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Puno

Willkommen in Peru. Etwa 4 Stunden von Copacabana entfernt, an der gegenüber liegenden Seite des Titicacasees, befindet sich Puno. Der Grenzübertritt geht auch hier problemlos über die Bühne, obwohl alle aus der Schlange austreten müssen um eine Passkopie zu machen. Wir kommen gerade noch durch und haben zum Glück auch eine Kopie dabei. Als Joli fragt wozu man diese braucht, läuft der Beamte davon und kommt kurz darauf zurück mit der Mitteilung, dass wir sie jetzt doch nicht brauchen. Irgendwie ist das System ausgefallen und geht jetzt scheinbar wieder. Pech für alle hinter uns, aber jetzt hat zumindest jeder eine Passkopie dabei.

 

In Puno bleiben wir nur zwei Nächte, dazwischen übernachten wir eine Nacht auf einer Insel im Titicacasee bei einer peruanischen Familie. Die Stadt unterscheidet sich noch nicht gross von Bolivien, lediglich die Preise sind wieder etwas höher. Wir erkunden das Zentrum und erklimmen einen Aussichtspunkt bevor wir sehr lecker zu Abend essen. Die peruanische Küche gilt als die beste in Südamerika. Wir werden noch genügend Zeit haben, diese These zu prüfen. Puno ist etwas grösser als Copacabana aber trotzdem hübsch und für einen Tag sicher einen kurzen Aufenthalt wert. Die meisten machen aber wie wir Ausflüge auf dem See und besuchen die berühmten Inseln.

 

So langsam aber sicher holt uns klimatechnisch der Winter ein. Tagsüber bei Sonnenschein ist es im Pullover gerade angenehm, nachts jedoch wird es bei Minus Graden schon bitterkalt. Hinzu kommt, dass wenn man nicht gerade in einem Luxushotel nächtigt, auch keine Heizung vorhanden ist. In unserem Zimmer ist es schweinekalt! Da heisst es Zwiebel Prinzip anwenden und dick eingepackt, inklusive Handschuhe und Mütze, gehen wir früh schlafen. 

 

In unserem Hotel unterhalten wir uns noch etwas mit dem einzigen Mitarbeiter. Der Mann arbeitet seit 3 Jahren in diesem Hotel. Er arbeitet jeden Tag, er putzt die Zimmer, ist während 24 Stunden und 7 Tagen die Woche für die Rezeption verantwortlich, und erledigt auch noch alle Arbeiten, welche sonst noch so anfallen. Er hatte noch nie einen freien Tag oder gar Ferien in dieser Zeit und wohnt eigentlich an seinem Arbeitsplatz. Seine Frau und die kleine Tochter verbringen so viel Zeit wie möglich bei ihm im Hotel und unterstützen ihn wo es geht und übernehmen auch mal ein  paar Stunden, wenn er zum Beispiel zum Arzt muss oder so.

 

In dieser Region Perus gibt es nicht viel Arbeit, er hat also nicht gross die Wahl ob er diesen Job machen will oder nicht. Das Hotel sei für ihn wie ein Gefängnis geworden, aber was macht «Mann» nicht alles für die Familie. Der Mann erhält zudem mit 240 Franken im Monat nicht mal den peruanischen Mindestlohn, welcher bei etwa 250 Franken liegt. Für uns wäre so ein Job wohl unvorstellbar! 

 

Wir dürfen unser Gepäck bei ihm stehen lassen, während wir eine Nacht auf einer Insel auf dem Titicacasee verbringen. Wir bezahlen unser Zimmer umgerechnet 15 Franken und geben ihm 6 Franken Trinkgeld, für die Gepäckverwahrung. Sichtlich gerührt bedankt sich der Mann bei uns, schüttelt freudig unsere Hände und sagt, dass er zum ersten Mal überhaupt Trinkgeld erhält. Jaaa, da weiss man unsere Arbeitsbedingungen wieder etwas zu schätzen, wenn man solche Geschichten hört.

 

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