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Playa Carmen

Nach vielen Reisewochen in Ecuador und Panama brauchen wir die nächste Pause. Hierfür zieht es uns für 7 Tage an die Playa Carmen an der Pazifik Küste. Wir haben uns aus Solidarität zu unseren Lesern, also euch, vorgenommen nicht mehr als 4-5 Wochen Ferien im Jahr zu beziehen. Dies wäre somit die dritte Woche ;-)

Früh morgens um 5 Uhr sind wir am Busbahnhof um uns Tickets für den 6 Uhr Bus zu ergattern. Gemäss Telefonat von gestern ist dies kein Problem. Naja. Wieso glauben wir eigentlich immer noch was die uns erzählen? Der Bus ist natürlich ausverkauft. Es gibt aber noch einen 10 Minuten früher, der einfach nicht mit auf die Fähre kommt. Wir können aber das Gepäck in den Bus umladen der auf die Fähre geht und von dort dann auf den Bus der am anderen Ende schon auf uns wartet wieder umladen. Ist ja nicht so ein Ding. Die Fahrt dauert mit Fähre gut 6 Stunden. Auf der Fähre steigt dann die grosse Party, auf dem Oberdeck gibt es eine Bar und laute Musik mit fetten Bässen, welche in einer wahnsinnigen Lautstärke aus den Boxen dröhnen. Joli zieht sich beim zwei Minütigen Coca Cola Kauf fast einen Gehörschaden zu. Krass! Zum Glück haben wir einen Platz ganz vorne ergattert, können die Sicht geniessen, unsere Sandwiches essen und hören die Musik nur noch in normaler Disco Lautstärke.

 

Auf der Halbinsel wechseln wir unser Gepäck in den Bus der bereits auf uns wartet. Wir sind froh, haben wir die «direkt» Fahrt gebucht. Die Schlange für den günstigeren, lokalen Bus ist wahnsinnig lang und es passen lange nicht alle in den Bus. Wir müssen noch einmal umsteigen. Der Bus ist gerammelt voll. Wir ergattern die letzten Sitzplätze hinten beim Gepäck. Die Sitze sind so tief, resp. der Absatz so hoch, dass wir die Knie bis an den Bauch anziehen müssen aber wir müssen wenigstens nicht schwitzig zwischen all den anderen im Mittelgang stehen. Etliche Schlaglöcher später, kämpfen wir uns in Playa Carmen mit ein paar wenigen anderen Leuten aus dem Bus und machen uns auf die Suche nach unserer Unterkunft. Immerhin fahren die meisten Touristen noch etwas weiter nach Santa Teresa.

 

Süsses Nichtstun

Unser kleines Parterre Bungalow mit Terrasse ist etwa 5 Minuten vom Zentrum (also der sandigen Hauptstrasse) und 8 Minuten vom Strand (ebenfalls sandig) entfernt. Wir haben zwei Zimmer (Schlaf- und Gepäckzimmer), eine Küche, ein stinkiges Bad und eine gemütliche Terrasse mit einer Hängematte. Innert Minuten haben wir auch schon Haustiere. Unzählige Geckos, zwei davon in einer engumschlungenen Umarmung in der Küche. Eine Katze die sogleich den Stuhl mit den vier aufgetürmten Kissen auf der Terrasse einnimmt und ein paar Hunde, von welchen der jüngste ein Pinkler ist, welcher immer beim Hallo sagen erstmal alles vollpinkelt. Pura Vida.

Den Einkauf machen wir in einem der kleinen Supermärkte an der Hauptstrasse. Es ist ganz wie in der Schweiz, man kauft ein paar Sachen ein bezahlt 70 Franken und zu Hause erscheint der Kühlschrank trotzdem leer und man weiss nicht was man kochen soll. Toll ist aber das frische Baguette für 1.50, welches es ab 8 Uhr morgens im Laden gibt und die Lindt Schoggi, welche wir uns auch zweimal gönnen. Da hier das Essen und vor allem auch das Gemüse und die Früchte extrem teuer sind, gibt es meistens Pasta mit Tomatensosse und Pizzakäse (der ist am günstigsten) zum Abendessen. Einmal machen wir uns ein paar Nachos und ein anderes Mal Kartoffelsalat und wir versuchen uns auch an frittierter Yuca, was aber alles nur mässig gut schmeckt. Also bleiben wir bei der Pasta. Die ist günstig und lecker.

