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Puyo III

Die Höhlen von Mera

Mit unserem Gastgeber Roberto besuchen wir heute einige Höhlen im Dschungel. Am Morgen fahren wir zusammen nach Mera um dort unseren Guide abzuholen und zum Startpunkt der Wanderung zu fahren. Auch für Roberto ist es der erste Besuch dieser Höhlen, er weiss genau wie wir nicht so richtig was uns eigentlich erwartet.

 

Gesagt wurde uns Folgendes: mehrere Höhlen, gut begehbar, Kamera - kein Problem, Platzangst - kein Problem, spezielle Kleidung – nicht nötig (ausser Badekleidung für das anschliessende baden im Fluss). Klingt nach einen gemütlichen Ausflug.

 

Eine Schotterpiste führt uns während etwa 40 Minuten tief in den Dschungel und an den Rand eines Schutzgebietes. Bei einer Hütte parkieren wir um unsere Ausrüstung bestehend aus Helm, Stirnlampe und Gummistiefeln zu fassen. Hier treffen nun auch noch 7 Ökotourismus Studenten und deren Lehrer ein, welche mit uns auf Exkursion kommen. Mist, wir waren schon begeistert alleine auf der Tour zu sein.

 

Bei recht freundlichem Wetter marschieren wir los in Richtung der Höhlen. Unser Guide gibt uns noch mit auf den Weg, dass bei jedem Schritt und Festhalten an Ästen oder Bäumen immer höchste Vorsicht geboten ist, hier leben tödliche Schlangen, die sich gerne unter trockenen Blättern verstecken. Ein Biss kann innert 7 Stunden tödlich enden. «Zudem sind wir hier im Dschungel. Der Dschungel ist gefährlich.» - meint er.

 

Eine gute Stunde marschieren wir immer weiter in den Dschungel. Es geht teilweise steil bergab über rutschiges Terrain, durch Bäche und Gebüsche hindurch. Aber unser Guide geht immer mutig voran und räumt Blätter vom Weg oder hackt den Weg mit der Machete frei. Manchmal sind wir nicht sicher ob wir jetzt auf einem Weg oder in einem Flussbett laufen oder ob wir jemals irgendwo ankommen.

 

Dann erreichen wir schliesslich die erste Höhle. Schon beim Einstieg wird uns schnell bewusst, dass das nicht so Höhlen sind wie wir erwartet haben; etwa wie die Beatus Höhlen am Thunersee oder Tropfsteinhöhlen. Nein hier geht es ohne in Stein gemeisselte Treppenstufen oder Geländer ins Loch runter. In geduckter Haltung kämpfen wir uns durch die Finsternis. Jedes Mal wenn wir keinen Weg mehr sehen und den Eindruck haben, dass das jetzt das Ende der Höhlen ist, zeigt unser Guide wie und wo wir das nächste Hindernis überwinden können. Bei der ersten Hindernissen erwähnt der Guide, dass wir nach den Höhlen sehr gut die Finger waschen müssen, bevor wir etwas zu Essen anfassen. «Wieso das denn?» «Na weil das hier nicht nur Schlamm auf den Steinen, sondern in erster Linie Fledermauskacke ist…» - Leckerschen…

 

Bis jetzt war ja noch alles gut aber nun sehen wir echt keinen Durchgang mehr. Aber da kommt doch der Guide und sagt: «Hier müsst ihr auf alle Viere. Auf Knien und Ellenbogen müsst ihr euch vorwärts robben und ganz lang machen und strecken, damit ihr durchkommt aber dabei nicht allzu dreckig werdet.» *schluck* Beni kommt gut durch aber bei Joli wirds kritischer. Sobald sie im Rücken die spitzen Steine spürt und am Bauch die Felsen fühlen kann und mitten in diesem «Scheiss»-Loch steckt, pfeift sie darauf ob sie schmutzig wird. Runter auf den Bauch und so schnell wie möglich raus aus diesem Höllenloch. So viel zum Thema: «Platzangst? Nein, kein Problem!»

 

Wir sehen in dieser Höhle ein paar schöne Formationen, Stalagmiten und Stalagtiten und stehen zwischen zwei grossen Platten, die sie die Kontinentalplatten nennen. Auch können wir einen der Verursacher entdecken, welche verantwortlich sind für unsere bereits braun eingefärbte Kleidung...

 

In einer etwas grösseren Höhle setzen wir uns auf den Boden, löschen alle Lichter und sitzen ganz still da. Es ist irgendwie erdrückend wie komplett und allumfassend die Stille und die Dunkelheit hier unten sind und wie schwer plötzlich die Felsen über und um uns auf einem lasten. Und doch ist es beeindruckend.

