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Colón

Zugfahrt die Erste

Tuuut, Tuuut, Tuuut wir fahren mit dem Zug. In einer Stunde vom Pazifik zum Atlantik. In der Nähe des Panamakanals respektive der Miraflores Schleusen befindet sich der Bahnhof der Panama Canal Railway Company. Der Zug bringt uns in einer Stunde am Kanal entlang an die Karibikküste in die Stadt Colón, wo auch der Panamakanal endet.


Diese wichtige Güterverkehr Strecke wird einmal pro Tag auch von einem Touristen Zug befahren. Mit 50$ hat die Fahrt einen stolzen Preis, aber immerhin fahren wir den ganzen Panama Kanal ab und in Colón können wir dann noch in der Freihandelszone günstig shoppen gehen. Das lohnt sich auf jeden Fall! - Niiiiiiiicht!

 

Noch in der Morgendämmerung treffen wir am Bahnhof ein, denn wir wollen die ersten sein und einen guten Platz ergattern. Die Lokomotive wird gerade gestartet und macht einen ziemlichen Lärm, so dass die Müdigkeit schnell verschwindet. Wir sind etwas früh aber um halb 7 müssen wir sowieso hier sein und um diese Zeit sollen hier auch die Tore des Bahnhofs geöffnet werden.

 

In Zentralamerika ist es aber nicht anders als in Südamerika; die Zeit ist lediglich ein Richtwert und nichts verbindliches, wie etwa in der Schweiz, wo man sich daran halten muss. Irgendwann öffnen sich die Türen und mit uns stürmen sage und schreibe weitere sechs Touristen herein.

 

Kurz darauf betreten wir dann den Zug. Ein sehr altmoderner (dieses Wort hat Beni gerade erfunden) Zug mit dunklen Abteilen und Sesseln und einem Bistrowagen, welcher über zwei Stöcke und ein Panoramadach verfügt. Ausser im Panoramawagen hält sich niemand im Zug auf. Wir fahren zu Acht nach Colón. Gleich nach Abfahrt wird schon Kaffee und eine Snack Box serviert. Zum Glück, denn schon wieder haben wir das Zimmer ohne Frühstück verlassen!

 

Die Fahrt führt entlang des Panamakanals durch den Dschungel und über weite Teile des Lago Gatún. Ausser viel Wald und später einem grossen, grauen See bekommen wir nicht viel zu sehen. Nach nur 50 Minuten sind wir, mässig begeistert von der Fahrt, bereits in Colón.

 

Freihandelszone

Hier am Bahnhof warten bereits die Taxigeier um uns abzuzocken. Leider sind wir schlecht vorbereitet und haben keine Ahnung wie wo was, also schliessen wir uns einem argentinischen Paar an (die, wie wir bald feststellen, genauso wenig Ahnung haben) und teilen uns ein Taxi zur Zona Libre. Die Taxifahrer prügeln sich noch fast, weil einer scheinbar die Reihenfolge nicht einhalten will oder wie auch immer – das übliche Theater mit Taxifahrern halt.

 

Natürlich bezahlen wir auch hier zu viel, es sind nur gerade vier Blocks zu Fuss und was wir pro Person zahlen ist wahrscheinlich der korrekte Preis für das ganze Taxi. Er will uns auch alle zuerst noch zu den Schleusen bringen für einen super Spezialpreis und obwohl die Argentinier es sich überlegen, lehnen wir ab, denn wir haben schon lange festgestellt, dass wir hier wieder einmal gnadenlos abgezockt werden. Wir wollen uns in aller Ruhe erkundigen und dann später noch zu den Schleusen fahren.

 

Während das Auto seine Kreise dreht (irgendwie muss er ja den Fahrpreis rechtfertigen) sehen wir zum ersten Mal wie gnadenlos hässlich diese Stadt ist. Sie steht vor Dreck und in allen Ecken lungern komische Gestalten rum. Wir sind froh, als wir am Eingang der Zona Libre ankommen. Aber auch hier will man als erstes Geld von uns. Man muss bezahlen im hier einzukaufen. Aber da wir unter keinen Umständen in dieser Stadt rumlaufen wollen und mittlerweile festgestellt haben, dass die Schleuse hier soweit ausserhalb liegt, dass ein Taxi uns ein Vermögen kosten würde (plus noch den Eintritt bei den Schleusen), bezahlen wir zähneknirschend den «Eintritt» und treten ein in diese, für uns ominöse Zone.

