· 

Havanna II

Wir wissen, dass wir in letzter Zeit etwas negativere Berichte geschrieben haben. Nein, wir haben keinen Reisekoller aber sind einfach enttäuscht von der Entwicklung Kubas. Und wir wollen euch ja schliesslich auch nichts vormachen, ihr seid unsere treuen Leser – in guten wie in schlechten Zeiten 😉! Aber keine Angst es geht wieder aufwärts.


Wir sind zwei Wochen früher zurück in Havanna als geplant. Leider ist unser ursprüngliches Zimmer ausgebucht also müssen wir uns wohl oder übel ein anderes Zimmer suchen. Wir haben ein hübsches Zimmer mit super Aussicht. Bevor wir uns Niederlegen, machen wir aber noch einen kleinen Rundgang und suchen das Restaurant, welches uns als gut und günstig empfohlen wurde. Naja gut ist es wahrscheinlich schon aber günstig leider nicht also laufen wir noch etwas weiter. Wir sind ganz in der Nähe vom letzten Mal. Um die Ecke der Geldwechselstube, wo wir am ersten Tag bei Ankunft schon waren. Trotzdem entdecken wir ganz neue Strassen und kurz vor dem Malecón entdecken wir einen Platz wo heute wohl ein Konzert stattfindet. Es werden ganz viele Stände und eine Bühne aufgebaut. Wer weiss, vielleicht machen wir mit Jonas und Anabelle noch die Strassen unsicher, sobald die beiden gelandet sind.

 

Relativ früh sind wir in unserem Zimmer, schauen uns den Sonnenuntergang an und verabreden uns mit den beiden dann doch erst für Morgen – denn sie sind genauso müde wie wir obwohl sie einen wesentlich längeren Flug hinter sich haben als wir die Autofahrt – aber wir sind ja auch nicht mehr die jüngsten *g*. Das Konzert, dass man bis zu uns gehört hat ist sowieso auch schon wieder vorbei also können wir guten Gewissens früh Schlafen gehen.

 

Unsere Gastgeberin, respektive deren Schwester, ist aber auch nicht wirklich auf Gäste eingerichtet und feiert bis Morgens um 3 eine nette kleine Party in der Küche neben unserem Zimmer. Es wird gelacht, laut diskutiert und Musik gehört. Zahlende Gäste in einem Zimmer sind ja auch völlig irrelevant, die stören einem ja nicht. Und die können Havanna am nächsten Tag ja auch erkunden wenn sie nicht viel geschlafen haben, kein Problem. Der fehlende Respekt oder einfach die Gleichgültigkeit ist auch hier einmal mehr spürbar. Auf die Frage wie wir geschlafen haben antwortet Joli ihr am Morgen auch unverblümt: «Hätte besser sein können, zum Beispiel wenn es nicht so lärmig gewesen wäre…» Immerhin entschuldigt sie sich bei uns aber die verlorenen Stunden Schlaf bringt es uns leider nicht zurück.

Benjoli's City Tour

Die Casa von Jonas und Anabelle ist nur einen kurzen Spaziergang von unserer entfernt. Vor dem Hotel Cuba Libre gibt es das grosse Wiedersehen respektive Kennenlernen. Nach dem Bekannt machen untereinander, teilen wir uns ein Taxi zum Kapitol, wo wir den beiden eine kleine Altstadtführung durch Havanna Viejo geben. Wir kennen uns ja jetzt hier schon ganz gut aus. Natürlich gönnen wir uns auch viele Pausen, denn es ist heiss und wir verköstigen uns mit dem einen oder anderen Drink, Bier oder Häppchen. Während des ganzen Tages führen wir lustige und interessante Gespräche und tauschen uns aus, während wir die Highlights der Stadt abklappern. Wir haben uns fest vorgenommen, die Beiden nicht mit unseren negativen Erfahrungen zu überschütten, aber ein paar Tipps zum Erkennen von Preisfallen schaden sicher nicht. Wobei, das scheinbar gar nicht nötig ist. Die Beiden haben schon vom Flughafen in die Stadt um ganze 10 CUC besser verhandelt als wir.

 

Da Jonas und Anabelle noch ein wenig mit der Zeitumstellung und den hohen Temperaturen kämpfen, gönnen wir uns am späten Nachmittag eine Pause in unseren Casas und treffen uns später zum gemeinsamen Abendessen. Wir überlegen uns in den lustigen gelben Motoeiern zurück zu fahren, die sind sicher günstiger als ein Taxi. Wir fragen nach: «10 CUC pro Motoei – ihr braucht zwei, weil ihr zu viert seid.» Wir winken ab und laufen mit einem Lachanfall davon. Die spinnen doch, für den Hinweg im Taxi haben wir 4 CUC bezahlt für alle vier… Jetzt finden wir sogar ein Taxi, dass uns für 3 fährt und wir winken den Eierfahrern beim Vorbeifahren zu. Dumpfbacken.

 

Nach dem kleinen Powernap, dass wir alle machen wollten aber keiner geschafft hat, suchen wir erneut ein Taxi um in die Altstadt zu kommen. Nachdem wir ewig lange gewartet haben, geben wir uns mit einem Taxi für 4 CUC zufrieden, das für 3 war wohl ein Glückstreffer am Nachmittag. Im schönen Licht des Sonnenuntergangs bringt uns das Taxi dem Malecón entlang in die Altstadt. Wir gönnen uns zwei Runden Cocktails zum Apéro, eine davon im Café Suiza (die Schweizer sind irgendwie auch überall) um dann im Restaurant im oberen Stock zu Abend zu Essen.

