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Caibarién

Was für ein hin und her! Innerhalb von zwei Stunden ändern wir unsere Pläne wieder mehrmals. Drei verschiedenen Städte, ein 5 Sterne All Inklusive Bunker am Strand oder doch ein Auto mieten, alles haben wir in Rekord Zeit verglichen. Den Ort Caibarién an der Nordküste steuern wir für die nächsten drei Tage schlussendlich an. Das erste Taxi ist mit 40 CUC für eine Stunde Fahrt völlig überteuert, deswegen schauen wir uns die Mietwagen Preise an. Die Preise fangen bei 70 CUC an, sind aber irrelevant, da natürlich auch keine Autos verfügbar sind. Wir schlagen uns durch zum Taxi Collectivo Terminal der Einheimischen und hier finden wir ein Taxi das uns für 15 CUC nach Caibarién fährt. Also eigentlich wäre die Fahrt 20 CUC oder 25 meint Kenny. Aber er muss heute sowieso dorthin und daher hat er uns ein Sonderangebot gemacht.

 

Sein Auto ist auch ein cooler Oldtimer aber wirklich uralt. Keine Scheiben, viel Rost aber richtig nostalgisch. Der Wind weht uns durch die Haare, er hupt ausgelassen und winkt seinen Eltern die vor dem Haus auf der Terrasse sitzen und meint bei der Polizeikontrolle nur: «War ja klar, dass es wieder mich trifft.» Wir fahren ein kurzes Stück neben seinem Cousin her, der auf dem Fahrrad sitzt und hupen erneut, als wir seine Cousinen überholen. So macht reisen Spass. Nicht in diesen blöden Bussen!

 

Wir haben grade noch Glück, als wir an unserem Hostal ankommen fängt es kurz darauf an zu schütten wie aus Kübeln. Ob das Taxi ohne Fenster nun geflutet wird oder ob Kenny einen Trick hat und irgendwo Scheiben her zaubert? Wir haben auf jeden Fall mit ihn ausgemacht, dass er uns in drei Tagen wieder abholt und für 35 CUC nach Sancti Spiritus fährt.

Wir haben Hunger, es ist nachmittags um zwei und wir haben noch nichts gegessen. Als der Regen endlich nachlässt, gehen wir auf Empfehlung unserer Gastgeber in ein Restaurant in der Nähe des Parks. Wir bestellen uns eine Meeresfrüchte Platte mit allem Drum und Dran, es ist köstlich. 20 CUC sind zwar eher teuer aber dafür gibt es Vor- und Nachspeise sowie ein Getränk und Kaffee dazu. In der Gastronomie hat sich in Kuba einiges getan in den letzten Jahren, das Essen hat Geschmack und wird sogar mit Saucen serviert. Sehr im Gegensatz zum Transportwesen, hier scheint sich überhaupt nichts geändert zu haben.

Auf dem Rückweg finden wir einen kleinen Einkaufsladen. So richtig mit 6 Regalen, in welchen auch das nötigste an Nahrungsmitteln und des täglichen Bedarfs steht. Naja also ein Regal mit Rum, eines mit Konserven, eines mit Keksen und Chips. Also so fast alles was den täglichen Bedarf abdeckt. Das gab es vor drei Jahren nicht mal in Trinidad und die Stadt ist ein bisschen grösser als Caibarién. Resp. doch wir haben solche Läden gesehen, aber die Regale waren leer.

 

Wir kaufen uns eine Flasche edlen Rum, dazu Cola und Citron (Kuba Eigenmarke) und eine Packung Kekse - eben das nötigste was es zum Leben so braucht. Aber dann kommt der Knaller, an der Kasse steht ein Kartenbezahlgerät (Modell Steinzeit). Beni fragt die Verkäuferin: «Se puede pagar con tarjeta?», worauf diese meint «Ääh, jaaa, äääh!» und sofort zwei Kolleginnen zu Hilfe ruft. Zu dritt hantieren sie am Gerät und die Bezahlung funktioniert auf Anhieb - also nachdem jemand gefunden wurde, der dieses top moderne Ding auch bedienen konnte. Sichtlich stolz und erleichtert überreichen uns die Damen den Kassenzettel. Kartenzahlung ist in Kuba immer noch eine Seltenheit, erst recht in einem so kleinen Dorf.

