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Las Vegas II

Man liest und hört doch immer von diesen Hochzeiten in Las Vegas und den kleinen Hochzeitskapellen, die es dort scheinbar überall gibt. Nun endlich haben wir sie gefunden. Aber keine Angst. Ihr habt nichts verpasst. Wir überlegen uns als Scherz so ein Hochzeitspaket zu buchen um euch etwas zu erschrecken, der Spass ist uns aber dann doch zu teuer und unser Wunschhochzeitsmenu – über dem Feuer gebratene Cervelat mit Senf – gibt es hier auch nicht. Zu dumm aber auch.

 

Stratosphere

Unser letztes Hotel in Las Vegas ist das Stratosphere, mit dem dazugehörigen 350 Meter hohen Tower. Es liegt am anderen Ende des Strips in unmittelbarer Nähe zu Las Vegas Downtown. Wir haben uns für dieses Hotel anstelle der Suite im Venetian entschieden, da es erstens günstiger ist und wir zweitens Rabatt für die Besteigung des Towers erhalten.

 

Leider ist bei unserem Aufenthalt hier von Anfang etwas der Wurm drin. Obwohl wir um 15:30 einchecken (Check-In ab 15:00 möglich) ist unser Kingsize Bett Zimmer immer noch nicht verfügbar und wir bekommen ein Zimmer mit zwei Queensize Betten und die gehässige Bemerkung; «Wenn ihr das Zimmer wollt, das ihr gebucht habt müsst ihr halt warten.» Na hallo, geht’s noch? Ich bekomme, was ich buche und zwar genau dann wenn die Zeit zum Einchecken da ist – wäre normalerweise Joli’s Antwort gewesen aber sie kocht dermassen vor Wut ab dieser Frechheit und diesem hochnäsigen Schnösel hinter dem Tresen, dass sie darauf erstmal nichts erwidern kann und dann erst beim Anblick der Besenkammer mit zwei Kinderbetten (ihre Bezeichnung für das Zimmer) einen kleinen Tobsuchtsanfall bekommt. 

 

Circus Circus & Downtown

Aber wir haben etwas vorgeholt. Da wir wie immer erst um drei Uhr nachmittags unser Zimmer beziehen können, parkieren wir bei unserem Hotel und spazieren in Richtung Circus Circus Hotel. Die Umgebung rund um unser letztes Hotel ist etwas schäbig und heruntergekommen. Wir fühlen uns nicht wirklich wohl und der Glanz vom Strip scheint hier weit weg zu sein.

 

Im Circus Circus Hotel angekommen setzen wir uns erstmals an einen der vielen einarmigen Banditen, wie die Spielautomaten liebevoll genannt werden. Zwei Stunden später ist unser Budget um satte 2000 Franken geschrumpft. Autsch, das tut richtig weh. Wir möchten an dieser Stelle unsere Leser gerne wieder ein Mal an unsere Seite "Kleine Freuden" erinnern.

 

Hahaha. Neeeeeein. Scherz beiseite, die Verlockung ist zwar gross (Joli: «Nein ist sie nicht.») aber wir haben tatsächlich nur 1 Dollar in Las Vegas verzockt und geblieben sind uns davon sogar noch 6 Cents. Wer kann von sich behaupten in drei Tagen Las Vegas nur 1 Dollar verzockt zu haben? Benjoli kann es. Wir sind ja eigentlich auch hier um uns das Hotel anzuschauen. Leider ist die überdimensionale Circus Halle mit Show und Achterbahnen genau heute geschlossen. War ja klar. Schade wir hätten uns diesen Indoor Freizeitpark gerne angeschaut.

Da noch immer viel Zeit bleibt bis zum Check-In steigen wir ins Auto und düsen nach Las Vegas Downtown. Wir schlendern bei Tag durch die Freemont Street und das alte ursprüngliche Las Vegas. Die Fussgängerzone hat ein 450 Meter langes und fast 30 Meter hohes mit 12.5 Mio LEDs bestücktes Dach. Krass, aber leider leuchtet das Teil nur bei Dunkelheit. Es ist auch sonst noch nicht viel los hier, also zotteln wir nach dem Besuch des grössten Goldnuggets wieder ab und beschliessen am Abend nochmals zu kommen.

