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Nara

Todaiji Tempel

Schon von weitem ist es unübersehbar, das grösste rein aus Holz gebaute Gebäude der Welt (57x50x49 Meter – vor dem Neubau 1708 soll das Gebäude sogar noch einen Drittel grösser gewesen sein). Wir bezahlen die paar Franken Eintritt und stehen direkt davor. Es macht einen sehr mächtigen Eindruck. Das Haus gleicht einem Palast. Äusserlich ist es ähnlich aufgebaut wie andere Tempel auch, einfach die Dimensionen sind gewaltig. Durch die überdimensionierten Türen betreten wir das Innere und stehen in einer riesigen Halle. Und sie ist nicht leer. Hier werden wir von einem sitzenden 15 Meter hohen Bronze Buddha begrüsst (18 Meter mit Sockel), der den meisten Platz in Anspruch nimmt, er ist ja auch immerhin 452 Tonnen schwer, da braucht man schon etwas Platz. Ein ziemlich imposanter Anblick.

 

Daneben sitzen noch andere seiner Kollegen und im hinteren Teil der Halle stehen auf beiden Seiten je zwei Wächter, welche auch eine stattliche Grösse von je 8.5 Metern haben. Nach dem goldenen Tempel von gestern nun dieser Palast, wieder sind wir schwer beeindruckt. Wir versuchen ein Foto zu machen um die Grösse des Buddha irgendwie in einen Vergleich mit uns zu stellen, aber es ist fast nicht möglich, weil nicht alles aufs Bild passt. Das kleine Zelt hinter dem Buddha, wo Räucherstäbchen und sonstige religiöse Artefakte verkauft werden sieht aber auch schon winzig aus und uns sieht man kaum noch auf den anderen Bildern, während Beni neben dem dicken Pfeiler immerhin noch aussieht wie ein Zahnstocher.

 

Isuien Garten

Unser Rundweg durch Nara führt uns zum Isuien Garten. Auch dieser kostet ein paar Fränkli ist das Geld aber auch mehr als Wert. Nur eine Handvoll andere Besucher sind mit uns hier. Der Garten ist wunderschön gepflegt und riesig gross. Wir würden es wohl eher einen Park nennen als einen Garten. Ein kleiner See bildet das Zentrum, um welchen verschiedene Wege führen. Wir setzten uns erst einmal auf einen Stein und verdrücken unser Frühstück, während wir die schöne Aussicht geniessen. Das leuchtende Grün, Orange und Rot sieht fantastisch aus.

 

Auch das diesige Wetter kann der Schönheit dieses wunderbaren Ortes nichts anhaben. Im Gegenteil, die Farben scheinen in dem grau noch mehr zu leuchten. Zwei ältere Herren verwickeln uns in ein lustiges Gespräch und wir stellen wieder einmal fest; die Schweiz kennt hier praktisch jeder. Ausserdem können wir nun auch das Wort Schweiz auf Japanisch aussprechen was in etwa wie Suisö klingt.

 

Ein kleines Highlight sind ein paar letzte Kirschblüten, welche noch immer an einem Baum hängen. Erstaunlich ist die Saison doch schon längst vorbei. Auch die beiden Japaner betrachten die kleine Blüte und rufen erfreut immer wieder «Sakura, Sakura!». Zack, schon wieder ein Wort gelernt. Uns gefällt die japanische Sprache sehr. Sie ist relativ einfach auszusprechen, klar und verständlich und sehr melodisch wie wir finden. Vielleicht unser nächstes Projekt, wenn uns die Arbeit alleine dann wieder zu langweilig wird zu Hause.

 

Nigatsu-do Tempel

Unser Rundweg führt uns an weitere Tempel und vor allem unzähligen Rehen vorbei. Wir geniessen den Spaziergang durch diese riesigen Anlagen, vorbei an Tempeln, Gärten und Rehen sehr. Obwohl wir in einer Stadt sind ist es sehr erholsam und entspannend. Es sind auch viele Schulklassen unterwegs und die haben natürlich besonders viel Spass beim Füttern der Tiere. Immer wieder sehen wir einzelne Mädchen oder Jungs, welche umzingelt von Rehen fast überrannt werden, weil sie die begehrten Kekse zu auffällig in der Hand halten. Ein mega Gekreische und Gejauchze, rennende Kinder und Rehe überall wo man hinsieht. Wir amüsieren und prächtig.