Es gibt zudem eine Bäckerei, bei welcher wir am Samstagmorgen frisches Brot kaufen wollen. Leider gibt es aber immer Samstag kein Brot zu kaufen, lediglich Kleingebäck. Wir begnügen uns also mit zwei Croissants und zwei Schoggigifpeli und bezahlen dafür schlappe 9.50 $. Das war das erste und letzte Mal in dieser Bäckerei. Das Baguette aus dem Supermarkt schmeckt genauso gut.

Die Preise sind allgemein nochmals ein Schub höher als zum Beispiel in San José. Das liegt wahrscheinlich an der Lage und dem damit erhöhten logistischen Aufwand die Lebensmittel hierher zu bringen.

 

Das Dorf besteht in erster Linie aus einer staubigen Hauptstrasse, vielen Restaurants, Bars und Unterkünften und wirkt im grossen und ganzen gemütlich und verschlafen.

 

Wie gesagt, wir machen Ferien und deshalb halten wir uns die meiste Zeit auf unserer Terrasse auf. Wir lesen Bücher, arbeiten an unserer Homepage und gehen einmal am Tag etwas einkaufen, damit wir wenigstens ein bisschen Bewegung haben und auch weil ein Wocheneinkauf einfach zu schmerzhaft wäre. 

 

Der Strand

Der Besitzer unserer Unterkunft hat uns einiges erklärt, was wir in der Umgebung machen können und wir wollen ja nicht nur eine Woche lang rumsitzen. Also doch eigentlich wollen wir genau das aber so ein bis zwei Mal einen Fuss vor die Tür setzten sollte drin sein.


Wir schauen uns den Strand und die nähere Umgebung etwas genauer an. Von unserem Appartement sind es nur ein paar Minuten an die Playa. Die  meisten Touristen, vorwiegend Amerikaner sind im Juli hier so das sich trotz des schönen Wetters nicht viele Menschen am Strand aufhalten. Der pazifische Ozean ist eher kühl und der Strand ist sauber und schön. Es brechen etwa zwei Meter grosse Wellen im Meer, auf welchen sich eine Handvoll Surfer austoben. Das Meer hier ist eher zum Surfen als zum Baden geeignet, was uns aber gar nicht stört. Der Dschungel und die Palmen grenzen hier direkt an den Strand, was ein eindrückliches Bild abgibt. Mal etwas anderes als ständig die Hotelbunker, welche die ganzen Strände einnehmen.

 

Wir nehmen heute die rechte Strandseite in Angriff und gehen nach einigen hundert Metern durch den Wald zurück an die Hauptstrasse, die mit vielen Schlaglöchern übersäht ein paar Kilometer lang der Küste entlang führt. Wir machen noch ein paar Preisvergleich in anderen Supermärkten aber ohne grossen Erfolg. Im Laden mit dem frischen Gemüse und dem ach so gesunden Lifestyle Food bleibt uns bei den Preisen erst recht die Luft weg.

 

Mord im Paradies

Wir schaffen es sogar noch ein zweites (und letztes) Mal an den Strand, dieses Mal ist die linke Seite dran.

 

Schon am morgen früh hören wir Sirenen, aber denken uns nichts weiter dabei. Von Samstag auf Sonntag hört man immer Mal Sirenen. Etwas später gehen wir an den Strand spazieren. Schon von weitem sehen wir ein gelbes Absperrband. Da aber seit dem Zeitraum als es gespannt wurde jetzt wohl die Ebbe eingesetzt hat, geht es nicht bis runter zum Wasser und deshalb gehen wir einfach unten rum.

 

Neugierig werfen wir einen Blick an den Waldrand. Wir sehen erst nur die Polizisten weiter oben am Rand des Dschungels stehen und erst danach das weisse Tuch, dass etwas oder wohl besser gesagt jemanden abdeckt. Hier muss irgendwas vorgefallen sein. Vielleicht ist jemand ertrunken, weil er/sie betrunken war und nach der Party noch am Strand war, denken wir. Wir fühlen uns etwas wie in einem amerikanischen Krimi aber wollen es gar nicht genauer sehen oder wissen und spazieren daher einfach noch etwas dem Meer entlang bevor wir uns über die Hauptstrasse auf den Rückweg machen. Die Stimmung ist heute speziell mit den dunklen Gewitterwolken, welche sich auftürmen und lädt richtig zum Fotografieren ein. Als wir auf dem Rückweg an einem Supermarkt vorbei kommen kaufen wir uns noch ein paar lecker Bierchen, was eigentlich nichts ungewöhnliches ist, es ist jedoch erst 10 Uhr morgens. Aber im Urlaub ticken die Uhren ja bekanntlich etwas anders.

