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Baños II

Tren de Baños - Zugfahrt

Es ist Wochenende und die Massen fallen über Baños her, die Stadt ist voll und laut. Wir wollen dem Ganzen entfliehen und mit dem Plan ein wenig wandern zu gehen, verlassen wir morgens unser Hotel. Doch kaum aus dem Hotel rausgekommen, fängt es erstens an zu regnen (wie könnte es auch anders sein) und wir stehen zudem vor einem zugähnlichen Gefährt, welches anbietet uns für 2$ während 45 Minuten in der Gegend rumzufahren. Spontan entscheiden wir uns einzusteigen. Kaum losgefahren dröhnt laute Musik aus den Boxen aber es macht Spass in dem Zug etwas rum zu cruisen und wir haben uns zum Glück für die Sitzplätze draussen und somit hinter den Boxen entschieden. Kurz darauf stellen wir fest, dass die Attraktionen, welche der Zug anfährt, die sind die wir vor zwei Tagen besucht haben. Wir fahren am Aussichtspunkt La Virgen vorbei (der von unten noch viel steiler und schlimmer aussieht, als am Tag der Bezwingung), am Zoo, der vor lauter Leuten aus allen Nähten zu platzen scheint und über die Brücke mit der Schlucht. Kurz nach der Brücke kehrt der Zug um. Und wie macht er das? Der Zugführer erklärt, dass er jetzt das gleiche waghalsige Manöver (also Rückwärtsfahren) durchführt wie der berühmte Zug bei der Teufelsnase (Bericht Alausí). Woooooooow! Wir lachen uns krumm! 

 

Da es immer noch regnet als wir zurück kommen und auch den ganzen Tag nicht aufhört, gehen wir in die Leprachaunbar und chillen bis zum späteren Nachmittag gemütlich rum.

 

Massaaaaaage

Das Wetter ist wirklich mühsam aber Beni meint; dann brauchen wir wenigstens kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn wir den ganzen Tag Fussball schauen (1. Was wir?  2. Als hätte er bei Sonnenschein ein schlechtes Gewissen deswegen – pah!). Da der letzte Match aber jeweils bereits um 15 Uhr fertig ist, gönnen wir uns heute mal eine Massage in unserem Hotel. In Baños gibt es an jeder Ecke Massage Angebote und sonstige Wellness Möglichkeiten zu anständigen Preisen. Wir gönnen uns eine Sportmassage (die sollen etwas stärker sein, als die üblichen Massagen) und liegen nebeneinander während einer Stunde in einer kleinen Kammer mit chilliger Musik, während uns die zwei Schwestern, die im Hotel die Massagen machen, durchkneten. Nach einer Stunde heisst es schon wieder aufstehen – aber vorsichtig – die Gefahr dass wir aufgrund des vielen Öls gleich vom Tisch flutschen ist nicht zu unterschätzen. Es gibt noch einen leckeren Tee und dann ist der Spass schon wieder vorbei. Auf meine Frage: «Hast du was gespürt?», meint Beni nur «Nö, nicht wirklich. Du?» - «Nö.». Wir sind froh haben wir die Sportmassage genommen, bei einer normalen Massage hätten wir wahrscheinlich nicht einmal das «über den Rücken streicheln» wahrgenommen.

Matchday

Wir haben unseren Tisch für das WM Spiel der Schweiz am Vorabend reserviert. Ein Ecktisch, mit perfektem Blick auf den TV und gegenüber der Bar. Ein deutsches Brauhaus erhält den Vorzug vor dem Swissbistro, in welchem wir ursprünglich den Match bei einem Fondue geniessen wollten. Die grossangekündigte Leinwand auf der Terrasse wurde nicht installiert. Stattdessen gibt es nur ein kleinen Fernseher mit schlechtem Bild im Hinterzimmer - leider Nein! Dann lieber bei gutem Bier auf grossen HDTVs das Spiel anschauen. Im Swissbistro haben wir uns vorgängig noch ganz patriotisch mit Schweizer T-Shirts ausgerüstet, wir wollen doch Flagge zeigen wenn unsere Schweizer den Brasilianern die Alphörner blasen (Aussage Beni - Joli distanziert sich von dem eher perversen Wortspiel *g*). Morgens um 10 finden wir uns im Brauhaus ein um das Deutschlandspiel zu sehen. Wirklich viel ist hier noch nicht los, eine Handvoll Deutsche schauen sich dieses Spiel an. Darunter ist auch Harald, ein pensionierter Deutscher, welcher ein wenig mit uns plaudert. Nach der Halbzeit, also zwei Stunden vor dem Schweizer Spiel, steigen wir dann ins Bier ein. Das ist ein kleiner Nachteil, dass die Spiele hier bei uns jeweils um 07:00, 10:00 und 13:00 stattfinden, aber bei euch ist ja schliesslich jetzt schon 18:00, somit passt das schon mit dem Bier. Wir bestellen die Promo: 6 verschiedene Halbliterbiere zum Spezialpreis – damit wir dann beim Schweizer Match wissen, was wir nachbestellen müssen *g*.

