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Mérida I

Nur einen Steinwurf von Valladolid entfernt (zwei Stunden im Bus) liegt Mérida, hier bleiben wir mal für vier Nächte. Die Stadt ist zwar etwas lärmig aber das koloniale Zentrum ist ziemlich hübsch. Insbesondere die lange Calle 60 ist gesäumt mit sehr schön restaurierten bunten Häusern.

 

Die Mexikaner sind ein freundliches Völkchen. Wir werden schon nach kurzer Zeit auf der Strasse angesprochen und erhalten Sightseeing Tipps. Der Mann erzählt uns von einem blauen Haus, in welchem es original Maya Artesania, unter anderem Hängematten, gibt. Am Rande erwähnt, Mérida ist berühmt für seine Maya Hängematten, welche Weltweit als die bequemsten gelten. Der Mann fügt sogleich an das wir uns beeilen müssten, da der Laden nur noch heute eine Stunde geöffnet hat und danach 4 Tage geschlossen sei. Dort angekommen gesellt sich ein freundlicher Verkäufer zu uns und verwickelt uns in ein Gespräch. Wir reden über dies und das bevor er uns seine Hängematten präsentiert. Er führt die Modelle vor, wir probieren aus und fragen auch mal nach dem Preis. 2800 Pesos, also 150.- Franken sollen die kosten. Für Beni ist hier bereits Endstation, eine Investition in dieser Höhe wird grundsätzlich nicht ohne Preisvergleich in anderen Läden und Recherche im Internet getätigt. Auf unser Zögern eine Hängematte zu kaufen fällt der Preis auf einmal um ganze 50 Franken. Das Geschäft sei dann für 4 Tage geschlossen - wir entgegneten, dass wir dann auch noch in Mérida seien und nochmal vorbei kommen können, also kein Problem. Aber diese Aussage macht Beni noch misstrauischer als zuvor, der Vorhang fällt, nein Danke und Tschüss. Jetzt wird der bisher so freundliche Verkäufer auch noch mürrisch und spielt die beleidigte Leberwurst weil wir nichts gekauft haben, nicht einmal den faltbaren Hut - aber so schon gar nicht, hasta nunca!

 

Wir informieren uns noch im Touristenbüro und bei Mietwagenanbietern über Touren und Preise, bevor wir uns ein mexikanisches Restaurant suchen um lecker zu tafeln. Da wir keine Ahnung haben was wir bestellen sollen, lassen wir uns beraten und erhalten eine riesige Vorspeise und eine Mix Platte mit allem Möglichen. Es war gut aber jetzt nicht der ober Hammer!

 

Später im Hostel verrät uns das Internet dann, dass wir beim Hängematten Verkäufer beinahe in eine Touristenfalle getappt wären, die Preise sind schlicht 3-4 mal zu hoch und die Qualität normaler Standard. Und den freundlichen Mexikaner, welcher uns den super Tipp gegeben hat sehen wir am nächsten Tag an gleicher Stelle wieder seine Tipps verteilen und auch der Laden hat komischerweise geöffnet.

Sightseeing

Nachdem Joli ihr Frühstück und Beni seinen Kaffee bekommen hat, hüpfen wir auf den Turibus auf. Das ist der hiesige Hop On - Hop Off Bus, welcher einmal quer durch die Stadt, vorbei an allen Sehenswürdigkeiten fährt. Das war auf jeden Fall ursprünglich unser Plan, wir haben es aber nach dem Frühstück irgendwie nicht aus dem Restaurant geschafft und nehmen entsprechend gegen Mittag ein Uber das uns ans Ende des Paseo Montejo bringt, um diesen gemütlich zurück zu laufen. Der Paseo Montejo ist eine Strasse, an welcher es prächtige Kolonialvillen zu bestaunen gibt. Hübsch anzusehen, als wir aber dann auf einmal vor einem Irish Pub vorbei kommen ist klar - es ist Zeit für ein, zwei lecker Bierchen. Ein paar Bier später und etwas angeduselt, es ist ja auch heiss heute, spazieren wir weiter. An der Strasse parkiert steht ein blitzblank poliertes, wunderschönes Polizei Motorrad. Der Polizist hält daneben ein Schwätzchen mit einem Eisverkäufer. Wir fragen den Polizisten ob wir von seinem Motorrad ein Foto machen dürften. Dieser lächelt freundlich und bittet Beni gleich auf dem Motorrad Platz zu nehmen, wie cool ist das denn?! Beni sieht darauf ein wenig aus wie Bud Spencer auf seinem Motorrad im Film "Zwei ausser Rand und Band". Naja also Joli findet für Bud hat er doch noch zu wenig Umfang – dann doch eher Terence Hill. Der Tag bringt noch ein paar weitere Biere, hübsche Ecken und vor allem viel heisse Sonne.

Maya Museum

Wie geplant besuchen wir heute das Maya Museum, bevor wir Morgen nochmals eine Maya Stätte anschauen wollen. Irgendwie kann man hier nicht wirklich Ruinen sagen, denn im Gegensatz zu den Inca Ruinen stehen die meisten Gebäude noch oder wurden restauriert und sehen daher eigentlich überhaupt nicht wie Ruinen aus. Daher, findet Joli, verdienen sie auch den Über Namen «Steinhaufen», den Beni ihnen gegeben hat, nicht.