 

Die Zona Libre ist wie ein Outlet Dorf angelegt (allerdings genauso hässlich, wenn auch nicht ganz so schmutzig, wie die Stadt draussen) und verfügt über mehrere hundert Läden, in welchen man Zollfrei und angeblich günstig einkaufen kann. Schon beim Eingang werden wir von allen Seiten zugetextet und diverse Leute bieten sich uns als Privatguide an, damit wir auch finden was wir suchen. Nachdem wir alle abgewimmelt haben machen wir die ersten Schritte hier. Bereits nach den ersten beiden Läden sind wir enttäuscht und schockiert über die Preise und Qualität der Waren. Statt Qualität für Billig gibt es hier viel Schrott für Teuer. Was für ein Reinfall. Plan B; dann verbringen wir halt den ganzen Tag in einem Restaurant hinter den sicheren Mauern der Zone und warten bis am Abend der Zug fährt. Aber auch Restaurants gibt es hier keine (nicht ein einziges) und die gekaufte Toblerone, die uns aufheitern soll, scheint aufgrund des komischen Geschmacks auch eine Fälschung zu sein.

 

Unschlüssig ob wir ab dieser Tragödie hier lachen oder weinen sollen, schauen wir uns verzweifelt an. Das wird noch ein langer Tag, denn unser Zug nach Panama City fährt erst um fünf Uhr Abends.

 

Die Stadt Colón gilt als gefährlich und ist nicht sehr empfehlenswert für einen Besuch. Dies deckt sich ja auch absolut mit unseren Eindrücken, welche wir auf der Taxi Fahrt hierhin gewonnen haben. Nach kurzer Recherche im Internet verlassen wir das Outlet Gelände trotzdem und laufen ein paar Blocks Richtung Küste. Hier gibt es die wahrscheinlich einzigen drei Restaurants in der ganzen Stadt, die wir, ohne die Gefahr Opfer eines Überfalls zu werden, erreichen können. Sie sind in einen hübschen bunten Gebäudekomplex verpackt, der noch ein paar Souvenir Läden hat und als Eingang zum Outlet dient. Das einzig schöne an diesem Ort.

Wir setzen uns in das günstigste Restaurant an einen Tisch mit Sicht auf den Hafen. Es vergehen keine zwei Minuten, da stellt sich ein Kühlwagen direkt vor unsere Aussicht und lädt stark riechenden Fisch aus…

 

Es ist zwar erst 10 Uhr aber nach dem wir die Karte eingehend studiert haben, entscheiden wir uns für zwei Promos. Zwei Bier zum Preis von einem und einen Teller Pommes mit Hühnchen und Cola. Wir teilen uns den Teller und vertreiben uns die Zeit mit Würfelspielen. Etwas später gönnen wir uns nochmals ein paar Bier Aktionen (das mit Abstand günstigste Getränk), eine Limo für Betty und eine Portion Pommes, bevor wir dann um drei Uhr nochmals durch die Liberty Zone schlendern um Geschenke für Betty Familie zu kaufen.

 

Um vier Uhr steuern wir den Ausgang an, welcher sich am nächsten zum Bahnhof befindet. Als wir am Sicherheitsmann vorbei spazieren, fragt uns dieser etwas irritiert wohin wir den wollen. Wir erklären ihm das wir lediglich die drei Blocks bis zur Hauptstrasse laufen wollen (welche man von hier aus sogar sieht), weil sich direkt dahinter der Bahnhof befindet.

 

Er rät uns jedoch davon ab und empfiehlt uns ein Taxi zu nehmen. Diese Strasse hier sei sehr gefährlich und die Chance, das wir trotz Sichtweite zur Hauptstrasse und nur 150 Metern Fussweg überfallen werden sei sehr hoch.  Ein weitere Sicherheitsmann kommt hinzu und hält sogleich ein vorbei fahrendes Auto an. Nach kurzer Erklärung unserer Situation erklärt sich die junge Frau am Steuer bereit uns bis an den Bahnhof zu fahren. Entgegen unserer bisherigen Erfahrungen sind wir positiv überrascht, da sie nicht einmal etwas dafür haben will und sie erwähnt sogar, sie sei froh, dass sie uns zeigen kann, dass es auch nette Panamaer gibt. Scheinbar hat uns also unser Eindruck doch nicht getäuscht, dass hier alle etwas grimmig gegenüber Fremden sind, wenn sogar sie eine solche Aussage macht.

 

ZUGFAHRT DIE Zweite

Etwas angeheitert von den Bierchen und von dem schrecklichen Tag in Colón und voller Freude, dass wir wieder im Zug sitzen, verbringen wir eine ganz lustige Rückfahrt, blödeln rum und machen haufenweise Selfies. Sogar die Sicht ist jetzt etwas besser, das Wetter klart etwas auf und es brechen sogar einige Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke.

 

Zurück in Panama City am Bahnhof dann dasselbe Spiel mit den Taxifahrern wie gestern. Wir haben uns zuerst die Preise für ein Uber in der App nachgeschaut. Für 10 Dollar wollen uns die Taxifahrer zurück in die Stadt bringen. Das Uber kostet uns nur 3,50 und ist unser Richtwert. Schade für die Taxifahrer, dass sie sich das Geschäft mit ihren falschen und überrissenen Preisen selbst kaputt machen, dafür dürfen sie zuschauen wie wir vor ihren Augen in ein, von ihnen ach so verhasstes, Uber steigen.

 

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