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Kyoto I

Nächster Halt, Touristenhochburg Kyoto. Aufwachen – Joli hat nochmals herrlich geschlafen im Zug. Auch wir stationieren uns für ganze 5 Nächte hier. Unser gebuchtes Hotel entpuppt sich als Appartement mit eigener Waschmaschine, Küche und ganz viel Platz. Gut gemacht Beni. Wir können sogar schon mittags das Zimmer beziehen. Vom Rezeptionisten gibt es obendrauf noch eine Ladung Empfehlungen und dann ziehen wir los. Wir haben am Bahnhof einen Haufen Prospekte und Strassenkarten erhalten, welche wir in einem nahen Café erst einmal sortieren. Kyoto ist ziemlich gross und die unzähligen Sehenswürdigkeiten weit auseinander. Wir brauchen also einen Schlachtplan.

Mini Pilgerung

Unser heutiges Ziel ist ein Weg, welcher uns an etlichen Tempeln in der näheren Umgebung vorbei führt, mal schauen wie weit wir heute noch kommen. Der erste ist ziemlich weitläufig, der Kiomizu-dera Tempel. Nach so vielen Tempeln und Schreinen sind wir langsam ein wenig übersättigt. Es haut uns nicht mehr so sehr aus den Socken, zumindest Beni nicht aber Joli ist nach wie vor begeistert von den roten Gebäuden und den eleganten Damen in den bunten Kimonos.

 

Sannenzaka & Ninenzaka

Über den Sannenzaka und Ninnenzaka Loop laufen wir durch schmale, typisch japanische Gassen. Es ist voll. Voll mit Menschen, Souvenirs, Essensmöglichkeiten und einem ganzen Haufen weiterer Tempel. Wir klappern die genannten Tempel und Schreine pflichtbewusst ab aber betreten sie nicht, denn irgendwie haben wir wirklich ein bisschen eine Überdosis.

 

Als wir ungefähr in der Mitte des Weges sind, wird es schon langsam dunkel. Der Chion-in Tempel schliesst gerade seine Tore aber wir sehen, dass in knapp zwei Stunden ein Besuch bei Nacht möglich ist. Hm, wieso nicht, das wäre mal etwas anderes. Überbrücken wir die Zeit doch mit Abendessen?

 

Also suchen wir wie üblich ein Restaurant aus und finden es, wie ebenfalls üblich natürlich nicht. Joli ist etwas genervt ab dem ständigen Aufwand etwas zu Essen zu suchen, vor allem weil wir immer dann Hunger haben wenn die meisten Orte zwischen Mittag und Abendessen geschlossen haben. Also steuern wir einfach das nächste Restaurant an, Preis egal. Zu Erklärung, wenn Joli Hunger bekommt muss es schnell gehen ansonsten kann es für alle Beteiligten ungemütlich werden – «Haha – so schlimm ist es nun auch wieder nicht und zudem gab es ausser der schlabbrigen riesen Essiggurke heute auch noch nicht viel!».

 

Es ist ein typisches japanisches Restaurant. Die Schuhe werden ausgezogen und wir sitzen am Boden – immerhin auf so etwas wie Stühlen. Es gibt zwei Platten voller kleiner Häppchen, ein typisches Essen wie man es oft auch in einem Ryokan serviert bekommt. Und ja es ist ein teurer Spass - Joli hat sich etwas verrechnet und Beni war schon beim Anblick der Preise so mudrig, dass er einfach nichts mehr dazu gesagt hat anstatt zu intervenieren. Doch es erfüllt seinen Zweck, wir haben was gegessen – wenn auch nicht gerade viel. Dieses Essen (ca. 50.-), hält Beni Joli noch heute vor und wir sind mittlerweile schon zwei Länder und Monate weiter…

Chion-in Tempel

Die Warteschlage ist wie immer in Japan riesig, jedoch geht es, ebenfalls wie immer, rasch vorwärts. Mit kleinen Laternen ist der Weg beleuchtet, die Tempel werden mit Scheinwerfern angestrahlt, es sieht hübsch aus. Joli sieht auf einem Flyer, dass in einem der Tempelgebäude irgendeine Show stattfindet um 18:00, Beni sah da nur unlesbare Schriftzeichen. Wir ergattern uns die letzten zwei Sitzplätze, während der Tempel schon fast voll ist und viele am Boden knien – was eigentlich auch die normale Position ist in einem Tempel – aber für die alten Leute und uns nicht Japaner gibt es  Stühle. Juhuuuu! Unsere Knie danken Buddha.

