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Montezuma

Weshalb sind wir hier?!..."Montezumas Rache". Das Sprichwort dürfte einigen bekannt sein. Auch wir haben schon davon gehört, wussten jedoch nicht Bescheid über dessen Herkunft oder Bedeutung. Umso lustiger die Tatsache das es aus Beni's Sicht treffender nicht sein könnte. Der Name hat uns einfach angezogen. Mit Hilfe von Frau Google finden wir heraus, das Montezumas Rache nichts anderes als den lästigen Reisedurchfall eines armen Touristen (also bei uns Beni) beschreibt. Moctezuma war ein aztekischer Herrscher, der in Mexiko City residierte. Er wurde von den Spaniern 1519 gefangen genommen und 1520 getötet. Als Moctezuma starb, soll er einen Fluch ausgesprochen haben, deshalb spricht man heute umgangssprachlich von Montezumas Rache und meint damit scherzhaft Durchfall. Die Redensart ist 1968 während den Olympischen Spielen in Mexiko aufgekommen, als einige deutsche Sportler unter Darmerkrankungen litten und auch vielen Touristen geht es in Südamerika ja nicht selten so.

Von der Playa Carmen nach Montezuma sind es lediglich 16 Kilometer, ein Katzensprung also. Naja leider springen die Katzen hier nicht so weit wie bei uns. Mit den hiesigen Strassenverhältnissen sind 16 Kilometer eine halbe Weltreise. Für diesen Katzensprung brauchen wir mit dem Bus inklusive Umsteigen ganze drei Stunden. Ihr müsst euch die Strassen und Busse hier so vorstellen: etwas alte und rostige aber sonst vergleichbare Modelle wie unsere Linienbusse fahren hier über sandige und schlammige Feldwege mit wirklich riesigen Steinen, Schlaglöchern und Spurrinnen die Hügel rauf und runter. Als Passagier wirst du richtig durchgeschüttelt und fragst dich wie das überhaupt möglich ist, dass diese Busse hier überhaupt vorwärts kommen. Naja offensichtlich ist es möglich. Völlig verstaubt und geschüttelt, nicht gerührt erreichen wir endlich Montezuma.

Klein aber fein und sehr viel touristischer als Playa Carmen präsentiert sich Montezuma. Einige Teile der Hauptstrasse sind hier sogar gepflastert oder mal geteert und dann doch wieder aus Sand, ganz wie es den Strassenbauern der einzelnen Abschnitte gerade gefallen hat könnte man meinen. Das Dorf wie auch der Strand versprühen etwas mehr Charme als Playa Carmen und es liegt ein Hauch Hippie Feeling in der Luft. Dafür ist der Ort voller Touristen und Tourenanbieter. Unser Hostal hat zwar den hübschen Namen Pura Vida und ist schön bunt, aber wir stellen schnell fest, dass wohl nicht alle die gleiche Auffassung von Pura Vida haben. Wir sind schon bei der Ankunft froh nur zwei Nächte gebucht zu haben, uns gefällt es nicht wirklich. Das Zimmer ist klein, feucht und uralt. Das Badezimmer lassen wir gleich bei Ankunft nochmals reinigen – offensichtlich litt auch unser Vormieter an Montezumas Rache UND auch noch an Haarausfall – der arme Kerl. Aber auch nach dem zweiten Anlauf sieht das Badezimmer nicht besser aus. Naja immerhin hat sie es versucht, wenn auch ohne grossen Erfolg.

Montezumas Wasserfall

Wir verlassen die modrige Höhle und machen uns auf den Weg zu einem der vielen Wasserfällen in der Umgebung. Der Weg führt kurz dem Strand entlang bevor wir an einem kleinen Fluss in den Wald einbiegen. Hier laufen wir eine gute halbe Stunde über Stock und Stein, am und im Wasser und über Wurzeln und Schlammwege bis wir den Wasserfall erreichen. Das gute bei Wasserfällen ist, solange du dem Fluss folgst, kannst du sie nicht verfehlen. Den einen Weg können wir hier beim besten Willen nicht ausmachen. Der «Weg» ist zwar rutschig und tückisch aber wunderschön und wir sind froh, dass wir die Trekkingsandalen angezogen haben, den Flipflops wären die Hölle und Wanderschuhe schon lange nass.

Offensichtlich ist der Wasserfall eine der Hauptattraktionen, denn es hat ziemlich viele Leute, wobei sich die grösste Gruppe gerade zum Aufbruch bereit macht als wir ankommen. Das mögen wir, geht nur schön nach Hause – husch husch!

 

Der Wasserfall ist etwa 20 Meter hoch und verfügt über einen grossen Pool zum Schwimmen. Joli ist ein absoluter Wasserfallfan und findet auch dieses Exemplar wieder einmal wunderschön und kann nicht wiederstehen sich ins kalte Nass zu stürzen. Beni lässt es wie so oft sein und sucht irgendwo ein Plätzchen wo weder er noch seine Hose allzu schmutzig wird.

