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Cienfuegos

Cienfuegos, auch die Perle des Südens genannt. Die Stadt ist für uns noch unbekanntes Terrain. Beim letzten Besuch sind wir hier nur kurz umgestiegen. Wir teilen uns mit einem deutschen Paar das Taxi für die gut 1.5 stündige Fahrt. Schnell kommen wir ins Gespräch und sind erleichtert, das nicht wir einen an der Klatsche haben, sondern auch die Beiden von der Entwicklung, welche Kuba gemacht hat ziemlich genervt und enttäuscht sind. Auch Sie waren im 2015 bereits in Kuba und seither hat sich wirklich sehr viel geändert. Man fühlt sich hier mittlerweile als wandelndes Portemonnaie und wird schamlos ausgenommen. Die erstgenannten Preise für Taxifahrten oder Touren sind völlig überrissen aber leider bezahlen viele Touristen auch alles ohne darüber nachzudenken oder sich im Vorfeld zu informieren wie die Verhältnisse in dem Land, welches sie besuchen sind. Der Tourismus ist nach der Öffnung im Sommer 2016, im Jahr 2017 um über 100% gestiegen, das hat tiefe Spuren hinterlassen. Natürlich wollen wir auch wissen wer wie viel für diese Taxifahrt bezahlt hat. Auch die beiden Deutschen sprechen gut Spanisch und doch scheinen wir das bessere Verhandlungsgeschick zu haben. Wir haben für unsere Plätze im Taxi 25% weniger bezahlt als die Beiden und wurden sogar in unserer Casa abgeholt und mussten nicht mit Sack und Pack an den Busbahnhof.

 

Als Tourist hat man eine Verantwortung. Man muss sich im Vorfeld erkundigen und informieren. Im Gespräch mit dem deutschen Paar wird uns allen schnell klar weshalb die armen Kubaner den Touristen immer feindlicher begegnen und die, die in der Touristenbranche arbeiten versuchen so viel Geld wie möglich raus zu holen. Wir hören ein Beispiel einer Touristin, die einer Frisöse 20 CUC für kleine Zöpfe am ganzen Kopf bezahlt hat. Diese Kubanerin hat in wenigen Stunden einen ganzen Monatslohn eingenommen! Sie wird nie wieder einer Kubanerin für ein paar Rappen die Haare schneiden! Warum sollte sie auch? Unwissende Touristen zerstören so die Wirtschaft in einem Land. Wieso sollte die Frisöse einen ganzen Monat arbeiten, wenn sie nur einen Touristen braucht um an gleich viel Geld zu bekommen?

 

Die Kubaner, die keinen Zugang zu den Touristen und deren Währung haben, bekommen je länger je mehr noch weniger für das wenige Geld, dass sie haben, während die anderen «steinreich» werden. Klar sind für uns 20.- für diese Arbeit ein Trinkgeld aber für eine kubanische Frisöse ist es ein Monatslohn. So wie ein Arzt gemäss unseren Nachfragen bei unseren Gastgebern zum Beispiel nur rund 50 CUC im Monat verdient. Oder auch ein Ingenieur bekommt nicht mehr. Man muss sich bewusst sein, dass man den Leuten nicht hilft, wenn man in einem für uns günstigen Land mit Geld um sich wirft. Die Kluft zwischen den armen und reichen Kubanern wird immer grösser und die beiden Währungen tragen auch nicht gerade positiv dazu bei.

Unser Airbnb Unterkunft hat alles zu bieten was man sich wünschen kann. Diese kubanische Familie scheint begriffen zu haben, wie man mit Touristen arbeitet. Der Kühlschrank ist wie immer prallgefüllt mit Wasserflaschen, Bier und Erfrischungen. Wir müssen aber nicht wie bisher alles was wir konsumiert haben wieder selbst kaufen um den Kühlschrank auf zu füllen weil wir sonst das doppelte oder noch mehr bezahlen würden - wir sind ja nicht blöd. Hier sind die Preise fast gleich wie im Laden um die Ecke, da entfällt das Nachkaufen und wir bezahlen die paar Rappen mehr gerne.  Auch sonst haben wir hier nicht den Eindruck nur die Goldesel zu sein und fühlen uns respektiert und willkommen. Joli meint direkt nach dem Einzug – «Komm wir bleiben doch hier eine Woche und warten auf Jonas und Anabelle?!» worauf Beni meint: «Warten wir erst einmal die erste Nacht ab.»

