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San José

Wir haben uns lange nicht so recht entscheiden können in welche Richtung unsere Reise weitergehen soll. Kolumbien, Costa Rica, Dominikanische Republik, Jamaika, Mexico und so weiter. Wer die Wahl hat, hat bekanntlich auch die Qual. Gestern haben wir uns (wie bereits im Panamabericht angekündigt) darauf geeinigt die Grenze nach Costa Rica mit dem Bus zu überqueren um uns dann am nächsten Morgen doch anders zu entscheiden.

 

Wir hatten einen Plan, doch es kam alles anders und nochmals anders als geplant. Am Morgen sorgt ein mega Gewitter mit Überflutungen in den Strassen von Panama City dafür, dass wir uns einig sind, dass wir so gar keine Lust auf diese lange Busfahrt haben. Also aus reiner Bequemlichkeit haben wir mal kurz einen Flug gebucht, der das dreifache kostet aber nur gerade eine Stunde dauert. Wir freuen uns, nun doch schon heute Abend in Costa Rica zu sein. Aber Panama ist wie es scheint noch nicht fertig mit uns…

Für diese spontane Entscheidung müssen wir dann aber am Flughafen in Panama bitter bezahlen. Beim Check-In unseres Gepäcks heisst es auf einmal, dass wir ohne gültiges Rück- oder Weiterreise Ticket aus Costa Rica, nicht mitfliegen dürfen. Shit! Davon hat kein Mensch etwas gesagt, geschrieben, gewusst! Die überfreundliche Dame am Schalter sagt uns dies mit einer Arroganz und Gleichgültigkeit, welche uns zur Weissglut treibt zumal sie nicht einmal eine Erklärung dazu abgibt, was das die Fluggesellschaft angeht, sondern einfach hochnäsig meint, sie lasse uns nicht einchecken, solange wir kein Ausreiseticket vorweisen. Auf unsere Frage hin wie wir das jetzt machen sollen meint sie nur, dass sei ihr egal. Wir sollen halt irgendeinen Flug oder Busticket buchen. Und wie? Keine Ahnung übers Internet, vielleicht habe es hier irgendwo ein Internetcafé am Flughafen.

 

Noch am Schalter überlegen wir uns die Flüge zu stornieren, worauf der Drachen am Schalter nur meint, dass wir das machen können, dies sei sicher kein Problem, wir müssen dafür nur ins Büro in der Calle 51. Na das ist doch mal was. Wo die sei? Ja in der Stadt natürlich! Dämliche Kuh! Joli ist kurz davor ihr an die Gurgel zu springen!

Wir bezahlen sicher nicht noch mal ein Taxi in die Stadt um dann mit einer anderen Zicke zu diskutieren, kein Geld zu bekommen UND den Flug zu verpassen. Rasend vor Wut schmeisst Joli den 20 Kilo schweren Rucksack von sich weg in eine Ecke und wirft der blöd glotzenden Passagierin einen vernichtenden Blick zu so, dass diese sich schnell wieder um ihren eigenen Kram kümmert.

 

Zum Glück haben wir noch etwas Restinternet auf der SIM Karte und es gelingt uns ein Busticket nach Nicaragua zu buchen (da wollen wir nach Costa Rica sowieso hin und das Datum kann man sicher anpassen). Kostenpunkt 60 Dollar. Wir stellen uns wieder in die Schlange und zum Glück fragt auch der andere MA am Schalter nach einem Ausreiseticket. Hätte dieser nicht gefragt und uns einfach einchecken lassen, wäre Joli wahrscheinlich gewalttätig geworden, denn der Drachen schielt immer noch so arrogant zu uns rüber.

 

Immer noch mit etwas Wut im Bauch gehen wir durch die Sicherheitskontrolle, bleiben aber sogleich hängen. Beide Rucksäcke werden 2x durch den Scanner geschoben und Beni’s Rucksack bekommt danach noch eine Extradurchsuchung. Da Beni, der Logistiker ursprünglich nicht für einen Flug gepackt hat, sind natürlich beide Schweizer Sackmesser (gross und klein) noch im Handgepäck verstaut. Auch hier erleben wir Arroganz pur! Die Sicherheitsbeamtin nimmt die beiden Messer mit einem breiten Grinsen aus dem Rucksack, hebt sie in die Luft und zeigt ihre Beute in Richtung ihrer Kollegen. Wie unprofessionell ist denn das? Was stimmt mit diesen Leute hier nicht?! Jetzt ist Beni kurz vor dem Ausrasten und kann seine Fassung gerade noch bewahren, als Joli meint: «Nein, anspucken ist keine Lösung!» Natürlich machen die hier auch nur ihren Job keine Frage und es war unser Fehler, dass wir nicht daran gedacht haben, aber ein bisschen Anstand und Respekt ist hier in Panama wohl einfach zu viel verlangt. Die Menschen in Panama können uns bis zum Schluss nicht davon überzeugen, dass sie auch freundlich sein können – schade eigentlich! Aber wir sitzen im Flugzeug und rufen: «Hasta nunca Panama! Hola Costa Rica!»

