sonstigen Vergnügungsobjekten und die Tourenverkäufer schreien um die Wette um die Boote, die seit fast einer Stunde «jetzt gerade» losfahren, zu füllen.

 

Isla de Sol & de la Luna

Mit einem Boot besuchen wir in einem Tag die Inseln "Isla del Sol" & "Isla de la Luna". Zusammen mit etwa 50 weiteren Personen werden wir in ein kleines Holzboot verfrachtet. Wir können uns einen Platz auf dem Dach ergattern. Bei Sonnenschein aber trotzdem warm eingepackt (es ist ziemlich windig), erreichen wir nach einer guten Stunde langsam über den See tuckernd die Sonneninsel. Hier steigen die ersten Leute aus. Weiter geht’s eine halbe Stunde zur Mondinsel. Hier haben wir ca. 50 Minuten Zeit. Es wird ungefähr 10x erwähnt, dass man pünktlich sein muss und das Boot nicht wartet. Man hätte bereits am Vortag 4 Touristen zurück gelassen, die dann ein teures Privatboot zahlen mussten.

 

Es gibt eine Inka Ruine zu besichtigen und einen Aussichtpunkt bei einem Hostel. Wir laufen und keuchen (wir befinden uns wieder auf über 4000 M.ü.M.) 40 Minuten auf dieser Insel herum, bevor wir 10 Minuten zu früh wieder am Strand unten sind und dann noch ca. eine halbe Stunde warten, bis das Boot verspätet losfährt…

 

Jetzt gehen auch wir zur Sonneninsel. Der Blick auf die Cordillera Blanca ist super schön und die Stimmung wird nur vom Theater getrübt, dass der Guide veranstaltet. Man hat uns gesagt, dass man am südlichsten Hafen aussteigen und dann alleine oder mit Guide ca. 1.5 Stunden zum südlichen Haupthafen laufen kann. Plötzlich ist der Guide aber Pflicht und kostet nicht gerade wenig. Nach einigem hin und her, wo denn das Schiff jetzt zuerst anlegen soll, fährt der Käpten zuerst zum südlichen Hafen wo die Wanderer aussteigen. Als diese das Boot verlassen haben, heisst es plötzlich, dass man jetzt auch ohne Guide rüber laufen kann und einfach dem Käpten noch etwas für die Extrafahrt zu diesem Hafen (wo wir uns gerade befinden und so oder so hingefahren wären) bezahlen müssen. Hätten wir bereits den Guide bezahlt, denn wir nie wollten, hätten wir uns grün und blau geärgert, aber auch so fanden wir das ganze Theater und hin und her nervtötend und blieben einfach auf dem Boot sitzen. Beni sagt: «Solche Touri Abzocke mache ich nicht mit!». Wir steigen also beim südlichen Haupthafen aus.

 

Leider ist der komplette Norden der Insel aufgrund von Konflikten unter den drei Gemeinden (Nord, Mitte und Süd) gesperrt. Nord und Süd haben beiden Einnahmen aus dem Tourismus, während die Mitte leer ausgeht, da hier die Touristen nur durchlaufen. Somit hat die Mitte den Durchgang auf und um die Insel gesperrt und es ist nur noch der südliche Teil erreichbar. Anscheinend wurde Anfang Jahr eine koreanische Touristin getötet, die sich nicht an dieses Verbot hielt und versucht hat vom südlichen Teil in den nördlichen zu laufen.

 

Wir nutzen die zwei Stunden Aufenthalt hier um die steile Treppe zu erklimmen und uns etwas umzusehen. Hustend und prustend wie zwei alte Dampflokomotiven machen wir nach 3/4 des Weges halt und entscheiden uns für ein Restaurant mit super Blick über den See und ein lecker Bierchen. Denn in diesem Tempo erreichen wir den Aussichtspunkt sowieso nicht rechtzeitig und die Aussicht ist hier auch super. Hier sitzen wir also und geniessen die Aussicht auf den dunkelblauen, riesigen Titicacasee mit den weissen Bergen im Hintergrund bevor es dann wieder aufs Boot in Richtung Copacabana geht. 

 

Wir bleiben noch etwas in Copacabana zur Erholung. Immer auf der Suche nach einem guten Wifi, damit Beni die Eishockey WM verfolgen kann und Joli geniesst dafür die Zeit und verschlingt einen Krimi nach dem anderen.

  

Aufgrund des nicht so leckeren Essens und noch schlechteren Internets in diesem touristischen Ort und eines über 12 stündigen Stromausfalls entscheiden wir uns dann aber schon bald Richtung Peru aufzubrechen. Wir haben uns hier dafür in aller Ruhe dazu entschieden, grosse Teile Peru's auszulassen. Warum? Zum einen können wir mit dem Massentourismus, welcher in Peru (insbesondere beim Machu Picchu und generell im Süden des Landes) herrscht nicht viel anfangen, zum anderen werden wir das gesparte Geld stattdessen in eine Galapagos Kreuzfahrt investieren, welche nicht gerade billig ist.

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