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El Valle de Anton

Wir haben uns für die nächsten 11 Tage einen Mietwagen besorgt. Durch die Kostenteilung auf drei Personen ist das Auto ein Schnäppchen und zudem sind wir flexibler als mit dem Bus, was wichtig ist wenn wir in zwei Wochen so viel wie möglich erleben wollen. Das erste Ziel ist El Valle de Anton, Anton’s Tal. Es liegt in einem Krater eines erloschenen Vulkans und ist für seine vielen schönen Wanderungen bekannt, deshalb bleiben wir hier zwei Nächte um einen ganzen Wandertag ein zu bauen.

 

Beni’s Beschrieb der Fahrt:
Die Fahrt in das Tal ist nichts spezielles, der Weg führt über die einzige Strasse in Richtung Norden. Es gibt weder schöne Landschaften noch sonst erwähnenswertes zu sehen. Die letzten 30 Kilometer in das Tal sind kurvig und grün. Das Dorf an sich ist nicht so berauschend wie in manchen Berichten beschrieben.

 

An dem ungewöhnlich knappen Beschrieb kann man bereits Beni's grosse Begeisterung über dieses Ort rausspüren, nicht wahr?

 

Joli’s Beschrieb der Fahrt:

Nachdem wir die eintönige Panamericana verlassen, biegen wir in eine kurvige Strasse ein, die uns durch ein saftiges, grünes Tal Richtung Norden bringt. Im Dorf angekommen, versuchen wir während geraumer Zeit die Unterkunft zu finden, was wieder einmal eine Herausforderung ist, denn ein Talent haben sie in Südamerika nicht: das Angeben von genauen Adressen. Anhand des Beschriebs fragen wir ein paar Dorfbewohner aber keiner weiss so richtig was wir suchen resp. wo wir das Hostal Orquídea finden. Als wir die Unterkunft nach einer Weile doch erreichen, erkennen wir wie einfach ein Beschrieb gewesen wäre: «Das Hostal liegt direkt beim gleichnamigen Orchideen Garten.» Dieser ist übrigens auf jeder Touristenkarte des Dorfes eingezeichnet und auch jedem Dorfbewohner bekannt. Es könnte so einfach sein…

 

Da unser Zimmer noch nicht fertig geputzt ist, gehen wir erstmal etwas Essen, schliesslich sind wir auch heute ohne Frühstück losgefahren, obwohl ein anderer Gast sein Frühstück aus Versehen vor unserem Zimmer im zweiten Stock, anstatt vor seinem Zimmer im fünften Stock Zwischengelagert hat. Aber ehrlich wie wir sind, haben wir es an der Rezeption abgegeben.

 

Da nach dem Essen immer noch etwas Zeit ist, gehen wir beim kleinen Touristen Info Häuschen vorbei. Der extrem motivierte Herr, erklärt uns mit nuschelnder und sehr leiser Stimme so rasch als möglich alles, was wir hier erkunden können und macht ein paar Notizen, die für uns wie Hieroglyphen aussehen und die wir nicht entziffern können. Leider bringt auch das Nachfragen nichts, da er ja so leise vor sich hin nuschelt und deshalb gehen wir unseres Weges und besuchen stattdessen den Markt, welcher viele Souvenirs, sowie Früchte und Gemüse zu bieten hat. Hier kaufen wir das Frühstück für Morgen und Betty stellt erneut kopfschüttelnd fest, wie unhöflich die Leute hier sind – nicht mal wenn du ihnen etwas abkaufst können sie lächeln, dass kennt man in Ecuador nicht.

 

In einem Supermarkt kaufen wir noch ein paar Chinesische Nudelsuppen und ein paar Cornflakes und machen uns danach auf dem Weg zum Hostal. Wir stellen übrigens laufend fest, dass die Supermärkte hier anscheinend generell fest in asiatischer Hand sind… Irgendwie komisch. Kundenfreundlicher als die Panamaer sind aber auch sie nicht.

 

Unser Zimmer – oder sagen wir besser – die nicht fertig gebaute Küche mit drei Betten und einem Badezimmer – ist fertig. Wir packen kurz aus und machen uns dann auf den Weg, wir wollen schliesslich noch etwas sehen heute Nachmittag.

Beni sagt: «Während die Frauen Orchideen schauen, gehe ich ein Nickerchen machen.»

  

Mariposario - Schmetterlingsfarm

Naja, also eigentlich sind es ja Schmetterlinge und keine Orchideen – aber ke Detai.

