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Santa Elena - Monteverde I

Auf der Fähre nehmen wir dieses Mal im unteren Stock auf der Seite platz, denn nach dieser Nacht ertragen wir die Party oben auf dem Deck definitiv nicht. Nach der Ankunft am Hafen, lassen wir uns von einem Taxifahrer zum Busbahnhof bringen. Es dauert noch zwei Stunden bis unser Bus fährt aber wir wollen solange im Terminal etwas essen und trinken. Am Strassenrand bei einem kleinen Häuschen hält der Fahrer an. Ääähm?! Das ist der Busbahnhof? Mist. Es ist ein kleines Kabäuschen am Strassenrand, mit hunderten von Leuten, an der prallen Sonne, ohne Sitzplätze und schon gar keinem Restaurant.

 

Der Taxifahrer meint er fahre uns direkt nach Monteverde. Wir seien in zwei statt vier Stunden Fahrzeit dort und können direkt losfahren. Das würde bedeuten, dass wir ankommen, wenn der Bus hier erst losfährt aber dafür zahlen wir das dreifache… Hmmm…? Andere würden jetzt sagen: «Nein, wir nehmen den Bus, wir haben schliesslich schon beim Hostal heute Morgen Geld verloren.» Ist ja auch eine logische Überlegung. Wir ticken da etwas anders. Wir denken uns: «Scheiss drauf, wir haben schon heute Morgen Geld in den Sand gesetzt, jetzt spielt es auch keine Rolle mehr!» Wir handeln den Preis nochmals etwas runter so das es uns etwas weniger schmerzt und für ihn noch lukrativ ist und los geht’s. Noch kurz Fahrer tauschen, denn am Nachmittag übernimmt der Chef jeweils das Taxi und schon düsen wir los.

 

Unterwegs erklärt uns der Fahrer, was die Leute an ihren Ständen am Strassenrand so alles verkaufen und fragt ob wir schon mal Litschi gegessen haben. Ja, aber nur die aus der Dose, die im Zuckerwasser eingelegt sind *schäm*! Kurzerhand hält der Fahrer an einem Strassenstand an, um ein Kilo dieser roten stachligen Früchte zu kaufen. Jeder bekommt seinen eigenen Sack voll und wir brechen die Schalen auf und essen die süssen klebrigen Früchte, während uns der Saft über die Finger läuft. Mhhh! Lecker! So sind wir doch noch zu unserem Mittagessen gekommen. Wir bereuen unsere Flucht aus Montezuma keineswegs und freuen uns jetzt auf die Berge in Monteverde.

 

Übrigens haben wir beinahe ein schlechtes Gewissen, weil wir den Preis der Fahrt runtergehandelt haben und danach auch noch die Früchte geschenkt bekommen haben. Ob der Fahrer jetzt etwas von uns erwartet? Nein tut er nicht. Denn das eine ist das geschäftliche und das andere ein Geschenk.

 

Wir üben uns darin, Geschenke anzunehmen, auch wenn sie von Menschen kommen, die vielleicht weniger haben als wir. Denn es gibt tatsächlich noch Menschen auf dieser Welt, die anderen Menschen (auch Fremden) gerne eine Freude machen ohne dafür etwas zu wollen oder zu erwarten. Auf unserer Reise kam es auch schon oft vor, dass wir zum Beispiel in einer Unterkunft einfach so einen Kaffee spendiert bekommen haben oder sogar zum Abendessen eingeladen wurden ohne es danach auf der Rechnung zu finden. Am Anfang haben wir häufig abgelehnt oder zumindest zuerst nachgefragt, weil wir Angst hatten, dass es uns teuer verrechnet wird. Meistens haben wir nur ein Kopfschütteln bekommen und die Antwort, dass dies doch selbstverständlich sei und sicher nichts koste. Das ist man sich heutzutage leider nicht mehr so gewohnt, weshalb wir immer sofort das Gefühl haben, dass wir etwas zurück geben müssen. Dabei machen wir das auch oft, dass wir jemandem etwas schenken oder gerne eine Freude machen ohne etwas zu erwarten aber wir können es aber selber kaum annehmen. Komisch oder? Aber es ist trotzdem ein schönes Gefühl zu wissen, dass es auch noch viele Menschen gibt, die einfach nur nett sind sich nicht aus allem einen Vorteil oder Profit schlagen wollen.

