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Galapagos Tag 5 & 6

San Cristóbal - Leon Dormido

Heute geht es bereits um 06:30 auf zum Schnorcheln und das auf leeren Magen und mit doch etwas frischen Wassertemperaturen um diese Tageszeit. Gemäss Andres ist dies der Top Spot zum Schnorcheln auf Galapagos. Der Fels heisst Kickers Rock (weil er scheinbar wie ein Schuh aussieht) resp. Leon Dormido (weil er scheinbar auch wie ein schlafender Löwe aussieht…). Da Beni aber wiedermal mit dem Magen zu kämpfen hat, bleibt er noch im kuschlig warmen Bett liegen. Ich gehe, trotz dem gestern gefassten Entschluss auch im Bett zu bleiben, alleine mit, will allerdings aus Solidarität zu Beni (oder Angst vor dem Frühsport im kalten Wasser?!) nur im Panga mitfahren. Zudem kenne ich den Spot schon und habe ihn nicht sonderlich speziell in Erinnerung. Einzig die Haie, die ich das letzte Mal gesehen habe, waren ziemlich kuhl.

 

Trotz meines Entschlusses und meiner Faulheit, lasse ich mich in letzter Sekunde doch noch dazu überreden mich in das kalte Wasser zu stürzen. Man könnte ja etwas verpassen… Und wer weiss vielleicht sehe ich wieder Haie – obwohl ich nie ganz sicher bin ob ich das eher spannend oder beängstigend finde… Da ich die Entscheidung Last Minute fälle, bleibt keine Zeit mehr einen Neoprenanzug auszuleihen – für diese frühmorgendliche Aktion hätte ich das ausnahmsweise in Betracht gezogen.

 

Es ist kalt und zwischen den Felsen ist es dunkel und trüb obwohl vorhin bei der Anfahrt die Sonne wunderschön zwischen den Felsspalten hindurch geschienen hat (übrigens der erste nicht bewölkte Morgen seit unserer Ankunft!). Ich versuche den Anschluss nicht zu verlieren, denn ich will schliesslich nicht ganz alleine von einem Hai gefressen werden und das tiefe, dunkle, trübe Wasser und seine Bewohner sind mir einfach nach wie vor unheimlich. Mit Sternzeichen Fisch müsste ich Wasser doch eigentlich super finden könnte man meinen aber das Meer ist mir nicht geheuer - ich bin wohl definitiv ein Süsswasserfisch!

 

Wie schon bei meinem ersten Besuch ist auch dieses Mal nicht sonderlich viel zu sehen. Ein grosser Schwarzspitzen-Riffhai und zwei Schildkröten ziehen vorbei aber ansonsten ist nicht viel los um diese Zeit. Für mich absolut nachvollziehbar. Wäre das Wasser nicht so kalt, würde ich wohl auch im Schwimmen wieder einschlafen und würde ich das Programm gestalten, wäre ich sicher nicht so früh schon im Wasser und schon gar nicht ohne Frühstück! Aber leider starten ab 08:00 die Tagestouren ab San Cristóbal (eine der wenigen bewohnten Inseln) und deshalb müssen die Schiffe ihre armen Passagiere schon so früh durch diesen Felsspalt jagen. Als wir bibbernd zum Schiff zurück kommen, sehe ich Beni, wie er genüsslich auf dem Deck in der Morgensonne sitzt und einen heissen Tee schlürft.

 

San Cristóbal – Cerro Brujo

Endlich Frühstück juhu. Vorher aber noch schnell aus den nassen Lumpen raus und etwas  trockenes anziehen.

 

Gleich danach geht es auch schon wieder weiter. Wir umrunden im Panga den Cerro Brujo (Magier Hügel – weil er scheinbar wie ein spitzer Hut aussieht – also da hatte einer echt Fantasie bei der Namensgebung auf dieser Insel) und schauen uns ein paar interessante Felsformationen an. Danach gehen wir eine Weile an Land und besuchen einen weiteren Strand. Aber es ist nicht irgendein Strand. Dieser Strand ist der pure Wahnsinn! Weisser, feiner Sand und glasklares in verschiedensten Blautönen schimmerndes Wasser! Einfach nur traumhaft schön. Wir planschen ein wenig im Wasser, spazieren am Strand entlang und machen Fotos aus allen möglichen Perspektiven von und vor dieser fantastischen Kulisse. Auch die Pelikane sind wohl gerade beim Frühstück und legen einen Sturzflug nach dem anderen hin, während die Seelöwen genüsslich in der Sonne liegen. 