 

Am nächsten Morgen will Beni dann doch wissen, was am Strand vorgefallen ist. Diesbezüglich schüttelt Joli immer den Kopf über ihn. Während sie schon in der Schweiz nur Zeitung liest wenn ihr wirklich langweilig ist, liest Beni sogar auf der Weltreise täglich mehrmals seine Zeitungen im Internet und weiss immer über alles Bescheid, was Joli nicht die Bohne interessiert.

 

In der hiesigen Online Zeitung wird über das Verbrechen geschrieben. Zwei Frauen sollen morgens um vier Uhr am Strand von zwei Männern überfallen worden sein. Eine Frau konnte sich losreissen und flüchten und im nahegelegenen Hotel das Personal und die Gäste alarmieren. In der Zwischenzeit wurde die andere Frau verschleppt, weshalb sie erst ein paar Stunden später tot und nackt am Strand aufgefunden wurde. Offenbar wurde sie vergewaltigt und danach im Meer ertränkt.

 

Deshalb liest Joli keine Zeitungen, der Gedanke wie krank die Menschen sein können findet sie einfach unerträglich. Die junge Frau, hatte vor einer Woche ihre Weltreise angetreten…

 

Einer der Täter wurde ebenfalls wenige Stunden später nackt und halb totgeprügelt am Strand gefunden und der andere im Nachbardorf verhaftet. Die Dorf Bewohner haben die Täter anscheinend aufgrund der Beschreibung der anderen Frau wiedererkannt. Daher wurde umgehend Selbstjustiz an dem verübt den sie erwischt haben. Beide Täter waren scheinbar aus Nicaragua und deshalb bei den Dorfbewohnern bekannt. Ein ähnlicher Fall, ebenfalls von Tätern aus Nicaragua hat sich am Tag zuvor an der Karibikküste in Costa Rica abgespielt.

 

Auf dem Papier und gemäss EDA ist Costa Rica das mit Abstand sicherste Land, von all den Ländern, welche wir bisher bereist haben. Der grauenhafte Mord jedoch passierte keine 500 Meter von uns entfernt. Da wird einem schon ein bisschen mulmig zumute. Und es beweist einmal mehr. Die ganzen Warnhinweise etc. sind einfach nicht Aussagekräftig. Du kannst überall auf der Welt zur falschen Zeit am falschen Ort sein und den falschen Menschen über den Weg laufen, auch in einem so sicheren Land wie Costa Rica.

 

Wir fühlten uns eigentlich bisher (und auch weiterhin) immer und überall sicher, wir haben aber auch selber immer so gut wie möglich darauf geachtet nicht zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Man kann zwar nie im Voraus wissen wann es der falsche Ort oder die falsche Zeit ist und auch wenn man vorsichtig ist kann man Pech haben aber wenn man sich an gewisse Regeln hält, kann man das Risiko verringern. Das ganze Dorf versammelt sich am Tag darauf am Strand zu einer Gedenkfeier für die junge Frau und man spürt die gedrückte Stimmung und das Entsetzen über die Tat im ganzen Dorf.

 

Auch auf einer Weltreise ist nicht immer alles Sommer, Sonne, Sonnenschein und man lernt nicht nur schöne Orte und nette Menschen kennen.

 

Ein halber Zoo

Die Zeit vergeht wie im Flug. Wir haben das Gefühl gerade angekommen zu sein und haben doch schon die Hälfte unseres Aufenthalts hier durch. Wir faulenzen den ganzen Tag und verarbeiten unsere Erlebnisse in Form von Fotos und Texten für euch zu Hause. Es macht uns Spass euch an unseren Erlebnissen teilhaben zu lassen und wir freuen uns sehr zu hören das ihr euch auf unsere Beiträge freut und Spass beim Lesen habt.

