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Panama City

Von Quito aus geht unser nächster und erster internationaler Flug nach Panama. Wir haben die Grenzen bislang immer per Bus überquert, da wir aber Kolumbien provisorisch überspringen, reisen wir heute etwas schneller und bequemer, vor allem auch, damit Betty ihre 14 Tage Urlaub voll ausschöpfen kann.

 

Von milden 20 Grad im Andengebiet rund um Quito fliegen wir nach Panama City zu 31 Grad und 85% Luftfeuchtigkeit. Die Fluggesellschaft Avianca gehört mit zu den besten die wir nun kennen, die Beinfreiheit und der Komfort im Flieger sind der pure Luxus und sogar das Essen ist gut (und diese Aussage kommt von unserem Vielfrass Joli, die Flugzeug- und Spitalessen trotz ihrer Liebe zum Essen verabscheut!). Nicht zu vergleichen ist Avianca mit TAME, mit welcher wir in Chile geflogen sind und Beni beinahe Platzangst bekommen hätte.

 

Nach dem Umsteigen in Bogotá und zweimaliger Verpflegung auf den je zwei stündigen Flügen kommen wir gegen Abend in unserem Dreierzimmer im Panama City an um sogleich wieder aufzubrechen. Nein, das Zimmer war ok, aber es war schon wieder Essenszeit… Wir bestellen uns einen Krug unseres Lieblingsgetränks – frische Limonade und bekommen den ersten Preisschock bei der Abrechnung. Dieser Krug kostet doch tatsächlich 10$. Das haben wir erst einmal bezahlt in Guayaquil am Malecón sonst kostet das so 4$ *schluck*.

 

Panama Viejo & Casco Viejo

An unserem ersten Tag laufen wir uns die Füsse wund. Die Stadt ist riesig.

Mit einem Taxi lassen wir uns am morgen früh (ohne Frühstück!) aber zuerst nach Panama Viejo chauffieren. Bei der Ankunft sind wir dann etwas irritiert. Wir haben Panamas Altstadt erwartet und werden an einem Parkeingang ausgeladen. Panama Viejo bezeichnet hier nicht die Altstadt sondern die alten Ruinen des ursprünglichen Panamas, welche durch Piraten zerstört wurde.

 

Wir treten zum Kassenhäuschen und fragen erstmal nach dem Preis und was uns erwartet. 15$ pro Person. Dafür wird man 2 Minuten mit einem grossen Golf Caddy etwas in die Anlage reingefahren, muss den Rest aber dann selber laufen und die Tour ist auch nicht geführt aber man kann alles nachlesen an den einzelnen Stätten, meint die nette Dame. Wir ziehen uns zur Lagebesprechung zurück. Lachend stellen wir fest, dass weder Betty, Beni noch Joli auch nur einen Hauch von Interesse haben 15$ in Bildung und alte Steine (wie Beni sie liebevoll nennt) zu investieren.

 

In der Hoffnung auf Frühstück laufen wir in Richtung Zentrum aber wir unterschätzen die Distanz und nehmen dann doch ein Taxi um in die richtige Altstadt zu fahren, welche ganz in der Nähe unseres Hotels liegt und sich Casco Viejo nennt.

 

Bei brütender Hitze schleichen wir förmlich über die Strassen der Altstadt. Zwischendurch laufen wir an einem TV vorbei, wo gerade das Spiel Kroatien – Frankreich läuft, welches wir boykottieren, da wir keinen der beiden wirklich als Weltmeister sehen wollen. Die Altstadt ist sehr schön und bunt. Viele dieser alten Kolonialhäuser wurden aufwendig restauriert und strahlen in neuem Glanz. Einige sind aber nur noch heruntergekommene Ruinen. Der Anblick ist eine Wucht und die vielen Farben und die kleinen Palmen gesäumten Parkanlagen erinnern uns ein wenig an Kuba.

 

Wir wissen zwar das Panama ungefähr doppelt bis dreimal so teuer ist wie Ecuador und trotzdem schlagen wir etliche Restaurants aus, weil es uns einfach zu teuer erscheint. Kurz vor Mittag ist aber genug damit und Joli entscheidet sich für ein Café um endlich ihr Frühstück zu bekommen. Beni hat mit Betty eine Verbündete gefunden – die beiden haben einfach nie Hunger – unglaublich!

Unser Weg führt uns aus der Altstadt heraus an die Strandpromenade, an den Beginn der mehreren Kilometer langen und beeindruckenden Skyline von Panama City. Wir kommen schon bald am Fischmarkt vorbei. Hier wird der fangfrische Fisch und alles Mögliche an Meeresfrüchten feil geboten und, für uns viel interessanter, im dazugehörigen Restaurant serviert. Da Beni kein Frühstück hatte und ja auch schon wieder Mittagszeit ist, setzen wir uns an einen Tisch und teilen uns einen schweineteuren (13$) aber leckeren Teller frittierter Mariscos.

