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Zion Nationalpark

Wir gehen clampen. Ihr erfahrt noch früh genug was das wieder für ein neumodischer Quark ist. Die heutige Nacht verbringen wir im Zion Nationalpark. Diese spezielle Übernachtung inkl. Abendessen & Frühstück haben wir uns mit dem Kleine Freuden Beitrag von Brigitta & Markus Hegetschweiler finanzieren können. Vielen herzlichen Dank dafür.

Die Nacht in St. George war super, es gab keine Halloween Überraschungen und das Frühstück war gut jedoch spannend. Auf dem ersten Foto könnt ihr Würstchen und Eier sehen – Benis Frühstück. Joli hat sich geweigert etwas zu essen, dass mit A angeschrieben ist aber wie B aussieht. Wahrscheinlich haben sie die Würstchen und Eier zuerst überfahren lassen, anders lässt sich die Form nicht erklären. Und auch die Butter ist etwas unsicher was sie denn jetzt sein soll: Geschlagene, süsse, cremige Butter – gesalzen. Ja was denn nun? Ein klassisches All-in-One-Produkt. Aber die Cornflakes und die üblichen Bagels mit Philadelphia Frischkäse sind super.

 

Der Start in den Tag ist gelungen. Wir fahren Richtung Zion Nationalpark. Auf dem Weg kommen wir an einem kleinen filmreifen Wildwestdörfchen vorbei. Umkehren und genauer anschauen. Es ist ein riesiger Souvenir Shop mit Café im Stil eines kleinen Dörfchens. Sieht mega lustig aus und mit dem Berg im Hintergrund könnte es glatt eine Filmkulisse sein.

 

Weiter geht’s. Am Visitor Center im Zion Nationalpark ist der Parkplatz schon zu früher Stunde sehr gut besetzt. Wir erkundigen uns über die Möglichkeiten im Park und stellen fest, dass hier die Saison noch nicht vorbei ist und wir den Shuttle nehmen müssen. Mit dem Auto kommen wir nicht weiter. Ein grosser Teil in diesem Park kann nur mit dem Shuttlebus befahren und zu Fuss erkundet werden. Für Beni eine willkommene Abwechslung auch mal chauffiert zu werden, denn Stand heute ist Joli noch keine einzige Meile gefahren. Was jetzt hier wie ein Vorwurf klingt wollen wir doch einmal wortwörtlich durch spielen: B: «Willst du mal fahren?» J: «Muss nicht unbedingt sein, ich fahre nicht so gern.  Muss ich?» B: «Nein, ich fahre gern. Dachte nur ich frage mal.» J: «Ich kann schon. Soll ich?» B: «Nein, nein. Ich fahre. Sicherheit geht vor!» Genau so läuft das Gespräch jeweils ab - danke für die Kenntnisnahme.

 

Court of the Patriarchs

Wir haben uns für heute zwei Wanderungen vorgenommen, einmal auf einen Gipfel rauf (Start bei Parkplatz) und einmal zu einem Wasserfall. Zuerst vollen wir den Wasserfall machen und den Canyon mit dem Shuttle abfahren in der Hoffnung, dass es bis dahin etwas wärmer wird. Es ist nämlich saukalt.

 

Mit dem Bus fahren wir jetzt erst einmal den ganzen Weg bis an die Endstation ab. Das ist auf jeden Fall der Plan. Aber die vier jüngeren Herren auf der Rückbank, die denken, dass die Welt ihnen alleine gehört und schon früh am Morgen den ganzen Bus mit ihrem ach so schönen Gesang und Gequatsche unterhalten, gehen uns so auf den Keks, dass wir bei der vierten und ersten sinnvollen Station reiss aus nehmen und aussteigen. Hier hat es einen kleinen Aussichtspunkt, welchen wir besteigen und danach den nächsten Bus bis Endstation nehmen. Wo der andere leer war ist dieser jetzt zum bersten voll und wir müssen stehen. Egal. Hauptsache die Quatschköpfe sind weg.

