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Slot Canyons

Canyon X

In der Gegend um Page sind ein paar einzigartige Slot Canyons (lange, schmale, tiefe, herausgewaschene Sandsteinschluchten), welche wir uns anschauen wollen. Wir haben viel recherchiert und wissen eigentlich nicht viel mehr als vorher. Ausser eines; Joli weiss jetzt wo das Bild, dass sie beim Konfirmationsunterricht als Geschenk zur Konfirmation ausgesucht hat, aufgenommen wurde – das muss in so einem Canyon gewesen sein.

 

Es gibt viele Anbieter für den Upper und einige für den Lower Canyon. Aber nur wenige die übers Internet buchbar sind. Auch gibt es noch einige andere Canyons zu entdecken, die in einer Kombo Tour angeboten werden aber allerdings mit horrenden Kosten verbunden sind. Beni meint, soviel können diese Steine dann wohl doch nicht Wert sein. Trotzdem, für den berühmten Upper Antelope Canyon haben wir uns Tickets im Voraus gesichert, denn der war für die Tage wo wir in Page sind schon fast komplett ausgebucht, zudem haben wir gerade eine Spende von Placido José Meseguer erhalten, die wir perfekt dafür einsetzten können, vielen Dank.

 

Auf der Fahrt nach Page geht Joli nochmals etwas recherchieren und findet noch einen anderen Canyon, der bisher nirgendwo erwähnt wurde aber als guter Ersatz für den Lower Antelope Canyon angepriesen wird – der X Canyon. Der Beschrieb ist begeisternd und der Canyon soll schöner sein, als die beiden Antelope Canyons. Joli meint, dass wir vielleicht die Kleine Freude vom Upper Antelope Canyon (der als total überfüllt und touristisch beschrieben wird) besser auf den X Canyon umbuchen sollten. Mal abwarten. In diesem Blog von Dezember 2017 ist noch die Rede von einem absoluten Geheimtipp ohne Touristen.

 

Obwohl es keine genaue Adresse gibt, sondern nur den Kilometerpunkt 308 am Highway 98, finden wir den Parkplatz sofort. Wir haben Glück, die nächste Tour geht in 5 Minuten los und zwei Plätze gibt es auch noch. Der Preis ist stolz für diese 1.5 Stunden geführte Tour durch den Canyon. Nur einen Hauch weniger als die Upper Antelope Canyon Tour. Zumindest der Preis ist auf jeden Fall kein Geheimtipp mehr. Und auch der Parkplatz scheint uns doch ziemlich gut gefüllt.

 

Mit 6 weiteren Touristen quetschen wir uns in einen kleinen Kombi, welcher uns in 10 Minuten quer durch die Wüste zum Canyon fährt. Dann geht es rund 50 Meter einen sehr sandigen Weg hinunter direkt vor den Eingang des Canyons. Oben beim Parkplatz stehen noch 5 andere Jeeps, die Gruppen verlassen jedoch gerade den Canyon als wir runterkommen. Super.

 

Wir laufen zuerst zu einem zweiten Canyon der etwas weiter hinten ist und haben diesen mit unserer Gruppe ganz für uns alleine. Unser Guide ist aber gelinde gesagt eine Pfeiffe. Mehr als: «Da ist der Canyon, nehmt euch Zeit.» ist wohl nicht drin bei der Dame. Uns solls recht sein. Wir wollen in erster Linie tolle Fotos machen. Durch einen schmalen Spalt im Fels betreten wir eine andere Welt. Wir befinden uns in einer engen, sandigen aber wunderschönen (Fels)spalte (die Klammern um «Fels» sollen nur Benis schelmische Gedanken bei diesen Satz unterstreichen). Der rote Sandstein ist von Wind und Regen völlig glatt geschliffen und erzeugt die unterschiedlichsten Windungen und Winkel und das einfallende Licht die schönsten Farbtöne. Staunend laufen wir durch die engen, steilen Felswände und bewundern das Werk von Mutternatur.

