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Santa Clara

Unsere Gastgeber haben für uns ein Taxi Collectivo organisiert. Collectivo Taxis sind meistens Oldtimer mit Dachgepäckträger, welche mit bis zu sechs oder mehr Personen vollgestopft werden. Wir haben Glück, da wo wir hin wollen will sonst niemand hin, wir haben zwar keinen Oldtimer (der, der uns abgeholt hat, hat uns nur ca. 200 Meter zu einem Treffpunkt gefahren), dafür ein kleines Peugeot Taxi für uns alleine. Das nostalgische fällt dadurch etwas weg. Kein Fahrtwind durch fehlende Fensterscheiben oder Abgasgestank, dafür eine Klimaanlage.

Wir dachten wir hätten in Santa Clara ein Zimmer über Airbnb gebucht. Also korrekterweise hat Jonas Riedo für uns das Zimmer gebucht, denn die Airbnb und Booking.com Seiten funktionieren in Kuba nicht – super. Via Whatsapp Nachrichten haben wir Logindaten etc. ausgetauscht und so das Zimmer aus der Schweiz buchen lassen - vielen Dank Jonas.

 

Als wir dort ankommen stellt sich jedoch heraus das wir eine ganze Wohnung über zwei Stöcke mit grosser Dachterrasse für uns alleine haben. Und die Bude hat sogar eigenes Wifi, welches wir mit unseren Karten benutzen können und da es ein Home Wifi ist, können sich pro Karte sogar mehrere Geräte einloggen. Unsere Gastgeberin ist eine ziemlich lustige kubanische Lehrerin, welche uns gleich beim Check-In einen köstlichen Sangria serviert. Der ist so gut, dass wir uns die Flasche zeigen lassen um den Wein und das Sprudelgetränk danach selber ein zu kaufen. *Yummy*

Wie in den meisten Städten in Süd- und Zentralamerika ist die direkte Umgebung um den zentralen Park am lebhaftesten. Santa Clara ist bereits viel ruhiger und weniger frequentiert durch den Tourismus als Havanna. Es gibt zahlreiche Häuser an welchen direkt durch die Fenster Pizzas verkauft werden. Einen reinen Wasserladen, der aber kein Wasser mehr hat - Wasser ist in Kuba manchmal Mangelware - und viele kleine günstige Restaurants. Wir setzen uns hier in den Park und verputzen eine dieser kleinen aber ziemlich guten Pizzas für umgerechnet 33 Rappen. Die macht Lust auf mehr und so finden wir uns kurz darauf in einem Restaurant mit einer riesigen Platte panierten Meeresfrüchten und Reis wieder, für welche wir knapp 9 Franken bezahlen.


Auf dem Rückweg in unser Haus kaufen wir uns noch zwei Pizzas zum Abendessen oder Frühstück oder Zwischendurch – mal sehen. Etwas anderes gibt es nirgends wirklich zu kaufen. Wir finden aber den Wein für den Sangria. Einfach das Citrongetränk ist hartnäckig. In einer Pizzeria werden wir dann fündig.

 

Zu Hause geniessen wir einen Sangria nach dem anderen. Eigentlich wollen wir im Internet unsere weiteren Stationen in Kuba recherchieren, das Internet ist aber den ganzen Tag nicht verfügbar. Deswegen spielen wir Würfelspiele und geniessen die Aussicht von unserer Dachterrasse. Mit Blick auf die Strasse können wir das pure kubanische Leben beobachten. Die Seitenstrassen sind hier ganztags belebt und von Menschen bevölkert. Die einen sitzen einfach ein wenig in oder vor ihrer Haustür und plaudern mit vorbei spazierenden Nachbarn. Eine Gruppe Kinder spielt Baseball, ohne richtiges aber mit gut improvisiertem Equipment. Nicht einmal einen Ball haben die Jungs zu Verfügung und trotzdem jede Menge Spass. Vorbeilaufende Männer spielen spontan eine Runde mit den Jungs und gehen dann weiter. Aus allen Richtungen hört man Musik, ein richtig buntes Treiben herrscht hier in den Gassen. Ein Strassenhändler läuft mit seinem Fahrrad bepackt mit Brot vorbei und schreit irgendetwas für uns unverständliches, worauf die Frauen aus ihren Häuser rennen um Brot zu kaufen. Er sortiert seelenruhig sein riesiges Bündel mit Pesos, hält noch das ein oder andere Schwätzchen bevor er weiter geht respektive nach Hause – ausverkauft. Wir geniessen den Sonnenuntergang und die schöne Abendstimmung von der Terrasse aus. Wozu noch das Haus verlassen? Wir haben Wein, Pizza und super Unterhaltung unter uns auf den Strassen.

