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Tokio I

Konnichiwa

Oder besser Konbanwa. Denn es ist schon wieder Abend als wir in Japan, dem Land der aufgehenden Sonne, ankommen. Süd-, Zentral- und Nordamerika sind Geschichte. Wir machen den nächsten Touchdown in Asien. Genauer gesagt in Japan und in der Millionen Metropole Tokio fangen wir an.


Es gibt nichts aufregenderes als nach einem 12 Stunden Flug am Flughafen überall nur noch unverständliche Zeichen zu sehen. Als wäre die Verwirrung nicht schon so gross genug, denn wir sind am 10.12. morgens ins Flugzeug gestiegen und nach 12 Stunden am 11.12. abends angekommen. Diese blöden Zeitzonen und Datumsgrenze machen uns ganz wirr. Vielleicht liegt es aber auch am seit Stunden konstanten Rotweinflash, welches wir geniessen.

 

Die Einbürgerung, hätte ich beinahe geschrieben, nein die Migration verläuft ohne Fragen oder Probleme. Wir wissen, dass wir uns eine Suica Karte und ein Skyliner Ticket besorgen müssen um in Tokio an den Ueno Bahnhof zu gelangen wo wir unser Hotel gebucht haben. Überraschenderweise läuft alles wie am Schnürchen. Hier am Flughafen sprechen viele Japaner ein wenig (aber wirklich nur ganz wenig) Englisch, was das Ganze ungemein einfacher macht, so dass wir 1.5 Stunden nach der Landung bereits im Zug sitzen. Vielleicht liegt aber auch das an unserem Weinflash, das macht irgendwie alles viel entspannter. Kurz darauf, nachdem wir mit etwas mehr Mühe ein Taxi ergattert haben (der Sprach gar kein Englisch) kommen wir im Stadtteil Ueno an wo wir unser Hotelzimmer oder besser gesagt Kämmerchen beziehen. 

 

Das erste Mal

Das erste aufeinander treffen mit einer japanischen Toilette bringt uns dann noch heftig zum Lachen. Die Sitzheizung ist wirklich eine grossartige Erfindung (wie wir im weiteren Verlauf der Reise noch feststellen werden), die vielen Zeichen des Bedienpanels aber nicht ganz einfach zu verstehen.

 

Gleich nach dem Hinsetzen fliesst zur Geräuschunterdrückung Wasser, welches den Startfurz einer jeder Sitzung super übertönt. Nach dem erfolgreichen Geschäft erfolgt quasi das Händeschütteln. Per Knopfdruck spritzt ein feiner Wasserstrahl einem direkt dahin wo das Geschäft gerade seinen Lauf genommen hat. Für Frauen gibt es noch einen extra Knopf für die kleinen Geschäfte. «What a feeling…» würden Irene Cara und DJ Bobo singen. Naja wir haben das jetzt einmal getestet und wie gesagt; naja…

 

Ueno

Guten Morgen Tokio! Wir haben zwar übel geschlafen und der Jetlag lässt grüssen, doch wir freuen uns jetzt Tokio zu erkunden. Sicherheitshalber haben wir aber als erstes die Waschmaschine studiert um zu wissen ob wir klar kommen werden oder ob wir heute doch besser irgendwo eine Wäscherei suchen, für den Fall der Fälle…

 

Zur Begrüssung fängt es auch gleich an zu regnen aber wir sind voller Motivation und Tatendrang. Den Kaffee haben wir im Hotel aus der Schweizer Jura Kaffeemaschine gezapft und schlürfen ihn auf dem Weg zum Bahnhof.

 

Wir gehen die kurze Distanz zum Bahnhof Ueno zu Fuss und suchen Unterwegs ein gutes Frühstück. Gar nicht so einfach. Was essen Japaner denn zum Frühstück? Vielleicht hätten wir doch am ersten Tag, das Frühstück im Hotel nehmen sollen, damit wir überhaupt wissen nach was wir zukünftig suchen sollen?! Egal. Wir steuern eines der Restaurants an, welches von allen Gerichten Bilder präsentiert. Sehr praktisch, man sieht nicht nur was man bestellt (naja zumindest mehr oder weniger), man kann auch einfach nur mit dem Finger auf die Karte zeigen zum Bestellen. Zack und schon steht ein Topf Reis, mit paniertem Hühnchen, Ei und Curry vor uns. Lecker!

Unser Weg führt uns in den Ueno Park. Hier sehen wir unter anderem die Statue eines Samurai und unsere ersten japanischen Tempel und Schreine. Eigentlich wollten wir alle Tempel und Schreine hier beim Namen nennen aber wir erkennen schon hier nach ein paar Stunden, dass es den Aufwand nicht wert ist. Es sind einfach zu viele. Sie sind überall! Und irgendwie ist es ja auch völlig egal wie sie heissen, denn du bist sowieso nie ganz sicher vor welchem du denn gerade stehst und ob du denjenigen, den du gesucht hast auch gefunden hast oder ob es ein anderer ist. Also einfach hingehen und gucken.

 

Wir wollen den Park durchqueren und etwas herum schlendern. Auf einer Brücke quatschen wir ein bisschen mit diesen hässlichen Koi Fischen, die das Maul aufreissen als wollten sie uns fressen und verlassen den Park dann kurz um etwas weiter vorne gleich wieder rein zu gehen, nur um festzustellen, dass es so einfach leider nicht ist. Am Schluss haben wir den Park mehr umrundet als das wir im Park waren und sind dann erst etliche Strassen später irgendwo wieder reingekommen. Wir vermissen schon wieder die schöne Logik der südamerikanischen Strassen, wo einfach alles in Quadraten angelegt ist.

