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Nikko

Senjogahara Marschland

Unsere Zeit in und um Tokyo geht zu Ende. Wir fahren für zwei Tage nach Nikko etwas weiter in den Norden. Heute Morgen haben wir uns von Toto verabschiedet, so hiess unsere Toilette, und sind nun am Bahnhof Ueno wo unser Shinkansen Zug um 06:26 los düst. Shinkansen ist der Name des Streckennetzes der Hochgeschwindigkeitszüge. Die unterschiedlichen Shinkansen Züge haben dann noch Namen wie Thunderbird, Hiaki oder Yamabiko usw. Hier sehen wir dann auch zum ersten Mal einen dieser Bullet Trains wie sie auch genannt werden. Das sind ziemlich coole, nicht hoch aber spitznasige Züge.

 

Während Beni die Züge bestaunt geht Joli wie üblich auf Futtersuche und findet tatsächlich noch die Tokio Bananen, die auf Benis kulinarischer Liste standen wir aber bisher nicht gefunden haben. Es handelt sich um ein Gebäck mit Bananen Joghurt Füllung. Naja viel verpasst hätten wir nicht aber so haben wir wenigstens ein Mini Frühstück.

 

Die Nase unseres Zugs ist dann nicht ganz so lang, trotzdem flitzen wir mit stolzen 235 km/h über die Schienen, wie Benis Messungen mit seiner GPS App ergeben.

Entsprechend sind wir auch ziemlich schnell und mit nur einmal umsteigen in Nikko.
Hier deponieren wir unser Gepäck im Hotel und besorgen uns am Bahnhof einen 2 Tagespass für die private Buslinie hier. Im Internet haben wir gestern bereits eine Wanderung ausfindig gemacht, welche wir heute noch machen wollen.

 

Über eine Stunde schlängelt sich der Bus den Berg hoch bis wir am Startpunkt unserer Wanderung ankommen. Es ist bewölkt und wenn nicht gerade ein paar Sonnenstrahlen durch die Wolken brechen ist es ziemlich frisch hier oben. Von weitem können wir sogar Schnee auf dem Gipfel eines Hügels ausmachen. Igitt, igitt!

Gleich zu Beginn, also nach etwa 150 Metern, kommen wir an ein Restaurant mit Souvenirshop vorbei. Sehr schön, hier gönnen wir uns zum Start eine heisse Schokolade und schauen uns den Wasserfall an. An diesem Wasserfall entlang gelangt man über eine lange Treppe an dessen Ursprung, den Fluss, von wo auch unsere eigentliche Wanderung startet. Bis hier sind noch einige andere Touristen unterwegs, die schauen sich aber nur den Wasserfall an, nur eine Handvoll geht weiter und schon bald sind wir alleine in der wunderschönen Natur.

 

Bambus- & Zedernwald

Der Weg führt uns durch einen Wald aus Bambus und Zedern. Es ist wunderschön. Solch einen Wald haben wir zuvor noch nie gesehen und das Beste ist wir haben ihn praktisch für uns alleine, da wir die wenigen anderen Wanderer haben ziehen lassen damit wir die Ruhe geniessen können. Es ist herrlich ruhig hier. Der Wind raschelt durch die Bäume und das hohe Gras und der Fluss plätschert gemächlich dahin, während die Sonnenstrahlen sich ihren Weg durch die Bäume suchen, herrlich. 

 

Marschland

Nach einer Weile erreichen wir ein Marschland, durch welches ein breiter Holzsteg entlang eines Flusses führt. Die Landschaft ist wunderschön, das goldgelbe Marschland, die Berge im Hintergrund und darüber der strahlend blaue Himmel. Hie und da ein Vogel der Zwitschert und sonst nichts als himmlische Ruhe. Naja zumindest bis uns eine Tour Gruppe entgegen kommt.

 

Wir suchen uns ein lauschiges Plätzchen für unser Mittagessen. Heute haben wir auch eine japanische Wandersnackbox dabei. Lange hält es uns aber nicht an dem Picknicktisch, denn es ist ziemlich frisch hier. Wir marschieren weiter und kommen erneut in einen Wald. Nun müssen wir uns entscheiden ob wir den direkten Weg zum Wasserfall nehmen oder die ein kilometerlange Schlaufe noch anhängen. Naja wirklich gelohnt hat sich der Umweg nicht. Das einzig spannende was wir gesehen haben ist ein junger Herr im Anzug mit Rollköfferchen – AUF DEM WANDERWEG! – hier gibt es wirklich alles was man sich nicht vorstellen kann.

 

Kurz nach diesem Phänomen stehen wir nun vor einem etwas grösseren Wasserfall. Also das Wasser fällt hier eigentlich gar nicht, es fliesst den steilen Hügel runter, weshalb Beni den Titel Wasserfall aberkennen würde. Zack, ein paar Fotos gemacht und weiter geht es. Das Wetter wechselt mittlerweile ständig zwischen heiss und kalt, je nach Wolken aufkommen. Dazu kommt noch der Aufstieg dem Wasserfall entlang. Uff.

 

Ungeschriebene Regeln

Noch eine kleine Info zum ÖV fahren in Japan. Essen und Trinken sind in der Öffentlichkeit zwar nicht verboten, aber verpönt. Wir haben am Morgen in der Metro schnell mal festgestellt, dass wir die einzigen mit einem Kaffee Becher in der Hand sind. Oder die einzigen die während dem Gehen ein Brötchen mampfen. Der einzige Ort wo gegessen wird sind die Shinkansen Langstrecken Züge.

