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Baños I

Auf zu den Toiletten, oder so. Den Baños heisst übersetzt: Toiletten, Badezimmer…

Eigentlich wollen wir in Riobamba einen Zwischenstopp einlegen aber unsere Airbnb Unterkunft ist nicht erreichbar und komischerweise ist das Haus auch zweimal unter zwei verschiedenen Anbietern zu finden, was uns doch etwas kurios vorkommt. Wir haben das Ganze am Busbahnhof storniert und setzen uns gleich in den nächsten Bus nach Baños – Ambato lassen wir auch ausfallen.

 

In Baños bleiben wir ein paar Tage. Wir wollen es ein wenig gemütlich angehen, denn Galapagos war doch ziemlich vollgepackt und hier gibt es ja auch viel zu erleben und die Fussball WM beginnt auch schon bald. Beni’s wichtigste vier Wochen in vier Jahren - sportlich gesehen (wie er nach Joli’s kritischem Blick noch ergänzt). Eine grosse Palette an Actionsportarten sowie Wanderungen sind geplant. Wir beziehen unser provisorisches Hostel für die ersten zwei Nächte, welches wir im Bus gebucht haben und erkunden noch ein wenig die Umgebung. Was uns fasziniert sind die Sicherheitsvorkehrungen bei Baustellen (siehe Bilder) und auch, dass die Kinder fröhlich neben den Bauarbeitern auf der Strasse spielen, während diese mit dem Presslufthammer die Strasse bearbeiten – es ist ja sicher, denn wo gearbeitet wird fahren keine Autos durch... Oder so… 

 

Am nächsten Tag klappern wir die verschiedenen Unterkünfte ab die wir am Vorabend noch rausgesucht haben und machen uns direkt vor Ort ein Bild wo wir die nächste Woche verbringen wollen. Wir wollen nach Möglichkeit auch selber kochen können und ein gemütliches Zimmer haben. Somit entscheiden wir uns für ein Hotel mit einem grossen Zimmer mit Balkon (den wir nie benutzen), Sicht auf den Wasserfall (der meistens im Nebel und den Regenwolken verschwindet), Frühstücksmöglichkeit (welche wir einmal beanspruchen), Pool (welchen wir auch nie benutzen), Küche (welche wir nur zum Brote schmieren ein oder zweimal betreten), Wäscheservice (Supiiii!) und einem unschlagbaren Preis von 20$ die Nacht im Doppelzimmer mit eigenem Bad. Tagesmission erfüllt und nun ab in ein gemütliches Café und einfach nichts tun (ausser Kaffee trinken und Kuchen essen!). Was leider nicht einfach ist, ist einen Ort zu finden wo es gemütlich ist und gutes Internet gibt, wie man an Joli’s Gesichtsausdruck unschwer erkennen kann.

 

Casa del Arból

Wir wechseln unser Hab und Gut in unser neu erwähltes Zuhause für die nächste Woche und entscheiden uns dann dazu mit dem Bus zum Baumhaus hochzufahren, das Wetter macht gerade mit und die Sonne scheint.


Das Baumhaus in Baños ist berühmt für seine Schaukel, welche die Besucher hoch über dem Abgrund mit toller Weitsicht fliegen lässt. Beni zickt wie oft bei solchen typischen Touristenattraktionen zuerst etwas rum und will nicht mitmachen. «Schlange stehen zum Schaukeln.», «Alle dieselben Fotos.», «Blödsinn!». Joli nimmt sich aber die Zeit und wartet bis sie an der Reihe ist um drauflos zu schaukeln und verdonnert Beni dazu Fotos zu schiessen wie blöde.

 

Mittlerweile stehen viele weitere Schaukeln beim Casa de Arból und auch rund um Baños. Etwas weiter vorne hat es eine neue Schaukel, mit derselben Aussicht und wo niemand ansteht und Joli sitzt auch prompt schon wieder drauf. Hier lässt sich dann auch Beni überreden, doch noch etwas zu schaukeln und wer hätte es gedacht, er hat sogar Spass dabei und will auch so kuhle Fotos haben. Begründung für den Stimmungswandel: «Diese Schaukel hier ist nicht so Kommerz Scheiss wo jeder ansteht und draufsitzt, einfach weil es jeder andere auch macht, sondern einfach eine Schaukel – darum!» Stimmt schon. Wir sind nur 5 Meter weiter gelaufen, schaukeln solange wir wollen, haben viel Spass und schiessen jede Menge Fotos ohne nach 30 Sekunden absteigen zu müssen weil hinter uns noch 30 andere Leute «DAS Foto» schiessen wollen.  