 

Wir laufen weiter und beobachten gespannt, dass aufziehende Gewitter am Horizont, das aber einen genialen Effekt auf den Fotos erzeugt. Bei einem Eisverkäufer kaufen wir zwei Becher Eis (also nicht Eiscreme sondern nur Eis), dass wir mit den Geschmacksrichtungen Passionsfrucht und Zitrone übergiessen lassen. Naja… Geschmacklich ein Reinfall aber immerhin «eis»kalt.

 

Wir fragen den Fahrradvermieter nach der Meinung zum aktuellen Wetter und als dieser meint, solange es winde käme der Regen nicht, mieten für uns für eine Hand voll Dollars ein «Fahrrad» mit Dach, mit welchem wir den Malecón entlang fahren und eine Menge Spass haben.

 

Da es uns immer noch nach Eis gelüstet, kaufen wir, nach dem Fotoshooting vor den Panama Buchstaben, einem der vielen Verkäufer auf dem Fahrrad eines ab. Auch dieses Eis war ein absoluter Reinfall und hier stellen wir auch zum ersten Mal fest, dass es in diesem Land wohl nichts gibt, dass unter einem Dollar kostet…?! Ja Panama hat auch den Dollar als Währung und noch Münzen in Balboa, welche aber den gleichen Kurs haben.

Die Strandpromenade führt uns vorbei an zahlreichen beeindruckenden Hochhäusern. Es ist Sonntag und die Flaniermeile ist gesäumt mit Strassenhändlern. Diese verkaufen vorwiegend handgemachtes wie Bilder oder Schmuckstücke und natürlich die gleichnamigen Panamahüte, welche aber aus Ecuador stammen. Wir sind schon fast am Ende der von uns geplanten Strecke, als uns der Regen doch noch einholt. Aber er ist zum Glück nicht so stark das wir wirklich nass werden aber dafür schön erfrischend.

 

Wir geben dem Mc Donalds Dessert Stand vor dem Einkaufszentrum auch noch eine Chance und kaufen nochmals ein Eis. Das ist jetzt aber das letzte. Immerhin das Beste bisher (ist ja auch nicht so schwer) aber auch nicht der Wahnsinn. Wir laufen noch etwas orientierungslos zwischen den Hochhäusern herum und teilen uns dann, abgeschreckt von den Preisen, zu dritt einen Kebab (Shawarma) mit Pommes, da Joli unglaublicher Weise schon wieder Hunger hat.

Der PanamaKanal

Ein Meisterwerk der Ingenieurskunst ist der Panama Kanal. Für Beni als Logistiker ein absoluter Muss-Besuch. Wir machen uns früh morgens mit dem Uber auf zu den Miraflores Schleusen. Das Museum und Besucherplattform befinden sich etwa 15 Minuten ausserhalb der Stadt und der Eintritt kostet 15 Dollar. Wir sind pünktlich zur Öffnungszeit um 8 Uhr die ersten an der Kasse.

 

Im 4 Stock auf der Aussichtsplattform besetzen wir sogleich die besten Plätze für uns. Das Museum besuchen wir danach, denn zwischen 08:00 und 11:00 passieren die meisten Frachter und das wollen wir ja unbedingt sehen.

 

Ein grosser Frachter mit Autos befindet sich gerade in der Zufahrt zur Schleuse. Hier herrscht ganzjährig ein 24 Stunden Betrieb, wobei die Durchfahrtsrichtung alle 12 Stunden wechselt.

 

Das Umleiten, also heben und senken des Wasserpegels, der etwa 100 Millionen Liter Süsswasser in den Kammern dauert nur gerade 8 Minuten. Also schneller als das Auffüllen jeder Badewanne. Das manövrieren durch den Kanal erfordert höchste Präzision, wodurch die Durchquerung eines Schiffes insgesamt etwa eine Stunde dauert. Es ist spannend anzusehen aber es ist eine lange Stunde, denn wahnsinnig viel Action ist es ja nicht.

 

Die durchschnittlichen Kosten zur Durchfahrt des Kanals, betragen für ein Schiff 250'000$ je nach Grösse. Hört sich unbezahlbar an, ist jedoch immer noch günstiger und vor allem schneller und sicherer als der 10 Tage dauernde Umweg um das Kap Horn herum. Die billigste Durchquerung kostete übrigens nur gerade mal 0,36 Dollar. Diesen Preis bezahlte der US Amerikaner Richard Halliburton, der 1928 durch den Kanal geschwommen ist. Der Preis wir nach Gewicht gerechnet – sein Glück.

 

Das Besucherzentrum verfügt auch über einen Kinosaal, in welchem in 10 Minuten die Geschichte des Kanals erklärt wird, sowie ein sehr gutes und informatives Museum.

