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Puyo II

Karinas Kochkünste

Wir statten dem Zentrum einen kurzen Besuch ab, denn schliesslich müssen wir noch einige Cafés und Bars testen um einen Ort zu finden wo entweder die Schweizer Spiele übertragen werden oder zumindest einen Ort der über ein super gutes Internet verfügt, damit wir die Spiele online schauen können. Beides ist nicht einfach.

 

Zurück beim Airbnb dürfen wir unsere Sachen in die Suite hochschleppen. Aber der Aufwand ist es wert. Das Zimmer ist wirklich der Hammer und wir freuen uns so richtig auf die kommenden Nächte.

 

Danach verbringen wir den Rest des Tages im Garten und chillen ein bisschen. Den Vogel Zoo gegenüber machen wir an einem anderen Tag. Die Beste Tageszeit ist schliesslich 06:00 in der Früh oder dann erst am Abend wieder, wenn die Vögel Futter bekommen und somit die wilden Tiere angelockt werden. 

 

Da wir gestern Karinas Kochkünste kennengelernt haben, essen wir von nun an nur noch hier. Heute gibt es Maito. Tilapia (Fisch) im Bananenblatt eingewickelt. Das Essen ist mega lecker und wir machen eine faszinierende Entdeckung. Beni ist wirklich durch und durch Logistiker. Sogar sein Teller ist nach dem Essen ordentlich aufgeräumt und systematisch angelegt *gröhl*, da schämt Joli sich fast für ihre Unordnung auf dem Teller – Schande, dass die Geräte des Fisches in ihrem Teller nicht mehr in der richtigen Anordnung daliegen!

 

Matchday III

Wir schauen uns am Morgen den Match vor dem Schweizer Spiel in einem Café an, dass drei Bildschirme hat und auf zwei verschiedenen Sendern die Spiele zeigen kann. Am Vortag lief auf allen Bildschirmen etwas anderes, daher haben wir die Hoffnung, dass hier beide Spiele gleichzeitig laufen. Dem ist leider nicht so. Es wird der Match gezeigt, der im Free TV ausgestrahlt wird und das sind leider immer die Spiele der südamerikanischen Mannschaften und wenn keine dabei ist dann der zentralamerikanischen Mannschaften.

 

Somit haben wir nach dem Morgen Match in die gemütliche Bar mit dem guten Internet gewechselt. Auf dem Bildschirm läuft in grottenschlechter Qualität Brasilien – Serbien und auf unserem Laptop Schweiz – Costa Rica. Ganz alleine und mit ein paar lecker Bierchen schauen wir uns das Spiel an.

 

Nach dem Spiel laufen wir noch den Weg am Fluss Puyo entlang, welchen wir am ersten Tag angefangen haben. Wir fahren mit dem Taxi ans Ende des Weges und laufen dann dem schönen Fluss entlang zurück ins Zentrum. Beni macht einen Luftsprung vor Vorfreude auf den Waldspaziergang und posiert dann bei jeder Gelegenheit mit seinem Schweizer T-Shirt.

 

Der Weg ist sehr schön aber doch nicht so lang wie Beni vermutet hat und wir hätten ihn also auch hin und zurück laufen können. Aber Beni hasst es bekanntlich den gleichen Weg zweimal zu gehen, also besuchen wir noch den botanischen Garten, es ist ja noch etwas Zeit bis zum Abendessen. Wir haben gerade den Start der Tour verpasst und werden im Stechschritt durch den Wald geführt, bis wir die Gruppe eingeholt haben. Ein Guide erklärt die verschiedenen Pflanzen und wozu diese in der Naturmedizin benutzt werden können und Beni schläft dabei fast im Stehen ein. Einzig als wir bei der Liane ankommen, aus der Ayahuasca gewonnen wird horcht er kurz auf und versucht danach die Liane abzulecken oder zu beissen um wenigsten etwas vom zweiten Waldspaziergang am heutigen Tag zu haben.

 

Die Liane wir auch die Liane der Geister genannt. Sie wird zu einem Getränk verarbeitet, gilt als halluzinogene Droge und ist vielerorts verboten. Im Amazonasgebiet jedoch wird sie von Schamanen als Heilpflanze eingesetzt. Das Ritual ist heilig. Leider hat der Tourismus auch dieses Heiligtum «zerstört». Viele Touristen wollen einfach den ultimativen Kick erleben und reisen zum Teil eigens für einen solchen Trip in das Amazonasgebiet (Karina hatte auch schon Gäste die nur deshalb nach Puyo kamen…)

 

