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Boquete

Klein und fein präsentiert sich dieses touristische Dorf. Das Klima ist angenehm mild im Vergleich mit Panama City oder El Valle de Anton.

Da unser Hostal noch nicht fertig ist, machen wir noch eine kurze Erkundungsfahrt in der Umgebung. Wir umrunden das Dorf über die ringförmige Strasse, welche die  nähere Umgebung umgibt. Dabei passieren wir eine kuriose Felsformation, an welcher wir kurz Halt machen und Betty nutz auch hier die Gelegenheit und fängt sofort an rauf zu klettern. Aber auch hier ist das Runterkommen wie üblich schwieriger als das Raufklettern.

 

Der Weg führt uns weiter vorbei an einem Fluss und einem schönen Wasserfall, über kurvige Strassen und durch Wälder. Wir sehen auch den Eingang des Wanderwegs mit den drei Wasserfällen und die Finca wo die Kaffeetouren stattfinden.

 

Zurück beim Hostal beziehen wir unser Zimmer und erkundigen uns über mögliche Touren und Wanderungen. Der Quetzaltrail, welchen wir eigentlich machen wollten, wird aktuell nicht empfohlen resp. gilt als geschlossen, da die Flüsse innert kurzer Zeit aufgrund der starken Regenfälle sehr hoch ansteigen können und man dann festsitzt. Es gibt aber eine geführte Wanderung am nächsten Tag, die kostet jedoch 60$ pro Person… Etwas viel, damit nur einer voraus läuft…

 

Die zweite Wanderung, die zum Vulkan und zurück dauert rund 12 Stunden *schluck* und es kommt noch dicker: man startet um 23:00, damit man bei Sonnenaufgang oben ist. Beni muss man gar nicht erst Fragen und auch Joli findet die Idee gar nicht mehr so berauschend wie am Anfang. Zumal sie überzeugt ist, dass ihre Knie eine 12 stündige Wanderung nach so langem «nicht-viel-tun» nicht überleben werden. Und man muss ja nicht zwingend bei Sonnenaufgang oben sein, ist jetzt nicht das was Joli von einer Wanderung erwartet. Der Weg ist das Ziel und der ist mitten in der Nacht garantiert stockdunkel…

 

Betty hingegen ist Feuer und Flamme, hat sie doch vor einiger Zeit in Ecuador einen Bergsteigerausbildung abgeschlossen und erklimmt nun dort regelmässig die Vulkane zu Zeiten wo andere Leute friedlich schlafen. Allerdings ist für den Preis von 70$ pro Person ein Minimum von 2 Personen nötig. Beni zahlt unter keinen Umständen so viel nur um zu «Laufen» und schon gar nicht mitten in der Nacht und Joli möchte Betty gerne begleiten, zweifelt aber daran diese Wanderung zu schaffen und will auch nicht als «Klotz am Bein» mitgehen resp. unter keinen Umständen für einen Abbruch der Wanderung verantwortlich sein.

 

Sie erinnert sich nur zu gut an die Vulkanbesteigung auf ihrer ersten Reise in Chile (Villarica), wo sie zwar oben angekommen ist, aber nur weil von unten einer geschoben und von oben einer gezogen hat, damit nicht alle umkehren müssen. Und das Gefühl von einem Lastwagen überfahren worden zu sein, dauerte immerhin 3 Tage an inkl. Blasen, welche das Anziehen von geschlossenen Schuhen während einer Woche unmöglich machten. Klar, der hier in Panama hat weder viel Geröll noch Eis wo man mit Spezialausrüstung rauf muss – aber trotzdem… Beim Villarica konnte man danach wenigstens die Hälfte mit den Schlitten runter düsen - was im Nachhinein gesehen echt geil war aber in diesem Moment eher Todesangst auslöste aufgrund der Abgründe die vor einem lagen. Aber zurück zum Vulkan Barú in Panama.

 

Man kann die Wanderung auch alleine machen ohne Guide, aber auch da würde Betty nicht alleine losziehen. Also besteht unsere Aufgabe daraus die Hostals und Tourenanbieter abzuklappern und andere Teilnehmer zu suchen. Die Zeit drängt, denn es geht ja schon in ein paar Stunden los. Das Hostal, welches normalerweise Leute hat für die Wanderung, klärt uns darüber auf, dass der Vulkan im Moment geschlossen ist (klingt voll doof) aufgrund der vielen Regenfälle und man nicht rauf kann (ausser mit dem Jeep für 90$ pro Person mit Start um 03:00).

 

Das ist noch ein weiterer kurioser Punkt. Wieso sollen wir 12 Stunden laufen und 7 davon im Dunkeln, wenn man mit dem Jeep hoch fahren kann und das für nur 20$ mehr?! Zumal für Joli wirklich der Weg das Ziel ist und nicht das Ziel selber. Das macht nur Sinn (zu laufen statt zu fahren), wenn es um den Weg und nicht um das Ziel geht – Benjoli’s Meinung.

 

Gut, wir klappern trotzdem noch einige Tourenanbieter ab und diese machen sich sogar die Mühe anzurufen und zu Fragen ob denn der Vulkan wieder offen ist. «Ja ist er seit gestern offen.» «Super!» «Ja, aber Touren haben wir trotzdem keine.»

 

Wir geben auf und beschliessen, dass wir die Antwort des Hostals abwarten, was der Guide verlangt, wenn nur Betty mit ihm hochgeht.

