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Sancti Spiritus

Anreise

So viel vom heiligen Geist spüren wir hier nicht… Daher wird Sancti Spiritus für uns rasch zum «heiligen Alkohol». Aber beginnen wir am Anfang.

 

Wir haben unseren Discount Taxi Fahrer Kenny aus Santa Clara herbestellt um nach Sancti Spiritus zu gelangen. In Caibarién wollen die Taxi Fahrer 40 CUC für ein Sammeltaxi, unser Kollege will nur 35 und kommt erst noch extra aus Santa Clara angefahren. Aktuell giesst es aus Kübeln. Bleibt nur zu hoffen das es nicht allzu lange regnet, denn sein Auto hat nur noch eine Front- und Heckscheibe… Aber das Glück ist uns Hold, es bleibt trocken, Kenny kommt pünktlich und die Fahrt ist erneut ganz angenehm.

 

Die Stadt ist ein wenig wie die anderen auch, rund um die zentral gelegene Plaza hat es hübsche Häuser, eine berühmte Steinbrücke und die älteste Kirche Kuba's finden wir hier auch und dazu noch einen Einkaufs Boulevard. Aber viel mehr zu bieten hat auch Sancti Spiritus nicht und der Besitzer im Hostal fragt uns schon bei der Anreise, was wir hier eigentlich wollen…

 

Aber das macht nichts, wir widmen uns hier wie der Name der Stadt schon sagt, den Spirituosen (Sancti Spirituosi oder heisst es nicht so?). Wir starten mit ein paar leckeren Bierchen und einer 1 Dollar Pizza in den Nachmittag. Nachdem wir die Kirche und die Brücke begutachtet haben und auch in der Touristeninfo gefragt wurden, was wir überhaupt hier wollen – es habe hier eigentlich nichts – laufen wir den Einkaufsboulevard ab. Dort finden wir einen Cocktailverkaufstand respektive ein Fenster, wodurch Piña Coladas To Go für umgerechnet 20 Rappen verkauft werden. Einige Kubaner wollen schon vordrängen, als eine andere Kubanerin meint: «Die Gringos stehen hier effektiv auch an…». Klingt ein bisschen verächtlich und auch die Blicke die wir schon den ganzen Tag kassieren kommen uns etwas komisch vor aber das bilden wir uns sicher nur ein. Wir geniessen den Cocktail der echt lecker ist und am Ende der Strasse sehen wir nochmals einen solchen Stand. Wir stehen an und wundern uns wieso wir nicht bedient werden. Ok, wahrscheinlich macht er erst die Cocktails für die Leute vor uns fertig. Aber als er dann anfängt die Leute hinter uns zu bedienen und uns immer noch ignoriert werden wir echt sauer. Was soll die Scheisse? Dürfen Touristen hier nichts kaufen oder was? Müssen die Ausländer alles in den teuren Restaurants kaufen und Taxis nehmen? Stinksauer gehen wir zurück Richtung Hostal.

 

Wir gehen noch in den Supermarkt nebenan und kaufen eine Flasche Rum und Sprite. Die Verkäuferin scheint auch hier keine Lust zu haben uns zu bedienen und schiebt ihren Hintern erst auf den Stuhl hinter der Kasse, als noch andere Leute hinter uns anstehen. Joli wartet bis sie sitzt und bestellt dann absichtlich noch ein paar Kekse die hinter ihr im Regal liegen. Wiederwillig steht sie auf und knallt die Kekse auf den Tresen. Blöde Kuh! Was ist in diesem Dorf nur los?! Auch auf dem Gehweg werden wir angerempelt und müssen immer wieder auf die Strasse ausweichen, wir fühlen uns in diesem Dorf richtig unwohl und nicht willkommen. Zum Glück essen wir im Hostal zu Abend und müssen nicht mehr raus heute. Das Essen ist erstmals ein wenig wie wir es von Kuba noch in Erinnerung hatten, zwar nicht schlecht aber auch nicht wirklich gut. Das ist ein klarer Fall für Beni's Maggi, welches wir in Mexico gekauft haben, denn: « Maggiii immer eine gute Suppeeee!»

Nachdem wir nun auch ein bisschen abseits der Touristenpfade unterwegs sind, sind wir langsam ein wenig angepisst hier. Vor allem hier in Sancti Spiritus fühlen wir uns alles andere als Willkommen. Da wir im Vergleich zu unserer ersten Reise in Kuba, die Tricks und Spielchen der Kubaner bereits kennen und ziemlich gut dagegen halten können, werden wir nicht mehr so freundlich behandelt. Allgemein sind die Menschen in dieser Stadt überaus unfreundlich ja man könnte sogar sagen feindselig. Das drückt auch sehr auf unsere Stimmung. Aber wir lassen uns auch nicht mehr alles gefallen, was wiederum den Kubanern nicht gefällt. Nicht alle Gringos lassen sich gnadenlos über den Tisch ziehen, wir verhandeln knallhart und zeigen dem Gegenüber das wir nicht auf den Kopf gefallen sind und sie CUP Preise nicht einfach in CUC umwandeln können.

 

Zur Erinnerung 24 CUP sind 1 CUC (= 1 USD); wenn ein Kubaner für eine Fahrt mit dem Moto Taxi 20 CUP bezahlt sind wir doch nicht bereit 20 CUC zu bezahlen pro Person? Das wären umgerechnet 530 CUP. Ziemlich angepisst haben wir gar keine Lust das Haus überhaupt zu verlassen, ausser zum Essen und um uns einen bezahlbaren Transport zu suchen gehen wir heute auch gar nicht aus dem Haus. Um die Ecke hat es eine Bäckerei, die unser Hostal empfohlen hat und wir kaufen uns vier Brötchen für 20 Centavos (weniger als 1 Rappen). Die Brötchen sind mega lecker aber die extreme Unfreundlichkeit des Bäckers hinterlässt einen faden Nachgeschmack.

