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Kawagoe

Klein EDO

Schönes Wetter heute und so nette Leute. Der nächste Ausflug führt uns nach Kawagoe. Warum? Keine Ahnung es soll schön sein dort und man nennt es auch «Klein Edo» (Edo war der frühere Name Tokios während der Edo Periode) also schauen wir uns das mal an. Eigentlich fühlen wir uns mit dem riesigen ÖV Netz schon ziemlich gut vertraut, aber bereits beim Umsteigen ist die EAV (erste allgemeine Verunsicherung) gross. Ob ihr wirklich richtig steht seht ihr wenn das Licht angeht, tja hier dann doch nicht. Ausser ganz vielen Menschen und einen ankommenden Zug sehen wir nicht viel. Wir drücken uns auf gut Glück rein und schauen mal ob der Zug an unserer Station hält, die Richtung scheint jedenfalls richtig zu sein. Bis zuletzt herrscht Unsicherheit, doch wir haben Glück er hält an.

 

Japan verfügt über viele verschiedene Züge. Es gibt den Express, den Limited Express, den Semi Express, den Rapid und natürlich noch den ganz normalen Regional Zug (das nebst den Shinkansen und privaten Linien – die sind nochmals eine anderes Thema). Wenn du das Pech hast (wie wir gerade) das deine Haltestelle nicht die Endstation ist, ist es eine Lotterie – hält er? Hält er nicht? Wobei auch nicht jeder Zug immer bis an die Endstation fährt. Wir haben zwar die App für die hiesigen Züge aber so ganz klar ist es auch dort nicht, weil in der App oft andere Abfahrtszeiten stehen als am Perron  oder andere Perrons als am Bahnhof. Also immer mit genügend Zeit am Bahnhof sein, denn auf die letzte Minute ankommen und einen Blick auf die Anzeige werfen bevor du rein rennst klappt meistens auch nicht, da der Wechsel zwischen Japanisch und Englisch auf der Anzeigetafel doch eher sehr, sehr langsam erfolgt.

Am Bahnhof schnappen wir uns einen kleinen Übersichtsplan auf Deutsch (ja wirklich) und legen los. Wir ziehen durch die Strassen, welche gerade erst erwachen. Danach kommen wir in den Teil, wo man noch die alten japanischen Häuser sehen kann und es wieder einige Tempel zu sehen gibt. Theoretisch sind wir noch auf der Suche nach Frühstück aber vor 10:00 oder 11:00 macht irgendwie kein Restaurant auf und das einzige was man schon morgens um 08:00 kaufen kann ist Eiscreme. Wahnsinnig was für Mengen die Japaner an Eis verdrücken. Und sommerlich ist es ja nun wirklich nicht mehr.

 

Soba Nudeln & eine «Burg»

Nach einigen Souvenirshops und vielen gelaufenen Metern kehren wir in einem Soba (Nudel) Restaurant ein, dass auf dem Übersichtsplan empfohlen wird. Nachdem wir noch 20 Minuten gewartet haben bis es öffnete, nehmen wir Platz und erhalten die Speisekarte. Leider nur voller japanischer Schriftzeichen, keine Fotos und keine Übersetzung. Oh oooh. Auch die Damen sprechen kein einziges Wort Englisch. Verflixt und zugenäht.

 

Zum Glück ist auf dem Übersichtsplan neben dem Namen des Restaurants auch ein kleines Foto mit Nudeln, auf welches wir zeigen können. Dazu noch zwei Finger hochheben und so scheint sie zu verstehen was wir wollen. Sie bringt uns gleich mal einen Tee, das gibts hier fast immer in den Restaurants. Jetzt sind wir ja mal gespannt was da kommt.

 

Wenig später folgt ein Plateau mit zweierlei kalten Nudeln, einem Schüsselchen Sojasauce und etwas Wasabi. Mit Gesten versucht sie uns zu erklären wie wir vorgehen müssen. Wir fragen sicherheitshalber auch noch kurz bei Frau Google nach und finden heraus, dass das gekochte Wasser was etwas später folgt die Delikatesse zum Schluss sein soll. Das Süppchen sozusagen. Man trinkt das Wasser, in welchem die Nudeln gekocht wurden nachdem man es mit der Sojasosse vermischt hat, vorher aber noch die Nudeln darin dippen bitte. Es ist lecker. Jetzt können wir die Soba Nudeln abhacken, sie stehen auch nicht weiter auf dem Speiseplan, so gut war es nun auch nicht.