Im Jahr 2016 wurde nach fast 10 Jahren Bauzeit, die neue und grössere Schleuse in nächster Nähe eröffnet, welche über eine andere Technologie verfügt, aber auf dieser Seite des Kanals nicht besucht werden kann. Durch diese Schleusen können nun 96% aller Meeresgiganten, also Containerschiffe mit bis zu 14'000 Containern den Panamakanal passieren. Zum Vergleich, die alte Schleuse kann "nur" von Schiffen bis 4'600 Containern genutzt werden.

Daten & Fakten zum Panamakanal

Eröffnung: 15.08.1914
Verkehr: + 1 Million Schiffe seit 1914
Kanallänge: 80 Km
Fahrzeit: 8-10 Stunden
Arbeiter: 19'243 aus aller Welt
Aushub: 153 Millionen Kubikmeter Gestein
Kosten Durchfahrt: Max 800'000.- (neuer Kanal)

Schleuse Miraflores (die wir besucht haben):
Länge: 304,8 Meter
Breite: 33,5 Meter
Höhe: 12 Meter
Wassermenge: 100 Millionen Liter Süsswasser

 

 

Für die Fahrt zum Kanal zahlten wir unserem Uber 5,50.-, die Taxifahrer, welche beim Kanal auf die doofen Touristen warten, bieten dir die Fahrt zurück in die Stadt einfach mal für 15.- an, eine Frechheit. Als uns der Taxifahrer hinterher rennt und ruft «Ok, 7$» meint Beni in seinem besten Spanisch nur: «Tz, du hattest deine Chance!» was bei Betty und Joli einen Lachanfall und beim Taxifahrer einen roten Kopf auslöst.

 

Cerro Ancón

Nach dem Jahrtausend Bauwerk zieht es uns auf den Stadtberg, den Cerro Ancón. Der höchste Berg von Panama haben sie uns mehrmals gesagt. Hier ist wiedermal die Verwirrung aktiv – also von der Stadt oder dem Land? Aaaah von der Stadt, alles klar…

 

Etwas hinter der Stadt gelegen, spazieren wir in 25 Minuten den Hügel rauf, den heute ist der Weg für Taxis gesperrt – wieso weiss niemand, ist einfach so.

 

Unterwegs begegnen wir einem Faultier, dass gemütlich in seinem Baum schläft und auch auf dem Rückweg noch genauso da liegt. Wir sehen viele Agutis, die von einem Busch zum anderen rennen und genüsslich fressen. Betty mag diese Nager gar nicht. Sie erinnern sie an Mäuse und die mag sie noch weniger. Als von einem Baum die ganze Zeit so kleine Bällchen runterfallen gucken wir mal nach oben. Ein Eichhörnchen, welches über unseren Köpfen sein Geschäft verrichtet – wie nett. Und auf dem Rückweg fliegen uns noch zwei wunderschöne Tukane über den Weg – so viel Natur mitten in der Stadt, da hat sich der Spaziergang in der Hitze immerhin gelohnt. Der Aussichtspunkt an sich ist eher nicht zu empfehlen. Den meisten Platz nehmen die eingezäunten Sendeantennen ein. Darum herum gibt es ein paar weniger einladende Sitzgelegenheiten mit einer halbwegs guten Sicht auf Stadt und Kanal. Der grösste Teil der Sicht wird jedoch von den Bäumen verdeckt. Da hat man auf dem Weg hinauf bessere Ausblicke auf die Wolkenkratzer.

 

 

Völlig durchgeschwitzt sitzen wir eine Weile auf den Bänken und erholen uns von dem heissen Aufstieg und machen trotz dem dunstigen Wetter ein paar Fotos mit der Stadt im Hintergrund. Allerdings bemerken wir nach einer Weile, dass man die Stadt gar nicht sieht und machen alle Fotos nochmals mit einem Filter. Jetzt sieht man uns nicht mehr richtig aber man kann ja nicht alles haben. Immerhin haben wir von hier aus noch einen Blick von oben auf die Schleusen Miraflores.

 

Übrigens, ohne jetzt den Panamaern zu nahe treten zu wollen, müssen wir die Freundlichkeit der meisten Menschen hier etwas bemängeln. Sie begegnen einem nicht gerade freundlich und hilfsbereit und wirken irgendwie alle ständig etwas übellaunig und reserviert. Das fällt uns auf unserer Reise bislang zum ersten Mal in einem Land auf.

 

Hier bemerken wir es sogar schon das erste Mal am Flughafen. Jedoch denken wir noch, dass dem Grenzbeamten vielleicht sein Job nicht gefällt, aber es zieht sich durch alle Begegnungen durch, mit ein paar wenigen Ausnahmen. Immerhin bemerken wir schon nach der vierten Begegnung, dass es uns allen dreien auffällt und müssen lachen, als wir feststellen, dass wir uns ähnliche Gedanken über die Gründe machten und alle dachten es sei wohl nur unsere Einbildung.

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