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Yosemite NP

Nach den Mammoth Lakes machen wir uns gegen Mittag von der Nordostseite her auf den Yosemite Nationalpark zu durchqueren. Wie immer werden vorher noch pflichtbewusst die Front- und Seitenscheiben geputzt und weiter geht’s mit Benjoli on the Road.

 

Unser Hotel liegt auf der Westseite des Yosemite Parks, von welcher aus wir morgen noch einmal einen ganzen Tag im Park verbringen werden. Der Weg führt uns zuerst über den Tioga Pass auf 3030 M.ü.M., wo dann endlich der Yosemite Nationalpark beginnt. Schon die Pinkelpause direkt nach dem Eingang bringt uns ein paar wunderschöne Ausblicke und danach kommt ein Aussichtspunkt besser als der andere. Wir fahren durch wunderschöne, wilde Landschaften unter einem strahlend blauen Himmel und bewundern die schöpferische und künstlerische Gabe von Mutter Natur. Die Dame hat es wirklich im Griff.

Lembert Dome

Einen etwas längeren Stopp auf der 80 Meilen langen Strasse durch den Park machen wir am Lembert Dome und kurz darauf an einem See (inkl. Sandwich Pause). Diese glatte Steilwandkurve sieht aus wie eine überdimensionale Halfpipe. Man läuft darauf zu und kommt irgendwie trotzdem nie näher ran aber der Anblick ist genial. Wir sehen eine kleine Gruppen von Tannenbäumen und entschliessen uns, dass wir langsam damit anfangen sollten Weihnachtsfotos für die Weihnachtskarten zu machen. Gesagt, getan. Wir erklimmen die riesen Halfpipe nicht, denn wir haben immer noch einen langen Weg vor uns und da hier auch Herbst ist, ist es relativ früh schon dunkel.

Olmsted Point

Ein Wahnsinns Panorama bietet sich uns am Olmsted View Point. Fels- und Steinformationen, die aussehen wie frisch geschliffen ragen ins Tal hinaus und im Hintergrund die grandiose Sicht in die Weite des Yosemite Parks. Es ist atemberaubend. Wir sind etwas über eine halbe Stunde hier und geniessen dieses Panorama. Joli versucht während dieser Zeit verzweifelt eine Lücke zwischen den Touristen zu finden um den kleinen Baum am Abhang zu fotografieren, was scheinbar alle wollen. Nur Beni versteht es nicht und meint: «Was habt ihr nur alle mit diesem Baum? Ich finde den Baum extrem störend, er steht mitten in der Aussicht?!»

Während der ganzen Fahrt bieten sich entlang der Strasse viele Möglichkeiten für Fotostopps, welche die verschiedensten Motive zu bieten haben. Dadurch brauchen wir auch ohne eine Wanderung oder längere Pausen eine gefühlte Ewigkeit um einmal quer durch den Park zu fahren.

 

Wir sehen und riechen sogar zwei aktuelle kleinere Waldbrände im Park und fahren einmal durch ein kurzes Gebiet, dass uns mit vielen Schildern zu verstehen gibt, dass wir hier nicht anhalten dürfen – was den Reiz umso grösser macht, dass kennt wohl jeder. Aber wir sind brav und fahren durch und sogar Joli verzichtet trotz dem Drang Fotos zu machen darauf das Fenster runter zu kurbeln. Wir lesen auch regelmässig irgendwo, dass dieser Waldbrand schon gemeldet und unter Kontrolle sei und man einfach durchfahren aber nicht anhalten soll. Was wir nicht gewusst haben, scheinbar erhalten auch Waldbrände, wie zum Beispiel Stürme einen Namen.

 

Viele kleinere und grössere Seen und Flüsse, sowie fantastische Panorama Ausblicke säumen die Strasse. Das macht Lust auf mehr und wir freuen uns morgen noch ein paar weitere Spots in diesem Park sehen zu können.

 

Yosemite Bug

Wir haben ein Zimmer irgendwo im Nirgendwo gebucht. So nah wie möglich beim Park aber noch in der Kategorie bezahlbar. Wir haben zuerst über ein Zelt nachgedacht, aber dann nach einem Kommentar über kälte empfindliche Menschen (welcher auch im Oktober geschrieben wurde) auf das Doppelzimmer mit geteiltem Bad gewechselt. Es ist eine grosse Anlage, erinnert irgendwie an eine der Anlagen, wo in amerikanischen Filmen jeweils die Sommerlager oder so stattfinden, mit Zelten und Häuschen, einem Hauptgebäude mit vielen Tischen und Verpflegungsmöglichkeit, einem Lagerfeuer, usw. Joli fühlt sich sowieso seit der Ankunft in Amerika dauernd wie in einem Film also passt das doch hervorragend.

