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Quito

Heute lernen wir Cristina und die beiden Jungs beim Frühstück kennen. Cristina ist sehr nett und ihre zwei Söhne (Joaquin & Tomás) sind, ihrem Alter entsprechend, zwei sehr aktive Kinder. Die Wohnung ist schön und riesig, sie hat nebst Wohnzimmer, Esszimmer und Küche noch vier Zimmer und jedes davon mit einem eigenen Bad. Wir wohnen hier im Stadtteil Miraflores, welcher als teuer aber auch sicher gilt. Die Wohnung befindet sich in einem, mit Sicherheitspersonal bewachten Block, im 5. Stock und hat eine superschöne Aussicht über die Stadt. 

Rucu Pichincha

Da wir nicht erst seit La Paz sondern generell gerne Seilbahn fahren, testen wir natürlich auch diejenige in Quito, welche auf den Hausberg resp. Hausvulkan führt. Die Fahrt mit der Bahn kostet 8,50$ pro Person. Ein wahrlich stolzer Preis für die eher kurze Strecke und im Vergleich zu La Paz. Der Blick von oben auf die Stadt ist dafür toll. Quito ist eine in die Länge gezogene hügelige, moderne und saubere Stadt. Aber vor allem ist sie riesig. Von einem Ende zum anderen hat man mit dem Auto gut mal zwei Stunden, weshalb Ringstrassen gebaut wurden, die um das Zentrum herum führen – was nicht unbedingt weniger lange dauert.

 

Der Tag hat strahlend schön begonnen, doch kaum sind wir oben, ziehen Wolken auf und verdecken uns die Sicht auf die umliegenden Vulkane. Zudem wird es ziemlich windig und wir sind froh, dass wir die Jacken eingepackt haben (Joli war sogar weise genug Handschuhe ein zu packen). Da wir hier wieder auf 4000 M.ü.M. sind, kommen wir einmal mehr ganz schön ins Keuchen.

 

Fasziniert stellen wir fest, dass auch hier eine Schaukel hingestellt wurde, wo man schöne Fotos über Quito machen kann. Allerdings ist der Adrenalinkick nicht ganz so toll wie bei der Schaukel in Puyo. Es scheint aber, dass Schaukeln in Ecuador zu einem beliebten Volksport geworden ist. Die Schaukeln spriessen mittlerweile überall aus dem Boden.

 

Wir verweilen nicht allzu lange hier oben. Es ist zu windig und kalt und wir haben uns sowieso nicht für eine Wanderung entschieden. Daher fahren wir schon bald wieder runter um in Richtung Altstadt aufzubrechen. 

 

Centro Histórico

Die Altstadt wirkt sehr hell und freundlich. Es gibt zahlreiche gut erhaltene, alte Gebäude mit bunten Fassaden und unzählige Kirchen. Weiter findet man viele kleine Plätze und Parkanlagen, welche zum Verweilen einladen. Wenn man bei der Kirche San Francisco startet kann man sogar so etwas wie einen kleinen Rundgang durch das historische Zentrum machen und kommt an allen wichtigen Gebäuden vorbei, wenn man die richtigen Abzweigungen nimmt. Wir haben das bekanntlich nicht so im Griff und deshalb zweigen wir immer dort ab, wo wir in Sichtweite ein schönes Gebäude sehen.

 

Der Verkehr wirkt hier für eine Grossstadt erstaunlich gelassen. Hier hupt und drängelt keiner und als Fussgänger fühlt man sich auch respektiert, nicht wie in Guayaquil. Auch hier werden wir von der Tourismuspolizei aufgeklärt und um ein Foto gebeten. Wir finden das irgendwie noch nett, auch wenn es nicht sonderlich spannende oder für uns neue Informationen sind, die die beiden Polizisten uns geben.

 

Auf kulinarischer Ebene gönnen wir uns danach eine runde Morocho. Dies ist ein dickflüssiges Maisgetränk mit einer leichten Zimt Note, welches warm getrunken wird. Dazu verdrücken wir eine gezuckerte Empanada de Viento (Windbeutel). Ein luftiges Teiggebäck (daher der Name – die Füllung ist Luft) mit einer Konsistenz zwischen einem Berliner und einem Fasnachtsküchlein. Sehr lecker.

 

Nachdem wir uns gestärkt haben, besuchen wir die riesige Basilika, welche nicht zu übersehen ist. Man hat die Möglichkeit Eintritt für die Kirche und / oder die Türme zu zahlen. Den Eintritt für die Kirche könnt ihr euch sparen, wenn ihr auf die Türme geht, könnt ihr den Innenraum der Kirche vom Balkon aus sehen. Uns hat das völlig gereicht.

