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Trinidad

Wir waren schon einmal in Trinidad und haben es damals für ziemlich gut befunden. Daher sind wir sehr gespannt wie unser Eindruck dieses Mal sein wird. Die Fahrt mit dem Moto Taxi ist ein Erlebnis für sich. Pünktlich holt uns der Fahrer ab. Da wir es nicht mehr ausgehalten haben, haben wir ihn am Morgen angerufen und eine Stunde früher herbestellt.

 

Mit gemütlichen 60 km/h weht uns der Fahrtwind um die Ohren und wir geniessen die schönen Landschaften, welche an uns vorbei ziehen. Wir haben eigentlich eher zum Spass mit den Mototaxifahrern über die Fahrt nach Trinidad diskutiert. Lustigerweise haben wir uns preislich dann sogar gefunden. Es ist zwar etwas teurer als ein Collectivo aber dafür ein Cabrio der etwas anderen Art für uns alleine. In Trinidad werden wir und unser Gefährt dann auch angesehen als wären wir von einem anderen Planeten, denn Moto Taxis gibt es zwar in Sancti Spiritus ganz viele, in Trinidad aber nicht eines.

Der Besitzer unseres Hostals, Norli begrüsst uns und zeigt uns unser Zimmer. Er ist sehr gesprächig, macht Witze und wirkt auf den ersten Blick ganz in Ordnung. Die Stadt selber ist noch wie wir sie in Erinnerung haben. Wir werden zwar wieder häufiger angesprochen, fühlen uns aber durchaus respektiert.

 

Trinidad ist neben Havanna eine der schöneren Städte in Kuba und hat auch in der näheren Umgebung einiges zu bieten. Die Preise sind natürlich für die Touristen noch einmal ein wenig höher als anderswo, aber damit können wir uns mittlerweile arrangieren. Wir gehen in ein Restaurant und wollen etwas Essen. Aber das ist gar nicht so einfach. Der überaus eifrige Kellner ist so damit beschäftig uns die Tour seines Bruders anzupreisen, dass er dabei fast vergisst wo er selber eigentlich arbeitet und das er unsere Bestellung aufnehmen sollte. Joli setzt drei Mal dazu an die Getränke und das Essen zu bestellen aber vergeblich. Erst als der eifrige Kellner 2x die Tour erwähnt und erklärt hat, nimmt er die Bestellung auf. Bei jeder Gelegenheit erwähnt er die Tour erneut und wir fragen uns langsam wo da der Hacken ist, denn der Preis klingt super und der Kellner ist sehr engagiert. Naja irgendwann bekommen wir dann doch unsere Cocktails und das Essen und geniessen die Ruhe, denn der Kellner hat wohl noch andere Kunden und kann zum Glück nicht die ganze Zeit bei uns auf der Dachterrasse quasseln.

 

Die Hitze ist erdrückend, ob es an den Drinks liegt? Jedenfalls schwitzen wir unsere Kleidung ziemlich durch hier. Aber bevor wir aufbrechen nehmen wir noch einen Mojito mit auf den Weg. Auf dem Handwerker Markt wird Joli dann überaus aktiv, während Beni genüsslich seinen Mojito schlürft und hie und da das Portemonnaie zückt. Wir müssen aufpassen wo wir hintreten, denn die Pflastersteine sind tückisch und die Stolpergefahr gross, zumal die Cocktails langsam ihre Wirkung entfalten. Wir klären noch die ein oder andere Tour resp. Tourenanbieter ab um ein paar Vergleiche zu bekommen. Auch hier fühlen wir uns etwas verarscht. Sogar die offiziellen Tourenanbieter wollen uns über den Tisch ziehen. So kommt es uns auf jeden Fall vor, denn überall fällt der Preis in dem Moment wo wir uns umdrehen und davon gehen um 20-50%. Was ist hier nur mit diesen Leuten los?