 

Betty und ich besuchen die Schmetterlingsfarm. Dort erhalten wir eine Führung mit vielen Erklärungen rund um Schmetterlinge und das Arterhaltungsprogramm, dass hier durchgeführt wird. Wir lernen in dieser Stunde ziemlich viel aber wir wollen euch hier nicht mit Details langweilen. Nur so viel:

 

Die Mitarbeiter sammeln jeden Tag die Schmetterlingseier ein, was echt keine einfache Aufgabe ist denn die sind winzig klein, und bringen sie in einen separaten Raum, wo die Raupen dann schlüpfen, sich voll fressen und verpuppen. Auch müssen täglich alle Pflanzen nach Raupen abgesucht werden, denn diese fressen so schnell so viel, dass es bald keine Pflanzen mehr hätte, wo die Schmetterlinge ihre Eier ablegen können. Sobald die Schmetterlinge dann geschlüpft sind, werden sie ins Gehege freigelassen, damit sie sofort mit der Fortpflanzung anfangen können. Davon werden wir beim Rundgang auch Zeuge – sehr spannend (Bild 3). Da wir die letzten Gäste des Tages sind, dürfen wir bei der Freilassung zusehen und ein Schmetterling will sich gar nicht mehr von meiner Sonnenbrille trennen.

 

Da es noch früh ist, gehen wir auf dem Rückweg noch in den Hongkong Supermarkt. Dort finden wir dann doch noch Beni’s Cola, die wir vorher nicht gefunden haben und kaufen ihm zum Frühstück noch ein Nutella um seine Laune etwas aufzuheitern. Entsprechend brauchen wir natürlich dazu noch Brot. Also müssen wir nochmals alles in die andere Richtung fahren und die Bäckerei aufsuchen. Endlich haben wir alle sieben Sachen zusammen und fahren zum Hostal, wo wir nur noch Wasser für die Nudelsuppe kochen und dann schlafen gehen, denn Morgen wollen wir wandern gehen.

 

La India Dormida - Die schlafende Indianerin

Da das Valle de Anton in einem Vulkankrater liegt, gibt es natürlich auch hier die Möglichkeit die umliegenden Berge zu bezwingen. Wir recherchieren alle Wanderungen und entscheiden uns für diejenige, welche einen Stein mit Malereien, drei Wasserfälle und am Ende eine gute Aussicht zu bieten hat.

 

Für fünf Dollar Eintritt dürfen wir den Waldweg betreten und bekommen eine Erklärung wo wir lang müssen, dies anhand einer Schuhschachtel mit einem Modell des Waldweges drin. Sieht sehr hübsch aus, ist aber nicht wahnsinnig informativ. Der Weg führt uns stetig aufwärts und meistens - wie könnte es auch anders sein - durch den Wald.

 

Beni ärgert sich über den Eintritt für den Wanderweg resp. die Tatsache, dass zwar Geld kassiert wird, aber scheinbar niemand es für nötig hält den Müll, den die schlecht erzogenen Wegbenutzer auf den Weg schmeissen, wegzuräumen. Sehr schade für fünf Dollar könnte man sich wirklich die Mühe machen und einmal die Woche den Weg säubern. Mal abgesehen davon, dass die Menschen die einfach ihren Müll in der Natur deponieren einen Arschtritt verdient haben.

 

Als erstes passieren wir den bemalten Stein, welcher scheinbar Malereien aus vergangen Zeiten zeigt. Für uns ist es etwas schwierig zu sagen, ob das wirklich so ist oder ob das ganze Gekritzel vielleicht gar nicht so alt ist und einfach hier ist um einen weiteren Punkt zu haben wo man Eintritt verlangen kann, denn davon hat dieser Ort nicht gerade wenige…?!

 

Weiter laufen wir an drei Wasserfällen vorbei. Der erste ist klein aber hat dafür ein schönes, kleines Becken wo man baden kann, der zweite ist etwas höher und der dritte liegt von der Grösse her ungefähr in der Mitte der beiden ersten und hat auch einen kleinen natürlichen Pool, der aber weniger zu baden einlädt.

 

Nun der Weg führt weiter über Stock und Stein und vorbei an abgerutschten Hängen und extremen Wurzelgebilden. Knapp zwei Stunden laufen wir den Berg hinauf. Oben angekommen werden wir mit einer super Aussicht über das ganze Tal und den Krater belohnt. Obwohl schon Wolken aufziehen, bemerken wir ziemlich schnell, dass die Sonne trotzdem sehr kräftig ist, auch wenn sie nur ab und zu hervorkommt. Deshalb verweilen wir auch nicht allzu lange hier oben. Einerseits um keinen Sonnenbrand zu kriegen, andererseits um nicht in ein allfälliges Gewitter zu geraten auf dem Rückweg und vor allem, weil mittlerweile noch andere Leute oben angekommen sind, welche mit ihrer lauten Handy Musik unsere Ruhe stören und sich nur zwei Meter von uns entfernt hinsetzen obwohl der Berg doch nun wirklich gross genug ist.