 

Der Ueno Zoo ist natürlich genau heute geschlossen, aber wir sind ja sowieso keine Freunde von eingesperrten Tieren, also ist uns das ziemlich egal. Wir sind durch die Zeitumstellung noch etwas Gaga und müde auf den Beinen, bekommen aber viel vom Park und der Strasse drumherum zu sehen und gönnen uns die erste Pause mit einem Starbucks Frappuchino.

 

Ochanomizu

In dieser Gegend soll man einen schönen Blick von der Hijiri Brücke haben und es hat auch einen berühmten Schrein zum Besichtigen. Das mit der Brücke versteht Beni erst, als Joli ihm erklärt, was man den eigentlich sieht. Es sieht aus wie eine kleine Stadt in einer grossen Stadt. Oder so. Die Häuser am Ufer sind klein und dahinter kommen die grossen Häuser. Alles klar? Das Problem hatten wir ja schon einige Male, dass wir an einem Ort waren und nicht so genau wussten, was es denn jetzt hier zu sehen gibt oder wobei es sich um die hier vorzufindende Attraktion handelt.


Weiter geht’s wir wollen zum Kanda-Myojin Schrein. Wir sehen, das dunkle Gebäude mit dem blauen Dach schon von weitem aber wir finden einfach den Eingang nicht! Dann besuchen wir halt den hübschen orangen Tempel gegenüber. Die Tempel und Schreine hier sind wirklich schön und beeindruckend. Und die japanischen Kinder und Damen in den traditionellen Kimonos faszinieren uns. Auf dem Rückweg zum Bahnhof finden wir dann auch noch den Eingang zum anderen Tempel, welcher vorhin unentdeckt blieb.

 

P.S. im Nachhinein haben wir herausgefunden, dass der Kanda-Myojin Schrein, der Orange war, denn wir anstelle des Schwarzen besucht haben. Und der Schwarze? Keine Ahnung. Seht ihr, deshalb ist es absolut sinnlos sie alle zu benennen.

Marunouchi

Die U-Bahn fährt uns im Anschluss an die Tokyo Station, ein riesiger, grösstenteils unterirdischer Bahnhof an welchem unzählige Bahnlinien in und durch Tokyo zusammentreffen. Hier gibt es auch eine Udon Strasse. Udon sind die dicken Nudeln, die wir so lieben. Also auf geht’s auf Futtersuche. Nachdem wir ein Restaurant auserkoren haben, warten wir bis uns jemand die Plätze zuweist. Wir nehmen Platz und die Dame fragt nach unserem Ticket. Ticket?! Sie lacht und für Joli wieder raus. Hier steht ein Automat mit Bildern, Knöpfen, Zahlen und der Möglichkeit Geld einzuwerfen. Ach sooo! Joli wählt zwei Menus aus, drückt die Knöpfe, wirft das Geld ein und bekommt zwei Tickets mit ihrer Bestellung die sie der Dame in die Hand drückt. Ist ja geil! Und auch das Essen ist der Hammer.

 

Gestärkt wollen wir den Kaiserpalast und die schönen Gärten besuchen. Zutritt zum Palast gibt es nicht aber eine Tour durch die Anlage und zu einzelnen Gebäuden. Allerdings auf Voranmeldung und nur auf Japanisch, zudem ist heute Montag, da ist eh alles geschlossen auch die Gärten. Schön blöd. Naja, dann spazieren wir zur Brücke Nijubashi Brücke. Was an dieser Brücke speziell sein soll? Man betritt das Palastgelände über diese Brücke – aber sonst? Keine Ahnung. Aber es hat massenhaft Menschen hier. Krass. Ganze Touren kommen um die Brücke zu sehen. Auch nachdem wir Wikipedia konsultiert haben können wir es uns immer noch nicht wirklich erklären.

Die Skyline vom Park aus ist jedoch cool und zwischen all den Hochhäusern kann man ganz hinten das rote Gebäude der Tokyo Station sehen.

 

Auf dem Rückweg zur Station besuchen wir das Tokyo International Forum. Ein futuristisches, grosses Gebäude mit einer schönen Glaskuppel heisst es. Es hat unzählige Eingänge und Stockwerke und wir finden irgendwie das spezielle Dach nicht wirklich. Wir fragen. Naja, nicht ganz. Wir zeigen auf das Bild in unserem Prospekt und ziehen die Schultern hoch. Der Sicherheitsbeamte macht eine nachdenkliche Miene, zeigt in eine Richtung und nickt. Wirklich weiter gebracht hat es uns nicht aber nach einigen Liftfahrten und ein bisschen umherirren finden wir schliesslich was wir suchen. Wir sind nicht einmal ganz sicher ob wir uns hier aufhalten dürfen aber wir gehen zielstrebig auf die Aufzüge zu und in den obersten Stock. Mann ist das hoch.

 

The Sound of Silence

Wir sind heute sowohl zu Fuss wie auch mit Bahn bereits sehr viel herum gekommen. Unser erster Eindruck von Japan ist super. Organisiert, freundlich, korrekt, ruhig, sauber oder Tradition sind nur einige Stichworte, welche wir Japan spontan zuordnen. Obwohl wir uns in einer riesigen Stadt befinden ist erstaunlich wenig Verkehr auf den Strassen und kaum Lärm vorhanden. Auch wissen wir nicht wo sich diese 9.5 Millionen Bewohner alle aufhalten, es ist nicht so voll wie wir erwartet haben. Was uns am meisten fasziniert? Die Ruhe. Nach fast einem Jahr Südamerika, wo es einfach immer laut war, ist diese Ruhe ein Wohltat für unsere Ohren. Ein Traum.

 

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