 

Gestärkt aber immer noch hungrig besuchen wir das Schloss oder die Burg (die Übersetzer sind sich da nicht so einig). Für uns sieht es weder wie ein Schloss noch wie eine Burg aus. Beni grummelt schon von weitem vor sich hin, weil er vermutet, dass er die Schuhe ausziehen muss. In Japan zieht man (fast) immer die Schuhe aus, wenn man einen Tempel, ein Schloss, Museum oder generell ein Haus betritt. Beim ersten Mal  waren wir etwas erstaunt, stellt euch vor ihr müsstet zur Besichtigung des Schloss Thun die Schuhe ausziehen. Aber man gewöhnt sich dran und vor allem gewöhnt man sich bei dieser Jahreszeit schnell an die dicken Socken anzuziehen.

 

Das Gebäude hat seinen typischen japanischen Charme. Alles ist aus Holz, die Zwischenwände aus Reispapier und der Boden mit Matten ausgelegt. Obwohl das Reispapier und die Matten erstaunlich gut isolieren, lassen die kalten Füsse doch schon bald einmal grüssen. Aber dieser Boden erklärt auch, weshalb Schuhe unerwünscht sind. Man würde ihn innert kurzer Zeit zerstören. Sehr eindrücklich ist auch wie spartanisch die doch relativ grossen Räume eingerichtet waren. Oder sind diese Schlösser und Häuser, welche man besichtigen kann einfach nicht mehr möbliert? Wir finden es nie 100% sicher heraus. Aber bekannt ist ja, dass die Einrichtungen immer sehr einfach waren. Gegessen und geschlafen wird am Boden, also wozu braucht man Möbel? Die Architektur ist sehr interessant und uns gefallen diese typisch japanischen Gebäude auch wenn sie irgendwie etwas langweilig sind, da sie immer leer sind.

 

Jetzt steht noch ein Tempel auf dem Programm. Immer wieder sind wir fasziniert wie kreativ die Japaner sind. Das fängt bei gewundenen Pfeilen an, geht über Gullideckel bis zu Toiletten Kennzeichnungen.

 

Kita-In Tempel

Dank den sehr detaillierten Pfeilen finden wir auch den Tempel noch. Viel dazu zu sagen gibt es nicht. Wir schlendern etwas durch die Anlage, den Garten und besuchen noch die Blumenausstellung. Die Bonsai Bäumchen sind faszinierend.

 

Udon

Der Hunger ist immer noch präsent, also gehen wir nochmals essen. Das zweite empfohlene Restaurant auf dem Plan (am Bahnhof) ist anscheinend der Knaller. Die Warteschlange ist unübersehbar, es gibt ein paar Stühle in einer Reihe und für alle anderen Stehplätze vor dem Restaurant. Wir stellen uns trotzdem an, die Verlockung ist einfach zu gross. Nach etwa 40 Minuten warten und stetigem vorrücken bis wir schliesslich auf den vordersten Stühlen sitzen, sind wir an der Reihe. Drinnen gibt es dann auch nur Platz für 12 Gäste.

 

Eine Speisekarte gibt es diesmal nicht, dafür einen Automaten nur mit Schriftzeichen. Dem füttert man Geld und drückt das gewünschte Essen. Wir nehmen einmal das Typische und einmal Ramen (Suppe) beides Spicy und ohne Extras – die einzigen beiden Menus und auch die vier Wörter die wir von der Bedienung, die uns geholfen hat, verstanden haben. Der Automat spuckt die Essens Bons aus, welche wir dem Koch in der offenen Küche übergeben. Während dem Warten hat Joli die essenden Menschen schon einmal etwas beobachtet also weiss sie genau was zu tun ist als das Essen kommt.

 

Wir erhalten eine Udon Nudelsuppe mit Schweinefleisch und viel Beigemüse inkl. einem Töpfchen Chili und eine grosse Portion Dip Nudeln. Der Dip ist bereits (wie gewünscht) spicy und besteht aus einer etwas dickeren Brühe auf Basis von Fisch. Schwer zu beschreiben aber es ist super köstlich. Der Oberhammer. Weltklasse. Und mega scharf – das Töpfchen extra Chili schieben wir weit weg. Wir schlürfen und schlabbern und schmatzen, die Nasen laufen, weil es so scharf ist, also schniefen wir auch wie es in Japan üblich ist, aber wir haben selten so gut gegessen. Wäre hinter uns nicht schon wieder eine lange Schlange hätten wir noch eine Runde bestellt. Beinahe feuerspuckend und kugelrund verlassen wir das Lokal und machen uns auf den Heimweg.

 

Gerne dürft ihr euch auch einmal eine japanische Toilette mit Panel und Anleitung zu Gemüte führen. Das geilste ist der Sound Knopf. Wobei bisher immer nur Wasserfall Geräusche kamen allerdings mal mit oder ohne Vogelgezwitscher.

 

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