 

!Pura Vida! Also das pure Leben wird hier gelebt und wir sind auf Anhieb begeistert. Nur eine Flugstunde von Panama entfernt fühlen wir uns sofort wie zu Hause. Am Flughafen wird man freundlich empfangen, der Uber Fahrer ist lustig und äusserst gesprächig und alle Menschen, mit welchen wir bislang Kontakt hatten hinterlassen bei uns einen freundlichen aufgestellten Eindruck.

 

Aber noch so nebenbei: Hier angekommen hat es niemanden interessiert ob und wann wir wieder ausreisen. Und wir hätten zum ersten Mal unser Sackmesser dringend gebraucht, da die Rucksäcke mit Kabelbinder zusätzlich verschlossen wurden. Schade, dass wir nicht daran gedacht haben diese im letzten Augenblick in die Schutzhülle des Aufgabegepäcks zu packen, dann wären sie nämlich vor den Klauen der gierigen Sicherheitsbeamtin gerettet worden und hätten auch unsere Zähne davor bewahrt die Kabelbinder durchzukauen. Aber vergessen wir das jetzt und halten uns an Pura Vida!

 

Auch unser Airbnb Gastgeber Mario ist eine Wucht. Er übergibt uns das blitzblanke Zimmer, stellt uns seinen Vater und die Haushälterin vor und chauffiert uns sogleich mit seinem Auto im Quartier herum, um uns zu zeigen wo wir was finden. An einem Supermarkt macht er kurz Halt damit wir uns mit Getränken und Snacks eindecken können. Alles was das Herz begehrt ist vorhanden, wir haben das erste Mal seit Monaten einen voll ausgestatten Supermarkt ähnlich einem Migros oder Coop vor Augen. Und auch die Preise sind sehr vertraut, alles ist mindestens so teuer wie in der Schweiz (ob sie CR wohl deshalb die Schweiz Zentralamerikas nennen? Es muss so sein, denn einen anderen Grund oder Ähnlichkeit haben wir bis zum Schluss nicht gefunden).

 

Wieder zu Hause hat die Haushälterin für uns schnell ein paar Maistortillas gebrutzelt, welche wir mit einer Scheibe Käse genüsslich verspeisen. Es ist gerade alles perfekt, sogar die Sprungfeder, welche Joli hartnäckig in den Hintern sticht stört nicht, denn es ist immerhin eine freundliche Sprungfeder, die sich sanft bemerkbar macht und sich mit einem Tuch abdecken und besänftigen lässt.

In Costa Rica ist gerade die Hauptsaison vorbei und die Preise für Unterkünfte sind erschwinglich. Jetzt sind wir zwar voll in der Regenzeit hier, dafür ist das Land aber zu dieser Zeit am grünsten. Die Temperaturen sind um die 25 Grad, der Regen (hier Agua Cero – Nullwasser?! - genannt) ist ausserdem warm und meldet sich in der Regel hauptsächlich nachts und nachmittags, also kein Problem. Pura Vida!

 

San José Citytour

Wir stürzen uns in die nächste Hauptstadt. Das Wetter ist super, die Sonne scheint bei angenehmen 25 Grad. Zuerst gehen wir zum Büro des Busunternehmens, bei welchem wir gestern spontan ein Ticket nach Nicaragua gebucht haben. Bereits bei unserer Ankunft haben uns mehrere Leute gesagt wir sollen dort auf keinen Fall hingehen. Wir haben schon vorher von den Unruhen gelesen aber die Haushälterin, welche selber aus Nicaragua stammt, hat uns heute beim Frühstück noch einige Details mehr erzählt. Scheinbar ist der Streit zwischen Politikern und Studenten dermassen eskaliert, dass Leute auf der Strasse und vor ihrer Haustüre erschossen werden und einer der Busse aus Costa Rica wurde auch angezündet. Also aktuell fahren die Busse sowieso nicht, sagt sie. Entsprechend ist es keine Option für uns dort hin zufahren, zumal die Unruhen schon seit April andauern und wir sind sicher, dass wir das Ticket stornieren können – wenn der Bus ja gar nicht fährt – logisch oder? Naja, falsch gedacht, die Herren am Schalter, meinen das seien alles Lügen und sie fahren täglich mit einem vollen Bus Touristen über die Grenzen, dass sei alles gar kein Problem. Na wer lügt denn jetzt? Die Angehörigen und weltweiten Nachrichten oder die beiden Herren?! Aber wir haben keinen Bock zu diskutieren, lassen das Ticket auf Strecke und Datum öffnen und beschliessen es in einem anderen Land zu benutzen.