 

Aber wir kommen vom Thema ab. Auf der Fahrt in die Berge sieht man von hoch oben bis ans Meer runter. Die Gegend wir immer grüner und hügeliger. Die Luft frischer und kühl. Herrlich!

Das kleine Bergdorf ist richtig schnuckelig und gemütlich. Unser Hostal, hat den gleichen Preis wie das gestern, ist aber um Klassen besser und vor allem sauber, auch wenn die Matratze hier ebenso etwas zu wünschen übrig lässt.

 

In dem kleinen Dorf findet man alles was es braucht und zudem hat die Umgebung so einiges zu bieten. Allem voran die gleichnamigen Nationalparks Santa Elena (wie das Dorf) und Monteverde (wie die Region). In unserem Hostal erhalten wir haufenweise Infos. Man kann hier Wandern, Kaffee Plantagen oder eine Käserei besuchen, Offroad Buggy fahren oder eine der X verschiedenen Canopy Touren buchen. Wir buchen uns als erstes eine der Canopy Touren, bevor wir uns in einem Restaurant noch einen lecker Burger zum Abendessen gönnen – Yeah! Die ersten halbwegs anständigen Preise hier!

 

Canopy Tour - das Original

Wir wollen eine Canopy Tour machen und haben uns für das Original entschieden. Beim Canopy fliegt man hängend an einem Stahlseil von Baum zu Baum. Es ist die älteste Tour, man sagt die erste in Costa Rica, welche es gegeben hat. Der Unterschied zu den anderen ist im Wesentlichen, dass die neuen allesamt über Stahlkonstruktionen verfügen und sich grösstenteils über den Bäumen befinden. Beim Original steht man noch auf einer Plattform, welche um die Bäume herum konstruiert ist und flitz teilweise auch mitten durch den Wald. Auch sind Höhe und Geschwindigkeit eher Level "Anfänger"  - das behauptet zumindest Beni, vor allem um Joli zu ärgern, denn eigentlich hat er keine Ahnung und niemand hat das so bestätigt! - also perfekt damit sich Joli damit anfreunden kann. Bei Gefallen will Beni dann noch eine der richtig hohen und schnellen Touren anhängen – Joli ist überzeugt, dass diese weder viel schneller, noch viel höher sind, sondern einfach nur neuer und über ein paar Fahrten mehr verfügen, aber Beni lässt sich nicht davon abbringen sie weiter zu ärgern und die gebuchte Tour die Baby-Tour zu nennen.

Mit dem Minibus geht es morgens um 10 Uhr zum Canopy Gelände. Je näher wir kommen desto flauer wird Joli’s Magen, denn die Höhenangst schlägt schon beim blossen dran denken zu. Nachdem wir die Ausrüstung angezogen und angepasst haben werden wir in eine Gruppe mit weiteren 10 Personen eingeteilt. Dann folgt ein kurzer Waldspaziergang bis wir an der Startplattform des ersten der total 12 Seile ankommen. Hier erhalten wir die Instruktionen wie wir uns am Seil korrekt verhalten. Dann gehts los. Die ersten drei Seile sind zum Üben, also noch ziemlich gemütlich, relativ langsam, kurz und nicht allzu hoch. Man wird am Seil eingeklinkt, setzt sich sozusagen im Seil hängend hin, hält eine Hand hinter den Kopf über das Seil zum Bremsen und düst los. Das Bremsen erfolgt mit Hilfe eines speziellen Handschuhs und auf Kommando des Guides. Joli’s Magen beruhigt sich allmählich und sie findet langsam auch Spass daran durch die Bäume zu flitzen.