 

Zurück in unserer Casa unterhalten wir uns mit einem älteren französischen Paar in Spanisch, Französisch und Englisch und versuchen so halbwegs eine Konversation zu führen. Sie erzählen uns von ihrer heutigen Tour zu einem der Wasserfälle und den stolzen Preis von 70 CUC für die 4 stündige Tour. Gut wir wissen, dass den Franzosen generell immer alles zu teuer ist aber 70 CUC finden auch wir etwas teuer. Naja wir werden sehen.

Auf jeden Fall haben wir beschlossen, dass wir uns morgen mit ihnen ein Taxi an die Playa Ancón teilen. Scheinbar kostet das Taxi für 4 Personen 10 CUC. Der Bus kostet pro Person ebenfalls 2.50 – aber diesen Bus haben wir das  letzte Mal schon genommen und waren nicht sicher ob wir die Fahrt überleben. 

 

Playa Ancón

Joli hat am Vortag noch ein Taxi für 8 CUC gefunden und teilt dem von Norli organisierten Taxi mit, dass er uns entweder für 8 fahren oder es sein lassen soll. Er fährt uns für 8. Geht doch.

Beim letzten Mal, fanden wir den Strand ok, aber nicht wirklich super. Der Bus hat uns aber auch direkt beim Hotel Bunker abgesetzt. Dieses Mal landen wir etwas weiter hinten an einem viel ruhigeren Teil des Strandes und zudem ist jetzt zur Nebensaison nicht annähernd so viel los wie damals.

 

Der Strand ist echt hübsch. Das Wasser ist hier eher grün als blau, nicht wie in Santa Maria aber uns gefällt es. Es hat auch viel weniger Besucher als letztes Mal und den fix installierten Sonnenschirm gibt es sogar umsonst. Weiter vorne hat es Liegen, aber solange wir dort stehen und darauf warten, dass wir jemanden nach dem Preis fragen können kommt keiner. Und wenn wir dann sitzen rauscht garantiert einer an und verlangt einen horrenden Preis. Also gehen wir halt zu den Sonnenschirmen ohne Liege.

 

Am Strand fehlt es auch nicht an Essen und Trinken. Wir sind noch nicht einmal richtig auf  die ersten Sandkörner getreten, da rennt uns schon einer fast über den Haufen und haut uns seine Speisekarten um die Ohren. Wir werden ihn mit Müh und Not wieder los und laufen noch etwas weiter weg. Wir platzieren uns mit dem französischen Pärchen direkt bei den ersten beiden Sonnenschirmen. Wir geniessen, dass herrlich kühle Wasser und die Ruhe. Bis sich direkt hinter uns an der Strandbar eine grosse Gruppe mit lauten Erwachsenen und rumrennenden Kindern niederlässt und es aus ist mit der Ruhe. Wir packen unsere sieben Sachen und gehen die Sonnenschirmreihe bis ganz zum Ende um uns dort niederzulassen.

 

Es gibt viele kleine Strandbars und Restaurants, von welchen die Verkäufer regelmässig mit frischen kleinen Pizzas in der Hand die Runde drehen, was wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Aber auch hier wird gehandelt und wir bekommen die zwei Minipizzen am Ende zum halben Preis. Es gibt auch eisgekühlte lecker Bierchen von welchen wir ein paar geniessen. Das Nationale Bier Crystal ist übrigens wirklich sehr lecker und empfehlenswert.