 

Jetzt wollen wir etwas Essen. Eigentlich möchten wir in dieses Hotel wo wir nächtigen keinen Rappen mehr investieren als nötig aber irgendwie sind wir zu faul um erneut bis zum Strip zu laufen, der uns bei dieser heruntergekommenen Gegend einfach ewig weit weg erscheint. Wir haben einen Gutschein erhalten mit 20% Rabatt auf das Buffet von Stratosphere und machen uns auf den Weg. Die 20% gibt es nur wenn wir die Casino Spielerkarte lösen, meint die Dame. Himmel noch mal. Wir gehen wieder nach vorne und wollen diese Karte lösen, die immerhin gratis ist und scheinbar noch 10$ zum Spielen drauf hat. Aus Ausländer brauchen wir dazu den Pass. Aaaaaaah. Und nochmals den ganzen Weg zurück, ins Zimmer, wieder runter, erneut anstehen… Dieses Hotel treibt uns zur Weissglut.

 

Jetzt können wir die Karte Scannen und einen ersten Gewinn einstreichen. Yes 10$ gewonnen – somit sollten das dann pro Karte 20$ sein, denn 10$ sind ja sowieso drauf, hat man uns gesagt. Ah nein? 10$ ist der Gewinn, den du so oder so erhältst auch wenn du beim ersten Scannen sonst nichts gewinnst. Man was für eine Verarschung. Wenigstens erhalten wir jetzt die 20% am Buffet und können die je 10$ auch zum Bezahlen einsetzen statt zum Spielen. Somit bezahlen wir für zwei Personen «All you can eat» Buffet lediglich 23$, auch nicht schlecht. Das Buffet ist dann qualitativ nicht annähernd zu vergleichen mit dem vom Bellagio und ist Jolis Meinung nach nicht einmal die 23$ Wert. Wir finden trotzdem irgendwie genügend Futter, so dass wir nicht hungrig vom Tisch gehen müssen. Aber gut war es nicht. Nein definitiv nicht.

Freemont Street

In der Zwischenzeit ist es dunkel und wir gehen zurück nach Downtown. Jetzt ist richtig was los hier. Irgendwie ist das hier Gebotene noch ein Stück verrückter als am Strip. Die etwa 500 Meter lange Freemont Street ist vollgepackt mit irren Menschen. Komische Selbstdarsteller wie ein tanzender Opa der als Pendant zur Dancing DJane eine Egoaufführung gibt. Wobei der Opa definitiv den Jööö-Effekt abkassiert, während die tanzende DJ Tante doch eher zum Lachen ist. Halbnackte Girls & Boys die hinter Bars stehen wobei es hauptsächlich Girls sind – für die Ladys gibt es diesbezüglich einfach immer weniger zu sehen - aber auch die Damen sind nicht wirklich ein Augenschmaus, eher im Gegenteil. Sänger und Sängerinnen – ach du meine Güte! Dieter Bohlen würde das, in grauenhaft schiefen Tönen, singende Mädchen zerpflücken – aber es ist auch wirklich schrecklich! Superhelden von Spiderman bis Captain America, jedoch spindeldürr statt muskelbepackt, alles ist vorhanden. Sogar Alan von Hangover ist in mehreren Versionen anzutreffen, einmal sogar mit tanzendem Riesenbaby. Es funkelt und glitzert noch mehr als am Strip hier. Um 19 Uhr beginnt die kurze LED Deckenshow. Die Lichter gehen aus und die 5 Minuten Show unter dem Dach beginnt. Was soll man da schreiben, sowas haben wir noch nie gesehen. Wahnsinn. Trotzdem finden wir die Lichtershow am Bundeshaus oder die, die wir in Mexiko gesehen haben noch etwas cooler oder sagen wir sie ist halt auch etwas anders.

 

Wir verlassen diesen Ort der tausend Verrücktheiten und eilen zurück zum Auto bevor die nächste Parkstunde anfängt.

Stratosphere Tower

Zurück im Hotel wollen wir noch auf den Tower, denn wir bezahlen als Gäste nur 5 statt 20$ Eintritt für die Aussichtsplattform und nur deshalb sind wir ja überhaupt in dieser Bruchbude gelandet.