 

Die Fotos sind echt kuhl und man hat das Gefühl, das sich ein tiefer Abgrund unter den Schaukelnden befindet, aber in Wirklichkeit geht es nur knapp zwei Meter einen sanften Abhang hinunter. Trotzdem lustig. Den Vulkan können wir leider nicht sehen, denn es ziehen schon wieder Wolken auf und Beni hat «dummerweise» keinen Pullover dabei, weshalb wir leider auch den zweistündigen Fussmarsch zurück ins Dorf nicht antreten können – es wird ziemlich rasch kühl – und den Bus nehmen müssen. Ach wie Schade… (Wer diese Aussage wohl ernst und wer ironisch meint?! *g*) 

 

Jubiläum im Swissbistro

Da wir heute unser dreijähriges Jubiläum haben, wollen wir dies auch gebührend feiern (oder wir suchen einfach eine Ausrede um in ein etwas teureres Restaurant zu gehen). Wie könnte es auch anders sein, finden wir in dieser 20'000 Seelen Stadt in den Anden Ecuadors gleich mehrere Schweizer Restaurants.

 

Im Swiss Bistro, welches mit Kuhfell Bemalungen und Bergbildern durch und durch an unsere Heimat erinnert, gönnen wir uns Rindsfiletmedaillons mit Rösti und einen Makkaroni Gratin mit Raclettekäse. Zum Dessert gib es dann noch Rüeblichueche. Verglichen mit der Schweiz zu einem super Preis, verglichen mit Ecuador abartig teuer… 


Vielleicht denkt sich der eine oder andere Leser jetzt; die Essen ein bisschen viel schweizerisch. Stimmt nicht, wir essen auch viel italienisch *g* - Spass beiseite, wer sich über einen längeren Zeitraum fast nur von Reis, Hühnchen und Kochbananen ernährt ist um eine bekannte und geliebte Alternative nie verlegen. Da Baños sehr touristisch ist, gibt es hier sehr viele Alternativen. Einer unserer Favoriten ist zum Beispiel das Blah Blah Café mit seinen super Sandwiches. Mjam, mjam!

 

Eco Zoológico San Martin

Mit dem Bus besuchen wir etwas ausserhalb von Baños den Eco Zoológico San Martin. Alle Tiere die hier gehalten werden stammen entweder aus dem verbotenen Tierhandel oder kommen aus einem Privathaus wo sie illegal als Haustiere gehalten wurden. Es gibt auch einige, welche in einem Zoo geboren wurden und zwischen den Zoos (wie es so üblich ist) von Zeit zu Zeit ausgetauscht werden, damit die Besucher etwas Neues zu sehen bekommen und somit die Einnahmen für die Aufnahme und die Pflege der Wildtiere nicht abreissen.

 

Während einer Stunde steigen wir die vielen Treppen hoch und runter, welche zu den verschiedenen Gehegen führen. Die ganze Tierauffangstation ist an einem Fels Hang gebaut und bietet eine hübsche Aussicht auf eine Schlucht und einen Fluss. Wir sind fast alleine im ganzen Gelände und die zwei Restaurants haben auch nicht geöffnet. Es herrscht ziemlich tote Hose hier. Aber so haben wenigstens die Tiere ihre Ruhe. Die Anlage ist schön und die Gehege sind grosszügig angelegt.

 

Im Vorfeld erkundigten wir uns über die Busverbindungen und bekamen sowohl an der Rezeption im Hotel, beim Zoo sowie auch vom Busfahrer erklärt, dass die Busse alle 15 Minuten am Zoo halten würden. Da wir noch kurz die Schlucht genauer betrachten wollen, gehen wir das erste Stück Richtung Baños zu Fuss. Die Schlucht ist mega tief und die Felsen sind vom Wasser schön abgeschliffen. Die Brücke ist jedoch ziemlich eng und wir müssen rasch weiter als ein paar Autos kommen und passieren wollen.