 

Oben ist der Canyon offen, auch wenn man den Himmel nicht immer sieht und oft kann man auch Beams (Lichtstrahlen) sehen, die in den Canyon fallen dafür muss man jedoch zur richtigen Tages- und Jahreszeit hier sein. Sind wir nicht, macht aber auch nichts. Schon so ist das Fotografieren eine Herausforderung, denn viel Licht hat es nicht in dem sich windenden Canyon aber dafür viele, harte Kontraste und ein Stativ darf man nur bei der Fotografen Tour benutzen – jedenfalls ist es bei den Antelope Canyons der Fall, daher haben wir unseren Stecki (das Mini Stativ, dass eh nicht viel gebracht hätte) nicht mitgenommen. Zudem ist bei der Fotografentour auch eine Systemkamera Pflicht und der Preis ist 3x so hoch – entsprechend hätte nur einer von uns gehen können, denn obwohl wir mehrere Kameras haben, haben wir doch nur eine Systemkamera dabei. Machts nichts.

 

Wir haben auch unsere Tricks wie es ohne Stativ geht und haben jede Menge Spass am Fotografieren hier drin. Jetzt geht es noch zum eigentlichen X Canyon. Joli fragt den Guide wo den das X zu sehen sei, dass dem Canyon den Namen gibt. «Es gibt ein X?!» OMG diese Dame ist echt im falschen Job. Joli findet es zum Glück selber. Dieser Canyon ist viel kürzer als der Erste und somit ist der Spass leider schon bald vorbei. Wir haben sicher eine Million Fotos gemacht und den Anblick und vor allem, dass Glück die Einzige Gruppe zu sein sehr genossen. Als wir zurück laufen kommen uns gerade wieder einige Gruppen entgegen und oben stehen erneut 5 Jeeps. Glück gehabt.

Wir schnappen uns noch die gratis Wasserflaschen die inklusive sind obwohl wir noch viel Wasser dabei haben aber Beni nennt das den Payback etwas aufbessern, für den hohen Preis und den schlechten Guide.

 

Wir haben schon oft gesagt, dass die Foto nicht annähernd das Bild wieder geben können wie es in Wirklichkeit aussieht, denn meistens ist es noch viel schöner. Hier ist es ausnahmsweise einmal umgekehrt. Die Farben des Canyon sehen in Natur nicht wirklich so leuchtend aus wie auf unseren Fotos (die unbearbeitet sind). Das liegt unter anderem an der Belichtungszeit, die die Farben viel leuchtender macht. Wir machen, dann noch ein Beispiel, wie es in etwas von Auge ausgesehen hat vs. ein Foto mit längerer Belichtung.

 

Joli ist begeistert von diesem Naturwunder und unseren Fotos. Beni fand es zwar cool und schön, jedoch stimmt für ihn das Preis- / Leistungsverhältnis überhaupt nicht. Unser Tourguide hat keinerlei Infos zum Canyon erzählt und war nur als Aufpasser präsent. Für dasselbe Geld können wir mit dem Jahrespass alle USA Nationalparks ein Jahr lang besuchen so oft wir wollen und die Infrastrukturen dort sind absolut vorbildlich. Um es auf den Punkt zu bringen, Eintrittspreis verlangen ist ok, aber etwas weniger wäre völlig genug. Joli sieht das ein bisschen anders – ok der Preis dürfte etwas tiefer sein, der Guide etwas besser – aber für günstigere Preise zum Beispiel Touristen alleine ohne Guide in so einen Canyon lassen? Niemals! Die Menschheit ist dumm und respektlos genug und zerstört diesen schönen Ort mit Kritzeleien und Rumgeklettere innert kürzester Zeit. Und sie lässt sich die Schönheit des Ortes auch nicht durch den Preis verderben.

 

Da sind halt die kleinen Unterschiede. Beni ist ganz klar pragmatischer als Joli. Klar er ist ja auch der Herr über unser Budget aber manchmal hängt bei ihm Gefallen oder nicht Gefallen doch etwas sehr vom Preis ab – findet zumindest Joli. Bei Joli ist das etwas anders. Entweder es gefällt ihr oder es gefällt ihr nicht, das hängt in der Regel ganz zuletzt mit dem Preis zusammen sondern einfach mit der Sache selbst oder den Umständen.