 

Über, verwundene Wege und Treppen, finden wir dann irgendwann steile Stahltreppen, welche aussen an der Kirche befestigt sind und über die man in die hohen Aussentürme klettern kann. Achtung nichts für Leute mit Höhenangst. Zusammen mit dem Wind und der Höhe grenzt das schon fast an eine Mutprobe, welche uns oben angekommen dafür mit einem coolen Rundumblick über die Altstadt entschädigt. Der Abstieg ist dann noch einmal spannend vor allem für Joli, aber wir schaffen auch das und unterhalten damit auch noch die anderen Besucher, die vergnügt beobachten wie Joli im Schneckentempo und mit halb geschlossenen Augen die Treppen (in ihren Augen eher Leitern) runterklettert.

 

Den Panecillo (Hausberg der Altstadt) haben wir nicht mehr besucht. Man soll diesen auch nur mit Bus oder Taxi besuchen und nicht rauf oder runterlaufen, da dort häufig Überfälle auf Touristen stattfinden. Aber wir haben ihn ja von der Basilika aus gesehen.

 

Der falsch berechnete Mittelpunkt der Erde

Der obligatorische Chiropraktiker Besuch in den Grossstädten steht auf dem Programm. Die letzte in Puyo war mit 5 Dollar zwar die billigste Behandlung überhaupt, der Arzt aber ein Allgemeinmediziner, der für alles zuständig war und deshalb irgendwie die Blockaden nicht gänzlich lösen konnte. Hier in Quito kostet der Spass mit 55 Dollar schon mehr als in der Schweiz. Glücklicherweise kennt Cristina einen Chiropraktiker persönlich. Durch ihre Vermittlung erhalten wir sogar noch 30 Prozent Rabatt. Der Chiropraktiker und die Behandlung sind sehr professionell. Wir erhalten eine Elektroden Therapie danach die eigentliche Behandlung und zum Schluss eine Massage. Der ganze Spass dauert etwas mehr als eine Stunde und dies rechtfertigt im Nachhinein auch den hohen Preis.

Danach treffen wir uns mit Betty und auf geht es zum Mittelpunkt der Erde, hier wartet auch bereits Bettys Freund José Luis auf uns. Mitad del Mundo befindet sich ca. 20 km ausserhalb von Quito und ist durch und durch eine Touristen Attraktion. Um es genau zu nehmen gibt es hier ja zwei Orte, welche den Mittelpunkt der Erde markieren, da man Jahre nach der Markierung des ersten feststellen musste, dass sich die Franzosen im Jahr 1736 um 240 Meter verrechnet hatten. Mit modernster Technik konnte man den richtigen Mittelpunkt der Erde festlegen, welcher genau dort liegt, wo ihn die Indigenen Völker schon vor Jahrhunderten markiert haben – so viel zur modernen Technik. Für 5$ Eintritt betreten wir hier so etwas wie ein kleines Dorf. Es gibt lauter kleine Museen, eines davon mit Nachbauten von typischen Häusern aus der Sierra, dem Orient und der Küste. Jede Menge Souvenir Shops und auch einige teure Restaurants.

 

Hier steht auch das riesige Monument, das wir mit dem Lift erklimmen und von oben die Aussicht geniessen, bevor wir im Innern durch das Museum wieder runterlaufen. Die Waage im Museum ist interessant. Sie zeigt an wie viel wir auf der Erde, dem Mond und auf der Sonne wiegen würden. Wer abnehmen will, soll doch einfach zum Mond fliegen und schwupp purzeln die Pfunde. Unten im Museum stehen wir dann eine gefühlte Ewigkeit an um ein gratis Foto vor einem vorher auswählbaren Hintergrund zu machen, dass schlussendlich leider nie per E-Mail bei uns ankommt. Tja dumm gelaufen, dafür durften wir beim Anstehen einmal mehr beobachten, dass es einfach haufenweise Menschen gibt, die das Gefühl haben sie seien die einzigen auf dieser Welt und ganz egoistisch die Fotoleinwand 20 Minuten für sich beanspruchen um vor jedem Hintergrund und in jeder Kombination der Familienmitglieder ein Foto zu machen.

 

Pflicht ist natürlich auch das Foto auf der gelben, langen Linie, welche sich durch das ganze Dorf zieht und den, tja leider falschen, Mittelpunkt der Erde markiert. Obwohl der Äquator auch noch durch andere Länder geht, gilt dieser Ort deshalb als der Mittelpunkt der Erde, weil einzig hier ein entsprechendes Monument gebaut wurde und die Franzosen hier und nicht anderswo alles ausgemessen haben.

 

Nach dem ersten Museumsbesuch, suchen wir uns ausserhalb ein kleines Restaurant und gönnen uns ein Mittagessen, ein paar lecker Bierchen und schauen den Fussballmatch fertig. Glücklicherweise hängt hier eigentlich immer und überall ein Fernseher und jetzt wo die Endphase der WM gekommen ist, werden auch alle Spiele übertragen.