 

Den Rest des Tages wollen wir dann unsere Weiterreise planen, die sich ja wieder einmal ändern wird wie es aussieht. Aber zuerst wollen wir Frühstücken. Wir entscheiden uns für ein Restaurant gegenüber des Museums und lassen uns vom Uber dort absetzten. Als wir davor stehen sehen wir den grossen Zettel: «Zu verkaufen». Das Ding hat geschlossen. Immer dasselbe! Wir brauchen eine Ewigkeit uns zu entscheiden wo wir Essen wollen um dann festzustellen, dass es geschlossen hat, verkauft wurde, nicht mehr existiert oder sonst irgendwas. Wenn wir euch das jedes Mal wenn es passiert ist, erzählt hätten, könntet ihr unsere Frustration jetzt nachfühlen. Dann halt ohne Frühstück. Wir laufen zum Museum. Das grosse Gebäude ist topmodern und soll einen grossen Baum darstellen, welcher für die Mayas heilig ist… Jaaa doch mit etwas Fantasie kann man das schon erkennen. Irgendwie…

 

Das Gezeigte im Museum ist interessant und auch hübsch anzusehen. Wirklich sehr schön gemacht. Die kleinen Info Schilder sind aber sehr tief platziert, mit kleiner Schrift und dadurch anstrengend zum Lesen. Auch ist die Auswahl zwischen nur Englisch und Spanisch für so viel Text nicht optimal. Und dann noch so früh morgens und auf leeren Magen so viele Infos… Ihr versteht sicher, dass wir da nicht so viel Ausdauer haben.

 

Wobei sind wir mal ehrlich: auch auf Deutsch hätten wir nach drei Schildern keinen Bock mehr gehabt weiter zu lesen und auch das Frühstück und eine spätere Stunde hätten nichts daran geändert. Unsere treuen Leser wissen wohl langsam wie wir zu Museen stehen und fragen sich sicher wie wir auch, was wir eigentlich hier genau wollen?! Wir kommen entsprechend nicht ganz zu den erhofften Infos und da auch die Cafeteria im Museum erst um 10:00 öffnet, machen wir uns nach der Foto Ausstellung im obersten Stock wieder auf den Rückweg. 

 

Eines haben wir auf jeden Fall hier, in der Fotoausstellung, gelernt: den Popocatépetl gibt es wirklich – gäu Janosch. Es ist ein Vulkan in Mexiko.

 

Reise Planung

Wir sehen uns erstmals gezwungen unseren Reiseverlauf etwas länger als nur 24 Stunden in die Ferne zu planen. Mitte Oktober treffen wir uns mit Joli's Schwester Sandra, Schwager Andrin und Neffe Luregn in Los Angeles, USA. Geplant ist ein gemeinsamer Roadtrip dem Highway Nr. I entlang bis nach San Francisco. Dass die USA auch punkto Einreise etwas speziell ist, gerade aus Mexiko, macht die Sache nicht ganz einfach. Es reicht leider nicht aus, bei der Einreise etwas in Donald’s Mauer-Sparschweinchen zu geben oder selber einen Stein auf seine liebe Mauer zu legen.

 

Länderwechsel über den Landweg sind in der Regel sowieso einfacher als durch die Luft. Per Flugzeug ist praktisch immer ein Rück- oder Weiterreise Ticket zwingend um überhaupt an Bord des Flieger zu gelangen. Das heisst wir müssen uns nicht nur entscheiden in welches Land sondern auch auf welchen Kontinent es nach den USA gehen soll. Lustigerweise tun wir uns hier nicht annähernd so schwer wie befürchtet. In der engeren Wahl stehen; Australien, Neuseeland oder Japan. In nur 5 Minuten steht der Sieger fest, obwohl uns finanziell alle drei das letzte Hemd kosten würden - uns zieht es weiter nach Japan. Konichiwa!

 

Im weiteren Verlauf des Tages rauchen unsere Köpfe. Wir vergleichen Preise für Flüge aus verschiedenen Städten und versuchen für Mexico und Belize eine sinnvolle Route mit Timeline für die nächsten 6 Wochen zu erstellen. Ziemlich viel Arbeit und dann, als der Plan steht kommt die Nachricht… – warum muss Beni auch immer Nachrichten lesen!

 

Zentralamerika macht uns fertig! Nicaragua und Honduras sind ins Wasser gefallen wegen kürzlichen Unruhen, deshalb sind wir jetzt in Mexiko, weil wir von hier nach Belize wollen oder besser gesagt wollten. Und was machen die? Seit 7 Tagen streiten sie wegen Versicherungen und der Grenzübertritt ist mega mühsam und teuer, weil keine Busse von dort nach hier und umgekehrt mehr fahren dürfen.

 

Der Grund dafür ist Belize (oder Mexiko – kann man drehen wie man will); hier wurde ein mexikanischer Busfahrer verhaftet weil sein Bus keine gültige Versicherung für Belize hatte, aber anscheinend war das bislang auch kein Problem. Nun Mexiko hat den Spiess sogleich umgedreht und erlaubt nun keinem Bus aus Belize die Fahrt über die Grenze. Cool, dann gehen alle zu Fuss oder man leistet sich ein Taxi vor und nach dem Grenzübertritt ins nächste Dorf. Das Geschäft des Jahres für die Taxifahrer.

 

Die Schiffüberfahrt war schon vorher qualitativ mangelhaft und teuer und die Flüge - davon sprechen wir besser gar nicht. Wir glauben die wollen uns hier einfach nicht.

 

Wenigstens hat es mit dem ESTA für Amerika geklappt. Aber jetzt haben wir heute den ganzen Tag so schön geplant und nun fangen wir wieder von vorne an – Juhuuuuu!

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