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Mt. Fuji

Nach dem 4 Wochen USA Roadtrip beginnt nun unser 3 Wochen Japan Rail Trip. Auf Schienen statt auf der Strasse reisen wir einmal quer durch Japan. Den Mount Fuji einmal aus der NĂ€he betrachten, das wollen wir auch, deshalb aktivieren wir heute unseren Japan Rail Pass fĂŒr diesen lĂ€ngeren Tagesausflug ab Tokio. Ab sofort haben wir 21 Tage Zeit dieses Land zu erkunden. Unsere Route haben wir bereits in Mexiko detailliert zusammengestellt. Der Rail Pass hat uns fĂŒr beide ein halbes Monatsbudget gekostet, dafĂŒr können wir ticketlos und sorgenfrei fast alle ZĂŒge in Japan uneingeschrĂ€nkt benutzen, inklusive den Shinkansen HochgeschwindigkeitszĂŒgen mit gratis Sitzplatz Reservierung yeah.

Der erste Zug, den wir in Japan benutzen hĂ€lt gleich eine Überraschung bereit. Die Sitzreihen lassen sich per Knopfdruck um 180 Grad drehen, ziemlich cool, man fĂ€hrt hier also immer in Fahrtrichtung oder kann aus einer Zweierreihe ein Viererabteil machen. Ausserdem hat jeder Sitz ausserordentlich viel Platz. Erstaunlich die kleinen Japaner kommen sonst ĂŒberall mit viel weniger Platz aus, aber hier kann man beinahe die Beine strecken, herrlich.

Nach zwei Stunden im Zug sind wir endlich am Ziel, die ganze Anreise dauerte fast 3 Stunden. Vom Bahnhof aus fĂŒhrt ein kurzer Spaziergang an den Fuss eines HĂŒgels, zum Arakurayama Sengen Park. Schon vom Zug aus konnten wir den Fuji zum ersten Mal sehen – der ZugfĂŒhrer hat sogar extra ein Durchsage gemacht. Auf dem Weg zum Park können wir ihn ebenfalls betrachten. Wir haben ein irrsinniges GlĂŒck mit dem Wetter. Obwohl fĂŒr heute stark bewölkt und Regenschauer angesagt waren haben wir einen strahlend blauen Himmel mit Sonnenschein. Juhuuu!

 

Nach ein paar Treppenstufen erreichen wir eine kleine Tempelanlage mit einer erste super Sicht auf den Mount Fuji, um dann die nĂ€chsten 20 Minuten die restlichen Treppen den Berg hoch zu schnaufen. Aber erst einmal muss der schöne Berg fĂŒr ein paar Fotos herhalten. Er ist zum GlĂŒck sehr geduldig.

 

Der Rest des Anstieges ist ziemlich anstrengend aber es lohnt sich. Bei strahlend blauem Himmel und mit ein paar wenigen anderen Touristen kommen wir am Aussichtspunkt an. Die BlĂ€tter an den BĂ€umen strahlen in den schönsten Herbstfarben, der rote Turm leuchtet vor uns und im Hintergrund steht imposant der Mount Fuji. Was fĂŒr ein geiles Bild. «Es ist genau wie auf meinem Puzzle, dass ich zu Hause habe.», meint Joli. Dieser Ausflug hier her war trotz 3 Stunden An- und 3 Stunden RĂŒckreise Joli’s sehnlichster Wunsch fĂŒr diese Japan Reise.

 

Wir nehmen uns Zeit um Fotos zu machen und geniessen den Anblick. Es ist einfach wunderschön. Richtig majestÀtisch liegt der Fuji-san vor uns. Mit 3776 Metern ist dieser Vulkan der höchste Berg Japans. Joli ist Feuer und Flamme.

 

Die Ruhe hĂ€lt allerdings nicht allzu lange an. Bereits eine Stunde spĂ€ter ist der Ort sehr gut besucht unter anderem von Reisegruppen, welche mit dem Car unterwegs sind. Deshalb steigen wir noch bis ganz nach oben. Hier sehen wir sogar ein Warnschild betreffend BĂ€ren. Wir wussten gar nicht, dass es hier auch BĂ€ren gibt. Zum GlĂŒck wollen wir auch gar nicht weiter wandern sondern nur die Aussicht geniessen. 