Am Nachmittag schlendern wir noch etwas durch die Stadt. Wir besuchen eine Touristeninfo und lassen uns erklären, was wir hier und in der Umgebung alles machen können. Manchmal haben wir das Gefühl, die haben nicht ganz begriffen was ihr Job ist, denn wenn du nicht gerade in einer Touristenhochburg bist ist die erste Aussage immer: «Also hier gibt es eigentlich nicht so viel interessantes zu sehen, besser ihr geht dort oder dorthin…» Das ist ja fast wie wenn Joli am Schalter zu den Kunden jeweils gesagt hätte: «Ja wisst ihr, wir sind schon gut, aber geht besser zu diesen oder denen – die sind besser. Voll bescheuert. Aber immerhin hat sie ein paar Ideen was mir machen können. Noch bevor wir das etwa schrankgrosse Info Kabäuschen verlassen können, quetscht sich eine ältere Dame rein, die überladen mit Prospekten ist, welche sie uns in die Hand drückt. Sie will uns ihr Kurhaus anbieten, für Krankheiten, zum kurieren oder einfach zum Erholen. Man kann sich dort auch behandeln lassen etc., etc. und wir können die Familie einfliegen lassen, es ist auch viel günstiger als woher wir auch immer kommen, usw. … Die Gute Frau quasselt uns zu bis sie den ganzen Text losgeworden ist und erst jetzt lässt sie uns vorbei und wir flüchten aus dem Infocenter, dass uns am Ende mehr Infos gab als wir eigentlich wollten.

 

Auf dieser Kubareise quatsch uns auch immer wieder alle paar Meter jemand an der uns fragt von wo wir herkommen, dann in der entsprechenden Sprache ein paar Sätze sagt und wie könnte es anders sein uns danach etwas verkaufen will. Am Anfang dachten wir: ach wie nett und offen die Leute hier sind. Naja irgendwann haben wir dann bemerkt, dass sie immer etwas wollen, wenn sie fragen woher wir kommen. Anfangs hat Beni dann jeweils mit «Nei, merci.» geantwortet, was aber immer zur Folge hatte, dass sie angefangen haben Französisch zu sprechen. Mittlerweile redet er einfach im breitesten Berndeutsch auf sie ein – was aber meistens zur Folge hat, dass wir sie noch weniger schnell loswerden als wenn wir einfach Spanisch sprechen, denn sie testen dann jede Sprache durch die sie kennen in der Hoffnung die zu finden die wir verstehen… *nerv* aber irgendwie auch lustig oder immerhin unterhaltsam.


Es sieht nach einem Gewitter aus und wir gönnen uns am extrem schmutzigen Pier vorne noch kurz eine Piña Colada, bevor wir ins Hostal gehen. Das Nachtessen ist sehr lecker, die Menge an Futter, welche aufgetischt wird ist unmöglich zu bewältigen. Es gibt Brot und Butter, danach eine Hühnchen Suppe, gefolgt von einem riesigen Stück Fisch, einer Hühnchen Keule, als Beilagen zwei Teller Reis, Salat, Süsskartoffeln und Bananen Chips und ganz zum Schluss noch ein äusserst leckeres Erdbeer- und Schokoladen Eis plus Kaffee. Zum Glück sind es nur ein paar Meter bis zu unserem Zimmer, die können wir notfalls rollend zurück legen.

 

Die Nacht ist dann leider wieder laut was zumindest Joli den Schlaf raubt. Nicht nur der Nachbar gegenüber hört Musik, dass die Wände wackeln, es sind noch mindestens drei weitere Beschallungen aus allen Himmelsrichtungen wahrzunehmen. Und auch das Bett ist steinhart, was ja noch ginge, aber leider hat es auf Jolis Seite eine grossen Buck, der dazu führt, dass sie immer wieder in die Mitte zu Beni rüber kippt und sich am Morgen wie die Prinzesin auf der Erbse fühlt, nur dass das hier mindestens ein Kürbis war!

 

Adiós Cubanos

In Kuba ist es derzeit so heiss, das einem eine konstante Müdigkeit befällt. Wir haben vor kurzen mit einem Kubaner darüber geredet und er meinte nur: «Heiss? Es ist doch nicht heiss! Im Moment ist es angenehm. Kommt mal im Dezember, dann ist es heiss!» Hmm… Beim ersten Mal waren wir im Januar hier und haben es nicht so krass in Erinnerung, aber vielleicht haben wir eine Hitze Überdosis, da es auch in Mexiko schon so heiss war und eigentlich in Patagonien resp. 1-2x in den Anden das letzte Mal wirklich kalt.