 

Auf dem Weg zum Lift ertönt auf einmal im ganzen Hotel die Alarmanlage. Die automatische Anweisung aus den Lautsprechern das Hotel zu verlassen ist unmissverständlich, an jeder Ecke unterstreicht ein blitzendes Licht den Alarm. Aber, sämtliches Personal sei es an den Spieltischen, Bar, Putzkräfte ect. und auch die meisten Gäste lässt dies völlig kalt, die machen alle weiter als wäre es ein Witz. Etwas irritiert fragen wir eine Casino Angestellte was los sei. Diese entgegnet uns lächelnd, keine Sorge da hat wahrscheinlich nur jemand aus Spass oder Versehen den Feueralarm getätigt.

 

Nun kommen doch aus einige Ecken Menschen und schwärmen Richtung Ausgang, denn der Alarm erklingt jetzt doch schon seit fast 5 Minuten. Etwas lange für einen Fehlalarm nicht? Wir schliessen und den Menschen an als der Alarm nach fast 8 Minuten plötzlich aufhört und nur noch die Lichter überall blinken (und dass noch während 10 weiteren Minuten). Sicherheitspersonal eilt vorbei und gibt der grossen Menschentraube zu verstehen, es sei alles in Ordnung und eine nicht verständliche Lautsprecherdurchsage gibt anscheinend auch Entwarnung, denn die Sicherheitsleute fahren die Menschen unhöflich an die sie ansprechen und deuten auf die Lautsprecher und ihre Ohren. Unverschämter Haufen in diesem Hotel unglaublich.

 

Beni, ist erst jetzt geschockt, nicht wegen dem Alarm sondern aufgrund der vorherigen Aussage der Mitarbeiterin und der Tatsache das ein Alarm einfach ignoriert wird. Das geht ja gar nicht. Was wenn der Alarm heute, wie vielleicht regelmässig zuvor, nicht zum Spass heult?! Wenn ein Alarm losgeht wird unverzüglich evakuiert! Seit ihr alle noch ganz bei Trost hier?!

 

Wir gehen jetzt trotzdem noch auf den Tower. Wir brauchen frische Luft. Die bekommen wir auch und das haufenweise – es windet wie gestört hier oben. Die Aussicht über das funkelnde Las Vegas bei Nacht ist aber ziemlich cool, leider kann man nicht ganz rundherum gehen und sieht daher nur einen kleinen Teil, da die Fahrgeschäfte den weiteren Platz einnehmen. Es gibt hier unter anderem eine Achterbahn und einen Frei Fall Turm auf der Spitze. Die Preise aber sind für uns einfach zu hoch, das bezahlen wir nicht. Hinterher können wir auch sagen, hätten wir 20 anstatt 5$ bezahlt, hätten wir den Besuch wahrscheinlich ebenso bereut, da waren wir schon auf besseren Aussichtsplattformen. Aber dieses Hotel kann jetzt eh nichts mehr machen um in unserem Augen gut weg zu kommen und somit verlassen wir diese Hütte am nächsten Tag mit Freuden. 

 

Bye Bye

Bei der Ausfahrt aus dem Parkhaus fragen wir uns noch wieso überall an den Deckenbalken Fussabdrücke sind – «Wahrscheinlich wollten alle Gäste diesem Hotel einen Arschtritt geben und nur hier war die Decke tief genug dafür!», meint Joli.

 

Nachdem wir in einem Diner sehr lecker gebruncht haben und Joli nochmals den Chiro aufgesucht hat, düsen wir los in Richtung Los Angeles. Den Joshua Tree NP besuchen wir nicht mehr, denn erstes sind es wieder 2 Stunden Umweg und zweites wollten wir heute lieber ausschlafen und haben genug vom Sightseeing für den Moment.

 

Wir haben eine gute Fahrt aber vor LA stehen wir noch ein letztes Mal im ewig langen Stau und sehen soweit das Auge reicht nur rote Lichter vor uns. Dafür kommen wir noch einmal in den Genuss eines kalifornischen Sonnenuntergangs. So schön!

 

Am nächsten Morgen dann der schwere Abschied von unserem treuen Begleiter KITT, der sicher froh ist unseren Klauen zu entkommen, denn er steht mittlerweile vor Dreck. Jetzt geht es ab ins Land der aufgehenden Sonne, aber das ist eine andere Geschichte.


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Kommentare: 1
  • #1

    renate feller (Sonntag, 13 Januar 2019 13:09)

    Voll fett eure erlebnisse,danke vielmals fürs mitteilen.lg ma