 

Manchmal weiss man erst zu schätzen was man hat, wenn man es eben nicht mehr hat. In unserem Fall vermissen wir nicht zum ersten Mal auf unserer Reise das Gesetz der Nachtruhe (oder Ruhe generell). Wenn der nette Nachbar auf der gegenüberliegenden Seite der Strasse das Bedürfnis hat sich und seinen Freunden mit lauter Musik das Trommelfell zu zerdeppern, hast du leider keinerlei Möglichkeiten etwas dagegen zu tun, auch nicht an einem Sonntag nach Mitternacht. Wobei absoluter Spitzenreiter waren ja unsere Nachbarn in Chile in Bahia Inglésa. Die Musik war damals bis morgens um 6 Uhr so laut, das wir auch mit Ohrstöpsel so gut wie nicht schlafen konnten und die ganze Nacht dröhnte derselbe Bass. Rückblickend betrachtet war dies vermutlich eine fette Party einiger wirklich alter Rentner eines Schwerhörigen Vereins, welche bereits einen grossen Hörverlust auf beiden Ohren zu beklagen hatten, denn anders war diese Lautstärke nicht zu erklären. Aber auch dieser hier gibt Vollgas und Ohropax bringen nichts. Wir lieben ja die Lebensfreude und die Heiterkeit in Südamerika, aber Himmel nochmal geht das auch etwas leiser?!?!

 

Che Guevara

Wir wollen Che Guevara einen Besuch abstatten oder zumindest seinen Überresten. Zu Fuss erreichen wir die ziemlich beeindruckende Gedenkstätte in 20 Minuten. Eine etwa 30x10 Meter grosse Plattform aus dunklem Marmor auf welcher eine grosse Statue von Che Guevara thront. Wir sagen freundlich Hallo zu Che und suchen dann das Mausoleum dazu. Leider scheint das nicht zugänglich zu sein, da stehen überall angehörige des Militär, welche uns den Zutritt von allen Seiten verweigern. Auch das Museum können wir nicht finden und so müssen wir es wohl oder übel beim Denkmal belassen. Che ist ein Volksheld – weitere Informationen über ihn geben euch gerne Frau Google oder Herr Wikipedia.

 

Wie weiter & Wohin?

Diese einfache Frage stellen wir uns andauernd und sie ist gar nicht immer so einfach zu beantworten, insbesondere wenn die Recherche im Internet nicht möglich ist. Hier in Kuba ist zudem das gesamte Transportsystem ausserhalb der touristischen Orte unvergleichbar mühsam und unzuverlässig. Aus Santa Clara fahren keine Collectivo Taxis weiter in den Osten. Da bleibt einem nur das Busunternehmen Viazul. Wir versuchten bereits am Vormittag etwa zwei Stunden lang erfolglos das Büro am Busbahnhof telefonisch zu erreichen. Nachmittags, nachdem wir Che besucht haben, machen wir uns auf den Weg zum Terminal um uns vor Ort Tickets zu besorgen.

 

Es gibt ein Büro, vor welchem sich ein paar Leute die Beine in den Bauch stehen, da auch gerade niemand da ist. Keiner weiss wann und ob überhaupt mal jemand hier seinen Job macht. Scheinbar ist der nette Herr der hier theoretisch arbeitet gerade am Mittagessen (nachdem er schon am Vormittag 2 Stunden nicht anwesend war?!). Die Dame zuvorderst in der Reihe wartet allerdings schon seit einer Stunde. Na dann kanns ja nicht mehr solange gehen. Wir haben keine grosse Wahl als uns einfach hier hin zu stellen und zu warten. Joli  geht nach draussen um ein paar Nachforschungen im Zusammenhang mit Taxipreisen und eventuell doch vorhanden Collecitvos anzustellen, aber erfolglos. Nach einer halben Stunde fängt es auch noch an zu giessen wie aus Kübeln – so kommt der Mitarbeiter sicher nicht von seinem trockenen Mittagstisch um zu arbeiten… Nach einer Stunde kommt dann einer und setzt sich in das Büro, in welches immer nur eine Person rein darf. Endlich können wir rein um unsere Tickets zu kaufen, dachten wir jedenfalls. Die Busse sind, wie auch schon im 2015 ausverkauft. Aber hey immerhin sind wir die ersten auf der Warteliste nach Camagüey. Dann bezahlen wir morgen mal auf gut Glück ein Taxi und begeben uns mit all unserem Gepäck an den Busbahnhof. Und wenn dann doch kein Platz frei wird, warten wir auf den nächsten Bus. Oder den Übernächsten. Sie fahren ja immerhin 3x täglich…

 

Für den Rückweg nehmen wir eine Kutsche. Nachdem wir den Preis im 50% runtergehandelt haben steigen wir trotzdem ein, obwohl wir definitiv immer noch zu viel bezahlen. Zurück in der Stadt ist unsere Stimmung auf dem Tiefpunkt angelangt, alle unsere Ideen haben sich gerade in Luft aufgelöst, es ist in Kuba einfach immer noch nicht möglich halbwegs spontan zu reisen wenn man sich nicht gerade im touristischen Teil des Landes bewegt oder bereit ist sein Geld zum Fenster rauszuwerfen.