 

Weil es kurz darauf erneut heftig anfängt zu regnen holen wir uns einen Saft im Laden an der Ecke. Als wir den Laden betreten hören wir gerade wie die eine Verkäuferin zu andern meint: «Pass auf den Zweien verlange ich den Betrag in CUC statt CUP.» Der Saft kostet zwei CUP also Peso Cubano, das sind etwa 10 Rappen. Zwei CUC wären zwei Dollar. Als aber Joli freundlich (auf Spanisch natürlich) nachfragt was es denn alles für Säfte zu kaufen gibt, ist die Frau sichtlich peinlich berührt und macht auch keinen Wank als wir sie mit zwei CUP bezahlen. Aber die meisten Touristen bezahlen die zwei CUC wohl ohne ein Schulterzucken, denn wo bekommt man sonst noch ein Glas Saft für 10 Rappen?! Für uns unvorstellbar und daher ist es für den Gringo naheliegend das mit 2 Peso ganz sicher 2 CUC gemeint sind.

 

Heute ist unser Gastgeber, der Arzt ist (wir wohnen irgendwie ziemlich häufig bei Ärzten – schon beim letzten Mal Kuba), leider ausser Haus, daher mussten wir auswärts essen. Die anderen beiden Abende essen wir aber im Haus und bekommen ein super leckeres Menu zu einem fairen Preis. Langusten, Crevetten, Fisch, Salat, Reis, Wein, Dessert, Saft, usw. – lecker!

 

Auch die Sonnenuntergänge auf der Dachterrasse lassen sich sehen. Um dort aber sonst Zeit zu verbringen ist es definitiv zu heiss und es gibt keinen Schatten. Aber was gibt es schöneres als vor dem Abendessen einen leckeren Rum zu trinken und dabei den Sonnenuntergang zu geniessen?

 

Cayo Santa Maria

 

Unser Gastgeber hat in einem anderen Hostal zwei Gäste gefunden, welche sich mit uns ein Taxi zu den Stränden 50 Kilometer im Norden teilen. Der Weg führt uns Kilometerweit über das Meer über total 49 Brücken, ähnlich wie Key West in Florida. Auf dem ersten Abschnitt wurden die ersten 10 Sekunden des Films Fast & Furios 8 gedreht wie uns unser Taxi Fahrer voller Stolz erzählt.

 

Wir halten an der Playa Las Brujas an, weil die anderen beiden eine Bootstour machen wollen. Uns reizt es nicht so und auch die Playa Las Brujas lädt jetzt nicht wirklich zum Verweilen ein (Bild 1).

 

Wir besuchen zuerst die Playa Las Gaviotas in einem Naturschutzgebiet ganz am Ende der Strasse. Hier gibt es keine Hotels und keine Infrastruktur. Der Strand ist hübsch aber nichts Besonderes aber das Meer ist der absolute Knaller. Irrsinnig schöne Blautöne und das Wasser ist so klar wie wir es noch nie gesehen haben. Wir planschen etwa drei Stunden im Meer und sind praktisch alleine. Wir nutzen die Zeit entsprechend um tausende Fotos zu machen. Am Strand liegen mögen wir nicht also, wechseln wir ab zwischen, baden, spazieren, fotografieren, plantschen und als es Zeit wird den Rückweg zum Eingang suchen.

 

Um 13:00 lassen wir uns wieder abholen, denn die anderen sind auch von der Bootstour zurück. Wir fahren alle zum Komplex Las Terrazas, wo wir bis am späten Nachmittag gemütlich rumsitzen und die Zeit mit süssen Nichtstun totschlagen. Es gibt hier zwar ebenfalls wunderschönes Wasser, dass zum Baden einlädt und sogar Liegen am Strand. Aber wir sind müde vom stundenlangen Baden und gesellen uns ins Restaurant um bei Pommes und Mojito ein paar runden Yatzy zu spielen. Beni bringt sogar eine stabile Internet Verbindung zustande um die erste Halbzeit Champions League YB gegen Manchester zu schauen, unglaublich.

 

Zuhause stellen wir dann fest das wir heute wohl doch ein wenig zu lange in der Sonne und im Wasser waren und etwas wie Cangrejos (Krebse) aussehen aber zum Glück nicht allzu schlimm. Es war ein super Ausflug, im Nachhinein sind wir aber froh, dass wir dort nicht für 3-5 Tage einen Hotelbunker gebucht haben. Ausser den Hotels ist dort absolut tote Hose und auch wenn der Strand wahnsinnig schön ist, ein Tag hat uns super gereicht.