 

Wir warten kurz nach der Brücke auf den Bus. Wir sind uns mittlerweile gewohnt, dass die Busse unter Umständen alle 5 Meter anhalten um jemanden ein- oder aussteigen zu lassen und es keine fixen Haltestellen gibt. Das nutzen wir jetzt auch mal zu unserem Vorteil. Nach einer Stunde warten und einsetzendem Regen, wird es uns dann doch zu doof und wir winken ein vorbeifahrendes Taxi heran. Dass die Busse hier nicht pünktlich sind wissen wir schon lange aber 60 statt 15 Minuten finden wir dann doch etwas dreist, zumal der Herr beim Zoo uns auch noch versichert hat das «ya mismo» - «jetzt gleich» der Bus kommt. Als der Taxifahrer uns dann den Preis von 1,50 $ für die Fahrt zurück nennt schauen wir uns verdutzt an und denken beide, wenn wir das gewusst hätten, hätten wir schon früher auf den Bus verzichtet. Obschon das Taxi immer noch dreimal so viel kostet wie der Bus ist es doch ziemlich erschwinglich. 

 

Als wir nach 3 Minuten Fahrt schon wieder im Dorf sind, stellen wir auch noch fest, dass wir in der Stunde Wartezeit wohl auch 2x zu Fuss angekommen wären. Naja, irgendwie haben wir wohl am Morgen im Bus noch etwas geschlafen und es kam uns wesentlich weiter vor als es war, denn gemäss Maps hätten wir für die 2 Kilometer nur 30 Minuten zu Fuss gebraucht… Shit happens.

 

La Virgen - die Jungfrau

Wir nutzen den regnerischen Morgen (es regnet übrigens täglich) dazu diverse Restaurants, Bars und Cafés auf WMtauglichkeit zu prüfen und dabei auch gleich noch die Spiele zu sehen. Wir haben eine gute Location für den Schweizer Match gefunden, wo man trotz den frühen Spielzeiten in Ecuador schon lecker Bierchen bekommt, unsere ursprüngliche Wahl hat uns enttäuscht.


Am Nachmittag sehen wir doch tatsächlich ein paar Sonnenstrahlen und beschliessen spontan den Aussichtspunkt anzusteuern, den Joli gestern auf einer Tafel angeschrieben sah. «Mirador Volcan 750 metros» stand drauf. Wir finden zwar das Schild nicht mehr aber Beni schaut auf seiner App nach und entdeckt den Aussichtspunkt.

 

Es war nur leider ein anderer und somit steht halt der Besuch der heiligen Jungfrau statt des Vulkans an. La Virgen ist eine Statue auf einem Aussichtspunkt hoch über der Stadt Baños. Die 750 Meter die Joli auf dem Schild des anderen Aussichtspunkts gelesen hat betreffen hier wohl eher die Höhenmeter die man zurück legen muss, als die Gesamtdistanz.


Für die 682 Treppenstufen benötigten wir für hin und zurück etwa 1.5 Stunden. Ja wir sind gerade ziemlich ausser Form und befinden uns hier auch nur auf 1820 Metern über Meer und können somit nicht einmal die ganze Schuld auf die Höhe schieben. Keuchend und hustend kämpfen wir uns den Berg hoch und legen dabei immer wieder kurze Pausen ein, während ein paar Verrückte joggend und rennend an uns vorbei laufen als wäre es ein Spaziergang (wobei deren Hunde irgendwie auch nicht glücklich aussehen und die Zunge raushängen lassen – wie wir). Als wir dann oben ankommen, sind wir vom Ausblick und Atem holen so abgelenkt das wir die göttliche Jungfrau kaum beachten und nicht einmal ein Foto der heiligen Dame schiessen. Das sonst so kühle Wetter in Baños lässt uns gerade komplett im Stich, denn sobald die Sonne rauskommt wird es ziemlich warm und wir sind aufgrund der aktuellen Wetterlage in Baños eigentlich immer mit Regenkleidern unterwegs. Somit fehlt Joli der Sonnenhut, während Beni ohne Sonnenbrille rumläuft und die Sonnencreme chillts auch gemütlich im Hotel.

 

Wieder unten angekommen, gehen wir so schnell wie möglich ins nächste Restaurant und trinken gierig eine grosse Limonade, denn Wasser hatten wir ja auch keines dabei, sollten es doch nur 750 Meter sein… Wahnsinn wie einem ein paar seltene Sonnenstrahlen überraschen und so aus dem Konzept bringen können. Schön wars trotzdem.

 

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