 

An der Endstation wartet der Bus eine Weile. Ein älterer Herr kommt rein, nimmt das Namensschild des Chauffeurs weg und raunt uns zu: «Na was denkt ihr wie hiess der alte Chauffeur wohl?» und zeigt auf den Namen. Offensichtlich ist er der neue Chauffeur – aber sein Namensschild hängt er nicht hin. Komischer Kauz. Endlich fahren wir los. Zum Glück haben wir den anderen Bus verlassen und sind nun in diesem hier. Wir haben hier einen richtigen Entertainer Chauffeur im Bus. «Happy All Saints & happy Halloween! Welcome to my bus of horror! Muahaha!» dröhnt es durch das Mikrofon. Die Fahrt bis zu nächsten Station ist auf jeden Fall extrem unterhaltsam und lustig.

 

Big Bend

Für den Rückweg haben wir uns dann zwei Stopps ausgesucht die wir etwas näher begutachten wollen. Beim ersten, dem Big Bend, stehen wir inmitten dieser riesigen roten Felsen. Wir laufen runter in die Schlucht und an uns führt ein kleiner Fluss vorbei. Die Bäume in den schönsten Herbstfarben, die roten Felsen und der strahlendblaue Himmel sind wunderschön. Wir haben ein geniales Panorama und das alles ganz für uns alleine.

 

Zurück an der Bushaltestelle fährt der Shuttle einfach an uns vorbei. Wir sind extra noch gerannt und er hat uns auch gesehen, hatte aber wohl keine Lust zu bremsen und angedeutet der nächste Bus sei direkt hinter ihm. Ja, war er auch, einfach die 15 Minuten, die jeweils zwischen zwei Bussen liegen. Haha.

 

Es ist immer noch bitterkalt und die Sonne hat den Talboden noch nicht erreicht. Wir beobachten das Ende des Angels Landing Trails, einer der berühmtesten Trails im Park, können aber aus der Ferne keine kleinen menschlichen Punkte ausmachen. Dafür hängen an der gegenüberliegenden Wand ein paar Kletterer rum. Joli wird schon schlecht beim Hinschauen.

 

Emerald Pools

Der zweite Stopp führt uns an die Lower Emerald Pools. Der Fahrer fragt durchs Mikrofon ob hier jemand aussteigen will und grummelt etwas vor sich hin als wir ja rufen. Kein Wunder, dass man zum Teil lange auf einen Shuttle wartet, wenn sie einfach nicht anhalten oder gar nicht am Stopp vorbei fahren…

 

Eigentlich wollten wir bis zu den oberen Emerald Pools laufen aber der Wanderweg ist ab den Lower Emerald Pools aufgrund eines Felssturzes gesperrt. Diese Pools sind natürliche Wasserbassins, welche durch einen Wasserfall gespeist werden. Auf dem Park Plan ist die Wanderung mit einer Stunde angegeben, wir benötigen etwa 40 Minuten hin- und zurück und haben es sehr gemütlich genommen. Zudem ist der erste Teil auch mehr ein Spaziergang. Aber ein sehr schöner. Wir überqueren die Brücke und bestaunen den Fluss und sein mit buntem Herbstlaub geschmücktes Ufer.

 

Am anderen Ende der Brücke ist ein Reh genüsslich am Gras futtern, sucht aber dann schnell das Weite als die ersten Touristen dem armen Tier das Handy fast ins Nasenloch stossen um ein gutes Bild zu bekommen. Kauft euch doch eine Zoomkamera oder lasst das Fotografieren ganz sein. Ein Wunder, dass es noch keinen Artikel gab mit dem Titel: «Armes, wildes Tier irrtümlich von Touristen mit Selfie Stick erschlagen.»

 

Wie schon im Yosemite sind auch hier die Wasserfälle nur noch etwas am tröpfeln. Mit den knallbunten Blättern und Felsen, sowie dem wolkenfreien Himmel ist der Anblick aber auch mit nur ein paar Tropfen fantastisch.

 

Zurück bei der Busstation, kaufen wir uns im Café eine heisse Schokolade und geniessen unser Sandwich. Die Schokolade ist sogar inklusiv Refill und so nehmen wir noch eine mit auf den Weg zurück zum Visitor Center.