 

Zwischendurch wird unser Nichtstun von den Dschungelbewohnern unterbrochen. Nach ein paar Tagen haben auch wir herausgefunden, wer die komischen Geräusche in unserer Nachbarschaft macht. Es sind Brüllaffen. Eine ganze Familie tobt in den Bäumen direkt neben uns herum. Sie fallen uns erst auf, als ein männliches Tier kopfüber von der Telefonleitung hängt und genüsslich die saftigen Blätter schmatzt. Auch auffallend ist, dass seine Genitalien sich leuchtend weiss vom Rest seines Körpers abheben. Weshalb das wohl so ist? Sollte man diese empfindliche Stelle nicht besser etwas tarnen? Oder vielleicht kriegt der mit den hellsten Kugeln die schönsten Weibchen? Wir wissen es nicht aber es fasziniert uns. Joli geht mit der Kamera auf die Jagd was gar nicht so einfach ist. Obwohl einige der Affen schön direkt vom Baum in die Kamera schauen, drehen andere sich immer genau in dem Moment ab, wenn Joli abdrückt. Tja man braucht Geduld und viel Speicherplatz.

 

Am Morgen, wenn wir die Fensterläden öffnen können wir hinter dem Haus noch andere Waldbewohner beobachten. Eine gewaltige Strasse von Blattschneiderameisen zieht an unserem Fenster vorbei. Man kann ihnen ewiglange zuschauen, wie sie in schönen Reihen die Blätter transportieren und immer schön dem Gegenverkehr ausweichen, der schon auf dem Rückweg ist um Nachschub zu holen. Nur einmal haben wir sie nicht gesehen, dass muss wohl am Sonntag gewesen sein…

 

Übrigen scheint die Telefonleitung der «Place to be» zu sein in unserem Garten. Wenn es nicht die Affen gerade baumeln lassen, sind die Eichhörnchen zu Stelle. Das müssen ganz spezielle Blätter sein, die man von dieser Leitung aus erreichen kann.

 

Wir haben also wirklich einen halben Zoo um uns herum, denn auch an Vögeln, Schmetterlingen und Eidechsen mangelt es nicht.

 

Maden

Maden! Alles voller Maden! Dabei hat der Tag gut angefangen, doch der Reihe nach.

 

Beni schläft in letzter Zeit nicht besonders lange fühlt sich aber top fit. Konkret bedeutet dies meistens aufstehen vor 6 Uhr morgens, so auch heute.

 

Noch im Dunkeln schleiche ich mich aus dem Schlafzimmer und setze mich mit dem Laptop auf die Terrasse um ein wenig an unserer Homepage zu arbeiten. Ich geniesse die kühle Temperatur und die Stille, der Tag erwacht langsam und die Sonne geht auf. Im Morgengrauen etwa um sieben Uhr bekomme ich Lust auf Kaffee und gehe in die Küche. Hier bemerke ich, während ich die Kaffee Maschine in Gang zu bringen versuche, einen penetranten Duft in der Luft. Meine Flatulenzen riechen definitiv anders was mich etwas irritiert und weshalb ich das Licht erstmals einschalte. Hätte ich es nur sein lassen!

 

In dem Moment stelle ich fest, dass unser Abfalleimer zum Leben erwacht ist. Alles ist voller winzig kleiner Maden, der gesamte Boden ist übersät davon, mal abgesehen von denjenigen, welche bereits an meinen Flip Flop Sohlen kleben. Sie haben ausserdem auch schon den Weg ins Bad und vereinzelt in unser Schlafzimmer gefunden.

 

Während Joli noch sanft vor sich hinschlummert ist derweil bei mir in der Küche die Hölle los. Mit dem Besen bewaffnet nehme ich den Kampf gegen die Übelkeit und die krabbelnden Mini-Protein-Würstchen auf. Nach einer gefühlten Ewigkeit, etwa 20 Minuten, habe ich die Situation einigermassen unter Kontrolle.

 

Durch die hohe Wischdekadenz und das damit verbundene Keuchen meinerseits, sowie dem frischen Duft nach Kaffee andererseits ist mittlerweile auch Joli aufgewacht. Die Maden kriechen weiterhin aus allen Ecken, immer wieder sind neue zu sehen. Nachdem sich Joli von ihrem Lachanfall erholt hat (Benis Gesichtsausdruck war wirklich zum totlachen) und nachdem wir noch etwa drei weitere Male die Wohnung durchgewischt haben, kehrt so etwas wie Normalität ein.

 

Es ist mittlerweile halb neun; Zeit fürs Frühstück – wer hat noch Hunger?

 

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