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Kamakura

Rush Hour

Auweiaa, wir fühlen uns nicht besonders aber the Show must go on. Drei Stunden im Zug und zwei Mal umsteigen stehen uns bevor. An der Tokyo Station steigen wir in einen Regionalzug um, der wie eine U-Bahn aussieht (rein von der Bestuhlung her), welcher uns nach Kamakura bringt. Wenn wir nicht gerade in einem der Shinkansen sitzen, wissen wir nie genau ob wir uns in einem Zug oder einer Metro befinden, denn sie sehen alle gleich aus. Entsprechend ist es mit dem Gepäck auch nicht wirklich praktisch, da die Ablagen über den Sitzen sehr klein sind. Und die Züge sehr voll! Es ist 8 Uhr und wir sind noch mitten in der Rush Hour. Wir fallen auf wie zwei bunte Hunde und nehmen auch fast keinen Platz in Anspruch im Pendelverkehr mit unseren riesigen Rücksäcken. Bereits nach 3 Stationen ist es aber immer weniger voll und der Rest der Fahrt ziemlich gemütlich.

Mit dem Taxi geht es zum Hostal, zu Fuss hätten wir wahrscheinlich ewig gesucht. Noch so benötigen wir einen Moment um festzustellen wo denn der Eingang sein soll. Von Aussen effektiv nicht als Hostal erkennbar, ist bei unserer Ankunft auch noch der Rollladen unten. Café, Rezeption und Hostal geschlossen?! Wir gehen ums Haus und klopfen dort. Auch nichts. Wir sind schon drauf und dran ein anderes Zimmer zu buchen, da kommt nach 5 Minuten aber die Rezeptionistin angefahren. Sie spricht einwandfreies Englisch (die erste Japanerin mit dieser Eigenschaft bisher) und wir dürfen unser Gepäck deponieren. Check In ist aber erst ab 15 Uhr und nicht schon um 10 Uhr morgens, wie sie uns wissen lässt und das obwohl alle Zimmer frei sind, denn am Vortag hatten sie keine Gäste, weshalb sie heute auch erst um 10 herkam. Tja das ist Japan: Regeln sind Regeln und werden eingehalten.

Zwei Häufchen Elend

Eigentlich kein Problem, es gibt hier genügend zu entdecken. Wäre da nicht die Tatsache das wir uns wie zwei Häufchen Elend fühlen und auch so aussehen. Wir haben keine grosse Wahl oder Lust, finden uns aber an der Touristeninfo ein und lassen uns quasi beraten. Es gibt eine 10 Kilometer Wanderung, welche alle Sehenswürdigkeiten in Kamakura abdeckt, wir entscheiden uns aber für die Bus Tageskarte.

Great Buddha & Hase-dera TEmpel

Als erstes besuchen wir die rund 13 Meter hohe Buddha Statue, sozusagen das Wahrzeichen von Kamakura. In einem hellen mintgrün thront der grosse Dicke da im Schneidersitz und scheint alle Besucher anzugrinsen. Kurz ein paar Fotos machen und viel mehr gibt es hier dann auch gar nicht zu sehen.

 

Ausserdem ist es solange die Wolken die Sonne verdecken bitterkalt und somit nicht ideal für unser Wohlbefinden. Wo dieser Satz herkommt ist uns ein Rätsel. Beni schreibt immer aktuelle Texte am selben Tag und Joli schreibt ihre erst kurz vor dem Aufschalten und fügt dann beide zusammen. Die Fotos beweisen aber ganz offensichtlich, dass wir erneut das schönste Wetter genossen haben. Zumindest Benis Köpfchen war wohl von der Erkältung ziemlich benebelt.

Als nächstes kommen wir wiedermal zu einer Tempelanlage. Der Weg für uns durch einen schönen japanischen Garten mit vielen kleinen Steinmännchen. Die Gebäude sind sich immer wieder ähnlich und wir sind auch nicht mehr ganz so aufgeregt wie am Anfang wenn wir wieder Tempel sehen. Naja Joli wagt hier zu wiedersprechen. Ist dieser Tempel doch ausnahmsweise einmal in schwarz/weiss statt rot und ohne goldenes Geschnörkel…

 

Hier gibt es aber zusätzlich noch eine kleine Höhle, welche nur mit Kerzen beleuchtet wird. Das ist mal was Neues. Sie ist zwar relativ klein und kurz und man muss aber an einige Stellen doch ziemlich den Kopf einziehen aber auf jeden Fall aussergewöhnlich.

 

Im kleinen Garten sehen wir dann auch wieder einmal ein paar der berühmten Koi Fische im Teich schwimmen. Also schwimmen ist übertrieben, es macht eher den Anschein, als würden sie sich unter der Brücke verstecken. Ab und zu schwimmt mal einer kurz hervor, wohl um die Lage zu analysieren nur um dann gleich wieder zu verschwinden. Vielleicht gibt es ein Restaurant um die Ecke, dass Koi auf der Speisekarte hat? Wer weiss…

Hokoku-Ji Tempel

Wir sind total kaputt, aber schleppen uns zum nächsten Highlight. Ein weiterer Tempel mit einem japanischen Garten, einem Bambuswald und einem Teehaus. Die Hauptattraktion ist hier ganz klar der Bambuswald. Der Garten ist sehr gepflegt aber für viele Blumen ist es leider schon zu kalt.

