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Havanna

Unser Wiedersehen mit Havanna, nachdem wir im Jahr 2016 bereits für drei Wochen durch Kuba gereist sind. Damals reichte die Zeit leider bei weitem nicht um über den Westen und die Mitte der Insel zu kommen. Wir planen in 4 Wochen noch die restliche Insel bis tief in den Osten zu erkundigen. Geplant sind auch ein paar gemeinsame Tage mit Jonas Riedo und Freundin Annabelle. Jonas ist Beni's ehemaliger Lernender und heutiger Nachfolger in der Comet AG. Aber zurück auf Anfang:

 

Als wir in Cancún einchecken wollen, stehen wir schon einmal über zwei Stunden an. Der Grund? Pro Person vor uns werden ungefähr 5 Koffer eingecheckt. Inklusive Klimaanlagen, Heizungen und allem Möglichen und Unmöglichen. Die Kubaner sind auf Shoppingtour in Cancún. Wir haben noch nie so wenig Menschen mit so viel Gepäck gesehen. Dann endlich. Eingecheckt. Hoffen wir nur das unser Gepäck auch noch Platz hat und wir nicht wegen Übergewicht abstürzen…

 

Das wir noch einen leckeren Burger zum Frühstück / Mittagessen verputzt haben und dabei fast den Flieger verpasst haben, haben wir ja bereits im Bericht Playa Carmen erwähnt. Ist aber auch nicht nett die 40 Minuten Verspätung einfach aufzuheben ohne ein Wort zu sagen und nicht einmal zum Boarding aufzurufen – denn das hätten wir nämlich gehört denn die Burgerbude ist direkt neben dem Gate.

 

Kaum gestartet landen wir auch schon wieder. Als Joli fragt: «Hey, schau mal auf Galileo nach, was das da unten für eine Insel ist. Das Meer davor ist so schön!» - «Schatz das ist Kuba…». Ja, wer kann denn wissen, dass dieses Flugzeug so schnell fliegt… Während der Landung haben wir eine dicke Gewitterwolke direkt neben uns. Es sieht so geil aus! Neben uns ist es schwarz, es regnet in Strömen und blitzt wie verrückt. Und über uns und etwas weiter vorne ist der Himmel blau. Genial!

Als wir das erste Mal Kuba aus der Schweiz angeflogen haben, haben wir über 10 Stunden im Flieger verbracht, der Flug von Cancún dauert diesmal nicht einmal eine Stunde, wie angenehm. Obwohl wir ja schon mal in Kuba waren, müssen wir unser Wissen über Kuba, insbesondere bezüglich der zwei verschiedenen Währungen wieder rundum erneuern. Es gibt hier den CUC (Peso Convertible), welcher als Touristen Währung gilt und 1:1 an den Dollar gebunden ist. Damit werden in der Regel beispielsweise Unterkünfte, sogenannte Casa Particulares, der Bus und Restaurant Besuche bezahlt. Dann gibt es noch den CUP (Peso Cubano), der wiederum ist nur für die Einheimischen gedacht, kann aber auch für Touristen lukrativ sein. Er kann in Nicht-Touristen Restaurants oder Strassenläden und Snackbuden (z. Bsp. Pizza über die Gasse) genutzt werden wo man zu einem viel billigeren Preis einkaufen kann. 1 CUC entspricht etwa 24 CUP. Die Verwechslungsgefahr besteht nicht zuletzt aufgrund der Ähnlichkeit der Scheine, wodurch viel Geld verloren gehen kann wenn man nicht aufpasst. Wenn man in CUC bezahlt und "irrtümlicherweise" Rückgeld in CUP erhält kann das teuer werden.

Am Flughafen herrscht ein ziemliches Gewusel (kein Wunder bei der Menge an eingecheckter Ware) und wir werden auch hier, ähnlich wie in Panama, nicht sehr freundlich empfangen. Die überwiegend weiblichen Angestellten wirken sehr arrogant und herablassend aber wir schieben dass wieder einmal auf ihren Job, der ihnen wahrscheinlich nicht gefällt... Wobei die Uniform sich ja sehen lässt. Knallenge kurze Röcke, darunter Netzstrümpfe und darüber eine weisse Bluse die doch ein wenig zu sehr durchblicken lässt… Wenn man bei uns im Büro so rumlaufen dürfte hätte Joli wahrscheinlich auch nicht so viel gegen die üblichen Kleidervorschriften, aber die stieren, meist langweiligen Businesskleider… Aber egal zurück zum Thema.

 

Mit Entsetzen sehen wir die lange Schlange von Menschen oder besser gesagt Klimaanlagen und stellen kurz danach fest, dass wir zum Glück den anderen zollfreien Ausgang nehmen können. Juhu!

