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Titicacasee

Vielen Dank Dorette Hegetschweiler für deine Spende unter «Kleine Freuden». Wir durften zwei wunderschöne Tage auf dem Titicacasee erleben und haben unserer Gastfamilie auf der Insel in deinem Namen noch Hefte und Farbstifte für die Kinder sowie Reis und Pasta für die Familie mitgebracht.

Auf dieser Tour sind wir zwei Tage auf einem Boot unterwegs, welches uns auf drei verschiedene Inseln  führt, wobei wir auf der grössten Insel bei einer peruanischen Familie übernachten.

Um 8 Uhr morgens werden wir abgeholt. Für diese Tour haben wir lediglich einen Tagesrucksack mit viiiielen warmen Kleidern gepackt. Am Hafen beziehen wir unsere Plätze auf dem Boot, welches für 30 Personen ausgelegt ist. Wir sind aber lediglich 16 Personen was sehr angenehm ist. Leider dürfen jedoch immer nur 8 Personen oben aufs Deck was uns aber schon bald egal ist. Oben ist es extrem windig und die Sonne brennt erbarmungslos auf uns runter. Du holst dir also innert kürzester Zeit einen Sonnenbrand und frierst dazu auch noch – unkuhl! Wir haben zusammen mit einem dänischen Ehepaar das Heck des Schiffs für uns eingenommen; sonnig mit Schattenoptionen und windstill.

 

Uros & Amantaní

Wir tuckern gemütlich auf den riesigen See hinaus. Nur etwa 30 Minuten vom Festland entfernt nähern wir uns auf einmal vielen kleinen Häusern aus Schilf, welche im Wasser zu schwimmen scheinen. Aus der Nähe sieht man dann, dass die Schilfhäuser auf Inseln stehen, welche ebenfalls aus Schilf gebaut sind. Nach dem ersten grossen Staunen legen wir auf einer solchen Insel an wo uns die Bewohner bereits erwarten. Der Boden ist ziemlich weich und gibt bei jedem Schritt etwas nach. Wir erhalten Einblick in das Leben der Menschen hier. Auf dieser Insel, leben vier Familien mit total 15 Personen.

 

Einer älterer Herr ist der sogenannte Präsident der Insel und hat hier das Sagen. Dieser ist es dann auch, welcher uns während einer halben Stunde erklärt (in Aymara der Sprache der Uros), wie solche Inseln gebaut und unterhalten werden. Wöchentlich muss der Schilfboden mit einer neuen Lage ausgelegt werden, da die älteren Lagen unter Wasser verrotten. Die Inseln sind mit dem Boden des See, welcher an dieser Stelle nur etwa 10 Meter tief ist, verankert. Auch mit der Feuerstelle, also der Küche muss man Vorsichtig sein. Die Uros leben zwar auf dem Wasser aber ihre Inseln sind leicht entflammbar.

 

Wir dürfen auch eines der Häuser betreten. Auf kleinstem Raum mit lediglich einer dünnen Decke auf dem Boden leben die Familien hier. Der technologische Fortschritt hat aber auch hier nicht Halt gemacht. Mit einem Schmunzeln stellen wir fest, dass in der Ecke eine grosse Autobatterie steht, welche Strom für drei Glühbirnen an der Decke, einen kleinen Fernseher sowie ein Smartphone erzeugt und auch, dass Solarpanels vor den Häusern aufgestellt sind und weiter hinten sind auch Motorboote und Gasflaschen zu sehen. Trotzdem sind die Lebensbedingungen hier gerade im Winter extrem. Seit einiger Zeit werden unter die Schilfhäuser mehrere Schichten Schilf aufgehäuft um die Bodentemperatur in den Häusern nicht zu tief sinken zu lassen, da viele der Menschen mittlerweile unter Gelenkbeschwerden leiden. Insgesamt leben auf dieser Inselgemeinschaft noch 4200 Menschen nach dieser alten Tradition.