 

Der Bambuswald hingegen ist sehr schön anzusehen. Richtig faszinierend. An diesen touristischen Orten gibt es häufig viele Japaner (eher selten auch andere Touristen), welche sich die traditionellen Kimonos für einen Tag mieten. Wie bereits zuvor sehen wir auch hier einige Menschen in dieser Kleidung rumlaufen. Super für uns, denn wir finden die Fotos so nochmals viel interessanter. Das Teehaus ist dann eher so lauwarm, wahrscheinlich weil uns gerade nicht mehr ganz so kalt ist, die Sonne zeigt sich wieder mal. Und Benis Kopf scheint immer noch benebelt, war es doch bis jetzt wolkenfrei und erst seit kurzem ist es nun bewölkt und vor allem kalt – ein Tee hätte vielleicht nicht geschadet…

 

Tsurugaoka Hachimangu Schrein

Last but not least besuchen wir noch einen Schrein. Hier wird gerade eine Trauung durchgeführt. Eine ziemlich Menschentraube hat sich vor dem halboffenem Gebäude gebildet. Auch wir schauen interessiert zu, sind aber bald etwas gelangweilt von der doch eher tristen Feier. Nichts gegen die gute alte Tradition, aber das wäre nichts für uns, zu langweilig. Es ist alles irgendwie sehr stier und steif – sogar das Kleid wirkt  unbequem und die Gesichter der Brautleute wirken irgendwie auch nicht so wahnsinnig fröhlich.

 

Der Schrein selbst ist schön und auch die ganze Anlage drum herum aber wir sind mittlerweile einfach zu müde um noch Bäume auszureissen. Beim Ausgang kommen wir dann noch an einem Familien Foto Shooting vorbei, wo wir natürlich auch fleissig Fotos machen. Wir finden es wahnsinnig lustig wie die Leute hier bei Fotos immer das Peace Zeichen machen. Die Oma brachte uns echt zum Lachen und wir haben also auch schon Babys (also so 1 Jährige oder so) gesehen, die tatsächlich dieses Zeichen auch schon drauf haben wenn sie eine Kamera sehen. Wenn du das siehst, dann hast du also echt einen Lachanfall garantiert, dass sieht so geil aus.

 

Das mit dem Essen ist so eine Sache hier. Das haben wir irgendwie wieder einmal vergessen. Nachdem wir erfolglos zwei Restaurants gesucht und nicht gefunden haben gehen wir in das hinein, dass mit Steakhouse angeschrieben ist. Zu Essen gibt es heute Burger, da wir keine Energie für Experimente mehr haben.

 

Das Zimmer ist dann schon Experiment genug und das erst noch mit geteiltem Badezimmer – schon fast eine Zumutung. Zumindest für Beni.

 

Was ist was?

Schreine? Tempel? Pagoden? Was ist eigentlich was und wo ist der Unterschied.

 

Schreine oder besser gesagt Shint­o-Schreine befinden sich eigentlich nur dort wo Japaner leben oder lebten. Der Schrein dient der Verehrung einer einheimischen Gottheit. Der Shintoismus ist tief in der japanischen Geschichte und Kultur verwurzelt, während der Buddhismus aus China «importiert» wurde. Im Gegensatz zu westlichen Religionen ist eine Trennung aber nicht wirklich strikt und beide Religionen sind ein fester Bestandteil von japanischen Traditionen. Oft wird in Schreinen ein heiliger Gegenstand aufbewahrt. Tempel sind buddhistische Glaubensstätten.

 

Wie aber erkennt man den Unterschied?

 

Die Schreine haben ein Torii. Ein Eingangstor, das zuerst durchschritten wird. Durch die nicht so strikte Trennung gibt es aber auch Tempel mit Torii allerdings selten.

Bei den Tempeln hingegen findest du oft Friedhöfe oder Jizo Statuen, die die untoten Seelen in die Unterwelt bringen. Denn im Schrein wird geheiratet im Tempel jedoch wird man beerdigt. Du kannst auch die Japaner beim Gebet beobachten. In einem Schrein wird nebst dem Verbeugen auch zwei Mal geklatscht. Im Tempel nicht.

 

Pagoden sind mehrgeschossige, turmartige Bauwerke, die sich auf Tempelanlagen befinden. Sie dienten ursprünglich dazu Überreste erleuchteter buddhistischer Mönche aufzubewahren.

 

Die Reinigung der Hände und Mund mit Wasser wird bei beiden Religionen gemacht, sowie auch sonst viele Rituale, welche in den Tempeln respektive Schreinen stattfinden sich ähnlich sind.

 

Das einfachste Merkmal ist also: ein Schrein hat ein Torii und dient der Verehrung einer einheimischen Gottheit (Shintoismus). Bei Gebet wird geklatscht. Der Tempel dient der Verehrung Buddhas, hat eine Pagode oder einen Friedhof und in der Regel kein Torii und beim beten wird nicht geklatscht. Alles klar?

 

Bilder 1&2 Torii, Bilder 3&4 Pagoden.

 

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