 

Das ist für uns völlig unverständlich, dass man in die Natur wandern geht um dort in voller Lautstärke Musik zu hören… Bleibt doch lieber zu Hause oder kauft euch Kopfhörer, dann geht ihr uns wenigstens nicht auf die Nerven.

 

Ja zugegeben, manchmal sind wir etwas unflexibel, engstirnig oder wie auch immer ihr das nennen wollt, aber irgendwie geht uns je länger je mehr die Rücksichtslosigkeit, mit welcher viele Menschen durch das Leben gehen, gewaltig auf die Nerven.

 

Das Wetter ist trotz der Wolken extrem drückig und die Hitze lädt uns richtig zum Baden beim ersten kleinen Wasserfall ein. Naja also zumindest Joli. Beni und Betty sind beide zu faul um die Badekleider aus den Rucksäcken zu holen und sich umzuziehen oder wollen danach einfach nicht wieder in die durchgeschwitzten Kleider. Macht nichts, Joli lässt eigentlich keinen Wasserfall aus, wenn man darin baden kann und auch hier geniesst sie es in vollen Zügen uns erklärt den beiden Faulpelzen an Land, wie herrlich kühl und erfrischend das Wasser ist.

 

Gerade als wir aufbrechen wollen, kommt eine Gruppe Touristen und entscheidet sich, sich auch ins kühle Nass zu stürzen. Es handelt sich hier um eine der berühmten «Whooo» - Fraktionen. Ins Wasser springen – whooo! Kopf unter den Wasserfall halten – whooo! Ab tauchen und wieder hoch kommen – whooo!

 

Meine Güte! Fragt ihr euch auch manchmal ob mit euch etwas nicht stimmt oder ob einfach der Rest der Welt einen an der Klatsche hat?!

 

Zurück beim Auto erkundigen wir uns noch, von wo aus wir den diese schlafende Indianerin sehen können, jetzt wo wir schon oben waren. Bei der Kirche halten wir an und bestaunen den Berg. Zum Glück ist uns das erst nachher in den Sinn gekommen, sonst wäre der Aufstieg wohl noch etwas anstrengender gewesen.

 

Mit dem Auto erkunden wir noch etwas die umliegenden Berge, ist ja auch viel bequemer als zu Fuss. Aber wirklich viel entdecken wir nicht. Wir finden aber einen Weg, welcher eher einer Achterbahn ähnelt als einer Strasse aber wir haben das Gefühl, dass hier am Ende vielleicht ein Restaurant oder so auf uns wartet, wo wir etwas trinken und eine Runde spielen können. Wir fahren also alles hoch um dann an einem Zaun mit Pförtner aufgehalten zu werden. Dieser angeschriebene Ort – Santa Maria oder so heisst er - ist eine riesen Anlage mit Privatgrundstücken und Häusern, die zum Verkauf angeboten werden. Man bezahlt Eintritt und kann dann auch nur mit einem Verkäufer in diesem Gebiet herum fahren. Hmmm… Also ein riesen Outlet in der Natur wo man Häuser und Grundstücke shoppen kann? Naja es gibt wohl nichts mehr, dass es nicht gibt auf dieser Welt. Dann kehren wir halt um und Beni schenkt uns dafür eine super Achterbahnfahrt beim runter düsen um die engen und sehr steilen Kurven – whoooo! (Um beim Thema von vorhin zu bleiben *g*)

 

Das Abendessen machen wir uns dann nochmals selbst. Nachdem wir gestern je einen kleinen Becher Nudelsuppe gegessen haben gibt es heute die Deluxe Version. Es gibt Suppe (die gleiche wie gestern aber einfach in einer Pfanne statt aus einem Pappbecher) und danach Thon Salat und Baguette.

 

Betty und Joli besuchen danach noch den Orchideengarten – natürlich erst als dieser offiziell geschlossen ist und niemand mehr da ist der Eintritt verlangt – denn wir können nur ums Haus rum gehen und sind schon mittendrin. Zum Glück haben wir keinen Eintritt bezahlt – nur eine einzige Orchidee (also Blüte) lässt sich blicken. Scheinbar ist immer wenn wir irgendwo sind wo normalerweise viele Orchideen zu sehen sind, gerade nicht Blütensaison und das egal in welchen Land oder zu welcher Jahreszeit wir dort sind. Naja das fördert nicht gerade das Ansehen, welches diese Pflanzen bei Joli geniessen.

 

Den Rest des Abends verbringen wir dann damit unseren weiteren Reiseverlauf zu planen.

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