 

Die nächsten zwei Seile sind bezüglich Höhe und Länge schon ein anderes Kaliber und Joli’s Magen beginnt wieder zur rebellieren. Die Plattformen in den Bäumen schaukeln auch ganz schön hin und her und wir stehen hier gesichert aber dicht gedrängt immerhin in fast 50 Metern Höhe.

 

Als Abwechslung kann man sich nach Seil 5 von der Plattform aus 50 Metern senkrecht abseilen lassen, um danach zuerst innen am Baum und danach aussen über eine schaukelnde Leiter wieder alles rauf zu klettern. Joli lehnt dankend ab, denn schon beim Blick nach unten droht die Gefahr, dass das Pancake von heute Morgen wieder hochkommt und dann noch der Gedanke das ganze wieder rauf zu klettern lässt ihren Magen Purzelbäume schlagen! Sie klammert sich an den Baum, lässt den Blick in die Ferne schweifen (die Aussicht ist fantastisch) und wartet auf der schwankenden Plattform bis alle wieder oben sind. Beni wagt es, zieht aber wie alle anderen auch ein leicht angstvolles Gesicht beim Abseilen. Der Weg zurück auf den Baum ist auch nicht ohne. Um den riesigen Baum herum haben die Wurzeln wie einen Tunnel geformt, durch welchen man den ersten Teil im Baum innen hinaufklettert, was wirklich cool ist. Der zweite Teil ist eine Leiter an, welcher man sich, wie überall, mit Karabiner an Seilen sichern muss, um die 45 Meter wieder hoch zu klettern.

 

Es macht uns riesig Spass durch den Wald zu flitzen. Bevor wir die beiden richtig langen Seile in Angriff nehmen, steht noch der Tarzan Sprung an. Hierfür steigen wir nacheinander auf eine 15 Meter hohe Plattform, auf welcher wir an einem Seil befestigt werden, das einige Meter entfernt an einem riesigen Baum befestigt ist. Beni macht den Anfang. Sobald der Haken eingeschnappt hat bleibt keine Zeit noch einen Gedanken zu fassen. Der Guide stösst einem von der Plattform, wo man sich kurz im freien Fall befindet, bis sich das Seil spannt um dann hin und her zu pendeln, ziemlich cool. Das Adrenalin erreicht nochmals einen neuen Höhepunkt. Während Beni bei Absprung einen Jodel hinlegt bringt Joli nur einen Schrei mit anschliessendem «Huuuui» heraus. Der Guide, der einem oben sichert, verfügt aber auch wirklich über viel zu schwarzen Humor. Während er bei Beni nicht viel gesagt hat, macht er bei Joli «Täm täm täm täm täm täääm» und bei einer anderen Teilnehmerin ist er besonders fies und sagt: «Weisst du das bei diesem Sprung mindestens eine Person pro Tag stirbt?» Sie fällt nicht darauf rein und meint: «Ja, ja aber es ist noch früh das trifft nicht mich.» Worauf er antwortet: «Doch, ich bin ziemlich sicher, dass es heute dich erwischt!» und schubst sie runter. Netter Kerl oder? Sie hat übrigens überlebt wie auch alle aus unserer Gruppe *g*.

 

Die beiden letzten Seile sind dann auch die schönsten. Man fliegt in grosser Höhe über statt durch den Wald und hat dabei eine phantastische Aussicht. Die Seile sind fast einen Kilometer lang und man hat hier auch mal richtig Zeit, den Flug zu geniessen und sich umzuschauen, bevor man wieder bremsen muss. Joli geht voraus und befindet sich schon auf dem zweiten Seil als Beni am ersten an ihr vorbei fliegt und wir uns zurufen und winken. Allerdings kommt sie dann etwas in Stress, weil, obwohl sie selber nicht gebremst hat, ihr Flug viel zu früh verlangsamt hat und sie sich nun die verbleibende Strecke rückwärts zur Plattform ziehen muss (schon zum zweiten Mal heute), während Beni schon angesaust kommt. Aber es reicht – knapp.