Da kann man natürlich Geld holen und das machen sowohl eingewanderte Gringos (es gibt ganze Resorts eigens dafür) oder auch falsche Schamanen. Auch wenn das Touri Ritual mit dem ursprünglichen Ritual nichts mehr zu tun hat, findet es einen riesen Anklang. Wir haben von vielen gelesen, die aufgrund der Einnahme von Ayahuasca im Spital landeten oder während dem Ritual völlig die Kontrolle über ihren Körper verloren und unkontrolliert all ihre Körperflüssigkeiten verloren und das mitten in der Gruppe. Nice! Naja wir haben kein Mitleid. Wer keinen Respekt vor Ritualen hat und sich nur einen Kick holen will – selber schuld. Wir haben uns erklären lassen wie das ursprüngliche Ritual funktioniert und das braucht tagelange physische und psychische Vorbereitung. Davon ist bei den Touristenangeboten nichts zu finden und entsprechend wunderts auch niemanden, wenn die Körper der armen Gringos überreagieren.

 

Karina hat das ursprüngliche, originale Ritual mit einem befreundeten Schamanen durchgeführt, weil sie wissen wollte, weshalb die Touristen hier her kommen. Sie hat uns detailliert davon erzählt und das hat dann schon eher unser Interesse geweckt. Leider wollte der Schamane nicht, dass sie es jemandem erzählt, resp. das er von Touristen angefragt wird und das haben wir dann auch akzeptiert, obwohl wir ihn mehrmals im Haus angetroffen haben in dieser Zeit in Puyo.

 

Aber zurück zu unserer Tour, nach der Waldtour setzten wir uns noch in ein traditionelles Haus, wo wir während fast einer Stunde die verschiedenen Kulturen erklärt bekommen.

 

Einige der Waorani leben nach wie vor isoliert von der Zivilisation und tragen keinerlei Kleidung. Ein Dorf ist eine Gemeinschaft von mehreren verschwägerten Familien und ein Mann hat in der Regel 2-3 Ehefrauen, welche meistens Schwestern sind. Wenn der Ehemann stirbt, übernimmt dessen Bruder die Frauen. Bis zu 15 Ehefrauen sind erlaubt. Der Ehemann schläft jede Nacht bei einer seiner Frauen und isst auch bei allen die gleiche Menge an Essen. Geschlechtsverkehr haben sie aber nie im Haus (wegen der Kinder und damit die anderen Frauen nicht eifersüchtig werden) sondern draussen im Wald im jeweiligen «Garten» der Ehefrau, wo diese auch im Beisein von Mutternatur die Kinder gebärt.

 

Die Shuar hingegen haben nur 1-2 Ehefrauen. Wird der Mann 18 Jahre alt, hält er in der Regel im die Hand seiner zukünftigen Frau an, welche zu diesem Zeitpunkt zwischen 6-8 Jahre alt ist. Der Mann muss ein Jahr mit seiner zukünftigen und deren Eltern zusammenleben um zu beweisen, dass er auch fähig ist für sie zu sorgen. Das Mädchen wohnt dann ab diesem Zeitpunkt mit ihrem Ehemann zusammen und er erzieht sie anstelle ihrer Eltern. So wird verhindert, dass es später zu Streitereien und Konflikten kommt, denn der Mann erzieht seine Frau so wie er sie gerne haben will… Praktisch nicht? Zu sexuellen Handlungen kommt es erst, wenn das Mädchen 15 Jahre alt wird. In einer weiteren Zeremonie wird sie danach ihrem Ehemann auch auf dieser Ebene anvertraut.

 

Wir haben noch vielen andere interessante Informationen erhalten und vielleicht habe ich nicht alles 100% korrekt wiedergegeben aber ich fand das richtig interessant, während Beni meinte, dass seien die längsten zwei Stunden seines Lebens gewesen – ja jetzt weiss er wie ich mich bei jedem Fussballspiel fühle – das ist nur fair würde ich meinen.

 

Paseo de los Monos

Etwas ausserhalb des Zentrums besuchen wir eine Affen Auffangstation. Der Besitzer ist aus Montreux, zeigt uns die nähere Umgebung gleich selbst und schickt uns danach auf den Rundgang. Die Anlage ist sehr schön und die Gehege sind gross und die meisten sind oben nicht geschlossen, sondern einfach mit Strom gesichert, damit die Affen nicht abhauen. Einzig bei den Spinnenaffen geht das nicht, denn diese können extrem weit springen. Dafür gehen von deren Käfigen, Zaunwege quer durch die Anlage, so dass die Affen uns über unseren Köpfen folgen können – Vorsicht es besteht die Gefahr bepinkelt zu werden. Die Wege sind ziemlich eng und dicht bewachsen, man ist mitten in der Natur, super.