Mount Carmel Highway

Die Zeit vergeht wieder wie im Flug. Wir haben jetzt die Wahl zwischen einer zwei Stunden Wanderung, dem Watchman Trail oder wir machen die Fahrt über den Mount Carmel Highway, welcher spektakulär sein soll. Eigentlich fahren wir diese Strecke Morgen sowieso, aber wenn wir sie mit Stopps fahren, brauchen wir viel länger um zum Bryce Canyon zu kommen. Zudem ist es immer noch bitter kalt. Das Auto (und die Sitzheizung) gewinnt. Dieser Scenic Drive ist bisher einer der schönsten der Nationalparks. Die rote Felsenschlucht, durch welche sich diese Strasse schlängelt ist sensationell. Die Felsformationen und auch die Strasse schimmern in leuchtendem Rot. Mitten drin immer wieder die knallgelben und roten Laubbäume. Wahnsinn. Die Fahrt dauert über eine Stunde, aber mit unzähligen Foto Stopps. Dabei durchqueren wir auch ein ziemlich langes finsteres Loch, einen Tunnel. Wir hatten schon nicht mehr daran geglaubt, dass die Amis Tunnel bauen können.

Under Canvas

Dann ist es Zeit unsere Unterkunft anzusteuern. Wir haben uns etwas aussergewöhnliches ausgesucht und wollen deshalb ausnahmsweise auch schon um 15:00 einchecken und nicht erst spät abends. Es die bisher teuerste Unterkunft, die wir uns geleistet haben. Wir schlafen hier hoch oben mitten im Nationalpark in einem Zelt. Richtig gehört. Unsere teuerste Unterkunft ist ein Zelt. Bescheuert? Ja vielleicht ein bisschen. Aber ihr kennt Beni mittlerweile ein bisschen. Es ist nicht einfach ein Zelt. Under Canvas nennt sich dieses im Zion Nationalpark (resp. etwas ausserhalb der Parkgrenzen) abgelegene kleine Zelt Dorf an einem Berghang. Die Reception und das Restaurant sind beide ebenfalls in einem grossen Zelt untergebracht. Beim Check-In erhalten wir dann gleich ein Upgrade. Gebucht hatten wir mit externem Gemeinschaftsbad. Da die Gemeinschaft aber fehlt, es sind nur eine Handvoll Gäste da, erhalten wir eines der Zelte mit integrierter Dusche / WC. In diesem kleinen Bijou steht ein grosses Doppelbett ein kleiner Holzofen und zwei Stühle im und vor dem Zelt, richtig gemütlich. Deshalb heisst das Ganze hier auch Clamping und nicht Camping. Es ist etwas glamouröser als einfach nur campen.

Kolob Canyon

Nach einer Runde Selfies vor und ums Zelt, setzen wir uns nochmals ins Auto. Die Landschaft hat bei der Anfahrt so vielversprechend ausgesehen, dass wir uns das noch etwas genauer anschauen wollen. Nach einigen Metern sind wir schon wieder im Zion NP, dieses Mal im Kolob Canyon, welcher nicht minder schön ist als sein Bruder von heute früh.

 

Dann haben wir aber Hunger. Wir studieren die Menu Karte und Beni meint: «Damit es mit dem Budget aufgeht, gibt es entweder heute Abend zwei Menus oder nur eines und dafür darfst du Morgen noch ein Frühstück haben.» Pah! Der Hamburger mit Pommes und Salat ist super lecker. Wir sind positiv überrascht und lassen es uns schmecken.

 

Der Sonnenuntergang

Rechtzeitig zum Sonnenuntergang fahren wir nochmals etwas in Richtung Kolob Canyon. Der Sonnenuntergang hinter den Bergen ist dann aber ziemlich unspektakulär und wir fahren schnell wieder zu unserem Zelt zurück. Wir müssen noch einheizen.