 

Nachmittags um halb zwei finden wir unser französisches Paar leicht genervt, wartend in einem Restaurant. Sie warten schon über eine halbe Stunde auf uns und unser Taxi Fahrer ist auch noch nirgends zu sehen. Wir sind etwas irritiert weil wir mit dem Taxi und dem Paar 3 Uhr Nachmittags vereinbart haben um zurück zu fahren. Die Situation klärt sich aber dann rasch auf. Wir unterhalten uns mit ihnen ja in einem Mix aus Spanisch und Französisch und vereinbarten «retour a las tres». Hmm ja auf Spanisch bedeutet «tres» – «drei» und man spricht hier in Lateinamerika auch von «drei Uhr am Nachmittag» und nicht «15:00 Uhr» wie bei uns in Europa üblich. Jaaa und auf Französisch wurde aber «treize» verstanden, wird auch fast gleich ausgesprochen, was so viel wie 13 bedeutet. Tja, dumm gelaufen. Zum Glück können wir alle darüber lachen und bestellen uns noch ein Bierchen während wir warten. Joli ruft den Taxi Fahrer dann aber an und er kommt doch immerhin 30 Minuten früher als 15:00.

 

Eigentlich wollen wir zusammen mit dem Franzosen in der Casa zu Abend essen. Wir haben am Morgen beim Frühstück Norli die Zeit mitgeteilt. Wir wollten um 18:00 essen, aber die Franzosen, fanden das extrem früh, also haben wir auf 19:00 verschoben. Die beiden kommen dann allerdings erst um 20:00 als wir gerade fertig sind. Schon wieder ein Kommunikationsfehler. Sie haben verstanden, dass wir um 16:00 essen wollen und dachten, dass sei für sie ja erst Zeit zum Tee trinken oder so. Seize – Sechzehn / Seis – Sechs. Ja, ja diese Zahlen. Wieso dann aus siete (7) – vingt (20) wurde haben wir aber dann doch nicht ganz herausgefunden. Wir erklären ihnen, dass man hier eigentlich bei der Uhrzeit nicht von 18:00 usw. spricht sondern mehr im Stil am / pm. Das hat dann für sie scheinbar auch einiges erklärt.

 

Das Nachtessen ist übrigens nicht ganz so gut wie von unserem Plauderi Gastgeber erzählt wurde, es ist sogar das Schlechteste, dass wir in Kuba bisher hatten. Unser Gastgeber, passt seine Storys wohl je nach Gast entsprechend an. Laut den Airbnb Kommentaren ist er mal Koch, dann kann er sogar Griechisch und Französisch sprechen, usw. Aber davon merken wir und vor allem die Franzosen gar nichts – dafür kann er jetzt Italienisch – bravo, das kann ja jetzt auch keiner beurteilen und überprüfen. Er hat eine grosse Klappe und nichts dahinter. Er geht vor allem Beni, aber auch dem Franzosen mit seinem Getatsche und Gelabber auf die Nerven. Der Französin sind seine Annäherungsversuche sichtlich unangenehm und Joli geht Norli möglichst aus dem Weg, seit Beni sie auf die Grabsch Versuche von Norli aufmerksam gemacht hat, nicht das Beni noch handgreiflich wird.

 

Wir verabreden uns kurz nach dem Essen mit den Franzosen auf  einen Nacht Spaziergang durch Trinidad und auf einen Kaffee um noch ein wenig zu plaudern. Trotz der Sprachbarriere haben wir es lustig und erfahren doch ein bisschen was übereinander. Es ist ein gemütlicher Abend in Trinidad und nach einigen Umwegen finden wir sogar den Heimweg wieder – der Kaffee war natürlich mit einem ordentlichen Schuss Rum gestreckt.

 

Cascada Palmito

Wir haben uns schlussendlich für eine Tour entschieden. Unser nervender Gastgeber hat für uns seinen Nachbarn mit Pferdekutsche angeheuert, um einen etwas weniger frequentierten Wasserfall zu besuchen. Die Kutsche soll uns hin und zurück 35 CUC pro Person inklusive je 10 CUC Eintritt kosten, macht also auch 70 CUC (immerhin nicht pro Person wie bei den Franzosen).