 

Einige Tiere sind in den Käfigen auch gemischt. So zum Beispiel teilen sich ein Wollaffe, ein Kapuzineraffe und ein Nasenbär ein Gehege und wir sind nicht ganz sicher ob sie gut miteinander klar kommen, denn die beiden Affen jagen den kleinen Nasenbären durchs Gehege. Für Neuankömmlinge resp. die Jungtiere hat es einen Kindergarten, ein separates Gehege, welches intensiver betreut wird. Wir sehen auch ein paar Papageien und Schildkröten, welche es sich hier gemütlich gemacht haben und die Anlage hat ebenfalls ein Vivarium (mit Schlangen und Fischen), sowie Wickelbären. Deren Gehege befindet sich aber ausserhalb der besuchbaren Zone, da diese Tiere nachtaktiv sind und den Tag über nicht gestört werden sollen.

 

Als wir nach dem Rundgang den Besitzer bitten uns ein Taxi zu rufen, legt dieser nur kurz seinen Stumpen in den Aschenbecher um zu Telefonieren. Auf einmal macht es Zack und einer der frei laufenden Kapuzineraffen hat ihm den Stumpen geklaut und hat sich schnell aus dem Staub gemacht. Ob er ihn auch raucht, können wir leider nicht erkennen, wir vermuten aber ja, denn Kapuzineraffen sind extrem clever und vor allem aber gerissene Diebe.

 

Das bestellte Taxi kommt leider nicht und nach 20 Minuten beschliessen wir los zu laufen. An der etwas grösseren Nebenstrasse, fragt uns dann ein älterer Herr, ob wir ein Taxi brauchen, er fahre uns zum selben Preis in die Stadt. Na gut, unser Taxi wird wohl nicht mehr kommen. Da schon wieder Essenszeit ist, gehen wir in ein Restaurant und teilen und eine Meeresfrüchte Suppe *mmmh*.

 

Centro de Rescate Yanacocha

Der Tag ist noch jung und es regnet heute mal nicht so oft wie normalerweise, also beschliessen wir noch am anderen Ende der Stadt resp. etwas ausserhalb eine weitere Tierauffangstation zu besuchen. Das Centro de Rescate Yanacocha ist wirklich sehr schön und gepflegt. Ein Rundweg führt vorbei an vielen kleinen Bächlein und schön angelegten Seen, über Brücken und durch den Wald. Leider gibt es keine geführte Tour und nicht überall steht eine Info, was für Tiere man sehen kann. Joli kennt zum Glück die meisten Tiere aus ihrer Zeit in Tena (etwas nördlich von Puyo), als sie im Amazoonico Rescue Center gearbeitet hat. Trotzdem wäre es interessant gewesen, etwas mehr über die Tiere zu erfahren. Neben den vielen verschiedenen Tieren erfreuen wir uns auch an den vielen verschiedenen, noch nie gesehenen Blumen, welche sehr schön anzusehen sind.

 

Wir laufen um einen kleinen See und Beni macht gerade den Limbo unter einer Liane durch, als es plötzlich kracht und klatsch und etwas grosses direkt vor uns im Wasser landet. Wir haben uns mega erschrocken sehen aber nur das aufgewühlte Wasser. Als wir weiter vorne nochmals auf den See zurück blicken, sehen wir was uns so einen Schrecken eingejagt hat – es war ein Krokodil, dass vor uns geflohen ist. Wahrscheinlich sind wir ihm fast auf den Schwanz getreten – Ups!

 

Gegen Ende des Rundgangs entdecken wir noch eine Affeninsel. Hier gibt es keine Käfige. Die Affen haben einen richtigen grossen Spielplatz auf der Insel aber nichts was sie davon abhält von dort abzuhauen – also wieso bleiben sie hier? Auf unsere Nachfrage bekommen wir die Antwort, dass die Affen die Insel nicht verlassen, weil sie panische Angst vor Wasser haben und niemals den kleinen Wassergraben, der um die Insel geht überqueren würden.

 

Die gesamte Infrastruktur ist sehr gut in Schuss. Wir haben ein paar Bungalows und auch grössere Bauten gesehen, die Wege und Gehege sind sehr schön und gepflegt und wir fragen nach wie das Ganze finanziert wird. Es ist ein privates Projekt und wird nur durch Spenden und Volontäre am Leben erhalten, also wie der Amazoonico in Tena. Aber wie kommt es dann, dass die ganze Anlage viel luxuriöser wirkt und zudem noch grösser erscheint? Es erklärt sich schnell. Während ein Volontär im Amazoonico zu Joli’s Zeit noch 150$ im Monat bezahlt hat (neu ca. 250$) zahlen die Volontäre hier 155$ die Woche. Es handelt sich hier aus unserer Sicht also eher um eine etwas luxuriösere Variante der Volontärs Arbeit, zumal sogar 2er und 3er Bungalows möglich sind. Also fast wie Urlaub mit etwas Aktivität. Uns wäre es zu teuer. Da unterstützen wir lieber ein Projekt, dass nicht so viel verlangt und das Geld nötiger braucht. Ein Besuch ist aber trotzdem sehr zu empfehlen.

 

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