· 

Quilotoa

Wir wollen wieder hoch hinaus. Auf 3900 M.ü.M. liegt unser nächster Halt Quilotoa. Ohne Höhenakklimatisation wollen wir hier die Gratwanderung des Kratersees machen. Zuerst müssen wir aber die Busfahrt dorthin überleben, der Chauffeur fährt wie ein Henker. Es ist eine Frechheit, da sitzen alte Leute im Bus, welche sich in den Kurven mit letzter Kraft an den Sitzen festhalten müssen. Zum Glück können wir in Latacunga umsteigen. Nach nahezu 6 Stunden im Bus erreichen wir Quilotoa. In diesem kleinen Dorf wird an jeder Ecke gebaut, wo vor ein paar Jahren nur ein paar Häuser standen, entwickelt sich langsam ein richtiges Touristen Dorf. Kein Wunder, der Kratersee bietet ein Wahnsinns Panorama und zieht viele Touristen an. Es ist windig und die Jacken sind hier also definitiv wieder nötig. Wir laufen zum Aussichtspunkt und suchen schon mal den Start unserer morgigen Wanderung. Nach einer heissen Schokolade kaufen wir noch etwas Proviant für den nächsten Tag. Viel ist es nicht, denn es ist alles extrem teuer hier aber zum Glück haben wir noch das grosse Bananenbrot, das wir im Bus gekauft haben und das Abendessen und Frühstück ist im Hostel auch mit dabei.

Das mit der Höhenakklimatisation haben wir dann doch etwas unterschätzt. Im Verlaufe des Nachmittags werden insbesondere bei Beni die Kopfschmerzen immer stärker. Der Höhepunkt sind dann solch heftige Kopfschmerzen, dass der gesamte Körper verrücktspielt, von akutem Durchfall und Erbrechen ist dann die Rede. Ohne Abendessen und vollgepumpt mit Medikamenten geht es früh ins Bett.

 

Naja das Abendessen kann man sich schenken. Die Portion war klein und lecker war es auch nicht. Zum Glück hatten wir am späten Nachmittag noch ein Brötchen vom Vortag mit etwas Schokolade verspeist. Joli versucht noch etwas zu arbeiten und legt in der Zwischenzeit immer wieder Holz nach in unserem kleinen Ofen, damit es nicht allzu kalt wird in der Nacht. Nachdem alles Holz verfeuert ist, ist ebenfalls Nachtruhe angesagt. Aber nichts ist mit Ruhe. Ein kläffender Köter steht die ganze Nacht direkt vor unserem Fenster und kläfft in einem fürchterliche und monotonen Ton und einer extremen Lautstärke. Da helfen auch Ohropax nichts mehr. Der kann ja von Glück reden, dass es draussen so kalt ist und Joli das Bett nicht verlassen will. Bei aller Tierliebe aber dieses Vieh treibt einem zu Weissglut!

 

Quilotoa Loop - der kleine

Am nächsten Morgen dann die Überraschung. Beni fühlt sich wieder pudelwohl, das wird doch noch was mit der Kraterwanderung. Auch Joli hat etwas Schlaf gefunden, kann aber immer noch das wiederhallen des Kläffers in den Ohren hören. Nach dem Frühstück brechen wir warm eingepackt und bei windigem aber durchaus sonnigem Wetter auf. Schon nach ein paar Metern erreichen wir den Kraterrand, an welchem wir die Kameras zücken. Der Panoramablick ist atemberaubend. Es gibt immer wieder Abgründe und schöne Punkte, an welchen wir Halt machen und fotografieren was das Zeug hält.

Schon bald nach dem Start werden wir dann von einer einheimischen Frau überholt. Die Frau trägt auf dem Rücken einen 15 kg Sack Kartoffeln und dazu zwei Taschen in den Händen, welche beide auch rund 8 kg schwer sind. Ihre Schuhe sind auch nicht gemacht für diesen Weg. Sie trägt die klassische Kleidung der Frauen der Anden und dazu gehören elegante Schuhe mit ca. 1cm Absatz.

 

Nachdem wir die Frau wieder eingeholt haben als sie gerade eine Pause einlegt, bieten wir ihr unsere Hilfe an und übernehmen ihre Taschen für den gemeinsamen Weg, welcher bis zu ihrer Abzweigung noch vor uns liegt. Schon bald hoffen wir, dass diese Abzweigung bald kommen möge. Die Säcke sind extrem schwer und mühsam zu tragen.