 

Das Restaurant ist eigentlich mehr ein grosses Wohnzimmer mit einer schmalen Terrasse und ein paar Tischen aber uns gefällt es. Vor dem Essen spielt dann auch noch die Haus eigene Band, bestehend aus Gitarrist und Trommler und die zwei dudeln uns ein paar Lieder vor aber nicht ohne unsere Hilfe. Jonas und danach Joli müssen kräftig die Rassel schwingen und mitsingen. Zum Glück sind wir die einzigen Gäste – sonst wären wir es spätestens jetzt. Das Essen erlöst uns dann zum Glück von der anstrengenden Singer- und Rasselei und schmeckt auch noch sehr gut. Wir ziehen noch etwas um die Gassen und haben einen lustigen, gemütlichen Abend zusammen. Für die grosse Party um Jonas Geburtstag um Mitternacht zu feiern reicht aber die Energie dann doch nicht mehr und auch fürs Verhandeln mit dem Taxifahrer nicht, also zahlen wir jetzt 5 CUC. Ihr seht, man kann für die gleiche Strecke ganz unterschiedliche Preise bezahlen, je nach Energie, Zeitaufwand und Nerven - it’s up to you. Dafür muss der Fahrer noch eine Weile stillhalten, damit wir noch ein, zwei Fotos in und um sein Auto machen können.

 

Häppi Börsdei Jonas

Wir feiern den Geburtstag von Jonas beim Frühstück am nächsten Morgen und verteilen Geschenke. Wir haben noch Pesos und Internetkarten, welche wir als kleines Geschenk verpackt haben und haben auf ein Yatzy Papier eine kleine Karte geschrieben. Wir bekommen, obwohl wir nicht Geburtstag haben, ein Aromat - juhuuuu. Beni bepudert sein Sandwich von oben bis unten mit dem gelben Würzwunder.


Und dann nehmen wir leider schon wieder Abschied voneinander. Die beiden zieht es weiter nach Viñales und wir verbringen unseren letzten Tag in Havanna bevor wir morgen zurück nach Cancún fliegen.

 

Vielen Dank Jonas und Annabelle für die kurze aber lustige Zeit mit euch, wir hatten ein paar tolle Stunden und ihr habt unserem Kuba Abenteuer einen würdigen und positiven Abschluss beschert. Wir freuen uns auch in der Schweiz mal auf einen gemütlichen Abend zusammen.

Die Flucht

Um keine Aufmerksamkeit zu erregen, verschanzen wir uns den restlichen Tag in unserem Zimmer und schauen auf unserem Laptop Filme. Filme wie, The Rock, Escape Room, Bonny & Clyde und täglich grüsst das Murmeltier haben uns mehr oder weniger Mut für unsere Flucht gemacht. Wir beobachten die Strasse unter uns aufmerksam von unserem Fenster aus und einzig zwecks Nahrungsaufnahme haben wir das Haus kurz verlassen, wenn auch immer mit Sonnenbrille und mit und auf der Hut.

 

Und heute gilt es ernst. Nachdem wir Morgens unauffällig zum Frühstück aus dem Haus sind und danach unser Hab und Gut sorgfältig verpackt haben, fährt der bestellte Fluchtwagen um 13:30 vor. Wir verladen unser Gepäck und steigen ein. Mit strengem Blick und dicken runzeln im Gesicht beobachtet uns der Fahrer durch den Rückspiegel. Wir versuchen normal zu wirken sind aber nervös, uns läuft der Schweiss von der Stirn. Wird alles gut gehen? Fliegen wir vielleicht sogar auf, statt davon?! Wir haben eine Flasche edlen kubanischen Rum im Handgepäck, welche wir im Ernstfall zu einem Molotow Cocktail umfunktionieren können, sollte unsere Flucht fehlschlagen. Um unseren Mut zu stärken nehmen wir stattdessen einen kräftigen Schluck davon – lecker - und lächeln verlegen in den Rückspiegel.

Unser Fluchtwagenfahrer verwickelt uns in ein Gespräch über die Erfindung des Telefon in Kuba und die erste Eisenbahn in ganz Amerika, welche hier ihre Jungfernfahrt feierte und erzählt von unzähligen Dingen, die scheinbar in Kuba erfunden wurden. Ah ja, klar doch. Aber Internet haben sie bis heute nicht hingekriegt…?!

 

Wir nicken und hören interessiert zu bis wir am Terminal ankommen. Hier passieren wir unauffällig die Passkontrolle, lassen unsere Gesichter fotografieren und besteigen unseren Flieger in Richtung Mexiko. Geschafft wir haben Kuba erfolgreich (und vielleicht nicht ganz so dramatisch wie beschrieben) verlassen und sind wieder auf freundlichem Boden.

 

Spass bei Seite. Kuba ist unbestritten ein wunderschönes Land. Wer es aber vor seiner Öffnung Mitte 2016 kennengelernt hat, sollte es dabei belassen. Wer es noch nicht kennt und sich nicht daran stört oder es in der Regel gar nicht bemerkt, dass er abgezockt wird, der soll Kuba ruhig besuchen. Wie lange der Charme der Alten Zeit allerdings noch vorhanden sein wird – der unserer Meinung nach Kuba aus(ge)macht (hat), ist ungewiss. Denn es ändert sich sehr viel und das alles sehr schnell und inwiefern sich Kuba dann in Zukunft noch von anderen Trauminseln unterscheidet – wer weiss das schon. Die womöglich dritte Reise nach Kuba wird, wie bei dem deutschen Paar aus Cienfuegos, auch bei uns ganz bestimmt nicht mehr stattfinden.

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Anabelle (Sonntag, 09 Dezember 2018 18:54)

    So güet gschriibe und d Fotos sind der Wahnsinn!

  • #2

    Benjoli (Mittwoch, 12 Dezember 2018 15:25)

    Merci viu mau :-)