 

Wir lassen uns die Freude trotz dem kühlen Empfang nicht nehmen und haben dann mit unserem Taxi Fahrer ein lustiges Gespräch während der Fahrt in die Stadt. Unser erstes Zimmer in Havanna haben wir über Airbnb noch aus Mexiko vorgebucht. In Kuba wird zur Zeit das bei uns seit Jahren bekannte Internet aufgebaut. Es ist mittlerweile möglich sich an einem der Wifi Hotspots (meistens in Parks oder Einkaufsstrassen) mit einem Handy oder Laptop zu verbinden und online zu gehen. Allerdings braucht man dazu eine Internetkarte mit User und PIN die einen CUC pro Stunde kostet und für die man ziemlich lange anstehen muss.

Nach dem Check In und einem ausgiebigen Gespräch über dies und das mit unserer Gastgeberin müssen wir zuerst einmal an Geld kommen. Wir haben uns in Mexiko mit 15'000 mexikanischen Pesos eingedeckt, was ein paar hundert Franken entspricht, welche wir hier in einem Wechselbüro tauschen wollen. Am Flughafen haben wir aufgrund des schlechten Kurs nur gerade so viel gewechselt damit wir unser Taxi in die Stadt bezahlen konnten.

 

In Kuba ist es eigentlich kein Problem an CUC oder CUP zu kommen, die Herausforderung besteht darin einen Automaten mit Geld zu finden und danach auch noch möglichst wenig Gebühren dafür zu bezahlen was sehr schwierig ist. Der Bezug an Geldautomaten kostet mindestens 3% bis zu 10% Gebühren des Ausgabebetrages. Im Wechselbüro ist der Kurs immer besser wenn, nicht gerade US Dollar gewechselt werden, denn das kostet in jedem Fall 10% Gebühren.


Wir wechseln von beiden Währungen etwas, man weiss ja nie. Auf dem Weg zurück, kurz nachdem wir das Wechselbüro verlassen haben, bemerken wir dann das wir beobachtet werden. Wir werden auf der Strasse angesprochen was denn für Zeit sei, um dann sogleich in ein Gespräch verwickelt zu werden. Beni pflegt generell sehr misstrauisch zu sein und wimmelt den Fremden kurzerhand ab. Mit so viel Geld in der Hosentasche hat er keine Lust auf Small Talk. Der Fremde läuft uns dann voraus und flüstert einem weiteren der an der nächsten Ecke steht irgendwas zu, welcher dann hinter uns her läuft. Als noch ein Dritter dazukommt, treten wir den Rückzug an, und steuern gleich ins nächste Restaurant. Nun beobachten wir die dreisten Drei wie sie wieder auf ihre Positionen zurück gehen und wahrscheinlich nach neuen Opfer Ausschau halten – schaut da jemand zu viel Fernsehen?! Als die Luft rein ist gehen wir noch etwas der Uferpromenade entlang. Dort werden wir erneut angesprochen. Das Pärchen empfiehlt uns ein gratis Konzert ein paar hundert Meter von hier aber Beni lehnt dankend ab. Er hat gelesen, dass einem häufig Restaurant oder Bars empfohlen werden, die Leute einem dann gleich begleiten und sich dann ungefragt dazu setzen und «einladen» lassen. Joli fühlt sich jedenfalls erneut bestätigt darin, dass sie prinzipiell keine Nachrichten oder sonstige Infos mehr liest – da wird man ja paranoid?!


Da wir etwas faul sind gehen wir Abends in die nächste Bar um etwas zu essen. Dazu trinken wir einen Welcome Cocktail: Cuba Libre und Frozen Mojito. Auffallend; alle unterhalten sich miteinander und nicht einer hält hier sein Smartphone in den Händen! Wozu auch, es gibt doch kein Internet.


Plaza de la Revolución

Wir spazieren heute als erstes in den Park bei uns in der Nähe um uns Internet zu besorgen. Dort steht ein kleiner Container welcher mit ETECSA angeschrieben ist und davor eine Menschen Schlange die nicht zu übersehen ist. Wir stellen uns an und erhalten nach etwa 20 Minuten unsere Internet Karten. Wir kaufen 6×1 Stunde was etwa 6 Franken entspricht. Wir versuchen auch gleich uns einzuloggen um zu testen ob es funktioniert. Naja, extrem langsam wäre noch masslos übertrieben!

Mit einem Velotaxi lassen wir uns in der Hitze zur Plaza de la Revolución chauffieren und uns auch gerade das erste Mal abzocken. Im Nachhinein stellen wir fest das die 5 CUC schon fast Diebstahl waren. Aber uns ist es schon viel zu heiss um zu Fuss zu gehen und der arme Kerl muss für 3 Personen Fahrrad fahren – uff! Auf diesem Platz wo Che Guevara und Fidel Castro auf zwei grossen Häusern zu sehen sind, ist auch ein 30 Meter hoher Turm, welcher für 8 CUC einen Blick über die Stadt ermöglicht. Wir bleiben aber lieber am Boden und stürzen uns dafür in das Abenteuer Bus Fahren mit den Einheimischen. Wir fragen uns an der Bushaltestelle durch bis eine nette Kubanerin uns geduldig die Preise, Abläufe und Buslinien im schnell Verfahren erklärt. Das Taxi in die Altstadt hätte uns mindestens 5 CUC gekostet, der Bus brachte und für 20 CUP dorthin, also für nicht einmal einen Franken.