 

Es kommt wie es kommen musste, auf einmal befinden wir uns als die einzigen nicht Japaner mitten in einer Gebetszeremonie. Der junge Mönch erzählt mit viel Witz ganz viele interessante Dinge und wir verstehen nicht das geringste. Aber irgendwie ist es trotzdem interessant und lustig – wie auch immer das möglich ist. Der ältere Herr an Benis linker Seite bemerkt unsere Sprachbarriere. Er ist so freundlich und übersetzt Beni den einen oder anderen Satz auf Englisch und wir stellen fest es ist tatsächlich eine interessante und lustige Rede.

 

Nach 30 Minuten endet unsere Visite mit gemeinsamen Trommeln und sich immer wiederholendem Mönchsgesumme (Sumi wasi sumi bumi humi wasi oder so) und der Mönch beendet das Ganze mit einem Paukenschlag. Irgendwie war es doch die Erfahrung wert und dieser Gesang am Schluss hat uns fast in Trance versetzt. Vielleicht sollten wir das in Zukunft in unsere Büro Jobs einbauen? Den Paukenschlag zum aufwecken aber bitte dann erst um 17:00 – danke.

 

Ca. eine Stunde lang schlendern wir bei leichter Kälte noch durch die beleuchteten Gebäude und den Garten, aber viel zu sehen gibt es nicht, denn es ist nur ein kleiner Teil der Anlage beleuchtet. Dafür sieht Beni ein Flughörnchen. Angestrahlt von den Scheinwerfern fliegt es wie ein kleiner Komet von Baum zu Baum direkt über die Köpfe der Menschen hinweg, die nichts davon bemerken.

 

Bevor wir zur Zugstation zurück gehen, werden wir noch von einer Gruppe Schulmädchen angesprochen. Die Unterhaltung ist echt witzig, sofern man es denn eine Unterhaltung nennen kann. Einzelne Wörter werden zwischen Beni und den Mädchen ausgetauscht und diese kichern was das Zeug hält. Seit diesem Gespräch hat Beni etwas Komplexe wegen seiner Nase, denn die Mädchen fanden es ganz offensichtlich, dass er Europäer sein muss – er habe eine soooo lange Nase!

Arashiyama

Heute wollen wir in ein Gebiet etwas ausserhalb des Zentrums und müssen den Zug nehmen. Nach einer gefühlte Ewigkeit kommen wir in Arashiyama an und folgen dem Wegweiser und vielen anderen Leuten zum Bambuswald. Die frühmorgendlichen Sonnenstrahlen, brechen durch die vielen Bambusstängel und tauchen den ganzen Wald in ein schönes Licht. Aber irgendwie können wir es heute nicht so geniessen. Wir sind das Sightseeing müde und haben nicht einmal gross Lust die Tempel und Gärten, die es hier zu sehen gibt, anzuschauen. Also laufen wir einfach etwas durch den schönen Bambuswald und dann weiter zum Fluss und geniessen die Farben der Natur.

Affenberg

Am Fluss setzten wir uns auf eine Bank und geniessen erst einmal unser Frühstück. Reissbällchen mit einer Thon / Mayo Füllung. Jetzt geht es uns schon etwas besser. Wir suchen den Affenberg und bezahlen den Eintritt unten am Eingang, bevor wir 20 Minuten den Hügel hochkeuchen.

 

Von hier oben hat man einen schönen Überblick über das Gebiet. Auch tummeln sich hier ganz viele hässliche Affen. Mit hochrotem Gesicht, ähnlich wie Joli manchmal (na schönen Dank auch!) und genauso leuchtendem Arsch, zum Glück nicht wie Joli (haha!) stolzieren die kleinen Racker umher. Es tollen auch viele kleine Babys herum.