 

Kasuga Taisha Schrein

Der Kasuga Schrein wartet mit vielen roten Toren und steinernen Laternen auf uns. Ein schöner Anblick. Der Weg führt uns vorbei an unzähligen Laternen und weiter durch den Wald. Unterwegs verschlingen wir uns Mittagessen, immer mit einem Blick über die Schulter, denn die Rehe sind sehr aufdringlich. Neben der Besichtigung der Tempel und Schreine, gehen auch Benjoli ab und zu auf Schmusekurs mit dem leckeren Rehpfeffer. Besonders Beni läuft immer wieder das Wasser im Mund zusammen - also wirklich wie pietätlos.  Es bleibt aber beim Fotografieren, wir vernaschen keines, im Gegenteil wir haben eher Angst, dass wir gefressen werden – aufdringliche kleine Tierchen sind das.

 

Bambi

Joli ist sicher, dass zumindest Beni nah dran ist von den Rehen vernascht zu werden, diese Blicke die er kassiert – unglaublich. Man könnte schon fast eifersüchtig werden. Die Tiere verschlingen ihn richtig mit ihren Blicken und immer wieder versucht eines an seinem Hintern zu knabbern.

 

Während Joli verzweifelt versucht hat ein Reh zu fotografieren, stellt sie fest, dass das Tier völlig fixiert auf einen Punkt starrt. Aha! Beni steht einige Meter weiter vorne und will heimlich Chips naschen. Das ist dem Reh nicht verborgen geblieben und es traktiert Beni respektive die Chipstüte mit intensiven Blicken. Erwischt. Heimliche Naschereien sind hier nicht möglich.

Wir kommen langsam wieder in die Nähe des Reh Parks wo wir ausgestiegen sind und die Anzahl der Rehe nimmt wieder Überhand. Sie sind wirklich überall und es hat auch viele Bambis. So süss. Während Joli eines fotografiert, fängt es herzzerreissend an zu fiepen und Beni fragt sich schon wieso Joli plötzlich so quietscht, so alt ist sie nun auch noch nicht das die Knochen ein bisschen in die Hocke gehen nicht mehr aushalten. Beni geht anstatt zu fotografieren lieber aus Schmusekurs mit dem neugierigen Rehkitz.

 

Trotz der vielen hungrigen Rehe um uns wagen wir uns an ein Experiment. Die Japaner sind richtige Schleckermäuler, im ganzen Lande sehen wir überall Glace Verkäufer und das im November. Und überall werden diese Glace verkauft wie warme Weggli. Wir hatten bisher einfach noch keine Lust auf Glace, uns ist es eigentlich zu kalt. Doch heute probieren wir mal eine. Wir haben aber auch wirklich die Qual der Wahl, denn dieser Verkäufer hat unzählige Sorten, wo es doch sonst meistens nur Vanille oder Matcha zur Auswahl hat. Wir versuchen die schwarze Sesam und die Marroni Glace. Schon alleine optisch ein Knaller sind sie zudem auch noch richtig lecker und verhelfen Beni zu einem Spielzeug.

 

Übrigens sehen wir heute nicht zum ersten Mal Coca Cola Plus. Wir fragen uns echt was, dass sein soll, haben aber Angst es zu testen. Cero Sugar und Plus Sugar? Ne danke, die normale Version ist schon süss genug, das Risiko gehen wir nicht ein. Da wird man ja schon dick vom Anschauen. Das Internet belehrt uns dann wieder einmal eines besseren, abartig finden wir es trotzdem noch. Gibt es das bei uns mittlerweile auch?

 

KOfuku-ji TEmpel

Der letzte Tempel für heute, wir sind müde. Und Beni ist ganz offensichtlich gelangweilt, er hat seine Nase mit dem Glace Papier nun offiziell verlängert und läuft nur noch so rum. Joli und die Japaner amüsierts. Wir schlendern nur noch etwas durch die Anlage. Bevor wir auf den anderen Seite rausspazieren sehen wir noch einen Mönch beten. Hier kann man Holzbrettchen kaufen und diese dann mit einem Wunsch beschriften. Der Mönch betet danach für diesen Wunsch und verbrennt das Holzstück. Das muss eine schweisstreibende Arbeit sein, schon vor dem Häuschen ist es extrem warm und wir nutzen das aus um uns etwas aufzuwärmen, bevor wir zum Bahnhof zurück laufen.

 

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