Nachdem wir uns mit handgemachten Souvenirs eingedeckt haben, werden wir von der Familie singend verabschiedet und verlassen ihre Insel mit ihrem grossen Schilffloss und werden auf die Hauptinsel gebracht. Das grosse Schiff nennen sie liebevoll ihren Mercedes. Die kleinen Boote sind die Love Taxis. In diesen ziehen sich Paare für ihre Schäferstündchen ins Schilf zurück, da es auf der Insel keine Privatsphäre gibt.

 

Auf der Hauptinsel gibt es dann weitere Handarbeiten der Bewohner zu kaufen und es hat sogar ein kleines Restaurant. Kurz darauf brechen wir mit unserem Boot wieder auf und nehmen Kurs auf die Insel Amantaní, welche wir nach rund drei Stunden erreichen.


Auch hier werden wir von den Familien am Hafen erwartet. Auf jede Familie werden maximum 4 Personen zugeteilt. Wir und eine Brasilianerin werden bei Virginia übernachten. Nach der Begrüssung geht Virginia voraus im Stechschritt den Berg hoch. Wir können ihr keuchend und schnaufend gerade noch so folgen, die Brasilianerin aber ist bereits nach 5 Minuten abgehängt, was uns aber zu einer kurzen Verschnaufpause verholfen hat. Nach 15 Minuten erreichen wir, einiges an Höhenmetern weiter oben, Virginias Haus. Es ist bereits zwei Uhr nachmittags, Virginia weist uns die Zimmer zu und bittet uns sogleich zu Tisch, endlich was zu Essen. Es gibt eine Quinoa-Gemüse Suppe und danach einen Teller mit Salat, Kartoffeln und gebratenem Schafskäse, welcher herrlich schmeckt und so schön quietscht beim Kauen.

 

Jetzt haben wir auch Zeit uns mal das Haus, die Zimmer und natürlich die super Aussicht anzuschauen. In der Küche steht ein kleiner Tisch mit vier Stühlen, in der Hauswand ist eine Kochnische eingebaut wo noch mit Holz eingefeuert wird, daneben gibt es aber auch einen kleinen Gaskocher, welcher das Leben etwas leichter macht. In unserem Zimmer stehen zwei Einzelbetten mit ein paar Wolldecken sowie ein kleiner Tisch. Das Bad ist zu unserer Überraschung sehr geräumig und modern aber leider im unteren Stock und nur über eine Aussentreppe erreichbar.

 

Um vier Uhr nachmittags treffen wir uns mit der ganzen Gruppe am Hauptplatz und bekommen noch etwas mehr Infos zum Leben auf der Insel und vor allem die traditionelle Kleidung. Je nachdem, welcher Gemeinde eine Frau angehört, hat ihr Rock eine andere Farbe. Die Bluse ist weiss, ausser der Ehemann ist eine Autoritätsperson auf der Insel, dann ist die Bluse schwarz. Virginia ist also in schwarz, weiss gekleidet.

 

Nun kann man wahlweise auf eine Wanderung, den Berg hinauf zu einem Tempel gehen oder selbständig das Dorf erkunden. Wir entschieden uns gegen die Wandergruppe (Joli ist beim letzten Mal schon zu den Tempeln hochgekeucht und Beni kämpf etwas mit der Höhe) und schlenderten ein wenig durchs Dorf. Die Menschen hier sind sehr freundlich und sehr schnell kommt man auch ins Gespräch. Vor unserem kurzen Rundgang sitzen wir aber noch in das einzige Cafe an der Plaza und geniessen eine heisse Schokolade und ein paar Kekse.

 

Wir suchen verzweifelt ein Plätzchen, wo wir zwischen den Häusern auf den See schauen können um den Sonnenuntergang zu geniessen ohne dabei allzu viele Höhenmeter machen zu müssen. Gesucht. Gefunden. Vor einem kleinen Laden sitzen wir an der warmen Hauswand und bei einem lecker Bierchen sehen wir der Sonne beim Versinken im See zu und gehen etwas später zurück zum Cafe um nochmals eine heisse Schokolade zu trinken. Zum Abendessen um sieben Uhr sind wir wieder bei Virginia. Es gibt wieder Suppe, danach dreierlei Kartoffeln, Reis und Gemüse mit Brot. In der Nacht wird es auf der Insel zum Glück nicht ganz so kalt wie in Puno, trotzdem gehen wir dick eingepackt und früh ins Bett. Die Party an der Plaza mit traditionellen Tänzen lassen wir ausfallen, da Beni’s Kopf fast zu platzen droht.