 

Wir bekommen das abgelegenste Häuschen ganz unten im Wald. In der Ecke des Balkons steht ein kleiner Topf. «Guck, wie süss ein Honigtopf für die Bären.», meint Beni. Haha, sehr witzig. Joli macht sich ein wenig Sorgen um unsere Kühltasche mit allerlei Snacks, welche wir in unserem Zimmer lagern. Überall wird man darauf hingewiesen keine Esswaren über Nacht im Auto zu lagern, weil sonst die Bären sich daran zu schaffen machen könnten. Wir waren schon nicht sicher ob die Krümel die Lu jeweils verteilt hat (er hat immer nach dem einsteigen ins Auto Hunger bekommen – immer – auch wenn wir gerade gegessen haben – faszinierend) allenfalls schon reichen um die Bären anzulocken – denn man soll in der Nacht sogar die Kindersitze in den bärensicheren Containern einschliessen haben wir gelesen (die werden wissen wieso?!). Wie ist denn das im Zimmer?! Zumal wir nicht das ganze Nachtessen aufessen und den Rest der intensiv duftenden Käsemakkaroni mit ins Zimmer nehmen… Naja, die letzte Pinkelpause vor dem Schlafen, danach die Türe gut verschliessen und in der Nacht ganz sicher nicht auf den Balkon raus und zur Toilette gehen – nein, nein, nein!

 

Glücklicherweise gab es keinen unerwarteten nächtlichen Besuch. Die Nacht in unserem urchigen Hotel mitten im abgelegenen Wald war gut. Die Heizung herrlich. Am nächsten morgen früh ist der Hunger zwar noch nicht gross, aber ein leckeres Schinken & Käse Omelett mit gebratener Rösti To Go, aus dem Restaurant muss noch mit auf den Weg. Beni versteht das liebe Joli manchmal nicht. Ein paar Snacks in einer Kühltasche im Zimmer bereiten ihr Sorgen, aber ein frisches duftendes Omelett mit Rösti im Auto durch den Park spazieren fahren ist okay…

 

Yosemite Valley

Als erstes fahren wir heute durch das Valley wo wir auch das Visitor Center besuchen wollen. Wir steigen an einigen Orten kurz aus, sehen einen kleinen Wasserfall von weitem und Joli läuft sogar kurz etwas am Flussufer entlang während Beni eine Pinkelpause macht, aber fühlt sich so ganz alleine im Wald irgendwie unwohl. Es ist noch früh morgens und kaum Menschen sind hier – aber vielleicht Bären…?!

 

Wir fahren weiter und begegnen prompt einem Waldbewohner. Es ist allerdings ein Reh und kein Bär.

 

Das Visitor Center ist ganz hinten im Tal. Leider ist dieses zu finden nicht ganz einfach, es ist alles ziemlich unübersichtlich hier im Yosemite Dorf. Vom Parkplatz aus laufen wir dann erstmals 15 Minuten zum Visitor Center. Auch die Infos, welche wir dann erhalten sind zwar freundlich aber nur dürftig erklärt. Also lesen wir die Beschriebe zu den Wanderungen selber nochmals durch. Die Wanderung, für welche wir uns anhand des wirklich gut klingenden Beschriebs entscheiden beginnt direkt beim Visitor Center – toll. Wir haben natürlich alles im Auto gelassen. Also nochmals zurück und dann nochmals in dieselbe Richtung – Beni ist schon zum ersten Mal etwas grummelig – er hasst es zwei Mal denselben Weg zu gehen. Die Wanderung ist dann auch nur ein Spaziergang. Wir laufen einmal quer über den Talboden, im Prinzip innerhalb der Ringstrasse, die wir vorher bei den Anfahrt abgefahren sind. Man sieht zwar alles was, was im Beschrieb steht aber wenn wir gewusst hätten, dass es dasselbe ist wie wir vom Parkplatz aus sehen resp. was auf der Rundfahrt schon gesehen haben, hätten wir uns die Zeit wohl gespart.