 

Wir wollen eigentlich um 8 Uhr morgens los, kommen aber dem Wunsch des Nachbarn entgegen erst um 9 Uhr los zu gehen. Pünktlich sind wir bereit und stehen uns dann 25 Minuten die Beine in den Bauch. Wir stellen unserem Hausmädchen ein Ultimatum (Norli ist heute praktischerweise nicht zu Hause), worauf sie auf Nachfrage bei der Nachbarin meint, er sei mit der Kutsche auf dem Weg. Wir warten weitere 25 Minuten, geben dann den Tarif durch und verlassen das Haus stinksauer ohne Kutsche.

 

Gleich um die erste Strassenecke erhalten wir die ersten «Taxi? Taxi?» Rufe und checken die Preise ab. Der Erste bietet uns die Fahrt für 40 CUC an (one Way) und kommt bis auf 25 runter je weiter wir weglaufen. Die nächsten sind nicht besser.

 

Wir sind extrem genervt. Wir reden hier von einer Strecke von 8 Kilometern (Playa Ancón waren 12 Kilometer – 20 CUC hin- und zurück). Aber alle behaupten der Weg sei sehr mühsam und nicht einfach zu befahren… Es ist eine normale Strasse bis zum Eingang des Grundstücks wo der Wasserfall liegt. Nur mit der Kutsche hätten wir direkt bis zum Wasserfall fahren können – Autos kommen dort gar nicht hin.

 

Wir finden einen weiteren Fahrer und fragen nach dem Preis. «Was haben denn die anderen gesagt?» Joli fragt ihn ob er denn das Gefühl habe sie sei so blöd und erzähle ihm das?! 10 Minuten später sitzen wir in seinem Taxi. Nach zähem Verhandeln fährt er uns für 11 CUC hin- und zurück und meint wir seien harte Verhandlungspartner. Ja haben wir denn eine Wahl, wenn wir hier die ganze Zeit nach Strich und Faden verarscht werden, fragen wir ihn erbost? Wir wollen ihm die Hälfte bezahlen aber er winkt ab und meint: «Nach der Rückfahrt. Aber wehe ihr wartet nicht auf mich, nehmt ein anderes Taxi oder sonst was, dann rufe ich die Polizei!» Wir lachen. «Keine Angst. WIR sind ehrlich. In vier Stunden wieder hier.»

 

An der Hauptrasse steigen wir aus und machen uns auf, auf den steinigen Weg in den Wald hinein. Entlang eines Bachs, vorbei an Zäunen, über Wiesen und Hügel bis wir nach einer Weile an einer Finca ankommen. Kurz vor einem Tor begegnen wir noch einem verletzten Fohlen und teilen dies dem Reiter mit, welchen wir ein paar Minuten später antreffen. Aber der weiss scheinbar schon Bescheid. Bei der Finca steht ein alter, dünner Mann nur mit kurzen Hosen und einer Machete in der Hand im Garten und läuft direkt auf uns zu als er uns sieht. Die Machete rammt er kurz vor uns eindrücklich und gekonnt in den Boden um uns dann die Hand zu reichen. Wir fragen nach dem Weg, welchen er uns erklärt und uns auch gleich ein Stück begleitet. Er erzählt uns über das harte Leben der Kubaner, welche wie er keine Möglichkeiten haben an die Touristenwährung CUC zu kommen und fragt uns was denn bei uns eine Coca Cola kostet und das er sich das nicht einmal hier leisten kann. Dann verbschiedet er sich und weist uns den restlichen Weg zu den Wasserfällen. Wir geben ihm 1 CUC als Dankeschön und spazieren etwa weitere 20 Minuten durch die Hitze dem steinigen Weg entlang.

