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Tokio II

Heute stehen andere Teile Tokios auf dem Programm. Das Stadtgebiet Tokios besteht aus 23 Bezirken und wir haben uns mehr oder weniger einen Plan aufgestellt, wo wir was sehen wollen und in welcher Reihenfolge. Also klappern wir heute weitere Bezirke und Stadtviertel ab.

Roppongi

Auf dem Weg zum Tokyo Tower kommen wir an einem Tempel vorbei, dem Zojoji Tempel. Der Tempel und der Tower im Hintergrund passen irgendwie nicht wirklich zusammen veranschaulichen aber passend, das traditionelle und gleichzeitig moderne Bild Japans. Der Blick in den Tempel offenbart viel Gold und eine unbeschreiblich beruhigende Atmosphäre. Plötzlich steigt uns aber ein grauenhafter Gestank in die Nase, dessen Ursprung wir schnell finden. Wie immer werden wir hier ganz viele Räucherstäbchen zur Unterstützung des Gebets angezündet und normalerweise riechen diese auch ziemlich gut aber diese hier stinken grauenvoll. Wir bezweifeln das Buddha das gut findet…

 

Im Garten stehen reihenweise kleine Stein Männchen, welche für verstorbene Kinder oder zum Schutz der Kinder dienen. Diese sind alle mit roten Käppchen, Blumen und Miniatur Windrädchen ausgestattet.

Dann stehen wir plötzlich vor dem Eiffelturm, äh nein dem Tokyo Tower natürlich. Dieser sieht aber eigentlich aus wie der Eiffelturm, nur nicht ganz so hoch und er ist rot. Da wir beide den Eiffelturm schon kennen ist der Tower für uns jetzt nicht DAS Highlight. Und die Sicht ist heute leider nicht optimal, der Preis mit 25 Franken zudem auch nicht gerade billig weshalb wir am Boden bleiben. Ausserdem war der letzte Tower den wir bestiegen haben ja auch nicht gerade der Knaller. Vor dem Tower steht aber jetzt schon ein grosser Weihnachtsbaum, welcher für unsere Weihnachtskartenfotos hinhalten muss.

 

Shibuya

Mit der U Bahn düsen wir in den Shibuya Stadtteil. Die gleichnamige Kreuzung ist ein Touristenmagnet. Im Minutentakt überqueren hunderte Menschen diese Kreuzung gleichzeitig in alle Richtungen. Das Spektakel schauen wir uns vom Hochhaus eines Einkaufszentrum an. Dort gibt es eine gratis Aussichtsplattform um das Menschengewusel von oben zu beobachten. Aktuell ist gerade nicht Rush Hour, es ist also nicht so viel los. Und trotzdem ist es faszinierend wie viele Menschen sich innerhalb dieser Minute immer wieder ansammeln um die Strasse zu überqueren. Es sieht aus wie ein irrer Ameisenhaufen.

 

Natürlich überqueren wir die Kreuzung auch selbst. Mehrmals, in alle Richtungen und am Schluss noch diagonal, einfach so weil es Spass macht. Die Shibuya Kreuzung ist aber nicht die einzige kreuz und quer Kreuzung. Davon gibt es viele, jedoch nicht überall wuseln minütlich so viele Menschen über die Strasse wie hier. Auch gehen die Fussgänger fast überall nicht gleichzeitig mit dem, in dieselbe Richtung fliessenden Verkehr, über die Strasse, nein die Fussgänger haben ein eigenes Zeitfenster und alle laufen zusammen kreuz und quer drauf los. Ein bisschen Chaos im sonst so geordneten Japan. Uns gefällts.

Es ist Mittag und Fütterungszeit, das Joli von Benjoli muss was zu essen haben. Auch der Ben ist seit der Ankunft in Japan dem Essen nicht mehr so abgeneigt, da das Essen hier immer wieder ein Abenteuer und vor allem super lecker ist.

 

Es fängt auch dieses Mal wieder spannend an. Wir stellen uns bei einem Restaurant in eine Warteschlange, welche in einen Keller führt. Als wir an der Reihe sind lösen wir an einem Automaten mit Bildern und ganz vielen Zeichen die Tickets für unser Essen. Wir füttern den Automaten mit Noten und Münzen und erhalten dafür Zettelchen mit Zeichen drauf. Dann erhalten wir noch einen Zusatzzettel wo wir ankreuzen können wie wir unser Gericht gerne hätten. Mit Knoblauch? Scharf? Dünne Nudeln?