 

Die Dame im Hostal hilft uns dann am nächsten Morgen mit der Organisation. Naja, sie versucht es zumindest. Wir haben beschlossen, dass wir den Osten schon wieder sausen lassen, denn es ist uns einfach zu blöd immer auf gut Glück an den Busbahnhof zu gehen oder uns stundenlang die Beine in den Bauch zu stehen um so ein dämliches Viazul Ticket zu bekommen. Vorausgeplant haben wir nicht und das hier jetzt nach zu holen ist mit dem Internet leider auch nicht machbar. Wir beschliessen dass wir es einfach chillen und Kuba geniessen auch wenn wir schon wieder nicht so weit kommen wie geplant.

 

Gestern haben wir gefragt was ein Taxi nach Santa Clara kostet für den Fall, dass wir den Bus nicht kriegen und die Besitzerin meinte 40 CUC und sie blockiere den Taxifahrer falls wir statt nach Camagüey dann spontan nach Santa Clara gehen. Super.

 

Wir versuchen gar nicht erst ob wir den Bus kriegen oder nicht sondern wollen direkt nach Santa Clara. Also bucht die Mitarbeiterin des Hostals das Taxi zum Busbahnhof ab und bestellt das gestern vorbestellte nach Santa Clara.

 

Zur Erklärung des nachfolgenden Chaos: wir stellen ihr unsere Fragen, sie ruft ihre Chefin an, die ruft den Taxifahrer an und bucht auch gleich die Fahrt. Meistens wollten wir eigentlich nur zuerst den Preis wissen. Aber über drei Ecken ist die Kommunikation einfach nicht optimal. So auch hier. Der gestern angefragte Taxifahrer ist nicht mehr verfügbar. Sie hat einen anderen gefunden und gebucht, der will aber 50 CUC. Das passt uns schon mal gar nicht. Naja egal. Wir suchen ein Hotel. Viel zu teuer! Unter 90CUC die Nacht finden wir nichts und die Bewertungen machen uns auch nicht gerade Mut.

 

Wir fragen was der Taxifahrer bis Caibarién will (nur noch die halbe Strecke 50 km statt 100km) – 40 CUC er kommt um 11:00. Öh hallo?! Die Halbe Strecke und der Preis ist immer noch so hoch?! Aber Mist! Das Airbnb ist jetzt schon gebucht. Aber irgendwie ist uns dieser Fahrer unsympathisch. Da wir noch Zeit haben bis das Taxi kommt (statt nur den Preis anzufragen hat sie es schon wieder gebucht), wollen wir noch die Mietwagen Firma abklappern um die Ecke. Als wir runterkommen, steht das Taxi trotzdem schon vor der Tür. Wir schicken ihn weg. Zu teuer, zu früh und kein einlenken bei unserem Argument, dass es nur noch die halbe Strecke ist.

 

Mietwagen ist auch nichts. Sie haben keine zur Verfügung und die Kosten lohnen sich auch nicht, zudem ist es scheinbar üblich den Mietwagen die Pneus zu zerstechen, damit man dann bei einem Familienmitglied in die Garage muss um diesen zu reparieren – na schönen Dank auch, so kann man auch Geschäfte machen!

 

Zufällig landen wir am Taxi Collectivo Terminal und fragen nochmals nach. Caibarién? Wir haben einen Fahrer der fährt euch für 15 CUC. Na das ist doch mal was. Wir steigen gleich ein und Kenny (der Fahrer) wartet geduldig vor dem Hostal, bis wir unser Gepäck geholt haben. Die Besitzerin ist sauer wegen unseren vielen Stornos (aber hey wer hat denn immer gleich gebucht, wenn wir nur den Preis wissen wollten?!) und die arme Mitarbeiterin kriegt jetzt alles ab. Wir entschuldigen uns bei ihr und meinen aber dann, dass ja wohl etwas nicht mit rechten Dingen zugehen kann, wenn wir ein Taxi für 15 finden und ihre Chefin uns eines für 40 andrehen will…

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