 

Es wird Zeit fĂŒr den Abstieg. Die Sonne scheint nun je lĂ€nger je mehr aus der Richtung des Fuji auf uns und Gegenlicht ist nicht gerade optimal zum Fotografieren. Trotzdem machen wir auf dem Weg nach unten noch unzĂ€hlige Fotos. Wer braucht schon KirschblĂŒten wenn man solch farbenfrohes Herbstlaub vor der Linse hat.

Wir sind zwar noch nicht annĂ€hernd so lange hier wie die gesamte Reise dauert aber das macht nichts. Es war wunderschön und Joli’s Traum hat sich erfĂŒllt, also was wollen wir noch mehr?

 

Wir sind etwas frĂŒher dran als geplant, aber zum GlĂŒck können wir am Schalter die reservierten SitzplĂ€tze auf einen frĂŒheren Zug zu wechseln. In der Zwischenzeit versorgen wir uns noch mit ein paar Fleischspiesschen und Nudeln. Übrigens kann man in Japan fast ĂŒberall Stempel machen. Die Japaner stempeln alles ab. Die PĂ€sse oder Zugtickets. Jeder Stempel muss irgendwo drauf. Auch Joli will stempeln. Aber da wir den Platz im Pass noch brauchen, muss die (schon lange nicht mehr ganz so) weisse HĂŒlle ihres E-Book Readers hinhalten.

 

Disziplin & Respekt

Da der Anblick des Fuji-san uns etwas sprach- resp. schreiblos macht und wir euch aber nicht nur Bilder zeigen wollen haben wir noch ein paar faszinierende Tatsachen zu Japan fĂŒr euch.

 

An allen etwas grösseren Bahnhöfen findet sich an den Schaltern immer irgendjemand der ein paar Brocken Englisch spricht, mehr aber auch nicht. Beni hat irgendwo gelesen das die Angestellten neu jedoch in Englisch unterrichtet werden, weil im Jahr 2020 die nÀchste Sommer Olympiade in Tokio stattfindet.

 

Bei der Disziplin und dem gegenseitigen Respekt, welcher in diesem schönen Land herrscht, damit so viele Menschen auf engstem Raum ĂŒberhaupt miteinander auskommen, ist dies wahrlich eine ziemlich gute Idee. Irgendwer muss ja den AuslĂ€ndern erklĂ€ren können wie es in Japan lĂ€uft, damit nicht das Chaos ausbricht.

 

Auch wir mĂŒssen immer schauen das wir uns bestmöglichst in das hiesige System integrieren. Immer Links halten ist wichtig, sei es auf Rolltreppen, in UnterfĂŒhrungen oder auf dem Gehweg. Wenn man nicht auf einmal einen Strom Menschen auf sich zustĂŒrmen sehen will, sollte man sich dringend immer links halten, es sei denn es steht irgendwo etwas anderes geschrieben (kommt leider auch vor).

 

Gerade in der Rushhour sind unvorstellbar viele Menschen unterwegs, da wĂŒrde ohne diese Regeln keiner pĂŒnktlich am Ziel sein. Man stelle sich inmitten der Einheimischen nun noch gleichzeitig ein paar Tausend Olympia Touristen vor, welche ahnungslos wie wir es manchmal sind, herum irren. Chaos!

 

Das japanische System wird definitiv etwas herausgefordert. Aber da wir sie als absolute OrganisationsĂŒbermenschen erlebt haben, Beni ist von der Logistik und Organisation tagtĂ€glich begeistert, haben wir da keine Bedenken.

 

Der Rotz

Wie oft haben uns Mama, Papa oder auch die Grosseltern befohlen die Nase zu schnÀuzen wenn sie lÀuft?! Sicher unzÀhlige Male. «Hier hast du ein Nastuch, putz gefÀlligst deine Nase.»

 

Und was bringt uns das jetzt hier in Japan? Nichts als böse Blicke! Irgendwie sind wohl alle Kinder auf der Welt zu Beginn erst einmal Japaner. Zumindest was den Rotz angeht. Welches Kind zieht den Rotz nicht lieber rauf als zu schnÀuzen?

 

Hier in Japan ist es völlig normal den Schlabber, welcher aus der Nase raus will ordentlich hoch zu ziehen, egal ob flĂŒssig & durchsichtig oder eher grĂŒn & dick. Das schnĂ€uzen und verwenden eines Taschentuchs ist in der Öffentlichkeit verpönt (wie so vieles hier). Ein anstĂ€ndiger Mensch zieht den Rotz hoch oder zieht sich dafĂŒr wenn nötig auf eine Toilette zurĂŒck.

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