 

Dann kämpfen wir uns wieder raus. Spätestens jetzt wo wir wieder draussen stehen, wissen wir auf was wir uns eingelassen haben. Wir sind von Kopf bis Fuss voll Schlamm und Dreck, was für ein Spass.

 

Die zweite Höhle ist die des WM Pokals. Die Kameras, unsere Kleider und alles was wir dabei haben ist ja bereits voll mit Fledermauskacke und Schlamm. Beni ist schon etwas grummelig, weil Joli die Kameras immer noch nicht wegräumen will, aber sie meint: «Wenn sie kaputt sind, sind sie es schon seit dem ersten Schlammbad in der ersten Höhle, dann spielt es auch keine Rolle mehr!» Trotzdem fragt sie nach, ob es denn in dieser Höhle auch nochmals so eng wird. «Nein, nein.» - manchmal fragen wir uns, wieso wir überhaupt noch etwas fragen, wir sollten ja jetzt langsam wissen, dass wir immer zu hören bekommen, was wir hören wollen und nicht was der Wahrheit entspricht.

 

Wir klettern erneut über glitschige Steine und robben uns auf dem Bauch liegend durch enge Felsspalten, klettern rauf und runter. Wir sind beide manchmal nah am Limit mit unserer Platzangst aber kämpfen uns wacker immer weiter in die Höhle vor. Auch Roberto hält gut mit und macht auch fleissig Fotos. Es ist wahnsinnig heiss und feucht in diesen Höhlen. Auch damit haben wir nicht gerechnet, denn in unseren Höhlen ist es meistens kalt. Aber wir behalten die Regenjacken trotz Hitzestau an, weil wir uns sonst überall aufkratzen würden an den scharfen Kanten der Felsen.

 

Leider kommen auch an so schwer zugängliche Orte immer wieder Idioten. Einer der Pokale, welcher mehrere hundert Jahre braucht bis er diese Grösse erreicht hat, liegt abgebrochen am Boden. Eine Schande ist das. Die Natur braucht Jahrhunderte um etwas zu erschaffen und der Mensch zerstört es in einer Minute!

 

Der hier bestens bekannte Regen setzt auch heute gerade ein als wir uns wieder auf den Weg machen um zur dritten Höhle zu gelangen, welche gar keine Höhle mehr ist. Es sind mit Wasser gefüllte Löcher direkt am Fluss. Aufgrund des starken Regens und der glitschigen Steine ist es schon etwas schwierig hier hin zu kommen, zumal wir dafür einen riesigen Felsen runter und einen anderen rauf klettern müssen. Jetzt sollen wir tatsächlich diesen Felsen wieder auf der anderen Seite runterklettern und hinter die Löcher gehen um dort auf dem Felsvorsprung direkt am Fluss ein Foto zu machen. Nein, jetzt ist aber genug! Joli weigert sich noch zweimal so einen grossen Felsbrocken zu überqueren, nur um ein Foto zu machen auf einem Felsvorsprung der schon von weitem schreit «du wirst zu 100% in den Fluss fallen!». Beni ist positiv überrascht, da Joli doch sonst eigentlich für ein gutes Foto einiges in Kauf nimmt.

 

Irgendwie kommen wir die beiden Felsbrocken wieder hoch und runter und der Guide fragt ob wir nun noch im Fluss  baden wollen. «Echt jetzt?!» Also da wir schon bis auf die Unterwäsche durchgeweicht sind und der Regen so intensiv ist, dass er anfängt den Schlamm auf der Kleidung weg zu spülen, ist das glaube ich nicht nötig – danke trotzdem der Nachfrage. Den Fluss wollten wir eigentlich überqueren, um einen Rundweg machen zu können, was jedoch aufgrund der zu grossen Wassermassen nicht möglich ist – wir müssten schwimmen.

 

So bleibt uns nichts anderes übrig als den gleichen Weg nochmals, diesmal steil bergauf und bei strömenden Regen zurück zu gehen. Es ist ziemlich anstrengend zumal man drei Schritte vorwärts geht und zwei zurück rutscht. Aber als der Guide eine Pause vorschlägt, in dem kleinen Unterstand bei der ersten Höhle, und dann aber so nebenbei erwähnt, dass hier sonst die Abkürzung ist um zurück zum Ausgangspunkt zu kommen, fällt die Entscheidung ziemlich schnell. Allerdings ohne dabei daran zu denken, dass die Abkürzung ja noch steiler sein muss, als der normale Weg… Jetzt ist es zu spät.