 

Das zeigt sich lustigerweise auch bei den beiden Sprüchen, die wir unter «Über uns» je reingeschrieben haben. Und jeder hat halt so seine Prioritäten beim Reisen respektive beim Geld ausgeben. Bei Joli sind es die Erlebnisse, dicht gefolgt vom Essen (das Beni auch gerne Mal ausfallen lässt um zu sparen), während Beni lieber etwas mehr ausgibt und dafür eine ruhige, saubere, gute Unterkunft oder einen angenehmen Transport hat, was Joli nur mässig interessiert. Das erklärt auch ganz klar, wieso wir immer über Budget sind – wir haben einfach keine Kategorie wo wir wirklich sparen können. Schön blöd aber auch. Dafür können wir behaupten, dass wir uns bei den vielen Gemeinsamkeiten die wir haben auch noch perfekt ergänzen – was will man mehr?

Upper Antelope Canyon

Der Star unter den Slot Canyons ist der Upper Antelope Canyon. Die Tour kostet nochmals 10$ mehr pro Person und dauert auch 1.5 Stunden. Unsere Plätze für die heutige Tour um 09:30 haben wir bereits vor drei Wochen gebucht. Diese Touren sind jeweils über Wochen ausgebucht und wir konnten noch zwei der letzten Plätze für heute ergattern. Um 9 Uhr sind wir im Büro des Touren Anbieters. Die Linsen der Kameras sind frisch poliert, sämtliches benötigtes Equipment griffbereit und die ersten Bild Voreinstellungen getätigt. Wir hatten ja gestern sozusagen den ersten Übungstag. Anders gesagt die Kameras sind geladen und entsichert, wir sind bereit.

 

Auf einem mit 12 Sitzplätzen ausgebauten Pickup geht es 20 Minuten aus der Stadt raus und über eine sandige Buckelpiste vor den Eingang des Canyons. Juhu, nur ein oder zwei Autos stehen hier aber weitere 6 oder 7 sind uns dicht auf den Fersen. Ein paar kurze Erklärungen des Guides zur Entstehung des Canyons und los gehts.

 

Das hier Gebotene macht dann schon richtig Freude. Die ersten Meter zu Beginn sind lichtdurchflutet und eignen sich sehr gut zum Fotografieren. Wir lassen uns in unserer Gruppe zurückfallen, verpassen dadurch zwar jegliche Infos des Guides (der definitiv mehr auf dem Kasten hat als die Dame gestern), aber haben den Canyon stellenweise kurz für uns alleine.

 

Die nächste Gruppe sitzt uns aber bereits im Nacken und wir wären nicht erstaunt, wenn die Dame uns mit einem Fusstritt weiter jagen würde, ihre Blicke deuten wir auf jeden Fall ungefähr so. Allerdings erklärt sie ihrer Gruppe immer wieder gute Fotospots, die wir natürlich auch noch kurz testen wollen bevor wir weiter eilen. Die Länge des Canyons ist kein Vergleich zum X Canyon, hier geht es einiges weiter bis zum Ende und die Kameras laufen heiss. Auch hier sind die Fotos unbearbeitet und geben ein nicht ganz wahres Bild des Canyons ab. Sie sind einfach etwas besser als von blossem Auge.

 

Wir sind schon fast am Schluss und der Guide, der kurz einmal auf uns gewartet hat, fragt ob bei uns alles in Ordnung sei, wir seien so leise und unauffällig. Ja alles super. Wir geniessen die Ruhe. Den Canyon, die Zeit die er uns lässt um zu Fotografieren und zum Geniessen. Wunderbar.