 

Auf dem Weg erzählt sie uns, dass ihr Bruder ihr Kartoffeln, Lebensmittel und Essensreste für die Hunde geschenkt hat, die sie jetzt nach Hause trägt. «Wo ist denn Ihr zu Hause?» - «Ach nur 4 Stunden in diese Richtung.» Es gebe keine Strasse, welche von Quilotoa durchgehend zu ihrem Dorf führt. Erst nach ca. 2 Stunden gibt es die Möglichkeit im nächsten Dorf für 5 Dollar ein Taxi zu nehmen wofür ihr aber das Geld fehlt. Eine halbe Stunde helfen wir ihr beim Schleppen über den steinigen, teilweise steilen und sehr windigen Weg hinauf und hinunter, bis unsere Wege sich trennen. Wir drücken ihr noch 5 Dollar fürs Taxi in die Hände, welche sie vielmals dankend entgegennimmt und verabschieden uns von ihr. Wir sind überzeugt, dass sie trotz den 5 Dollar den ganzen Weg bis nach Hause laufen wird.

Unser weiterer Weg führt uns praktisch durchgehend am Kraterrand entlang, dabei gibt es aber einige Ab- und umso anstrengendere Aufstiege zu bewältigen. Trotz der Höhe ist die Anstrengung während den ersten 4 Stunden aber noch gut zu bewältigen und wir sind erstaunt wie einfach uns auch die Aufstiege vorkommen.

 

Die Landschaft ist sagenhaft schön, die mit Blumen in allen Farben gesäumten Wiesen und der dunkelblaue See erinnern uns etwas an die Schweizer Alpen. Wir legen auch viele Foto- und Verpflegungsstopps ein und erreichen nach rund 3 Stunden den höchsten Punkt. Joli meint eine Stunde vorher: «Guck mal, dieser Berg dort vorne sieht noch kuhl aus…» «Oh, das ist kein Berg, das ist ja ein Teil des Kraters…»

Der Aufstieg zum höchsten Punkt auf 3930 M.ü.M. hat es in sich. Es geht steil Bergauf aber dank Schokolade, Chips und Bananenbrot bezwingen wir auch diesen Teil der Rundwanderung keuchend und schnaubend wie zwei alte Dampflokomotiven.

 

Oben angekommen geniessen wir ein weiteres Mal das Panorama bevor wir den nicht weniger komplizierten Teil des Abstiegs in Angriff nehmen. Die restliche Strecke sieht von oben nach einem Spaziergang aus. Ist es aber nicht, die Perspektive hat uns getäuscht, der letzte Teil der Strecke ist nochmal ein 1 stündiger Aufstieg, bei welchem wir nun doch mit etwas schweren und müden Beinen zu kämpfen haben. Man hat die ganze Zeit das Gefühl, dass man den Weg vor sich sieht aber dann kommen plötzlich immer wieder Abstiege, die man aufgrund der Perspektive nicht gesehen hat, und auf diese folgen natürlich immer wieder Aufstiege.

 

Nach 5 Stunden und 15 Minuten sind wir schliesslich wieder zurück in Quilotoa, wo wir uns zwei kleine Pizzas gönnen, denn Joli denkt schon jetzt mit Entsetzen an das Abendessen, das uns bevorsteht. Allerdings ist es heute tatsächlich nicht so schlecht, obwohl es dasselbe ist wie gestern aber statt Tomaten und Gurken, gibt es heute einfach Karotten und Bohnen zu Reis und Hühnchen. Und es gibt sogar etwas zu trinken, dass hatten sie gestern auch vergessen. Nachdem wir unseren Ofen mit den ganzen verfügbaren Holz gefüttert haben gehen wir schlafen und heute gibt sogar der Kläffer von gestern Ruhe. Der Abstecher nach Quilotoa und die Wanderung waren wirklich der Hammer und der Weg hier hinauf hat sich gelohnt. 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    B. Hegetschweiler (Dienstag, 04 September 2018 10:10)

    Ig wett öich wieder mau säge wie guet u unterhautsam öii Brichte si - u d'Fotos eifach wunderschön!!!
    Äs git ke einzige Bricht woni verpasse :-) :-) isch ja o nid müglech *grins*
    Muntsch Mummy u Schwiger....

  • #2

    Benjoli (Samstag, 27 Oktober 2018 04:43)

    Merci viu mau :-) Muntsch