 

Dann taucht der kleine aber feine Wasserfall auch schon auf. Nie und nimmer 70 CUC wert, meint Beni. Auch wenn wir mit der Kutsche einen spezielleren Transport und einen direkt zum Wasserfall gehabt hätten. Immerhin sind wir aber völlig alleine hier und geniessen das Bad im kühlen Nass. Der Wasserfall ist schön und auch der Wald rundherum ist herrlich. Das Wasser bietet eine wunderbare Erfrischung nach dem hitzigen Marsch. Die Steine sind jedoch extrem rutschig und glitschig und Beni macht sich einen Spass daraus Joli beim rausstolpern nicht nur zu fotografieren sondern auch zu filmen. Und wie könnte es auch anders sein, rutscht sie natürlich wunderschön aus und klatscht ins Wasser, so dass das Video sogar noch einen Höhepunkt hat. Haha!

 

Nach einem weiteren Bad und einem kleinen Snack, machen wir uns zwei Stunden später wieder auf den Rückweg. Der Weg führt durch den dichten Wald bis wir nach einer Kurve aus dem nichts plötzlich vor einem Stier stehen. Einem riesigen Stier. Dieser scheint uns genauso schockiert anzustarren wie wir ihn. Wir jedoch treten sofort mit kleinen Schritten den Rückzug an und schauen uns nach möglichen Fluchtwegen in dem dichten Wald um. Der Stier zieht es auch vor uns nicht zu kreuzen und läuft den Weg (in die gleiche Richtung wie wir) langsam weiter. Mit grossen Abstand spazieren wir ihm hinterher, bis wir ihm dann wohl doch etwas zu schnell, zu nahe kommen. Er stoppt, schaut zurück und dreht sich in unsere Richtung um. Fast wie um uns zu sagen; «kommt mir nicht zu nahe!» Verstanden! Er bleibt immer wieder stehen und wir haben keine Chance an ihm vorbeizukommen, denn der Weg ist zu schmal. Nach einer gefühlten Ewigkeit gelangen wir zu einer grossen Kurve, wo sich auch der Wald etwas lichtet. Während der Stier in der Kurve unter einem Baum stehen bleibt, kämpfen wir uns durch das Unterholz um ihn zu überholen. Geschafft! Mit Herzklopfen und im Stechschritt kommen wir wieder an der Finka an. Ein Mann kommt uns entgegen um den Eintritt zu kassieren. Wir sind nicht wirklich überrascht, dass der Eintritt statt 20 CUC nur 10 CUC für beide kostet. Es wird einem etwas vorgelogen hier in Kuba, das sich die Balken biegen. Wir haben ein kurzes nettes Gespräch mit dem Mann und erzählen auch von unserer Begegnung mit dem Stier.

 

Dann nehmen wir das letzte Stück Weg zurück an die Hauptstrasse in Angriff. An einer Kreuzung meint Beni, dass wir hier abkürzen können. In weiter Ferne, mitten auf dem Weg steht schon wieder einen Stier, das gibt es ja nicht. Zum Glück ist hier eine Abzweigung. Wir kreuzen zwei kleine Schweinchen und befürchten, dass die Muttersau nicht weit sein kann, dann passieren wir eine kleine Ziegen Herde und machen auch hier eine grossen Bogen um die Tiere mit den spitzen Hörnern um dann irgendwie festzustellen, dass der Weg wohl nur zu einem kleinen Haus führt. Scheisse! Also müssen wir doch den ursprünglichen Weg zurück und vorbei an dem Stier und nochmals vorbei an den Ziegen… Wo waren alle diese Tiere auf dem Hinweg?

 

Zum Glück haben wir den Stier vorhin gesehen, denn jetzt ist er weg und nicht mehr zu sehen, aber wir wissen, dass er irgendwo ist. Wären wir nicht vorgewarnt gewesen, wären wir ihm geradewegs in die Hörner gelaufen. Wir laufen langsam den Weg entlang und sehen ihn inklusive sechs Kühen an einer breiten Stelle des Weges stehen. Es sind wie zwei Strassen und in der Mitte eine kleine Insel aus Büschen. Er rechts und wir links davon.