 

Dann werden wir an unsere Plätze gewiesen. In einem schmalen Gang bekommt jeder sein Barhocker und sein eigenes schmales Abteil mit Fenster zur Küche. Wir sind völlig überfordert und perplex. Als wir Platz genommen haben öffnet sich das kleine Fensterchen und wir sehen nicht viel mehr als ein paar Hände. Wir strecken unser Zettelchen hin und erhalten ein paar Minuten später das Essen durchs Fenster gereicht. Wir können die Trennwand zwischen uns sogar einklappen, damit wir zusammen essen können.

 

Von allen Seiten hört man es schlürfen und schmatzen wie verrückt. Hier sitzen die Gäste reihenweise nebeneinander und haben trotzdem durch eine Trennwand jeder sein privates Abteil für sich. Der Tourist neben uns fragt schüchtern ob wir wissen ob er sein Ei in die Suppe schmeissen muss oder man es einfach so isst? Öh, keine Ahnung…

 

Auch wir schlürfen und schlabbern unsere Nudelsuppe und kleckern uns ordentlich voll. Wir sind zwar nur über Mittag mal kurz eine Nudelsuppe essen gegangen aber es ist ein Erlebnis, welches wir nie mehr vergessen werden. 

 

Harajuku

Unser Weg durch Tokyo führt an die Takeshita Strasse. Es geht hier ein wenig um sehen und gesehen werden. Hier tummeln sich die jungen Japaner und es reiht sich ein abgefahrenes Geschäft an das nächste und alles ist ein bisschen crazy, also noch ein bisschen mehr als sonst schon. Die Japaner sind sehr modebewusste Menschen. Bei uns gibt es die Punks, Hip Hopper oder Rocker, altmodisch, neumodisch, garnichtmodisch usw. Aber die Vielfältigkeit hier ist schier unglaublich, eine Kategorisierung irgendwie unmöglich. Aber egal wie sich die Japaner kleiden, es hat immer Stil. Es macht immer was her. Was wir sonst noch von keinem Land so behaupten konnten. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr raus. Jeder ist sein eigenes Kunstwerk, die Strasse ist voller quirliger Menschen. Übrigens sogar die Herren im Anzug sehen hier viel stilvoller aus als bei uns (nichts für Ungut an alle lesenden Anzugträger), wir sind keine Fans von Anzügen aber hier machen sie was her. Kleider machen Japaner. Definitiv.

 

An einem der vielen Crêpesständen läuft uns das Wasser schon bei der ausgestellten Plastikauswahl im Mund zusammen, die Entscheidung bei der Menge fällt echt schwer. Ein Erdbeere & Rahm Crêpe soll es sein. 

 

Wir brauchen etwas Ruhe und besuchen den Meiji Jingu Tempel in einem der vielen Pärke in Tokyo. Bei einem Spaziergang durch den Wald zum Tempel können wir das bisher erlebte ein wenig verarbeiten. Die Tempelanlage wäre eigentlich sehr schön und hätte etwas mystisches an sich, es sind wie fast überall einfach zu viele Menschen hier um es richtig geniessen zu können. Dafür können wir mit unseren Kameras wieder auf die Jagd nach Kimono tragenden Menschen.

Shinjuku

Nächster Halt, das Rathaus von Tokio. Was wollen die im Rathaus werdet ihr euch jetzt fragen. Nun, das Rathaus hier ist ein riesiger Wolkenkratzer und verfügt über eine gratis Aussichtsplattform. Für uns Grund genug da vorbei zu schauen. Leider haben auch etwa 300 weitere Menschen dieselbe Idee. Die Warteschlange zum Lift ist etwa 200 Meter lang und unsere Zeit zu kostbar um uns hier die Beine in den Bauch zu stehen. Weiter gehts, Tokio hat noch so viel zu bieten.

Es wird langsam dunkel als wir aus der U-Bahn Station die Treppe raufkommen. Eigentlich haben wir gar keine Bahn genommen sondern sind vom Rathaus her gelaufen. Aber plötzlich war alles nur noch unterirdisch und wir sind am Bahnhof wieder rausgekommen. Immerhin wars die korrekte Richtung.