 

Auf dem Rückweg durch den Canyon ist es dann aus mit dieser Ruhe, denn dieser komplett überfüllt mit Touristen. Wir hatten ein riesiges Schwein, dass wir als erste Gruppe in den Canyon gegangen sind. Jetzt hat man das Gefühl die Hölle sei los gebrochen. Einfach nur abartig. Man kann praktisch keinen Schritt machen ohne jemandem auf die Schuhe zu treten, quetscht sich Schulter an Schulter aneinander vorbei und an ein entspanntes Fotografieren ist nicht mehr zu denken, denn stehenbleiben liegt nicht drin. Auch besteht keine Chance auf ein Foto ohne Menschen drauf, ausser man fotografiert nach oben. Krass. Das trübt den positiven Eindruck der Tour für uns aber nur ein wenig, denn wir hatten ja wirklich Glück. Wären wir eine der mittleren Gruppen gewesen, die wir jetzt gerade kreuzen – wir hätten angefangen zu weinen. Beim rauslaufen sehen wir noch eine Fotografen Gruppe – naja das wäre auch nicht gewesen was wir uns vorgestellt haben – siehe Foto.

 

Danke José. Du hast uns nicht nur dieses schöne Erlebnis geschenkt sondern offenbar auch noch jede Menge Glück gebracht. Juhu! Vielen herzlichen Dank.

 

Auf dem Weg zurück schlägt Joli vor, dass wir dieses Mal ganz hinten sitzen, dann können wir noch etwas rausschauen. Bei der Hinfahrt war es ja gar nicht so sandig. Na gut. Somit werden wir auf dem Pickup dann doch noch ordentlich mit Sand zugedeckt, welcher in jede Ritze dringt, denn der Hinweg war nur deshalb nicht so sandig, weil wir ganz vorne sassen… Dumpfbacke.

 

 

Lower Antelope Canyon

Sollen wir oder sollen wir nicht? Canyon Nummer 3. Wir fahren zum Parkplatz und schauen uns das Ganze nochmals an. Im Internet war die Tour des einen Anbieters ein wenig günstiger als der Upper Canyon, der zweite Anbieter hier verlangt aber dafür nochmals sagenhafte 20$ mehr pro Person. Der Parkplatz ist zum Bersten voll und Beni will Canyon Nummer 3 sowieso nicht mehr machen. «Es war schön, aber ich habe es jetzt gesehen.» Joli entscheidet sich trotz der Aufmunterung von Beni alleine zu gehen auch dagegen. Wir hatten jetzt zwei Mal so viel Glück und konnten die Canyons geniessen, wir sollten das Glück nicht zu fest herausfordern. Joli hört auf ihr Bauchgefühl und wir lassen es sein. Es hat ja sonst noch andere Dinge zu entdecken hier und jetzt ist es auch definitiv klar das Wäsche waschen schon hier angesagt ist.

  

Ungefähr so sieht es von blossem Auge aus – je nach Lichteinfall natürlich. Immer noch wunderschön aber nicht ganz so bunt wie auf den meisten Fotos.

Mit der Kamera sind längere Belichtungszeiten möglich, wodurch die Farben auf den Bildern kräftiger leuchten, als wir es von blossem Auge wahrnehmen.


Fazit

Ein wunderschönes Stück Natur, dass man sich anschauen sollte, wenn man schon hier ist. Es lohnt sich. Der Canyon X ist noch nicht so überlaufen wie die beiden Antelope Canyons, jedoch auch kein Geheimtipp mehr. Im Voraus um eine Portion Glück zu bitten, ist sicher sinnvoll, denn ohne das viele Glück das wir hatten, hätten wir es wahrscheinlich schrecklich gefunden – also nicht den Canyon wohl aber die Menschenmassen, die den ganzen Zauber eines solchen Ortes richtig aufschlucken können. Merci José.

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Kommentare: 2
  • #1

    Jose (Dienstag, 08 Januar 2019 16:41)

    Schöner Canyon Trip��✌
    Grues Jose

  • #2

    Benjoli (Samstag, 12 Januar 2019 16:19)

    Ja, er war wirklich cool! Und sehr sandig haha. Danke :-)