 

Wir holen weit links aus und laufen auch dieses Mal durch die dichten Büsche. Diesmal bleibt der Stier, nach dem Motto an mir kommt ihr nicht vorbei, stehen und schaut uns die ganze Zeit an. Der Weg ist einiges breiter und wir finden einen Weg in halbwegs sicherer Entfernung durch das dichte dornige Gestrüpp um an ihm und seiner Kuhherde vorbei zu schleichen. Joli drückt Beni einen grossen, dicken Stock in die Hände um ihn zu bewaffnen – für alle Fälle – mit dem Wissen das dieser im Ernstfall auch nichts bringen wird. Die Dornen zerkratzen uns die ganzen Beine und unsere Herzen pochen wie verrückt. Als wir schon beinahe an der Herde vorbei sind, stellt der Stier dann doch noch auf Angriff und spurtet den Weg entlang auf uns zu um uns diesen abzuschneiden. Dieser Stier ist zwar kleiner als der vorherige aber es ist ein junges, nervöses und aggressives Tier. Oh oooh! Der Stier bleibt wieder stehen und wir bleiben ziemlich nervös ebenfalls ein, zwei Minuten an Ort und Stelle stehen und warten ab was der Stier im Schilde führt und wie er sich verhält.

 

Joli zeigt sich sichtlich beeindruckt von dem mächtigen Stier und macht Beni auch richtig Mut mit ihrer Aussage; «Pass auf, der hat die grösseren Eier als du!»

 

Beni kommt dann zum Glück die rettende Idee um mit dem Problem umzugehen. Geistesgegenwärtig reisst er sich sein Trägershirt von seinem muskelbepackten Oberköper um mit dem Stock bewaffnet, wild schreiend und ohne jegliche Furcht, wie ein Krieger auf den Stier los zu stürmen, worauf dieser ziemlich beeindruckt (Joli ebenfalls) und vor Angst schreiend "Muuuüüüäühhh" die Flucht ergreift und dabei seine ach so übergrossen Eier wild baumelnd aneinander schlägt…

So in etwa hat sich das zugetragen und wir sind dank Beni’s furchtlosem Einsatz gesund und erleichtert dem bösartigen Stier entkommen.

 

Wir kommen gerade pünktlich zur vereinbarten Zeit an der Hauptstrasse an um nach Hause zurück zu kehren. Mann, wir sind immer noch ganz nervös und zittrig.

 

Nach dem Abendessen (dieses Mal nicht in der Casa) haben wir sogar das Glück, dass das Internet seit Tagen erstmals wieder einmal (immerhin für eine Stunde) funktioniert und am Abend im Bett gehen wir nochmals unser Abenteuer mit dem Stier durch und bekommen gleich wieder Herzklopfen!

 

P.S. so war es wirklich: Also eigentlich hat sich der Stier nach seinem kurzen Sprint umgedreht und wir sind, nachdem wir uns fast in die Hosen gemacht haben, langsam weiter durch die Dornen gelaufen bis wir ausser Sichtweite waren und dann sind wir den Rest der Strecke fast gerannt während einer immer nach vorne und der andere immer zurück geschaut hat. Sogar das Pferd, dass unseren Weg noch gekreuzt hat und die Eidechse im Gebüsch, hat uns fast einen Herzinfarkt beschert. 

 

Mückenplage

Als wir vor ein paar Tagen in Havanna die Nachrichten im Zusammenhang mit dem Wirbelsturm Isaac geschaut haben, wurde ein Beitrag ausgestrahlt, indem die Kubaner zur Kooperation aufgerufen wurden um die Mückenplage und die Krankheiten die die Mücken mitbringen einzudämmen.