 

Joli ist aber überzeugt, dass der Sternenhimmel hier der Hammer sein muss. Nachdem der Holzofen eingefeuert ist – Beni hat Feuer gemacht! - stehen wir bibbernd vor unserem Zelt und starren in den klaren Nachthimmel. Wunderschön, wie viele Sterne man hier fernab der Zivilisation sehen kann. Da wir in der San Pedro de Atacama Wüste keine Glück mit dem Wetter und dem Vollmond Timing hatten, geniessen wir es hier umso mehr auch wenn es nicht ganz so extrem ist wie dort, ist es doch wunderschön. Nachdem wir eine Sternschnuppe gesehen haben und uns langsam unsere Nacken schmerzen wollen wir wieder rein in die warme Stube.

 

Beni hat jedoch die glorreiche Idee unsere Licht Fotos zu wiederholen, die wir schon in Island geübt haben. Mit unserem gesamten Fotoequipment vor unserem Zelt machen wir uns ans Werk. Wir versuchen mit der Taschenlampe zu Schreiben und zu Zeichnen und als wir keine Lust mehr haben (ist nicht ganz so einfach), werden wir noch etwas kreativer. Vor dem leuchtenden Zelt legen wir ein Schatten- und Licht- Theaterspiel der Extraklasse hin. Hoffentlich beobachtet uns keiner. Wir lassen die Fotos für sich sprechen.

 

Danach legen wir uns ziemlich kaputt in unserer Zeltsauna schlafen. Obwohl wir die Dusche ja jetzt im Zelt haben, lassen wir das heute sausen, denn obwohl es cool aussieht ist es leider total unpraktisch (und auch nicht so sauber geputzt wie wir das gerne hätten). Da sich alles im selben Raum befindet wird einfach alles nass – also in erster Linie bei Beni – denn er muss sich beim Duschen entfalten können, meint er immer und ein fehlender Duschvorhang hemmt ihn einfach extrem. Da Joli die Bettseite bei der Dusche hat, stimmt sie ihm zu, dass er es besser sein lässt, denn ein Wasserbett hat sie nicht gebucht. Tja und wenn Beni müffelt muss Joli auch – «Wir teilen schliesslich auch sonst immer alles.», meint Beni… Jajaaa, also Katzenwäsche muss genügen. Beni wird langsam ein richtiger «Reisender». Am Anfang sagte er immer: «Ich bin Tourist, kein Reisender. Ein Flashpacker, kein Backpacker. Massenschlag? Ein T-Shirt 2x anziehen? In einer Unterkunft übernachten wo man nicht duschen kann? Geht ja gar nicht!» Und jetzt sieh mal einer an, was daraus geworden ist.

Der Sonnenaufgang

Die Nacht war etwas kalt und der Ofen am Morgen aus. Aber wir haben gut geschlafen und stehen früh auf. Die Sterne stehen immer noch am Himmel und man sieht schon das erste bisschen Licht hinter den Bergen. Nach einem Müsli zum Frühstück (Joli hatte so Hunger, dass sie das Foto ganz vergessen hat – es war ein sehr hübsches Müsli), fahren wir auch schon los und schauen uns den Sonnenaufgang an. Niiiiiicht! Wir warten und warten und warten. Da passiert einfach nichts. Irgendwann verlieren wir die Geduld und fahren los.

 

Das Clamping war eine coole Erfahrung. Aber ganz ehrlich, dafür das es die teuerste Unterkunft war, hat sie definitiv nicht am meisten geboten. Aber wir haben schon öfters festgestellt, dass man für Spezielles einfach mehr bezahlt. Ob es dann auch wirklich besser ist, sei dahin gestellt. Wir haben es auf jeden Fall sehr genossen und es war einmal etwas anderes, eine super Abwechslung. Auch die internetfreie Zone und der Abend vor dem Zelt unter dem Sternenhimmel war eine gelungene Abwechslung zu unseren üblichen «Feierabenden» im Zimmer vor dem Laptop. Dauerclamper werden wir aber definitiv nicht werden.

 

Merci viu mau für die schöne Erfahrung.

 

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Kommentare: 2
  • #1

    B. Hegetschweiler (Samstag, 05 Januar 2019 14:45)

    Wunderschöni Fotos, eifach Hammer!!
    Muntsch Mummy

  • #2

    Benjoli (Samstag, 12 Januar 2019 16:18)

    Merci viu mau :-)