 

Etwas enttäuscht und ziemlich durchgefroren, beschliessen wir dem Tal bereits jetzt den Rücken zu kehren und die andere Strasse aus dem Park hinaus ab zu fahren. Dort sollten wir noch an einigen guten Spots vorbei kommen. Viele Wanderungen im Tal sind vor allem aufgrund der schönen Wasserfälle empfehlenswert, leider sind diese im Herbst grösstenteils komplett ausgetrocknet, daher versuchen wir gar nicht erst eine weitere «Wanderung».

 

Bridalweil fall

Auf der Fahrt nach Süden kommen wir als erstes am kurzen Spazierweg zum Bridalveil Wasserfall vorbei. Den machen wir natürlich. Leider scheint dieser angebliche "Wasserfall" Prostata Probleme zu haben, denn das Wasser tröpfelt eher vom Berg als das es die Bezeichnung Wasserfall verdienen würde. Zudem ist es derselbe Wasserfall, denn wir heute Morgen bei der Rundfahrt schon gesehen haben. Mist aber auch.

 

Obwohl überall Schilder stehen, dass man nicht auf die Felsen klettern soll, sehen wir bis hoch in die Wand hinauf wagemutige Dumpfbacken herum krakeln. Das einzig Gute daran ist, dass wir so den Vergleich haben wie gewaltig gross diese Felswand ist und wie klein wir eigentlich sind. Als eine der Damen zurück geklettert kommt und direkt vor dem Schild «nicht Klettern» auf ihrem nicht unbedeutend grossen Hintern landet, können wir uns ein Lachen nicht verkneifen und machen uns auf den Rückweg.

 

Hier eine kleine Anmerkung. In diesem Fall hier sehen wir zwar nur einen toten Baumstamm, welcher mit Inschriften, Initialen, Herzen und Sprüchen vollgeritzt ist, aber wir haben leider schon viele Steine, Felsen, Ruinen und andere, nicht tote Bäume gesehen, die so von lieben Menschen «verschönert» wurden. Lasst den Scheiss! Es interessiert niemanden ob und wann und mit wem ihr hier wart! Niemand wird je den ganzen Baumstamm lesen, eure Inschrift sehen und wissen das ihr es wart die das hinterlassen habt. Also lasst es! Und wenn ihr euch der ganzen Welt mitteilen wollt, dann gibt es dafür heute das liebe Internet mit Facebook, Twitter, Snapchat, usw. wo ihr ein wunderschönes (oder auch nicht) Selfie von euch posten könnt und alle (die es auch wirklich interessiert) sehen können wo ihr wart. Also lasst Bäume, Felsen, Wände, Türen, etc. in Ruhe und verschont die Welt und unsere Augen mit eurem Gekritzel!

Tunnel View

Einen Tunnelblick zu haben ist nicht immer negativ. Nächster Halt, Tunnel View. Wir kommen zwar von der falschen Seite und gehen erst nach dem Aussichtspunkt in den Tunnel rein aber die Sicht ist trotzdem fantastisch.
Aus der Höhe haben wir hier ein Wahnsinns Panorama und eine weite Sicht auf das Yosemite Valley. Und es ist wieder einmal Zeit für eine Sandwich Pause – der perfekte Ort dafür.  

 

Glacier Point

Der Glacier Point ist eine im Park liegende Bergspitze, welche man mit dem Auto in einer Stunde erreicht. Wir hätten auch vom Valley aus hoch wandern können inklusiv einem weiteren Gipfel und so einen Rundweg gemacht aber auf unserem super Plan stand 8 Stunden für den Rundweg und so viel Zeit haben wir leider nicht – schön blöd. Also fahren wir hoch. Wir biegen von der nach Süden führenden Strasse ab und nehmen diesen Umweg in Kauf, irgendwie müssen wir doch den heutigen Tag noch aufwerten können. Zudem kann man von hier aus noch ein paar kleinere Wanderungen auf die umliegenden Gipfel machen – das haben wir vor.

 

Die Fahrt nach oben führt uns auch hier vorbei an riesigen Abschnitten mit verbrannten Bäumen wo einst Feuer wütete. Und schon bei der Anfahrt sehen wir ein paar Mal ein geniales Panorama. Wow.