 

Naja. Deshalb verlassen wir heute früh unsere Casa um im kühlen Morgenwind die Uferpromenade entlang zu laufen und etwas von der Stadt zu sehen. Es ist wieder etwas mühsam hier, ständig wird man angesprochen und ein freundliches «No gracias.» reicht in den wenigsten Fällen damit man dann seine Ruhe hat - echt nervtötend.

 

Nach über einer Stunde sind wir am Ende des Malecón angelangt. Zurück laufen ist uns zu heiss, deswegen fragen den lustigen Touristenzug wie viel die Fahrt zurück ins Zentrum den kostet – 1 CUC aber er fährt in 5 Minuten. Schade, wir wollen noch um die Ecke bis zum Ende laufen. Wir setzten uns für die Rückfahrt einen Preis von 1 CUC, welchen wir bereit sind einem Transportmittel zu bezahlen, egal ob Velotaxi, Mototaxi oder Taxi. Das erste Opfer ist ein Velotaxi, welches uns seine Dienste für 5 CUC anbietet, worauf ihm Beni grinsend einfach davonläuft. Er versucht noch zu handeln und meint 2 CUC worauf ihm Beni ein kurzes "Du hattest deine Chance" entgegnet und weiterläuft. Der nächste Versuch startet Beni von sich aus und bietet einem anderen Velotaxi "Arbeit" an, zum Preis von 1 CUC. Der will aber unbedingt 2 CUC worauf Beni die Verhandlungen unverzüglich abbricht und wieder davonläuft. Auch das Taxi will zuerst 5 CUC und meint dann am Ende sogar: «Ok, ich fahre euch gratis.» - «Nein, danke nicht einmal mehr gratis steigen wir bei dir ein, uns reichts, wir lassen uns nicht weiter verarschen hier.» Das Velotaxi fährt uns auch noch kurz hinterher, Beni gibt auch im zu verstehen, dass er seine Chance hatte und erklärt ihm grinsend «Schau das ist die Bushaltestelle, da bezahle ich 47 mal weniger. Verärgert zieht das Velotaxi davon, aber auch wir kochen innerlich vor Wut.

 

Und wenn ihr denkt das es nicht noch schlimmer kommen kann, dann wart ihr noch nie Kuba. An der Bushaltestelle warten etwa 4 Personen als ein Mototaxi hält. Wir haben eine dieser Personen vorher nach dem Preis für Mototaxis gefragt und wissen das die Fahrt pro Person 5 Peso (CUP) kostet. Wir fragen beim Fahrer nach dem Preis worauf dieser zuerst etwas überlegt und dann meint 2 CUC pro Person. Nun haut es Joli den Nuggi raus und sie erklärt dem Fahrer: «Diese 4 Personen zahlen alle 5 CUP und wir kennen den Preis und von uns willst du 48 CUP! Wir lassen uns doch von dir nicht bescheissen, das ist eine verdammte Sauerei und jetzt verschwinde mit deinem scheiss Mototaxi, wir nehmen den Bus.» Der Fahrer guckt etwas dumm aus der Wäsche und die anderen Passagiere können sich ein grinsen nicht verkneifen.


Wer denkt dass es das jetzt war, der irrt gewaltig, der Busfahrer vermag das ganze tatsächlich noch zu toppen. Während wir auf den Bus warten, informieren wir uns bei einer wirklich freundlichen Kubanerin über die Buspreise. Sie erklärt uns das der Bus ins Zentrum für beide 0,40 CUP kostet und nicht mehr. Wir haben nur eine 1 Peso Note, welche wir dem Busfahrer beim Einsteigen geben, doch dieser macht keine Anstalten uns Wechselgeld zurück zu geben. Joli hat keine Nerven mehr und mag gar nicht mehr reklamieren, Beni stürzt sich in ein letztes Wortgefecht und legt sich diesmal mit dem Busfahrer an. Auf Beni’s Frage was den seiner Meinung nach die Fahrt kostet stellt der Fahrer auf stur und meint nur das stimmt schon so. Beni entgegnet dem Fahrer darauf, dass die Fahrt eigentlich 0,20 CUP kostet und er ihm noch Rückgeld schuldet. Der Busfahrer nimmt sich sogar noch die Frechheit raus und gibt Beni ein drohendes "es stimmt so oder willst du lieber laufen" auf den Weg, was Beni glücklicherweise nicht mitbekommt. Die anderen Passagiere vor und nach uns bezahlen, dann wieder die üblichen 0,20 CUP. Das wars für uns, wir schauen uns ein wenig schockiert an und sitzen mit hochrotem Kopf im Bus. Der Busfahrer hat uns doch tatsächlich das Rückgeld verweigert. Das ist wie wenn ihr in Thun am Bahnhof in den Bus steigt, dem Fahrer 5 Franken bezahlt und er den Rest behält auch wenn die Fahrt nur 2 Franken kostet, undenkbar. Wir sind ausser uns und kochen vor Wut. Wir beschliessen noch im Bus das Land vorzeitig wieder zu verlassen, diese Scheisse machen wir nicht mehr mit und unterstützen wollen wir das schon gar nicht. Joli erzählt Beni erst beim Aussteigen von der frechen Bemerkung des Buschauffeurs… Zum Glück!