 

Kurz vor Spielbeginn ist das Brauhaus proppenvoll. Es hat nun viele Brasilianer und deren Sympathisanten. An unseren Tisch gesellen sich auch noch weitere Schweizer, Nina mit ihrem Mann, welche hier eine Bar betreibt und ihre Cousine Gina mit Freund, welche zu Besuch angereist sind. Krass in der Unterzahl müssen wir uns nach dem 1:0 für Brasilien schon erste Sprüche anhören und Beni wird in der Pause von den siegessicheren Brasilianern aufgefordert mit ihnen für Fotos zu posieren.

 

Als aber der Ausgleich fällt hält es keinen unserer kleinen Schweizerfraktion auf den Stühlen. Jubelnd johlen wir in Richtung der brasilianischen Fans. Welch eine Genugtuung! Nach dem Spiel gehen Benjoli zu den Brasilianern: «Jetzt dürft Ihr für Fotos mit uns herhalten.». Wir dürfen sogar einige Gratulationen und ein paar Daumen hoch entgegen nehmen. Es war ein Super Fussballfest und Nachmittags um drei torkeln wir ziemlich beschwipst zu unserem Hotel wo wir dann den Rest des Tages auch bleiben.

 

"Wanderung" Bella Vista

Wir brauchen trotz des kühlen und nassen Wetters ein wenig Bewegung und entschliessen uns für die Wanderung zum Aussichtspunkt Bellavista, hoch oben über Baños. Wir keuchen etwa 50 Minuten den steilen und schlammigen Weg den Berg hoch bevor wir oben sind. Es hat immer wieder Aussichtspunkte und wir fragen uns wie schon oft, was sich wohl die Menschen überlegen, wenn sie Sitzbänke platzieren. Mit dem Rücken zur Aussicht und Blick auf einen Baum (?!) machen wir eine kurze Pause.

 

Oben hat man einen schönen Blick auf Baños und die umliegende Landschaft. Auch ist es nicht mehr weit zum Café del Cielo, welches noch etwas höher liegt. Wir müssen ein Stück zurück um dann die Abzweigung zum Café zu nehmen. Also nochmals 30 Minuten ziemlich steil und extrem schlammig den Berg hoch. Oben angekommen sind wir froh es geschafft zu haben, das Café jedoch öffnet erst in 2 Stunden. Das war ja klar. Wir haben ein Talent für geschlossene Restaurants. Wir vertrödeln die Zeit mit Fotos schiessen und gehen dann aber doch Richtung Strasse los, als es wieder einmal zu regnen beginnt.

 

Auf dem Weg zur asphaltierten Strasse, werden wir noch fast von einem muskulösen, hässlichen Beagle aufgefressen. Wir laufen die Strasse entlang, schleichen uns an einem riesigen Hund vorbei (nach dem aggressiven Beagle vorhin, wollen wir uns nicht auch noch mit einem halben Pferd anlegen), mit der Idee den nächsten Bus zu nehmen der vorbei fährt. Da es nun doch etwas stärker regnet und die Strasse extrem kurvig und für Fussgänger gefährlich ist, probieren wir unser Glück mit Autostopp. Nach 5 Minuten sitzen wir schon bei einem Pick Up hinten auf der Ladefläche, welcher uns bis runter an die Hauptstrasse mitnimmt. Die Aussicht ist um Welten besser als durch die dreckigen Busfenster (wir sind die Strecke ja schon zum Casa del Arból gefahren) und es hat netterweise auch aufgehört zu Regnen. Am Anfang fährt der Fahrer schön langsam und vergisst dann aber irgendwann wohl, dass wir noch hinten auf der Ladefläche sitzen und es wird noch etwas abenteuerlicher als er um die Kurven cruist wie ein Wilder.

 

Beni meint: «Shit, ich wollte doch auf keinen Fall bei diesem Hitchhiking Trend mitmachen!», aber Joli findets super. Sie ist auf ihrer ersten Reise fast nur so gereist, wenn sie ohne ihr Hauptgepäck unterwegs war (bei Tagesausflügen und so) und es sind immer die geilsten Erlebnisse gewesen. Man fühlt sich hinten auf der Ladefläche frei wie ein Vogel, der Wind bläst einem um die Nase und man kann die Fahrt so richtig geniessen – herrlich. Und die blauen Flecke aufgrund der vielen Löcher in der Strasse erinnern, danach noch tagelang an das kleine Abenteuer. Beni findet dann auch: «Ja gut so geht es und ist eigentlich noch ganz kuhl aber mit dem ganzen Gepäck mach ich da nicht mit.» Ne! Das wäre definitiv zu anstrengend, denn man muss halt immer wieder aus- und umsteigen und einzelne Strecken zu Fuss gehen. Denn die Erfahrung zeigt, dass man eher mitgenommen wird, wenn man am laufen ist und nicht einfach an einer Strassenecke sitzt und wartet. Wir haben nämlich (wenn wir ein Mietauto hatten) auch nur die mitgenommen, die sich die Mühe gemacht haben zu laufen bis sie jemanden finden, der sie mitnimmt. Die, die am Strassenrand mit Schild oder so gewartet haben, haben wir auch immer ignoriert. Bis nach Baños ist es immer noch ein Stück und nach einigen 100 Metern laufen, nehmen wir dann doch ein Taxi, dass uns zurück ins Zentrum fährt.

 

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