 

Was dir aber überall in den ÖVs nahegelegt wird ist, dass du dein Handy auf lautlos stellst und nicht telefonierst. In den Zügen gibt es sogar eigens Zwischenabteile, wenn man telefonieren muss. Niemand, wirklich absolut niemand führt im Zug oder Bus ein Telefongespräch. Videos laut auf dem Handy anschauen oder laut Musik hören, wie es in Südamerika leider üblich ist? Gibt es nicht. Wir sind immer wieder fasziniert ab diesem Land und seinen vielen ungeschrieben Regeln.

 

Toshogu Schrein

Wir fühlen uns heute nicht besonders fit. Offenbar sind die winterlichen Temperaturen nicht mehr gewohnt und haben uns erkältet. Erst kurz vor 9 Uhr kommen wir aus dem Hotel. Wir lassen es ruhig angehen und nehmen den Bus an das Stadtende von Nikko.

 

Hier steht eine in ganz Japan bekannte Tempelanlage. Es ist viel los, Schulklassen und viele Einheimische aus Tokyo besuchen diese Anlage. So viele Menschen so früh am Morgen – unglaublich. 

 

Die ganze Anlage umfasst drei Tempel / Schreine. Der erste Tempel, an welchem wir vorbeikommen gleicht einer Baustelle. Dieser wird gerade ziemlich aufwendig restauriert. Die Hälfte des Tempels steht unter einer Stahlkonstruktion, an welcher man ein Bild des Tempels montiert hat - immerhin. Schade wir ziehen weiter und kommen zum Eingang der eigentlichen Anlage, die wir besuchen wollen. Wir bezahlen 2400 Yen Eintritt was etwa 23 Franken sind.

 

Dann geht wie immer das muntere Treppensteigen los. Eines ist auf der ganzen Welt gleich, nämlich die Art und Weise wie sich Menschen schnaufend und ächzend Treppen hochquälen, eine lustige Erkenntnis unsererseits. Wobei wir das Gefühl haben, dass die Asiaten generell noch etwas mehr pumpen als wir.

 

Der erste Wow Effekt folgt dann sogleich nach den Treppen. Wir befinden uns auf einem Platz und rundherum stehen eindrückliche Gebäude. Viele bunte Farben und Goldverzierungen sind überall zu sehen. Auch die Holzschnitzereien von Affen, Elefanten und Drachen sind eindrücklich. Hier ist die volle Ladung Japanischer Kultur in Form von Schreinen, Tempel und Pagoden auf einem Haufen vereint. 

 

Bei zwei dieser Gebäude müssen wir, wie alle anderen Besucher auch, unsere Schuhe ausziehen. Auch das Fotografieren ist teilweise nicht erlaubt. Auf leisen Sohlen sozusagen durchqueren wir das mystische Schrein Innere. An einer Stelle wird von den japanischen Besuchern knieend ein Gebet gehalten. Wir halten uns derweil etwas abseits davon im Hintergrund, da wir beide zum einen nicht Beten aber hauptsächlich, weil unsere Knie gar nicht fähig sind solange zu knieen. Wahnsinnig was die Japaner früher aber auch noch heute alles knieend machen.

 

Auch die schlafende Katze besuchen wir hier, eine Holzschnitzerei, welche wir erst gar nicht entdecken, die aber bekannt sein soll. Hm, naja. Die üppig mit Gold verzierten Tempel machen schon schön was her. Aber ganz anders als zum Beispiel katholische Kirchen wirken sie überhaupt nicht protzig und übertrieben. Wie fast überall kann man auch hier vor der Hauptattraktion ein Foto machen lassen. Sie machen sogar zusätzlich eines mit unserer Kamera und wollen uns aber dann doch noch das ihre verkaufen. Dummerweise ist beim zu verkaufenden Foto der Tempel im Hintergrund total unscharf und um den geht es doch eigentlich?! Also bitte in Zukunft die korrekte Blendenzahl verwenden. Tztzt.

 

Shynkio Brücke

Den dritten Teil der Anlage streifen wir ebenfalls nur von aussen. Wir sind überhaupt nicht fit und wollen noch die Brücke anschauen. Also sind wir kurz vor Mittag bereits wieder auf dem Weg zurück in die Stadt. Dabei spazieren wir erneut durch einen wunderbar herbstlichen Wald. 

 

Besonders in der Umgebung zum Fluss, welcher mit der uralten roten Brücke ein superschönes Bild abgibt ist noch viel von der Herbststimmung zu sehen. Die Brücke kann man gegen Bares betreten und sich darauf fotografieren lassen. Das soll anscheinend Glück bringen. Hm. Wir haben Hunger und investieren dieses Geld lieber in unsere Bäuche. Futtern muss man ja auch mal weshalb wir uns zur Vorspeise einen Reissbällchen Spiess kaufen und uns danach zwei grossen Tellern Nudeln mit Fleisch und Eiern sattessen. Wir sind bereits um drei Uhr zurück im Hotel um uns ein wenig zu schonen damit die Erkältung nicht völlig ausbricht. Wir sind total kaputt.

 

Am nächsten Morgen heisst es auch schon wieder Tschüss Nikko.

 

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