 

Der Fluchtplan

Zurück in der Casa bestellen wir uns einen kleinen Snack – wir wollen weder draussen Essen noch irgendwo etwas kaufen gehen. Das Abendessen bestellen wir auch gleich hier. Und zum Glück haben wir hier noch nicht sieben Nächte gebucht…

 

Leider wie meistens funktioniert das Internet nicht um unseren Flug um zu buchen. Falls keine Umbuchung möglich ist lassen wir den Flug auch verfallen und buchen einen neuen, egal Hauptsache weg hier!


Wir organisieren über unseren Gastgeber ein Collectivo Taxi um Morgen zurück nach Havanna zu fahren. Dort wollen wir dann noch auf Jonas und Anabelle warten und dann ab zurück nach Mexiko. Als das Internet kurz funktioniert nutzen wir unsere Chance zur Flucht und setzen unseren Plan in die Tat um. Wir bringen es irgendwie zu Stande einen Flug in 4 Tagen raus aus Kuba zu buchen. Die ersten Rückflüge sind uns so was von egal, da schauen wir dann in Mexiko ob wir noch was zurück erhalten. Wir sind erleichtert und freuen uns auf ein paar zusätzliche Tage in Mexiko, freundliche Menschen und gutes Essen.

 

Nach Panama dachten wir schlimmer gehts nimmer, doch Kuba nimmt nun unseren unehrenhaften letzten Platz aller Reiseländer ein. Es ist nicht das fehlende Internet oder das eher mässige Essen. Es sind die meisten Menschen, welche einem mittlerweile mit einer Respektlosigkeit begegnen die seinesgleichen sucht. Natürlich kommt diese Haltung nicht von ungefähr, Schuld daran ist sicher der Boom 2017, als Touristen wie Heuschrecken über das Land hergefallen sind. Der Preis dafür wird langfristig ein gestörtes Verhältnis zwischen Kubanern und Touristen und auch zwischen den Kubanern sein, denn der Unterschied von Arm zu Reich ist jetzt noch viel grösser und die Verlockung mit den Touristen das grosse Geld zu machen zu gross. Wir verstehen das ja auch aber gutheissen können wir es trotzdem nicht. Nach unserer ersten Reise 2016 hätten wir Kuba sofort weiter empfohlen, diese Zeiten sind leider vorbei. Es wird für uns auch nicht wie in einem ersten Bericht erwähnt ein Drittes Mal geben um den Osten zu sehen. Wie auch das deutsche Paar schon gesagt hat, bekommt Kuba auch von uns keine Dritte Chance mehr. Das Land ist unbestritten sehr schön und hat seinen eigenen Charme aber das Negative überwiegt das Positive mittlerweile bei weitem, vor allem wenn man Kuba kennengelernt hat bevor es sich Mitte 2016 geöffnet hat. 

 

Wir sind uns bewusst das nicht jeder unsere Meinung teilt und wer vielleicht zum ersten Mal nach Kuba kommt oder nicht über die Verhältnisse dort informiert ist, findet es wahrscheinlich nach wie vor genial. Wir wagen aber zu behaupten, das wir in unseren 9 Monaten Reisen durch reichere und ärmere Länder einige Erfahrungen sammeln konnten und so was wie hier haben wir nirgendwo erlebt. 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Dorette Hegetschweiler /Mimi (Freitag, 07 Dezember 2018 19:45)

    Hallo zäme!tankä für eui schön charte�läse immer mal wieder mit grossem interesse und eme schmunzle vo euere wältreis!isch ja guet,chönd ihr spanisch!da müend ihr nöd alles glaube,womer eu seit!macheds wiiter guet���mimi

  • #2

    Benjoli (Mittwoch, 12 Dezember 2018 15:24)

    Liebs Mimi, schön das du zu üsne fliessige Läser ghörsch das fröit üs. Ja mäh muess sech mängisch chli were das isch scho so gäu ;-)