 

Remedios

Mit dem Mototaxi düsen wir in das 10 Kilometer entfernte Dorf Remedios. Gemäss unserem Gastgeber wurde der Dorfkern komplett renoviert und mit dem Mototaxi kostet uns die Anreise nur je 10 Pesos (40 Rappen). Als wir bei der Haltestelle ankommen, will uns irgendwie niemand so richtig sagen wie das Ganze funktioniert  und wo wir warten müssen und wir haben irgendwie das Gefühl, das wir etwas feindselige Blicke kassieren als wir die Taxis ablehnen und antworten, dass wir mit dem Moto Taxi fahren wollen (Sammeltaxi für rund 8 Personen). Aber das bilden wir uns sicher nur ein.

 

Auf dem Weg verliert Beni aufgrund der luftigen Fahrt doch tatsächlich seinen Hut. *Schwupp* und weggeweht ist er. Vielleicht finden wir ihn auf dem Rückweg wieder…

 

Das kleine Dorf hat eine sehr schöne Plaza und rund herum noch schönere bunte Kolonialhäuser mit Restaurants die zum Verweilen einladen. Zum Glück haben wir einen Regenschirm dabei, der uns auch super als Sonnenschirm dient – jetzt wo Beni auch noch hutlos rumlaufen muss. Wir besuchen einen kleinen Handwerker Markt und steuern danach den Eisverkäufer an. Wir fragen nach dem Preis für eine Kugel mit Biskuit, worauf der Verkäufer etwas zögerlich «Un Dollar» meint. Beni entgegnet dem Mann mit einem strengen Blick «Como?!» und läuft kopfschüttelnd weiter, worauf der Mann den Preis auf 2 Peso (8 Rappen) reduziert. Das ist dann spontan ein Preisnachlass von 90%. Aber probieren kann man es ja.

 

Wir sind den Menschen ja eigentlich auch nicht böse, wenn sie versuchen etwas dazu zu verdienen und ein Dollar für eine Kugel Eis ist ja auch nicht viel. Aber offensichtlich muss man immer und überall aufpassen, dass man nicht über den Tisch gezogen wird und viel zu viel bezahlt. Ein weiteres Beispiel ist das Essen in den Casas. Auf der ersten Reise haben wir fast immer in den Casas gegessen, da die Info lautete, das Essen sei besser und günstiger als in Restaurants. Jetzt sind wir ein wenig experimentierfreudiger und stellen fest dass auch das einfach nicht wahr ist. Ein Nachtessen in einer Casa kostet zwischen 8 bis 15 CUC, ein gleichwertiges Mittagessen erhalten wir hier für 3 CUC und es ist sehr lecker. Auch lassen wir uns nicht mehr weiter vermitteln von einem Casa zum anderen, denn auch da sind die Preise höher als wenn wir selber über Booking oder Airbnb buchen. Auch wenn wir die Airbnb und Booking Seiten via VPN austricksen müssen um von Kuba aus überhaupt buchen zu können. Die Telefonnummer von Kenny dem ehrlichen Taxifahrer haben wir auch gespeichert, die Fahrten organisieren wir nach der letzten Erfahrung auch lieber selber.

 

Wir machen uns auf den Rückweg und suchen die Einsteigestelle für das Mototaxi. Auf dem Hinweg haben wir die erste Haltestelle verpasst und sind aus dem Dorf rausgefahren – der Fahrer hat uns netterweise auf dem Rückweg wieder mitgenommen aber einfach bei der Plaza rausgelassen. Jetzt müssen wir suchen. Aber schon bald düst ein Mototaxi an uns vorbei und ruft «Caibarién!», wobei wir die Hand heben und aufspringen können. Leider finden wir Beni’s Hut trotz Mithilfe des Fahrers, der jederzeit bereit ist anzuhalten nicht mehr. Dafür erkennt Joli im Dorf die Abzweigung für unser Hostal von weitem schon und der Fahrer lässt uns noch vor dem Zentrum aussteigen.

 

Wir hatten ein paar gemütliche Tage im verschlafenen Caibarién und morgen geht es weiter nach Sancti Spiritus – auch wenn wir nicht so weit kommen wie geplant wollen wir doch noch etwas neues Entdecken in Kuba.

 

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