 

Besucher hat es hier zum Glück nicht ganz so viele, wie unten am Fluss oder im Bambuswald, aber ist irgendwie logisch man muss sich ja auch 20 Minuten anstrengen um die Affen zu sehen. Während Beni es sich auf der Bank gemütlich macht und die Aussicht geniesst, geht Joli mit der Kamera auf Affenjagd. Die Affen leben hier frei, aber es hat einige Wärter die zum Rechten schauen und aus einem Haus hinaus, darf man die Affen mit artgerechtem Futter füttern. Das finden wir einmal eine gute Idee. So wissen die Affen, dass nur das Futter, dass es beim Haus gibt für sie ist und bekommen nicht Kekse und Eiscreme gefuttert und sie fangen auch nicht an, den Menschen ihr Essen zu klauen. Gut gemacht.

 

Auch die Regeln werden auf vielen Schildern immer wiederholt. Man soll nicht in die Knie gehen um zu fotografieren und den Tieren nicht in die Augen schauen. Anfassen ist sowieso tabu aber das dürfte wohl klar sein oder?! Nach einer Stunde haben wir dann aber auch genug von den Affen und machen uns an den Abstieg. Wir wollen noch den berühmten güldernen Tempel anschauen.

Kinkaku-Ji tempel

Nach über einer Stunde auf den Bus warten und danach in einem riesen Gedrängel nochmals eine Stunde im Bus sitzen, müssen wir auch noch umsteigen. Und alle steigen mit uns um. Es herrscht ein riesen Gedrängel und es wird gerempelt was das Zeug hält. Na das können wir auch. Proppenvoll fährt uns dieser Bus in einer weiteren halben Stunde zum Tempel.

 

Damit nicht alle über 7000 Tempel im Land gleich aussehen, haben sie sich hier etwas Besonderes einfallen lassen. Dieser hier ist nicht wie alle anderen Rot oder Schwarz, nein er ist komplett aus Gold. Sieht jedenfalls richtig cool aus finden wir. Die Sonnenstrahlen lassen das Gebäude und den See so richtig funkeln. Es sieht genial aus.

 

Eines scheint in jeder Religion gleich, das Streben nach Reichtum und Gold ist immer vorhanden. Und hier sehen wir zum ersten Mal wie die Menschen im wahrsten Sinne des Wortes ihr Geld wegwerfen. Bei allen Tempeln gib es unzählige Boxen wo man sein Geld wegwerfen kann aber hier wird richtig mit Geld um sich geschmissen. Es gibt ausserhalb der Wegzäunung viele kleine Schüsseln im Rasen oder vor kleinen Figuren. Irgendwie scheinen alle Gefallen daran zu haben zu versuchen ihre Münzen in diese Schüsseln oder auf diese Figuren zu werfen. Wahrscheinlich hat wieder irgendjemand behauptet, das bringe Glück. Sollten wir wieder einmal einen Garten haben stellen wir einen kleinen Buddha und eine Schüssel hin und erzählen überall rum, dass es Glück bringt, wenn man die Schüssel trifft. Mal schauen wie viel Geld so für die nächste Reise zusammen kommt? Wir behalten unsere Münzen schön beisammen und kaufen uns davon beim Ausgang ein Dampfbrötchen und eine Packung Wasabi Nüsse.

 

Wir sind fast 3 Kilometer von der nächsten sinnvollen Bahnstation entfernt aber wir laufen lieber, als dass wir erneut eine solche Höllenbusfahrt in Kauf nehmen. Unterwegs finden wir noch ein Café wo wir eine kurze Pause einlegen und so etwas wie ein Vermicelles essen. So gut wie bei uns ist es nicht und die Version aus dem 7/11 (Supermarkt) ist viel besser und günstiger. Im nächsten 7/11 kaufen wir unser Abendessen ein, für irgendwas haben wir ja eine Mikrowelle und wir haben keine Lust schon wieder ein Restaurant zu suchen und nicht zu finden. Günstiger ist es obendrauf auch noch.

 

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