 

Die Tour dauerte etwas mehr als zwei Stunden und ist wirklich top. Zwischen den Seilen gibt es auch mal kurze Spaziergänge und die Wartezeiten sind maximal 10 Minuten, denn grössere Gruppen als 12 Personen sind hier nicht möglich, da der Platz auf den Plattformen begrenzt ist. Zudem begleiten immer 3 Guides eine Gruppe. Somit, sind auch die Gruppen besser verteilt und man hat zwischen den Flügen auch genug Zeit um die Aussicht zu geniessen. Die drei Guides, welche uns begleiteten waren lustig und wir fühlten uns gut aufgehoben und sicher. So eine Tour ist sehr zu empfehlen.

 

Das Baumhaus Restaurant

Zurück im Dorf gehen wir erst einmal etwas trinken. Es hat es hier ein Baumhaus Restaurant, das laut Schild zu den 10 kuriosesten Restaurants der Welt gehört. Naja die Homepage ist wohl erfunden, denn sie ist ungültig und auch auf Seiten mit kuriosen Restaurants, welche wir finden, finden wir das Baumhaus Restaurant nie. Cool ist es trotzdem. Um einem riesigem Baum herum wurde hier ein Restaurant gebaut. Über eine Treppe gelangt man auf die erste und zweite Plattform, welche quasi um den Baum herum angelegt sind. Ein Dach gibt es aber nur im hinteren Teil, wo sich dann doch noch ein angebautes Haus befindet, vorne dient lediglich die dichtbewachsene Baumkrone als Dach. Wirklich cool gemacht und gepflegt, uns gefällts. Und der typische Kaffee (siehe Foto) schmeckt auch, zumindest Beni.

 

Der Grosse Joli Baum

Also eigentlich ist es einfach ein grosser Baum der innen hohl ist und man somit von innen rauf klettern kann und oben auf eine natürliche Plattform kommt. Aber da Beni, nicht ganz so begeisterst davon ist wie Joli, nennt er ihn einfach den «grossen Joli Baum». Nach dem Kaffee im Baumhaus Restaurant spazieren wir eine halbe Stunde ziemlich steil in dem Wald hinauf. Beni ärgert sich, ist es doch exakt die Strecke, die wir von wenigen Stunden zum Canopy hoch und wieder runter gefahren sind… Tja Vorausplanen ist irgendwie nicht unser Ding und Joli will den Baum trotzdem sehen. Dieser Baum, ist ähnlich wie derjenige auf der Canopy Tour. Er hat innen einen Tunnel, welchen man hochklettern kann. Leider sind bei unserer Ankunft schon etwa 20 andere Personen um den Baum versammelt, welche alle rauf klettern wollen. Joli drängt sich vor mit der Bemerkung, dass sie nicht raufklettern sondern von unten nur ein paar Fotos machen will und dann sind wir auch schon wieder weg. Schon erstaunlich, dass hier einfach jeder so leichtsinnig hoch klettern kann. Auch hier kann man ziemlich tief und schmerzhaft fallen, wenn man einen falschen Tritt macht und ist im Gegensatz zum Canopy nicht gesichert und unter Umständen alleine mitten im Wald… Naja, dass muss jeder selber wissen. Beni will nicht hoch, weil es zu viele Leute hat und er noch etwas rumzickt, wegen dem doppelt gegangenen Weg und Joli hat zu viel Höhenangst. Wir finden aber einen anderen etwas kleineren ähnlichen Baum für uns alleine und machen einige Fotos. Joli klettert dort etwas rum – allerdings nicht höher als 1 Meter. Es ist hier auch nicht ganz so einfach, denn dieser Baum ist etwas enger gestrickt als der andere. Spass macht es trotzdem und auch Beni hört nach einer Weile auf den Brummbären zu spielen.

 

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