 

Der richtige Mittelpunkt der Erde - Intiñan Museum

Nur ein Spaziergang von Mittelpunkt der Erde entfernt oder genauer gesagt 240 Meter daneben, befindet sich dann der richtige Mittelpunkt, welcher im Jahr 2000 durch ein Militär GPS System korrekt festgelegt wurde. Dieser befindet sich auch exakt auf der gleichen Höhe wie der Mittelpunkt, welcher schon vor über 1000 Jahren von den Indigenen Völkern auf einem Hügel in der Nähe festgelegt wurde. Der Eintritt hier kostet nur 4$ und beinhaltet eine 40 minütige interaktive Tour, bei welcher man spielerisch etwas über den Äquator erfährt. Diese Anlage ist viel kleiner dafür umso authentischer und schöner gebaut. Auf der geführten Tour werden verschiedene Experimente im Zusammenhang mit dem Erdmittelpunkt durchgeführt.

 

Wir machen einen Test mit einem Wasserbecken. Auf der Südhalbkugel fliesst das Wasser im Uhrzeigersinn ab. Auf der Nordhalbkugel dagegen dreht der Wasserstrudel gegen den Uhrzeigersinn. Was geschieht nun direkt auf der Äquatorlinie? Es bildet sich tatsächlich kein Strudel, das Wasser fällt sozusagen direkt durch das Abflussloch ohne eine Kreisbewegung. Wer es nicht mit eigenen Augen gesehen hat, glaubt es kaum. Und es stimmt so auch nicht ganz, das behaupten jedenfalls einige Berichte. Jedoch haben wir auch von vielen gelesen, die das Experiment in Ecuador und Uganda gesehen haben und weder vor Ort noch im Nachhinein auf den Videos einen Trick feststellen konnten (wie wir).

 

Fakt ist, dass die Corioliskraft, die auf die Erdrotation zurückführt klar einen Einfluss aus grössere Wasser- und Windstrudel hat. Die Drehrichtungen der Orkane werden so beeinflusst. Ebenfalls stehen die Hoch- und Tiefdruckgebiete unter diesem Einfluss. Da die Corioliskraft am Äquator gleich Null ist entstehen hier auch keine Orkane.

 

Auch kann man an diesem Punkt auch ein Ei auf einem Nagel balancieren lassen, wenn man es denn kann, denn ganz so einfach ist es auch hier nicht. Hingegen fällt es schwer selber das Gleichgeweicht zu behalten wenn man auf dem Äquator balancieren will, wobei Betty sich ganz gut macht hat, während Joli recht schnell vom Weg abkommt und die Muskelkräfte verlassen einem auch auf dieser Linie. Die Beobachtung der Sonnenuhr von beiden Seiten ist ebenfalls spannend. Wir haben ziemlich viele Informationen erhalten aber leider auch schon wieder viel vergessen und wir wollen ja hier auch nicht allzu theoretisch werden.

 

Wer Zeit und Geld für beide Museen hat unbedingt machen, ansonsten ist das Intiñan ein absolutes Muss. Den Pass haben wir natürlich auch hier abstempeln lassen, so dass wir nebst dem südlichsten Punkt und dem höchsten navigierbaren See der Welt nun auch den Mittelpunkt drin haben.

 

Schrumpfkopf Herstellung

Wer schon immer mal wissen wollte wie man einen Schrumpfkopf herstellt, bekommt das hier anhand von Zeichnungen gut erklärt. Der Kräutersud in dem die Köpfe gebadet und geschrumpft werden ist allerdings geheim. Wir haben auch drei verschieden Modelle anschauen können. Schrumpfköpfe von Feinden werden auf den Lanzen getragen, hingegen Schrumpfköpfe von Stammesältesten zum Beispiel als Medaillon um den Hals. Die Herstellung von menschlichen Schrumpfköpfen ist eigentlich nicht mehr erlaubt, da auch hier der Schwarzmarkt zu explodieren drohte. Es gibt halt Menschen die kaufen sich alles (un)mögliche. Und es kann ja nicht die Idee sein, dass Menschen getötet werden, damit man ihre Schrumpfköpfe verkaufen kann oder? Abgesehen davon: so hübsch sind die jetzt auch wieder nicht!

 

Fondue

Spätabends gehen wir dann zurück in die Stadt. Wir gehen gemeinsam Fondue essen, denn wir wollen den beiden auch etwas typisch schweizerisches zeigen und das letzte Fondue in La Paz war super lecker. Wir finden sogar ein Restaurant mit dem vielversprechenden Namen Voilá Bistro Fondue. Das Gebotene ist dann leider eher bescheiden. Der Käse ist nie und nimmer Gruyère und Tilsiter wie angekündigt, denn dafür fehlt es am Geschmack. Auch müssen wir das Ganze selber anrühren und das Maizena ist mit einem übelriechenden Anisschnaps gemischt. Das Brot schmeckt auch leicht süsslich und das Essen ist alles in allem, leider enttäuschend. Naja man kann nicht immer Glück haben. José Luis nimmt den Bus nach Hause und wir laufen die paar Blocks nach Hause. Gemäss Betty sind es ja nur ca. 8 und dieses Mal stimmte das sogar ungefähr.

 

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