 

San Cristóbal – Isla Lobos

Nachmittags gehen wir auf die Seelöwen Insel. Die Seelöwen liegen entweder faul unter dem grossen Baum im Schatten oder planschen im kühlen Wasser. Wir beobachten in erster Linie ein paar Vögel mit ihren Jungtieren. Während die meisten ein «Jööö», «So cute» oder «Ooooh» ausstossen, rümpft Beni die Nase und meint, er könne beim besten Willen nicht erkennen, was an diesen schrumpeligen, hässlichen Häufchen so süss sein soll. Die Vogelbabys seien in erster Linie hässlich – Baby hin oder her. Naja ganz unrecht hat er ja nicht, einen Schönheitswettbewerb würden sie wohl noch nicht gewinnen, aber sie sind trotzdem süss - irgendwie.

 

Nach dem kurzen Spaziergang gehen wir uns umziehen und dann ein zweites Mal Schnorcheln. Dieses Mal planschen wir zusammen mit Seelöwen um die Wette. Diese sind nicht ganz so mutig wie die Pinguine, kommen einem aber doch manchmal ziemlich nahe. Ein paar Mal schwimmen sie direkt auf uns zu, drehen in letzter Sekunde ab und reissen ihr Maul mit den spitzen kleinen Zähnen direkt vor unserem Gesicht auf. Oder sie blasen uns Luftblasen ins Gesicht.

 

Etwas vom beeindruckendsten ist aber die grosse Schildkröte, welche wir hier sehen. Die Gemächlichkeit und Eleganz, mit welcher sie durch das Wasser zu schweben scheint, ist faszinierend. Sie wirkt wie die Königin der Meere, die sich in aller Ruhe durch ihr Reich bewegt.

 

Wir gehen etwas früher als nötig aus dem Wasser und zurück auf das Schiff, denn wir nerven uns zunehmend ab einigen der anderen in unserer Gruppe. Wir lassen uns gemütlich im Wasser treiben und warten geduldig auf die Meeresbewohner, die immer wieder von selber an einem vorbei schwimmen. Aber sobald sich ein Tier blicken lässt, drehen immer alle durch. Anstatt einfach ruhig zu bleiben und die Anwesenheit der Tiere zu geniessen, stürzen alle wild paddelnd, mit ihren GoPro Kameras auf die Tiere los und hauen ihnen die Stative / Sticks praktisch um die Ohren und uns ihre Flossen. Anfassen darf man die Tiere nicht, aber mit den GoPro Sticks belästigen geht wohl in Ordnung, denn da war leider auch Andres als Guide nicht gerade ein Paradebeispiel bei den Pinguinen und dem Hai, ein paar Tage zuvor. Unserer Meinung nach ist das auch nicht ok. Hände weg und 2 Meter Abstand halten, aber die Kamera mithilfe eines Sticks bis zu 10 Zentimetern an die Tiere ranhalten geht i.O.?! Naja. Durch die aggressive Art werden die Tiere meist gleich wieder verscheucht und das Wasser wird zum Filmen und Fotografieren durch die vielen Luftblasen, die die Flossen verursachen auch nicht gerade klarer.

 

San Cristóbal – Puerto Baquerizo

Am Abend besuchen wir das kleine Hafenstädtchen auf San Cristóbal. Es fühlt sich irgendwie komisch an, mitten im Paradies und nach ein paar zivilisationsfreien Tagen, hier in einer kleiner Stadt mit Bars, Restaurants, Discos und Souvenirläden zu sein. Wir holen uns in einer Heladeria ein Eis (auf Empfehlung von Herwig ein Bananenschoko Eis), setzen uns für eine Stunde von der restlichen Gruppe ab und spazieren dem Hafen entlang. An beiden Enden finden wir einen nach Seelöwen Scheisse duftenden Strand und fühlen uns gleich wieder etwas heimischer, während wir die Seelöwen beim Schlafen beobachten.

 
Um 21:00 findet sich die ganze Gruppe in einer Bar ein. Hier gönnen wir uns einen Cocktail und spielen etwas Dart, bevor wir uns dann wieder auf den Weg zurück auf unser Schiff machen.

 

Española - Punta Suárez

Obwohl unser Schiff wieder lange durch die Nacht gefahren ist, haben Benjoli im Gegensatz zu einigen der anderen Passagiere dieses Mal gut geschlafen. Nach dem Frühstück machen wir, mit etwa drei Stunden, einen der bisher längsten Landgänge. Die Insel Española gilt als die schönste aller Galapagosinseln. Der Himmel ist wie so oft bewölkt, aber dafür perfekt um Tiere zu fotografieren. Auf dieser Insel finden wir unzählige Marina Iguanas in den unglaublichsten Farben. Auch die Seelöwen faszinieren uns einmal mehr mit ihren Sprüngen und ihrem unterhaltsamen Spiel im Wasser.