 

Hier holen wir uns jetzt die ultimative und für heute abschliessende Reizüberflutung für unser Gehirn. Das Kabukicho Viertel. Das Lichtermeer mit den tausenden von Leuchtreklamen macht die Nacht zum Tag. Es ist kurz vor 6 Uhr Abends und die Strassen sind nun voller Menschen. Einmal im Jahr am Thun Fest sind die Strassen bei uns so voll wie es hier an einem Dienstag völlig normal zu sein scheint, krass. Es gibt so viel zu sehen. Wir irren zuerst einfach nur grinsend umher, kommen dabei sogar am berühmt berüchtigten Roboter Restaurant vorbei und finden irgendwann zum Glück auch die Orientierung wieder.

 

Jetzt wollen wir das berühmte Kneippen Viertel Golden Gai aufsuchen. Es muss hier gleich um die Ecke sein. Und Voilà. Wir sind noch etwas früh und viel hat nicht geöffnet, wir können aber trotzdem in die ein oder andere Bar einen Blick werfen. Meistens hat es nur 6-8 Stühle. Die Räume sind sehr klein und alles ist irgendwie crazy. Das ganze Viertel wirkt irgendwie… Es ist schwierig zu beschreiben. Sagen wir; wären wir in Südamerika bei Nacht in so einer Ecke gelandet, würden wir schleunigst das Weite suchen und ganz sicher nicht gemütlich und neugierig hier rumschlendern (auch bei Tag nicht). Es wirkt ganz und gar nicht wie ein Ort wo man sich aufhalten sollte – zumindest in jedem anderen Land wäre das so. Aber hier ist irgendwie alles etwas anders. Wir laufen durch die engen, verschlungenen, vollgestopften Gassen, schauen immer wieder in die Bars mit den eigentümliche Leuten und machen uns danach auf zu unserem letzten Programmpunkt.

 

Wir suchen eigentlich den Hanazono Jinja Schrein als wir ganz plötzlich mitten in einem grossem Fest landen. Über eine Treppe und zwischen unzähligen Foodständen hindurch befinden wir uns dann auf einmal vor dem Tempel, um welchen hunderte Japaner die Strassen säumen. Es hat etwas magisches hier zu sein. Unzählige kleine Streetfood Stände reihen sich aneinander und tausende Laternen leuchten. Die Japaner stehen Schlange (es ist eine riesige Schlange) um vor dem Tempel ein kurzes Gebet zu sprechen (wir dachten schon es gibt eine Show oder so dort drin) und sich danach zu amüsieren.

 

Bier fliesst in Strömen und wir kommen aus dem Staunen nicht mehr raus. Trotz den erdrückenden Menschenmassen läuft alles wie geschmiert. Es ist schier unglaublich wie respekt- und rücksichtsvoll der Umgang miteinander ist. Auch die Organisation ist top. Von einer Strasse kommt man in die Anlage rein und bei der anderen Raus. Abgesperrt von einem Sicherheitsmann aber ein Wort und die Menschen gehorchen.

 

Wir futtern uns durch die Streetfood Stände. Es gibt Ayu, ein frittierter aufgespiesster Fisch, Omurice, ein Omelett mit Spiegelei, Ketchup und Mayo, sowie ein Schokoteigbrötchen, alles ziemlich lecker. Mit einem riesigen Grinsen und grossen Augen drehen wir mehrmals die Runde und saugen die Atmosphäre auf. Genial.

 

Auf dem Weg nach Hause finden wir per Zufall noch die Strasse, welche wir beim Verlassen der Station gesucht haben. Die Piss Alley (eigentlich Omoide Gasse), ja die heisst wirklich so, jedenfalls in der Umgangssprache. Sie ist nur 1-2 Meter breit und es reiht sich Kneipe an Kneipe wo sich die Menschen beinahe gegenseitig auf dem Schoss sitzen. Den Namen hat sie aus früheren Zeiten, wo es eine düstere Gasse für Kriminelle war die ihre Drinks dort bekamen. Wir schlendern noch kurz hindurch und fallen anschliessend im Hotel fix und fertig ins Bett. Wow, was für ein Tag! Japan macht richtig Spass.

 

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