Taquile

Der Wecker haut uns bereits um 06:30 wieder aus dem Schlaf. Frühstück gibt’s um 06:45 und um 7:30 ist auch schon wieder die Besammlung am Hafen. Zum Frühstück gibt’s zwei Pfannkuchen, dazu etwas Brot und Marmelade. Wir übergeben Virginia die Mitbringsel (Reis, Pasta, Hefte und Farbstifte) und kurz darauf laufen wir auch schon den Weg zurück zum Hafen. Am Hafen gibt es noch ein paar Erinnerungsfotos und dann geht’s mit dem Boot während einer Stunde zur nächsten Insel.

 

Taquile ist bekannt als die Insel der strickenden Männer und somit gibt es auch hier jede Menge Handgemachtes zu kaufen. Als wir nach einem langen Aufstieg die Plaza erreichen, sehen wir gerade noch die kleine Parade wo die Kinder der Insel ihren dreitägigen Schulsport-Event einläuten. Bereits auf Amantaní haben wir keine Autos gesehen. Dort fahren einzig einzelne Motos rum oder Esel erleichtern den Transport über die Insel. In Taquile gibt es keine Transportmittel. Man ist zu Fuss unterwegs. Auf beiden Inseln haben die Kinder teilweise rund 4km Schulweg. Der Vorteil ist, es ist wunderbar ruhig und auch die sonst immer kläffenden Hunde gibt es hier nicht. Welch eine Wohltat für unsere Ohren. Wir wollen eigentlich auch auf Taquile übernachten aber man sagte uns in Puno, das könne man nicht mehr (was sich als unwahr herausstellt), aber da wir den Flug schon gebucht haben können wir nicht spontan verlängern. Somit bleibt uns wenigstens das Bad im 9-11 Grad kalten Titicacasee erspart, das Joli beim letzten Mal, aufgrund fehlenden Duschmöglichkeiten während drei Tagen, genommen hat.

 

Nach der Plaza wandern wir eine weitere Stunde zum anderen Hafen. Dazu erklärt uns unser Guide die Insel, die verschiedenen Bezirke und wie das Zusammenleben hier geregelt ist. Hier hat die Farbe des Rockes mit dem Zivilstand zu tun. Schwarz = verheiratet, farbig = ledig. Für Joli wäre das definitiv ein Grund nie zu heiraten. Zudem fragen sich Benjoli ob es einen Zusammenhang gibt zwischen Schwarz tragen bei Beerdigungen und sobald man verheiratet ist… Das kommt uns etwas spanisch vor… Natürlich lernen wir auch einiges zu Fauna und Flora sowie der Tierwelt. Der Guide erklärt mit Zeichensprache und einer fantasievollen Geräuschkulisse den Unterschied zwischen einem Lama, Alpacka, Guanaco und Vincuña – zum kaputt lachen!

 

Vor einem köstlichen Mittagessen mit toller Aussicht, wird uns noch gezeigt wie aus einem bestimmten Strauch Shampoo hergestellt wird und welche Mützen die ledigen, verheirateten und autoritären Männer der Insel tragen. Wo Beni die dunklen Farben bei den Mützen der Männer begrüssen würde, wird dafür er hier enttäuscht. Die Mützen sind alle farbig, die einen in erster Linien rot (ledig) und die anderen hauptsächlich rot-weiss (verheiratet). Einzig eine Autoritätsperson trägt über einer regenbogenfarbigen Mütze noch einen schwarzen Hut.

 

Danach geniessen wir die drei stündige Fahrt zurück nach Puno, wo uns noch eine letzte eiskalte Nacht bevorsteht, bevor wir in den Flieger steigen, welcher uns in den Norden nach Lima bringt.

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