 

HAVANNA VIEJO

In Havanna Viejo kennen wir uns ja bereits ein bisschen aus, immer wieder kommen wir an Restaurants, Parks oder Sehenswürdigkeiten vorbei welche wir bereits besucht haben. Trotzdem macht es uns Spass stundenlang durch die Stadt zu schlendern und uns die prächtigen, bunten und riesigen Kolonialbauten nochmals anzuschauen. Natürlich bleibt auch Zeit für den einen oder anderen Cocktail. Das absolute Highlight an Kuba sind aber immer noch die wunderschönen Oldtimer, welche entweder auf Hochglanz poliert sind oder fasst auseinander fallen aber in jedem Fall in den schönsten Farben durch die Strassen cruisen. Leider hat es schon viel weniger von den schönen Flitzern als noch vor ein paar Jahren. Regelmässig mischen sich nun auch neue Personenwagen unter die Oldtimer.

 

Obwohl gerade ein grosses Kreuzfahrtschiff im Hafen liegt sind nicht sehr viele Touristen unterwegs, wir sind ja auch in der Neben- und Wirbelsturm Saison hier gelandet, was die Preise etwas drückt. Ein Cocktail kostet hier 3.50.- (oder weniger), Wasser gibt es leider praktisch nirgends zu kaufen, warum auch, kostet ja sowieso mehr als Alkohol.

 

Da wir immer noch kein Frühstück gefunden haben, gibt es am Nachmittag um drei einen leckeren Cocktail mit immerhin einem Orangenschnitz, damit wir wenigstens etwas im Magen haben. Der fährt dann auch ziemlich ein. Hui! Wir kaufen danach noch einem Strassenhändler ein paar Chips für einen CUC ab. Im Nachhinein stellen wir auch hier fest, dass er effektiv 1 CUP (Peso) gemeint hat und nicht einen CUC – wir haben also versehentlich das 24fache bezahlt… Aber die Kubaner sagen immer alle Preise und danach Peso – auch wenn sie CUC meinen. Wie soll da noch einer wissen ob es nun sein kann, dass diese Chips wirklich nur 4 Rappen kosten und ob er entsprechend nun wirklich Peso oder doch CUC meint?!?!

HAVANNA VIEJO II

Am zweiten Tag stellen wir uns ohne zu wissen wann ein Bus kommt an die Haltestelle. Nach knapp 30 Minuten kommt dann sogar einer und wir quetschen uns mit allen wartenden Kubanern vorne in den Bus rein. Nach ein paar Minuten sind dann auch alle drin oder hängen zumindest mit einem Bein in der offenen Tür, welche leider nicht mehr geschlossen werden kann. Es klebt und reibt Körper an Körper aber auch wenn jemand, der mitten im Bus steht aussteigen muss, geht das mit einer Geschmeidigkeit die uns fasziniert. Jeder weiss genau wie er sich abdrehen muss, damit der andere durchflutscht und rauskommt. Und das Ganze geschieht mit einer Ruhe und immer mit einem Lächeln auf dem Gesicht, da könnte sich mancher Pendler bei uns eine Scheibe abschneiden.

 

Dann schlendern wir das restliche Havanna Viejo ab und schwelgen auch hier sofort wieder in Erinnerungen an unseren ersten Besuch. Wir kaufen uns ein Kokosnusseis am selben Stand wie bei unserem ersten Besuch und geniessen den Trubel in den Gassen. Havanna hat uns wieder voll in seinen Bann gezogen, es ist eine Welt für sich, man fühlt sich in die 50-60er Jahre zurück versetzt. Beni weicht einer typisch gekleideten Kubanerin mit viel Lippenstift aus – denn wir haben kurz vorher gesehen, wie ein anderer Gringo abgeknutscht wurde und danach für den Knutscher und das Foto auch noch bezahlen musste – haha.

 

Danach gehen wir jagen. Beinahe den halben Tag gehen wir an der kilometerlangen Uferpromenade entlang und suchen uns die perfekten Foto Spots um die alten Autos mit den bunten Kolonialhäusern abzulichten. Man könnte dem Treiben auch einfach nur stundenlang zusehen, da wird einem nie langweilig, höchstens zu heiss. Daher muss auch heute hin und wieder ein Cocktail her. 

 

Am nächsten Morgen geniessen wir nochmals ein Gespräch mit unserer Gastgeberin, dazu einen leckeren Kaffee und die ersten Sonnenstrahlen auf dem Balkon, bis wir dann von unserem Taxi Collectivo (Sammeltaxi) abgeholt werden. Weiter geht’s nach Santa Clara.

 

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