 

Weiter geht’s, wir erkundigen uns gleich mal bei einer Touristen Info über die Stadt und die nähere Umgebung. Die Dame ist ehrlich und meint, San José habe nicht so viel zu bieten, weder ein klassisches Zentrum noch eine Altstadt usw. aber es gibt viele Museen, Ausflüge in die nähere Umgebung und einen Zoo, welchen sie aber auch nicht empfiehlt.

 

Die Ausflüge sind teuer und keine Option, da wir ja sowieso nachher weiterreisen. Also schlendern wir durch die Einkaufspassage. Man fühlt man sich ein wenig wie in einer europäischen Grossstadt, viele Werbungen sind auf Englisch und viele bekannte Geschäfte sind hier zahlreich vertreten.


Danach haben wir uns für das Nationalmuseum, aus den drei besten Museen hier, entschieden. Der Eingang führt durch einen kleinen Schmetterlings- und Pflanzen Garten. Hier sehen wir ein paar echt grosse und hübsche Schmetterlinge und sogar der berühmte Morphofalter, lässt sich hier einmal mit offenen Flügeln ablichten. Der Rundgang durch das Museum und die Costaricanische Geschichte ist zwar wirklich sehr schön aufgebaut aber wir sind gerade ziemlich müde und können uns für das gezeigte nicht allzu sehr begeistern. Zudem sind wir bekanntlich erweise ja sowieso nicht so die Museums Menschen.

In der Calle 17 sind einige hübsche Streetart Kunstwerke zu besichtigen. Zufällig bemerken wir, dass wir uns schon in der Strasse befinden. Naja, wer wie wir in Valparaíso (Chile) war ist nicht allzu begeistert davon. Unser Weg führt uns wie immer in einer Stadt früher oder später auch in ein Café. Der Kaffee hier schmeckt wirklich richtig gut. Man munkelt, dass die Costa Ricaner den besten Teil der Ernte hier behalten und nur den Rest Exportieren. Clever, würden wir auch so machen.

Nach dem Abendessen bestellen wir uns ein Uber um in unser Ausserquartier zurück zu kommen. Die Fahrt um halb 5 Nachmittags aus der Stadt raus, ist der blanke Horror. Die Strassen sind völlig verstopft, wir brauchen 2 Stunden für 8 Kilometer, dass hätten wir in dieser Zeit auch zu Fuss geschafft. Zum Glück sind die Uber / Taxis hier trotz der sonst schweizerischen Preisen noch bezahlbar. Wir sind positiv überrascht das diese lange Fahrt uns nur gerade 17 Franken gekostet hat, immer noch 3 Franken weniger als der 5 Minuten Weg aus der Stadt Thun zu unserem ehemaligen zu Hause. Was hier aber, entgegen aller südamerikanischen Erfahrungen, auch noch positiv auffällt, keiner hat hier unnötig gehupt. Alle waren extrem ruhig und geduldig, auch wenn der eine oder andere (auch unser Fahrer) das ein oder andere Mal eine Einbahnstrasse zum vermeindlichen abkürzen genommen hat, nur um danach in einer anderen verstopften Strasse zu landen.

 

 

Am nächsten Tag bleiben wir im Garten unseres Airbnbs und geniessen den Regentag mit planen und spielen. Wir gehen noch kurz einkaufen und gönnen uns zur Feier des Tages (1. August Nationalfeiertag) je eine Toblerone – lecker! Wir finden sogar die Knoblauchsosse, welche wir jeweils als Souvenir von Re aus seinem Spanien Urlaub bekommen. Die findet man in der Schweiz übrigens nicht aber hier dafür schon…

 

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Kommentare: 1
  • #1

    B. Hegetschweiler (Montag, 08 Oktober 2018 15:57)

    Mmmhhhhhhh....... Allioli i wott ou :-) :-)

    Grüessli Mummy