 

Als die nächste grosse Gruppe im Anmarsch ist, machen wir uns wieder auf den Rückweg. Es sieht sowieso nach Regen aus. Nachdem Joli von einem vorbeirasenden Quad von oben bis unten mit Schlamm vollgespritzt worden ist, weil die Dumpfbacke in vollen Tempo durch die weit und breit einzige Pfütze rasen musste, gehen wir lieber am Strand als der Strasse entlang zurück zum Dorf. Da gerade Ebbe ist geht das zum Glück gut.

 

Wir klettern etwas auf den Felsen rum, die durch die Ebbe frei gelegt worden sind und Joli fragt sich gerade, wieso die Steine im Fluss so rutschig waren und diese hier überhaupt nicht rutschig sind, als Murphys Law, wie immer in solchen Momenten, unbarmherzig zuschlägt.

 

Ihr kennt Murphys Law nicht? «Alles, was schief gehen kann, wird auch schiefgegen.» oder «Was man dem Unbewussten als wahr übermittelt, wird wahr.» usw. (Quelle Wikipedia). Frau Google und Frau Wikipedia geben gerne weitere Auskünfte.

Naja, der Gedanke mit den rutschigen Steinen ist noch nicht ganz fertig gedacht und es macht plumps und Joli landet auf ihrem Allerwertesten und schürft sich die Hand an den scharkantigen Steinen auf. Jede Wette dieser Montezuma und dieser Murphy waren irgendwie verwandt! Wenigstens ist die Hose noch ganz, der Stoff unserer Kleider ist leider auch nicht mehr so stabil wie zu Anfang der Reise.

 

Nachdem wir im Dorf einen Cocktail zu uns genommen haben der ziemlich eingefahren ist, haben wir noch die Tourenanbieter abgeklappert um die Möglichkeiten für den morgigen Tag abzuklären. Wahnsinn wie viel Geld die hier wieder wollen von uns. Wir haben die Wahl zwischen einer Bootstour um Wale zu beobachten oder einem Ausflug in den Nationalpark mit einer geführten Wanderung. Da wir ziemlich unschlüssig sind beschliessen wir uns morgen früh einfach spontan zu entscheiden, je nach Wetter – mit der zusätzlichen Option gar nichts zu machen – irgendwie sind wir noch etwas im Ferienfeeling.

 

Jetzt haben wir Hunger. Wir gehen in ein gemütliches Restaurant und bestellen uns einen Teller Muscheln und Fisch. Etwas teuer aber gut. Dummerweise fängt es genau in dem Moment als wir bezahlt haben an wie aus Kübeln zu schütten! Wessen Schuld das wohl ist? Murphys oder Montezumas? Tja, keine Ahnung! Joli ist überzeugt, dass auch Petrus mit den beiden unter einer Decke steckt.

 

Die Flucht

Der schlechte erste Eindruck unseres Hostals war keine Einbildung. Die Matratze, welche man eigentlich gar nicht mehr als solche bezeichnen darf, da sie nur noch aus Federn besteht die dich in den Arsch piksen, und somit auch die Nacht waren furchtbar, wir haben kaum geschlafen.

 

Als Joli aufgibt, um 6 Uhr morgens die Augen aufschlägt und instinktiv weiss, dass auch Beni hellwach ist, sind die ersten Worte des Tages: «In dieser Scheisshütte bleibe ich keine Sekunde länger!» worauf Beni mit: «Halleluja!» antwortet. Wir wägen kurz die möglichen Optionen ab. Andere Hostals kosten leider viel mehr und wenn wir umziehen, verlieren wir zudem viel Zeit, welche wir mit einem Ausflug verbringen können. Dann gehen wir halt heute schon nach Monteverde. Wir klappern in der Stadt die Shuttlebusse  ab. Aber die einen öffnen die Büros erst um 9 Uhr und die anderen sind vor 15 Minuten bereits losgefahren. Somit beschliessen wir den langen Weg hoch in die Berge nach Monteverde mit dem Bus auf uns zu nehmen.

 

Im Hostal künden wir unsere frühere Abreise an und wollen die zweite Nacht zurück fordern. Die Chefin, sei heute früh nach San José gefahren und käme erst am Abend zurück. Ja und? Ja sie habe das ganze Geld mitgenommen und ihr nur 5.- Wechselgeld da gelassen. Wir müssen warten bis sie zurück kommt. Eh nö! Dann gib uns halt wenigstens die 5.-? Das dürfe sie nicht. Na toll! Aber auch der Verlust des Geldes bringt uns nicht dazu nochmals eine Nacht in diesem Hostal zu schlafen. Abgehackt! Und Tschüss!

 

Kurz vor 8 sitzen wir bereits an der Bus Haltestelle. Einer der vielen Privat Transporte hält an und bietet uns an, uns zum Bus Preis bis an den Hafen zur Fähre zu bringen. Er holt dort ankommende Touristen ab und fährt sonst leer hin. Das nehmen wir dankend an und geniessen die komfortable und viel schnellere Reise im Mini Bus. Der Vorsprung ist dann allerdings am Hafen dahin, denn wir verpassen die frühere Fähre um 5 Minuten und müssen jetzt eine Stunde statt 10 Minuten warten. 

 

Fortsetzung folgt…

 

 

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