 

Auf dem Weg über die Insel sehen wir auch zum erste Mal Albatrosse. Wir haben sogar das Glück zwei Albatrossen beim Balztanz zuzuschauen und zuzuhören. Die Geräusche die sie von sich geben sind echt zum Lachen und auch der Tanz ist echt witzig mit anzusehen. Die Schnäbel schlagen sie wie Fechtsäbel gegeneinander und sie reissen sie immer wieder auf. Die Köpfe legen sie immer wieder schief oder stolzieren mit erhobenen Köpfen umher, während sie diese eigenartigen Geräusche machen.

 

Wir entdecken sogar einen Krebs, der in einem Baum hängt und frisst und verbringen eine ganze Weile damit die Wasserfontäne, resp. das Loch zu beobachten, dass sich dank der Wellen immer wieder mit Wasser füllt. Die Klippe ist extrem schön und erinnert uns etwas an unseren kürzlichen Urlaub in Cornwall (Südengland).

 

Auf dem Rückweg haben wir sogar noch das Glück, das seltene Bild einer schwimmenden Meeresechse zu sehen.

 

Da es trotz des fehlenden Sonnenscheins drückig und heiss ist, gelingt es Andres, den Kapitän zu überzeugen, dass ein kurzer Sprung ins kühle Nass vor der Abfahrt zum nächsten Halt eine gute Idee ist, zumal wir an diesem Vormittag nicht schnorcheln. Diese Möglichkeit wird von Joli und ein paar anderen dann auch genutzt. Beni stürzt sich derweil schon mal auf die Snacks, welche jeweils nach unseren Ausflügen bereit stehen, um dann aber sogleich mit der Kamera bereit zu stehen um schrecklich unvorteilhafte Fotos von Joli zu schiessen.

 

Española - Bahía Gardener

Am späteren Nachmittag schnorcheln wir um eine Felsformation herum, welche sich vor dem Strand befindet, an welchem wir danach ein wenig Zeit verbringen. Hier verstecken sich in den unterirdischen Höhlen mehrere Haie, welche man aber nur erspähen kann, wenn man etwas runtertaucht. Joli hat die ganze Zeit Mühe mit ihrer Brille, welche sich dauernd beschlägt und kann entsprechend nicht wirklich etwas sehen. Dieser Schnorchel Gang ist irgendwie ein Reinfall und wir sind froh, als wir endlich am Strand sind, zu welchen wir jedoch erst noch schwimmen müssen.

 

Den Rest des Nachmittags verbringen wir dann am Strand. Der ist fast so schön wie der Strand gestern und die Seelöwen sind einmal mehr sehr unterhaltsam. Sie rasen in einem irren Tempo am Ufer durch das Wasser und sehen dabei aus wie Torpedos. Als es gegen 17:30, dann doch langsam etwas kühl wird, sind wir froh auf das Schiff zurückkehren zu können und eine warme Dusche zu nehmen.

 

Das ungeplante Abendprogramm hat es in sich. Gleich nach dem Abendessen schrillt kurz eine Sirene auf und die Crew trommelt die Leute auf dem Oberdeck zusammen. Haie! Um unser Boot herum wimmelt es nur so von Haien. Es ist zwar bereits finstere Nacht, aber mit Hilfe einiger starker Taschenlampen und dank des klaren Wassers können wir diese richtig grossen Haie ziemlich gut sehen. Wir zählen so gut wie es geht grob durch; es sind weit über 20 Stück. Krass! Wir sind umzingelt. Sie schwimmen knapp unter der Oberfläche, so dass die Flosse manchmal aus dem Wasser ragt. Um unser Boot herum tummeln sich auch viele kleine fliegende Fische. Diese zischen plötzlich ab wie eine Rakete und fliegen dabei mehrere Meter weit und nicht selten knallen sie mit einem lauten Plopp in den Rumpf unseres Schiffs. Wir können auch ein paar Attacken beobachten. Die Haie schnellen los und die fliegenden Fische fliegen und schwimmen davon, knallen wieder in unser Schiff und wir kugeln uns vor Lachen. Wahnsinn, wie die Haie, die so gemächlich ihre Runden um unser Schiff ziehen auf einmal beschleunigen, wenn sie ihre Beute avisiert haben. Nach einer guten Stunde gibt der Kapitän das Zeichen zur Weiterfahrt und wir lassen die Haie und die fliegenden Fische in der Dunkelheit zurück.

 

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