 

Dank einem Einheimischen erwischen wir ein Moto Taxi das uns wie ihn für 5 Peso pro Person ans Terminal bringt. Wir wollen den Preis für ein Sammeltaxi abklären. Aber auch die Fahrer die wir antreffen, wollen uns keine richtige Auskunft geben und reden kaum mit uns.

 

Ja es komme darauf an, je nach dem sei der Preis. Ja auf was kommt es an? Wie ist denn der Preis ungefähr? Das wisse er nicht. Ja aber er ist doch selber Fahrer? Ja aber morgen ist vielleicht ein anderer da – Halloooooo?! Ok – was kostet die Fahrt, wenn ich jetzt einsteige? Geht nicht ist voll. Himmel noch mal. Was zahlen die, die jetzt mitfahren? 5.-!.

 

Ja geht doch. Sammeltaxi gestrichen, so ein Theater brauchen wir nicht!

Zurück zu den Moto Taxis. Wir wollen morgen einen Ausflug in ein Naturgebiet in der näheren Umgebung machen. An der Plaza hiess es das kostet 13 CUC ein Weg. Hier finden wir einen ehrlichen Fahrer. 10 Peso pro Kilometer – 18 Kilometer = 180 Peso = 7.50. Schon wieder wollten sie uns um 50% betrügen! Wir notieren seine Nummer und sagen, dass wir uns melden.

 

Hier steht noch ein Taxi. «Trinidad? 45 CUC. Ok 40. Ok 35. Gut 30 CUC letztes Angebot.» Sorry, aber du hast schon verloren dein Startangebot war viel zu hoch du wolltest uns verarschen, also Such dir einen anderen Idioten.

 

Die Mototaxifahrer bekommen alles mit und einer bietet uns an uns mit dem Moto Taxi nach Trinidad zu fahren für 25 CUC. Im Moto Taxi hätten wir sowieso noch die bessere Sicht und frische Luft meint er. Wir rechnen das Ganze mit dem uns nun bekannten Kilometerpreis durch und handeln ihn auf 20 CUC runter für die 1.5 Stunden Strecke nach Trinidad. Deal. Übermorgen um 11:00 im Hotel.

 

Im selben Restaurant wie gestern gehen wir noch kurz etwas essen. Das war auf jeden Fall der Plan. Es schüttet plötzlich wie aus Kübeln und wir sitzen fest. Wir bekommen noch eine Guave zum Dessert spendiert und zotteln dann nach Hause sobald der Regen nachgelassen hat. Hier verbringen wir den Rest des Tages mit Pokern und Rum trinken, was unsere Stimmung immerhin ein bisschen hebt.

Heute wollen wir den Tagesausflug machen aber zuerst wollen wir von den leckeren Brötchen Frühstücken. Gestern Morgen haben wir in der Bäckerei um die Ecke ja 4 Brötchen für weniger als 1 Rappen gekauft. Der Bäcker war zwar unter aller Sau unfreundlich aber hat uns das Brot verkauft. Heute Morgen will Beni wieder frische Brötchen holen gehen, wird aber in der Bäckerei diesmal von der Bäckerin sehr unfreundlich abgewiesen.

 

Beni kommt rein stellt sich in die Reihe und bestellt 8 Brötchen für 40 Centavos. Die Bäckerin sagt nur «No!» und auf Nachfrage erklärt sie Beni diese Brötchen seien nur für Kubaner. Aber diese hier am Rande (sehen praktisch gleich aus) könne er kaufen für 1 Peso das Stück. Also als Ausländer muss man den 20 fachen Preis bezahlen? Was soll die Scheisse? Mit einem harschen «No, hasta nunca!» und hochrotem Kopf verlässt Beni die Bäckerei ohne Brot.

 

Das ist ja Rassismus pur was in diesem Dorf abgeht. Zurück im Hostal erzählen wir die Story unserem Gastgeber, welcher nur die Augen verdreht und uns 6 Brötchen, übrigens von der gleichen Bäckerei, schenkt. Er kauft dort Unmengen davon "nur" für Kubaner und serviert diese seinen Gästen im Hostal zum Frühstück (5 CUC), welche diese in Massen verputzen – so viel zum Thema nur für Kubaner.

 

Den Tagesausflug blasen wir ab. Wir haben absolut keine Lust mehr mit den Leuten aus diesem Dorf zusammen zutreffen, denn wir hatten noch keine wirklich freundliche Begegnung hier ausserhalb des Hostals. Und im Hostal sind ausser dem Besitzer auch alle ziemlich reserviert. Wir überlegen einen Moment ernsthaft unseren Flug zurück nach Mexiko vor zu ziehen. Aber wir hoffen nun darauf das im touristischen Trinidad die Stimmung besser ist.

 

Am Abend gehen wir in einem Restaurant essen, dass Preise in CUC hat und auch einige Touristen drin sitzen. Hier werden wir sehr freundlich und zuvorkommen behandelt. Ja ein Menu kostet hier ja auch 20.- statt 3.-! Was ist nur in Kuba geschehen seit unserem letzten Besuch? Wir erkennen das gastfreundliche und fröhliche Land je länger je weniger wieder…

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