 

Hier in Trinidad werden wir Zeugen wie das funktioniert.
Von unserer Terrasse aus beobachten wir nach dem Frühstück wie der Kammerjäger in Kuba funktioniert. Da spaziert ein Mann von Haus zu Haus und hat dabei einen kleinen, wahrscheinlich selber gebastelten Motor mit einen riesigen Rohr in der Hand. Das Gerät hat in etwa die Grösse und Form eines Auspuffs und hört sich an wie ein Moped Motor. Die Bewohner verlassen ihre Casa, verriegeln die Fenster und Türen und der Auspuffmann betritt das Haus, schliesst hinter sich die Türe und schreitet zur Tat. Er startet seine Handrakete mit krachendem Lärm und innert Sekunden scheint das ganze Haus zu brennen. Der dunkle Rauch steigt durch die geschlossenen Fensterlamellen, unter der Haustüre und durch jeder Ritze des Hauses auf. Dann stürmt auch der Auspuffmann mitsamt Motor aus dem Haus - die Luft dürfte schlagartig etwas stickig geworden sein dort drin. Immerhin hält er sich ein Tuch vors Gesicht um den Rauch nicht direkt zu inhalieren während er seinen Job macht. Nachdem sich der Rauch dann verzogen hat, kehren die Bewohner zurück in die Häuser und die Mücken sind tot. Et Voilà – so einfach geht das. Und wir quälen uns immer mit übelriechendem Mückenspray ab…

 

Abreise

Wir wissen noch nicht genau wohin wir wollen aber klar ist, dass wir das Haus und Norli verlassen wollen. Er geht uns gewaltig auf den Keks und auch Trinidad hat nicht mehr denselben Reiz wie beim ersten Mal, zumal es noch touristischer geworden ist. Eigentlich wollten wir in ein kleines Dorf in der Nähe und direkt am Strand um eine Woche Pause zu machen. Wir stellen aber rasch fest, dass es dort ausser ein paar Häusern irgendwie nichts gibt. Also gehen wir nach Cienfuegos um von dort danach nach Playa Girón zu gehen, wo es uns beim letzten Mal so gefallen hat und wir uns mit Jonas und Anabelle treffen wollen. Von einem Taxifahrer haben wir eine Nummer erhalten mit dem Angebot für 15 CUC (für beide) nach Cienfuegos zu fahren. Wir bitten Norli ihn anzurufen aber leider ist die Nummer ungültig und beim Handy geht niemand ran. Norli bestellt uns also seinen Fahrer und macht wiederwillig mit ihm den Preis von 15 CUC aus. Das könne er nur, weil er keine Provision einstreiche meint er. Super danke – wir hätten aber auch ohne ihn einen Fahrer gefunden, der uns für 15 mitnimmt.

 

Am nächsten Morgen begleichen wir noch die Rechnung. Beim Nachrechnen stellt Joli fest, dass Norli die beiden Abendessen vergessen hat und macht ihn darauf aufmerksam. Er nennt den neuen Preis und meint es sei schön, dass wir so ehrlich sind. Joli hat leider kein Kleingeld mehr und gibt Norli 45 statt 41 CUC, worauf dieser meint, er habe aber kein Wechselgeld. Ja blöd, wir haben auch kein Kleingeld. Und jetzt? Als Dank, dass wir ihn auf die fehlenden 24 CUC aufmerksam gemacht haben, hätte er ja sagen können, dass 40 CUC ok sind. Aber nein, was macht der Mistkerl?! Also wir sollen uns jetzt nicht so anstellen meint er, schliesslich habe er für uns noch telefoniert und ein Taxi organisiert und wir sollen den Rest jetzt einfach als Trinkgeld hierlassen. Völlig perplex von dieser bodenlosen Frechheit knallt Joli ihm das Geld hin und wir verlassen diesen gierigen, schleimigen Sack von Gastgeber. Der kann sich auf eine Bewertung gefasst machen das es knallt! Wir wissen schon jetzt, dass wir bei seinen nächsten Gästen die geizigen Schweizer sein werden über die er sich auslässt, denn bei uns hat er mehr als genug über seine ehemaligen Gäste gelästert. Die Menschen in Kuba enttäuschen uns immer wie mehr, was ist nur aus dem gastfreundlichen Land geworden?!

 

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