 

Nach 5 Stunden Höhlen und Dschungel sind wir wieder am Ausgangspunkt zurück, wo wir uns so gut wie möglich saubermachen. Dank dem starken Regen, kommen überall vom Dach starke Wasserstrahle runter die uns als Dusche dienen. Umziehen ist etwas schwierig, da wir einerseits nur die Badekleidung als zusätzliche Kleidung dabei haben und auch die im Rucksack nicht ganz trocken geblieben ist. Egal, dann fahren wir halt in Badekleidern zurück. Joli versucht noch den ganzen Schlamm aus allen Ritzen der Kameras zu bringen und schafft es aber nur mehr oder weniger. Alles geht wohl nie mehr weg. Bevor wir aufbrechen, essen wir heisshungrig, das von Joli verhasste, weisse, pampige Toast mit etwas Schinken und Tomate. Das restliche Programm, ein Wasserfall und ein Aussichtspunkt fallen aufgrund des Regens ins Wasser aber das macht nichts. Wir sind nass und durchgefroren und wollen nur noch eine heisse Dusche und ein leckeres Abendessen von Karina.

 

Joli’s Knie, Arme und Ellenbogen haben übrigens schon am nächsten Tag eine wunderschöne bläuliche Färbung, welche dann über violett zu grün wechselt und noch Tage nach dem Ausflug zu sehen ist. Auch die Kleider landen sofort in der Waschmaschine und Joli’s Kleider müssen, dann auch noch genäht werden, da alles gerissen ist. Aber auch wenn es vielleicht nicht so klingt: wir hatten echt Spass an diesem Ausflug! Ein richtiges Abenteuer!

 

Chillen

Nach dem gestrigen Abenteuer brauchen wir erst einmal Erholung. Wir haben noch ein paar Tage bis wir uns mit Betty in Pujili treffen und vorher wollen wir nur noch die Quilotoa Lagune besuchen.

 

Wir verbringen die Tage damit zu chillen, Spiele zu spielen, an der Homepage und den Fotos zu arbeiten und Beni findet für sich eine neue Beschäftigungstherapie und baut Kartenhäuschen, wenn gerade mal kein Match läuft oder Formel 1 oder so übertragen wird.

 

Der Garten in unserem Airbnb eignet sich super zum rumhängen und zwischen durch schnappen wir uns ein Bierchen oder ein Eis aus dem Kühlschrank und am Abend geniessen wir immer die leckeren Essen von Karina und Santiago.

 

Eigentlich wären diese Tage perfekt um einmal den Vogel Zoo zu besuchen – man muss aktuell nicht einmal so früh aufstehen, da die Vögel den ganzen Tag kommen weil gerade alles blüht und die Bäume voller Früchte sind. Aber ratet mal: wir schaffen es in der ganzen Zeit wo wir hier sind nicht über die Strasse zu laufen und den Zoo zu besuchen. Aber es hat auch hier im Garten jede Menge Vögel die vorbei flattern und die Bananen, welche Karina für sie bereit legt genüsslich verspeisen. Sogar Kolibris zischen zwischen den vielen Blumen im Garten hin und her und am Abend besucht uns immer ein Huhn, dass auf den Blumentopf neben uns hüpft und regelmässig runterfällt, was uns immer einen herrlichen Lachanfall beschert.

 

Matchday IIII

Heute fiebern wir nochmals mit der Fussball Nati mit, bevor wir morgen mit dem Bus nach Quilotoa weiterreisen. Zum Glück wird dieses Spiel im Free TV gezeigt. Das Internet lässt nämlich heute zu wünschen übrig und reicht nicht wirklich um das Spiel zu schauen. Gut gelaunt machen wir es uns nach dem Frühstück vor dem TV bequem. Für ein Bier ist es doch noch etwas früh und leider ist dann die Show der Schweizer auch nicht gut genug um die gute Laune aufrecht zu erhalten. Nach 90 Minuten sind wir ziemlich enttäuscht es hat halt wiedermal nicht sollen sein. Als uns Karina nach unserem Wunsch zum Abendessen fragt scherzen wir und antworten mit «Köttbullar» und erklären ihr das dies schwedische Hackfleischbällchen sind. Zu unserer Überraschung werden uns diese dann tatsächlich zum Abendessen aufgetischt, sozusagen als Trost für die Niederlage gegen die Schweden. Und das letzte Abendessen hier ist unvergesslich lecker und das Beste bisher in Ecuador!

  

Am nächsten Morgen bringt uns Roberto noch an den Busbahnhof und verspricht von sich hören zu lassen sobald das Restaurant offiziell wieder geöffnet ist, damit wir euch allen den besten Ort zum Essen in Puyo mitteilen können.

 

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