 

Also besuchen wir eines der vielen Kaffees im Dorf. Hier in der Umgebung wird Kaffee angebaut, welchen man natürlich auch geniessen kann. Und er schmeckt wirklich vorzüglich, es ist der bislang beste Kaffee unserer schon 7 monatigen Reise. Ein erster Pluspunkt für Panama, meint Beni. Wir besuchen auch noch einige Läden und einen Handwerksmarkt mit vielen Souvenirs (Morgen findet scheinbar ein noch grösserer Markt auf der anderen Seite der Brücke statt) und gehen danach zurück zum Hostal.

 

Uff, der Guide will zwar nicht das doppelte aber doch immerhin 120$ um mit Betty alleine den Vulkan zu erklimmen. Betty rechnet sich das ganze durch… 120$, 12 Stunden wandern, alleine mit einem Guide, mitten in der Nacht – während Benjoli friedlich weiter schlafen, den nächsten Tag verschlafen – während Benjoli die Umgebung erkunden, die Chancen auf Regen stehen bei 80%?! Oder ausschlafen (sie ist eine geübte Langschläferin) und mit Benjoli auf dem Handwerksmarkt gehen und ganz viele Souvenirs für dieses Geld für die Familie kaufen und danach noch etwas unternehmen? Die Entscheidung fällt ziemlich rasch. Als wir um 23:00 auf die Uhr schauen und draussen den Sturm toben hören, der an unserem Fenster rüttelt, müssen wir alle lachen und gehen danach schlafen.

Wie beinahe überall wo es Touristen gibt hat es auch hier einen Handwerkermarkt, den sogenannten Mercado de los Artesanias. Auffallend ist jedoch das etwa die Hälfte der Aussteller keine Einheimischen sind. Es gibt welche die verkaufen Brot oder Käse, ein anderer wiederum verfügt über eine grosse Münz- und Notensammlung aus aller Welt. An diesem Stand bleiben wir dann auch kleben. Wir durchstöbern die Notensammlung und finden dabei auch Schweizer Noten. Einen 10er aus dem Jahr 1973 sowie eine 5er Note mit Willhelm Tell aus dem Jahr 1951, welche wir dann auch gleich beide ersteigern. Voll doof – wir gehen nach Panama um alte Schweizerfranken Noten zu kaufen…

 

Für Bettys Familie ziehen wir von Stand zu Stand um schöne Souvenirs zu finden und wir versuchen den Preis zu verhandeln was das Zeug hält. Die Frauen haben etwas mehr Ausdauer und Beni geht darum schon mal ins Hostal, zumal ihn wieder einmal sein Bauch quält. Am letzten Stand (wie auch den vorherigen) ist der Verkäufer wirklich hartnäckig und will einfach nicht nachgeben. Da er auch noch einen hübschen Schlüsselanhänger im Angebot hat der Joli gefällt und eine Kette die Betty gefällt, bringt Joli den Einwand: «Wenn es keinen Rabatt gibt, dann wenigstens ein kleines Geschenk für den grossen Einkauf?!». Ja da habe er leider nicht, meint er. Wir schauen uns extrem lange die Souvenirs an und auch immer wieder die Kette und diskutieren was wir machen sollen. Wir kaufen die Souvenirs für den verlangten Preis mit einem entsprechend langen Gesicht und kurz bevor wir ihm den Rücken zudrehen meint, er: «Na, gut! Ich schenke euch die Halskette zum Dank für den Einkauf.» Betty strahlt und Joli meint zu ihr: «Na geht doch!»

Eigentlich wollen wir heute Nachmittag doch noch etwas wandern, doch die Bedingungen sind unhaltbar (meint Beni – eigentlich ist es nur bewölkt, windig und es nieselt ein wenig). Also machen wir uns also nur auf den Weg zum Hängebrückenpark. Das sind ein paar Kilometer durch den Wald und über einige hohe Hängebrücken laufen. Wir fahren hin und wollen den Eintritt bezahlen. Hier in Panama gibt es irgendwie nichts, dass nicht Eintritt kostet. Aber es kommt noch besser. Eintritt kann man nicht zahlen. Man muss eine Tour bezahlen mit einem Guide. Diese findet nur 4x täglich statt, die nächste in 1.5 Stunden und man bezahlt 30$ pro Person. Wir bezahlen gerne etwas Eintritt und auch etwas für die Infrastruktur, aber nicht so einen Preis für eine aufgezwungene Tour die wir gar nicht wollen. Denn um zwei Stunden durch den Wald und über Hängebrücken zu spazieren brauchen und wollen wir keinen Guide und schon gar nicht wollen wir das mit einer Gruppe von 20 Personen machen und dafür noch so viel bezahlen. Die Preise und aufgezwungenen Touren überall gehen uns langsam ein bisschen auf die Nerven und so vertreiben wir uns den Nachmittag in einem Café mit spielen.

 

Das Abendessen wollen wir bei einem der vielen Italiener im Dorf einnehmen. Wir suchen einen, der als nicht teuer gilt und sind schon wieder enttäuscht. 10$ für einen Teller Spaghetti der zwar lecker ist aber nicht einmal genug hergibt, damit man nachher keinen Hunger mehr hat. Und Joli ist auch noch ehrlich, nein - blöd genug den Kellner zu fragen wieso die Pasta denn jetzt nur 6 statt 10$ kostet – Oh, er habe vergessen die Mittagsaktion rauszunehmen. Scheisse! Naja wir gehen in die nächste Pizzeria und teilen und noch eine halbwegs günstige Pizza. Für uns nach fast 7 Monaten in Südamerika und für Betty sowieso ist Panama ein echter Preisschock!

Zusammengefasst hat uns Boquete viel gekostet und wenige Entdeckungen aber einen verstimmten Magen eingebracht. Spass hatten wir aber trotzdem.

 

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