 

Die Aussicht vom Glacier Point ist dann schon ziemlich cool. Man sieht auf den Half Dome, ein Berg, welcher quasi wie in der Mitte abgeschnitten wirkt und auch über das gesamte Valley hinweg. Leider ist der Ort total überlaufen von Touristen was den Spass ein wenig trübt aber so ist das halt an allen Orten wo die Faulen (wir inklusive) direkt hinfahren können. «Zum Glück sind wir nicht gelaufen. Was für eine Enttäuschung, nach so einem Marsch an einen Ort zu kommen, der überlaufen ist und mit dem Auto erreichbar gewesen wäre – stell dir vor!», meint Beni. Jaja, da hat er nicht ganz unrecht. «Ja und zudem haben wir ja nicht ein Auto gemietet um zu laufen.», ergänzt Joli.

 

Aber auch hier: der Leichtsinn vieler Menschen ist immer wieder schwer zu verstehen. Viele denken wahrscheinlich die Absperrungen seien zum Spass installiert. Und so sieht man reihenweise Menschen ja sogar Familien mit Kindern, welche sich für Fotos bis an den Abgrund stellen, coole Sache solange es dann nicht das letzte Foto wird. Wir finden unser Leben auch ohne solche Fotos ziemlich aufregend und freuen uns auf viele weitere Erlebnisse. Zudem wenn man etwas fotografisches Geschick hat bringt man solche Fotos auch hin ohne das man sich in Lebensgefahr begibt.

Beni hat genau zu diesem Thema zwei Tage später zufällig einen Artikel gelesen. Titel 20 Minuten: «Blogger Paar stirbt nach Sturz von Aussichtpunkt». Viele Erlebnisse die diese beiden nicht mehr erleben werden. Und das nur für ein Foto?! Geschehen ist es im selben Park bei einem Aussichtpunkt ganz in der Nähe vom Glacier Point, dem Taft Point. Dort hat es allerdings keine Absperrungen wie hier beim Glacier Point, aber auch wenn es sie gehabt hätte – es interessiert ja doch keinen, denn auch hier klettern die Leute einfach darüber hinweg. So tragisch es auch ist, selber schuld. Und Kritiker die meinen, dass man Absperrungen machen muss und der Park schuld hat – das sehen wir nicht so. Wir haben jetzt oft genug gesehen, dass Absperrungen solche Leute einfach nicht interessieren.

 

Während Joli sich über «diesen blöden Globi» aufregt, der ihr schon wieder im Bild steht, weil er über die Absperrung geklettert ist, machen wir Bekanntschaft mit einem Schweizer Pärchen, das sich bemerkbar macht indem sie meinen, dass es leider überall solche Globis gibt. Wir kommen ins Gespräch. Sie sind hoch gelaufen vom Tal aus. 2 Stunden haben sie gebraucht und runter schaffen sie es in 1.5 meinen sie. 8 Stunden sei völlig übertrieben ihrer Meinung nach. Entrüstet über die falsche Info auf dem Wanderzettel, denken wir, dass wir es mit der korrekten Information auch hätten machen können.

 

Naja, das denken wir nicht lange. Die beiden sind im Kletterurlaub und gehen jeden Tag in einem anderen Nationalpark stundenlang klettern. Heute haben sie eine Wanderung am Vormittag und diese gegen Mittag gemacht. Im Yosemite klettern sie nicht, das ist ihnen zu heftig. Heute ist ihr Ruhetag, deshalb sind sie respektive werden sie nur ca. 8 Stunden wandern statt klettern. Jaaaa, jetzt sieht es schon wieder ganz anders aus. In dem Fall hätten wir garantiert 8 Stunden gebraucht!

Fresno

In Fresno haben wir ein Apart-Zimmer für eine Nacht gemietet. Völlig genervt kommen wir an, weil wir seit einer Ewigkeit rumfahren und es einfach nicht finden. Es ist ein langer doppelstöckiger Bau in einer komischen, finsteren Gegend umgeben von riesigen Parkplätzen und Einkaufszentren. Die Nachbarn stehen im oberen Stock auf dem Korridor, rauchen, hören Musik und beobachten uns Neuankömmlinge. Komische Gestalten. Nach dem einchecken wollen wir noch Essen gehen. Joli packt zu Beni’s Verwunderung die kleinen Rucksäcke wieder ins Auto bevor wir losfahren. «Dieser Ort ist mir nicht geheuer. Da habe ich meine sieben Wertsachen lieber im Auto in der Nähe!» Wir gehen noch kurz einkaufen und danach gibt es zum Abendessen ein richtig leckeres Steak in einem Outback Steakhouse, bevor wir uns schlafen legen – nachdem wir die Tür doppelt abgeschlossen und mit einem Stuhl zusätzlich verriegelt haben!

 

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